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Entwicklung der Handelsbilanz

Uebersicht des Reichswirtschaftsministeriums.

Berlin, 27. Dezember.

Das Reichswirtschaftsnnnifterium veröffentlicht eine Uebersicht über den Stand der wirtschaftspolitischen Bezie­hungen im Jahre 1931. In dieser Uebersicht heißt es u. a.:

Die Entwicklung der deutschen Handelsbilanz hat sich im Jahre 1931 entsprechend der starken Verringerung der Einfuhr und dem verhältnismäßig geringeren Umfang des Ausfuhrrückganges günstig gestaltet. Gegenüber einem Ausfuhrüberschuß von 1,6 Milliarden RM im Jahre 1930 betrug die Aktivität der deutschen Handelsbilanz in den Mo­naten Januar bis November 1931 bereits 2,6 Milliarden RM und wird demnach für das ganze Jahr 1931 dem Be­trag von 3 Milliarden RM ziemlich nahe kommen.

Soweit sich jedoch über die Weiterentwicklung fd)on jetzt ein Urteil fällen läßt, wird aller Voraussicht nach im nächsten Jahre ein Umschwung zuungunsten dieser Aktivität eintreten. Die weitgehende Preissenkung bei Rohstoffen und Lebensmitteln, die eine Verringerung der Einfuhrwerte:.nb eine steigende Aktivierung der Handelsbilairz zur Folge hatte, scheint sich allmählich ihrem Tiefpunkt stark genähert zu haben. Auf der anderen Seite wird sich die gleiche Be­wegung bei den Fertigwaren, deren Preise denen der Roh­stoffe immer erst in einem gewissen Abstande folgen, noch geraume Zeit auswirken und auf die Ausfuhrwerte drücken.

Außerdem wird die Preisgestaltung auf den Ausfuhr- märkten durch die überaus zahlreichen prokletioniftifchen Maßnahmen anderer Länder wie auch durch die Entwer­tung einer Reihe von Währungen auch weiterhin ungünstig beeinflußt werden.

Die fast überall auftretenden Einfuhrbeschränkungen werden die deutsche Ausfuhr in verstärktem Maße behin­dern, und der schon in der letzten Zeit sehr fühlbar gewor­dene Wettbewerb der Länder mit entwerteter Währung wird sich ebenfalls noch verschärfen. Der danach zu erwar­tende beträchtliche Rückgang der deutschen Ausfuhr wird sich auch nicht etwa in vollem Umfange durch eine weitere Einschränkung der Einfuhr ausgleichen lassen. Dem steht im Wege, daß Deutschland auf den Bezug einer großen Menge wichtiger Rohstoffe und Lebensmittel aus dem Aus­lande angewiesen ist, und daß die Einfuhr sich gegenüber den letzten Jahren schon außerordentlich stark verringert hat. Ein weiterer Rückgang wird nur in beschränktem Um­fange möglich sein.

Unter diesen Umständen ist für das nächste Jahr eine wesentliche Verschlechterung der Handelsbilanz zu erwar­ten. Diese Entwicklung wird auch durch weiteren Ausbau des Handelsvertragssystems, der nur in verhältnismäßig engen Grenzen möglich sein dürfte, nicht aufzuhalten sein.

Notwendige Reformen.

Schullastenverteilung in Preußen.

Berlin, 27. Dezember.

Die Denkschrift der Oberrechnungskammer über die Rechnungsprüfung für das Haushaltsjahr 1929 befaßt sich ausführlich mit der Reformbedürftigkeit der gegenwärtigen Schullastenverteilung in Preußen.

Es wird u. a. ausgeführt: Auch für das. Rechnungsjahr 1929 find wieder zahlreiche Fälle festgestellt worden, in denen Schulverbände sich die für staatsbeitragsberechtigte Schulstellen erforderliche Mindestzahl an Schulkindern künstlich dadurch verschafft haben,

daß sie sich für eine kurze Zeit vor und nach dem Sttch- tag die fehlenden Kinder aus anderen Schulverbänden haben kommen lasten in einem Falle sind sogar Ge­suche um Zuzug schulpflichtiger Kinder in der Tages- presse veröffentlicht worden.

Für das Rechnungsjahr 1929 sind in insgesamt 106 Fällen unrichtige Angaben der Schulverbände ermittelt worden. Infolgedessen sind rund 277 010 RM Beschulungsgeld zuviel gezahlt und rund 131 730 RM zu wenig vereinnahmt wor­den. Ferner sind bei einer Regierung in den Jahren 1924 bis 1930 in 31 Fällen Mehrstellen zu wenig und in 10 Fäl­len Mehrstellen zuviel berechnet worden. Infolgedessen hät­ten Schulstellenbeiträge in Höhe von 38 589 RM zur Lan- desschulkasse eingezogen werden müssen, während aus dieser Kasse 10 d22 RM an die Schulverbände zurückzuzahlen 1 waren.

Insgesamt sind für das Rechnungsjahr 1929 auf dem Gebiete der Schulverwaltung infolge von Erinnerungen der Oberrechnungskammer zuviel gezahlte Beträge in einer Ge- iamthöhe von rund 600 000 RM wieder eingezogen worden.

Die Oberrechnungskammer kann daher nur an ihrer wiederholt ausgesprochenen Ansicht festhalten, daß eine Ver­einfachung der Volksschullastengesetzgebung dringend gebo­ten erscheint.

Die Wett in Waffen.

Am Ende des Jahres 1931.

Berlin, 27. Dezember.

24 Staaten haben dem Völkerbund amtliche Veröffent- lichungen über den Rüstungsstand 1930'31 zugehen lasten. Diese Uebersichten ergeben ein charakteristisches Bild für die Höhe des gegenwärtigen Rüstungsstandes.

Nach dieser Uebersicht, bei der allerdings Sowjetbußland fehlt, besitzt das stärkste Heer Frankreich, und zwar beträgt die Stärke des aktiven Heeres mit den Luftverbänden und den militärisch organisierten Verbänden 692 366. Dazu kom­men 4,5 Millionen ausgebildete Reserven. Das zweitstärkste Heer weist Italien auf mit rund 500 000 Mann. Es folgt dann Polen mit 330 000 Mann und 2,5 Millionen ausgebil­deten Reserven. Rumänien verfügt über ein Heer von 315 000 Mann, England über ein solches von 304 000 Mann, Amerika 154 000, die Tschechoslowakei 140 000 Mann. Das belgische Heer zählt 88 000 Mann, das deutsche Heer ist mit 100 000 Mann nur wenig stärker.

Für Deutschland gegen Frankreich.

Annahme des Hoover-Morakoriums im Senat.

Washington, 27. Dezember.

Der Senat hat nach elfstündiger Aussprache das hoo- ver-Moratorium mit 69 gegen 12 Stimmen ratifiziert. Die vom Repräsentantenhaus beschlossene Zusatzerklärung, die sich gegen künftige Revision oder Annullierung der Kriegs­schulden wendet, wurde vom Senat ohne jede Erörterung gebilligt. Die Moratoriumsvorlage hat damit Gesetzeskraft erhalten.

Fast alle progressistischen Senatoren stimmten gegen das Moratorium, und sie waren fast die einzigen, die vor mehr oder weniger leeren Bänken die angegebene Zeit hin­durch sprachen.

Ihre Angriffe richteten sich nicht gegen Deutschland oder gegen die dem Moratorium zugrundeliegende Abwehr einer deutschen Finanzkatastrophe, sondern gegen Frank­reich, das unverdient von dem Moratorium profitiere, und gegen Hoover, der verfastungswidrig über die Finanzen der

Union im Interesse des Auslandes verfüge, sich «Bei *. weigert habe, die gleiche Hilfe den bedrängten eigenen Landsleuten durch Einberufung einer außerordentliche« Session des Kongresses zu verschaffen.

Sie beantragten daher verschiedene Zusätze, die jedoch alle abgelehnt wurden. Ein Antrag wollte in die vom Repräsentantenhaus und vom Ausschuß hinzugefügte Ver­wahrung gegen eine Festlegung auf Verminderung oder Streichung der alliierten Schulden eine Erklärung gegen weitere Moratorien einfügen, ein anderer Antrag wollte das Moratorium erst in Kraft treten lassen, wenn die Al­liierten Deutschland Die Mandatskolonien zurückgegeben hät­ten, ein weiterer Antrag verlangte die Abrüstung Europa? und einer ein gleiches Moratorium für die notleidenden amerikanischen Farmer.

Schließlich beantragte Senator Shipstead die Einfü­gung einer Erklärung, daß Amerika die Behauptung des versailler Vertrages über Deutschlands Alleinfchuld feierlichst als falsch verwerfe.

Auch dieser Antrag mußte abgelehnt werden, ohne daß diese Abstimmung eine sachliche Stellungnahme des Senats bedeutete; denn jede Aenderung des Textes hätte zur Folge gehabt, daß die Vorlage an das Unterhaus hätte zurück­gehen müssen, und weitere kostbare Zeit wäre mit der Debatte hierüber verloren worden.

Rundfunk-Nachrichten.^ - ~

Jeden Werktag wiederlehrende Programmnummern: 6.15 Wettermeldung, anschließend Morgengymnastik I; 6.45 Mor­gengymnastik II; 7.15 Wetterbericht, anschließend Frühkon- zert; 7.55 Wasserstandsmeldungen; 12 Wirtschastsmeldungen; 12.05 Unterhaltungskonzert; 12.40 Nachrichten; 12.55 Nauener Zeitzeichen; 13 Konzert; 13.50 Nachrichten; 14 Konzert; 14.15 Wetterbericht; 15.05 Wirtschastsmeldungen; 17 Wirtschafts- meldungen; 17.05 Nachmittagskonzert; 18.30 Wirtschaftsmel­dungen; 19.30 Nachrichten.

Montag, 28. Dezember: 18.40Charakterbildung", Vortrag: 19.05 Englischer Sprachunterricht; 19.35Musikalische Grund­begriffe", Vortrag; 20.05 Sonder-Symphonie-Konzert; 21.05 Kurze Prosa, Vorlesung; 22.20 Nachrichten; 22.35Kellner und Gast", soziale Begegnungen.

Dienstag, 29. Dezember: 15.20 Hausfrauenstunde; 19.05 Stunde der Arbeit, Vortrag; 18.40 Juristischer Vortrag; 19.45 Unterhaltungskonzert; 20.30 Im Fluge um die Welt; 21.15 Konzert; 22.20 Nachrichten; 22.40 Tanzmusik.

Mittwoch, 30. Dezember: 15.15 Jugendstunde; 17 Wirt- schaftsmeldungen; 18.40 Vorlesung; 19.05 Pädagogischer Bor- träg; 19.45 Unterhaltungskonzert; 21.15Hilf Dir selbst," Hörspiel; 22.20 Nachrichten; 22.50 Kunstnachrichten.

Donnerstag, 31. Dezember: 15.30 Jugendstunde; 18.40 Aus dem Skizzenbuch"; 19.05 Astronomische Plauderei; 19.45 Ballgespräche; 20.45Kaleidoskop 1931; 21.15 Nachrich­ten; 23.30 Bunter Abend.

Freitag, 1. Januar: 8.15 Morgenfeier; 11.30 Neujahrs­kantate; 12 Konzert; 15 Jugendstunve; 16 Nachmittags­konzert; 18 Eine Viertelstunde Lyrik; 18.20 Die Dämmer­stunde; 18.50Dichter, Weltreisender, Sportsmann", Ge­spräch; 19.20 Sportnachrichten; 19.30 Kammermusikstunde; 20 Deutsche Humoristen; 20.30 Neujahrskonzert; 22.30 Nach­richten; 22.50 Tanzmusik.

Samstag, 2. Januar: 13.50 Spar-Werbevortrag; 15.15 Jugendstunde; 18.35 Stunde der Arbeit; 19.05 Spanischer Sprachunterricht; 19.45 Jazz-Improvisationen; 20.15 (aus Freiburg):Der Zigeunerbaron , Komische Oper; 22.30 Nach­richten; 22.50 Tanzmusik.

Die vomRauhen Grund".

Roman von Paul Grabein.

Romandienst DIGO Berlin W. 30.

54) (Fortsetzung.)

Ein unbehagliches Gefühl beschlich Marga. Das hatte sie ja nicht gedacht, daß es jetzt hier oben solch Volk gab! Und sie kehrte rasch um. Schnelleren Schritts eilte sie zurück. Sie war indessen noch nicht allzu lange gegangen, als mit einem Male rauhe Laute von vorn an ihr Ohr schollen, von Menschen, die ihr entgegen- kamen. Rohes Lachen, Stimmen in einer fremden Sprache, und nun wurden vor ihr drei Männer sicht­bar. Wenig anheimelnde Gesellen in verschlissenen Anzügen, auf dem Kopfe hohe Lammfellmützen, über den Schultern Schaufeln mit einem Kleiderbündel dar- an. Offenbar ausländische Arbeiter drunten von der 'Talsperre. Von neuem sprang da der Schreck in Mar? ga auf. Sie schutzlos hier mit diesen wüsten Gesellen und angetrunken schienen sie obenein auch noch!

Unwillkürlich blieb Marga stehen und blickte ängst­lich auf die Ankömmlinge. Die wurden nun auch ihrer ansichtig und verstummten. Ihre stechenden, unstäten Augen hefteten sich auf sie. Erst staunend, dann be­gehrlich. Eine Frau, und gar eine reiche, schöne ganz allein hier im Walde!

Schweigend blickten sie einander an. Ein unheim­liches Glühen entbrannte in ihren Augen, und lang­sam kamen sie näher.

Voller Entsetzen durchfuhr es Marga. Sie warf sich herum und wollte den Weg, den sie gekommen, zu­rücklaufen. Aber gleich beim ersten Schritt schrak sie jäh zurück. Auch dort drohte ja gleiche Gefahr. Also ein Entrinnen unmöglich, und hinter ihr jetzt das höhnische Auflachen der Unholde!

Die Angst der Verzweiflung entpreßte ihr einen schrillen Schrei. Aber als Antwort nur wieder jenes grauenhafte Lachen, ganz nahe schon. Und jetzt griff eine Hand nach ihr, eine ekle, schmutzstarrende Hand, tierisch behaart.

Wie eine Irrsinnige gellte sie da noch einmal auf, daß selbst der Angreifer hinter ihr unwillkürlich abließ.

Doch diesmal kam eine andere Antwort. Das laute Aufbellen eines Hundes, nun der Zuruf einer Mannes­stimme, und jetzt brach es seitlich neben ihr durch den Wald. Erst ein brauner, hochläufiger Jagdhund, dann sein Herr der Jäger von vornhin und nun er­kannte sie ihn: der Neffe des alten Herrn von Grund.

Was geht hier vor?"

Schützen Sie mich, um Gottes willen!" Dicht drängte sich Marga an ihren Retter.

Eberhard von Selbach kehrte sich gegen ihre Be­dränger.

Zurück! Auf der Stelle oder!"

Und er erhob drohend *« Buchs«-

Da wichen die drei langsam zurück, murmelten ein paar unverständliche Worte und verschwanden alsbald im Walde.

Gesinde!!"

Verächtlich sah Selbach ihnen nach. Dann wandt« er sich Marga zu.

»Ich freue mich, meine gnädige Frau, daß ich Ihnen einen kleinen Dienst erweisen konnte. Aller­dings nur ein glücklicher Zufall. Wäre ich nicht gerade dort oben im Eichenschlag gewesen "

Marga schüttelte noch einmal ein Grauen. Aufge­regt streckte sie ihm beide Hände entgegen.

Wie soll ich Ihnen nur danken?'

Selbach führte ihre Linke an seine Lippen.

Wie gesagt, ich schätze mich glücklich aufrichtig glücklich."

Sein Blick streifte ihr schönes Antlitz, in der Erre­gung doppelt reizvoll, und seine Hand preßte leise die ihre, ehe er sie wieder freigab. Doch dann glitt sein Auge verwundert an ihrer kostbaren Robe hinunter.

Aber wie kommen Sie auch nur hierher, meine gnädigste Frau?"

Sie klärte ihm alles auf. Dabei schritt sie langsam an seiner Seite den Weg nach Rödig zurück.

Selbach hörte ihr aufmerksam zu. Aufs lebhafteste gefesselt von ihrer Erscheinung, ihrem ganzen Wesen. Es ging ihm ganz wie damals, als er sie kennen ge­lernt hatte beim Begräbnis ihres Vaters. Und in Er­innerung daran sagte er jetzt:

Es ist lange her, seit wir uns das erstemal sahen. Es war ein trauriger Anlaß damals."

Sie nickte und wurde ernster. Dabei fiel ihm auf, daß sie noch immer blaß aussah von dem ausgestan­denen Schrecken. Vorsorglich bot er ihr da seinen Arm.

Sie sind sicher angegriffen, meine gnädige Frau darf ich mir erlauben?"

Dankend nahm sie an. Sie fühlte sich in der Tat nicht gut. Ihre Knie zitterten noch beständig, und von Zeit zu Zeit rann ihr ein Schauer über den ganzen Leib. Er fühlte es, wie er sie jetzt stützte, und unwill­kürlich drückte er dann jedesmal ihren Arm ein wenig gegen den seinen, um ihr einen besseren Halt zu geben. Sie ließ es ruhig geschehen und lehnte sich wirklich in solchen Augenblicken fester auf ihn, so daß er an seinem Arm ihre Schulter fühlte. Dazu der Hauch ihrer Nähe, ihres zart schmeichelnden Parfüms es überrieselte ihn jedesmal. Ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl. Wußte er denn überhaupt noch, wie es war, wenn sich ein weicher Frauenleib an einen schmiegte?

Und Eberhard von Selbach umgab so auf diesem einsamen Waldgang die fremde Frau mit all der zar­ten, ritterlichen Aufmerksamkeit, die daheim in seinem eigenen Hause nicht gewertet ja, als lästig empfun­den wurde.

Als sich Marga Steinfiesi

VW ihm verabschiedete, dankt

Als sich Marga Steinfiefen in der Nähe des Ortes PW M» tzexabschiedete, dankte ihm ein langer Blick aus

ihren dunkeln Augen und ine Aufforderung, wenn sein Weg ihn einmal nach der Hauptstadt führe, doch bei ihnen vorzusprechen. Ihr Mann werde sich freuen, ihm noch persönlich für seinen Schutz zu danken.

*

Eke war jetzt viel allein. Ihr Mann war oft ver­reist, in der Stadt, wo er Geschäfte hatte.

Eberhard von Selbach sagte damit nicht die Unwahr­heit. Er hatte, als er seinen ersten Besuch bei Stein- siefen machte, dort auch Margas Bruder getroffen. Es war dabei viel von den großen Unternehmungen Hermann Reuschs die Rede gewesen, und schließlich hatte sich, nach wiederholtem Zusammentreffen, Selbach bestimmen lassen, auch seinerseits einige Anteile der Baugenossenschaft zu erwerben. Es schien ja in der Tat da ein gut Stück Geld zu verdienen zu sein. Aber, wak ihn mehr galt: die geschäftliche Verbindung mit dem Bruder o^ab ihm den willkommenen Anlaß, der Schwester häufiger nahe zu sein.

Marga ihrerseits sah ihn auch nicht ungern kommen. Doch endlich ein Mann der großen Welt, der sie mit seiner Aufmerksamkeit auszeichnete! So fand Eberhard von Selbach ein unausgesprochenes Entgegenkommen bei seinen Besuchen, das ihn bald immer tiefer ein- spann mit seinem verführerischen Bann. 1 sein eigenes Haus, mehr und mehr.

Eke empfand diese Einsamkeit als eine Wohltat. In der Nähe ihres Mannes bedrückte sie etwas wie ern Schuldgefühl, trotzdem sie sich immer wieder laut zurref: Er hatte ja gewußt, was ihn erwartete. Aber rn den stillen Stunden durchwachter Nächte mußte sie es sich bekennen: Es war doch auch in ihr das tiefe Sehnen des Weibes. Nur dem, der den Namen ihres Gatten trug, war es nicht beschieden, es zu smllen. Aber ein anderer war da, wenn ihr das Schicksal den gelassen hätte!

Das war es, was auf Ekes Stolz lastete. War das nicht schon wie ein trübender Anhauch der Sünde?

Um sich selber zu entfliehen, hatte sich Eke mit ernster Hingabe ir 'der ihrem wohltätigen Wirken ge­widmet. Es füllte ,.e ganz aus. Nur be^n ,,nd wann trieb sie es einmal auch wieder hinauf in die Berge. So war alles wie früher, als sie noch Mädchen war. Oft erschien es ihr selber wie ein Traum, daß sie Frau sein sollte, wenn sie so allein durch den Wald schweifte. Erst die Heimkehr in das dunkle, graue Haus drunten erinnerte sie an die Wirklichkeit.

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uchbruckerel H. Gleinfelb Söhne Schlüchteruer geitung (Kreisamtsblatt).