chluchtermr Zeitung
Kreis-Kmtsbtatt * Allgemeiner amtlicherKazeiger für Bm Kreis Schlücht
* 4 I
Nr. 144
(1. Blatt)
Dienstag, den I. Dezember 1931
83. Iahrg
Stattliche Bekanntmachungen Landratsamt.
Betrifft: Brotgefe^.
Die Ausführung meines Runderlasses vom 31. August 1931 — 1 42122 —, betr. die Angabe des Gewichts auf dem in Packungen zum Verkauf gelangenden geschnittenen Pumpernickel ersuche ich bis auf ^weiteres auszusetzen. Die Frage, ob geschnittener Pumpernickel in Packungen unter die Vorschrift N § 2 Rbs. 2 Satz 2 des Brotgesetzes in der Fassung vom 9. 3uni 1931 (Reichsgesetzbl. I $. 335) fällt, ist Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens,' dessen Busgang ist zunächst abzuwarten.
Ich ersuche, vorstehendes in geeigneter Weise zur Kenntnis der beteiligten Kreise zu bringen und die Polizeiverwal- tungen umgehend mit RnWeisung zu versehen.
Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
*
Wird veröffentlicht.
Der Runderlah vom 31. August d. 3s. ist in der Schlüch- terner Zeitung Hr. 112 bekanntgegeben worden.
Schlächtern, den 29. November 1931.
Der Landrat. 3. v.: Duwe.
Diejenigen GrtspolizeibeHorden, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom'24. Februar 1927 — 3.»Hr. 1244 — Schüchterner Zeitung Nr. 26 — betr. Bekämpfung der Rückenplage, noch im Rückstände sind, werden an deren alrbaldige Einsendung erinnert.
Schüchtern, den 24. November 1931.
Der Landrat. 3. v.: Duwe.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Betr. Eichung.
3n der Zeit vom 8. Dezember bis einschl. 15. Dezember ich Js. findet eine Nacheichung der Maße, Waagen und'Ge- wichte im Saale „Zum weißen Roß" statt, zu der alle eich- pflichtigen Gerätschaften vorzulegen sind.
Die genaue Eichzeit wird den Pflichtigen durch besondere schriftliche Mitteilung bekannt gegeben.
Richtvorlage der eichpflichtigen Gerätschaften hat Bestrafung zur Folge.
Steinau, den 27. November 1931.
Der Bürgermeister als Grtspolizeibehörde: Dr. Kraft.
Bekanntmachung.
8etr. Winterhilfe.
2m Rnschluß an den erfolgten Rufruf des Herrn Dor» sitzenden des Rreisausschusses Schlächtern, erfolgt in den nächsten Tagen die Haussammlung und daran anschließend die wöchentliche Rbholung der Pfundsammlung.
Der Teil der Einwohnerschaft, der noch in der Lage ist für die Winterhilfe etwas gu geben, wird gebeten, sich in die Liste der Sammler einzeichnen zu wollen.
Die Stadt sagt allen denen, im Hamen der Rllge- Einheit ihren Dank, die mithelfen die katastrophale Notlage weitester Devölkerungskreise wenigstens etwas zu lindern.
Steinau, den 26. November 1951.
Der Bürgermeister: Dr. Kraft.
Bekanntmachung.
Km Dienstag, den 1. Dezember ds. 3s. findet in der Ren= Klei eine Mütterberatung statt.
Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten.
Steinau, den 28. November 1931.
Der Magistrat. Dr. Kraft
Kchwrrr Schlägerei zwischen poMtscheu-Gegnern. 20 Verletzte.
WTB. Rue, 30. 11. Rm Sonntagnachmittag kam es M der Staatsstraße Rue-Schneeberg zwischen ungefähr Keichsbannerleuten, die sich mit mehreren Lastwagen der Fahrt zu einer antifaschistischen Kundgebung in befanden, und etwa 100 Nationalsozialisten, die sich ?ul einem Propagandamarsch von Rue nach Gberschlema befanden, zu einer Schlägerei, bei der es auf beiden Seiten
20 verletzte gab. Drei Nationalsozialisten wurden schwer verletzt und einer davon in das städtische Kran= «enljaus Rue, die beiden anderen in eine Privatklinik ?mgeliefcrt. Rus Zwickau traf noch im Laufe des Nach- • ^ütags der Staatsanwalt in Rue ein, um die Untersuchung über die Schuldfrage aufzunehmen. Regierungsamtmann urippner (Rreishauptmannschaft Zwickau), dem die 3wik- «auer Reichsbannerleute unterstanden, wurde gleich nach dem Vorfall von der Schneeberger Gendarmerie zivccks Oernehmung fcftgcnommen, da er nach Zeugenaussagen den Befehl zum Angriff auf die Nationalsozialisten gegeben haben soll.
Oberreichsanwali beaniragi:
Einleitung dir gerichtlichen Voruntersuchung wegen des hessischen Dokumente.
In der Angelegenheit des Boxheimer Dokument» hat nunmehr der Oberreichsanwali die Eröffnung der gerichtlichen Voruntersuchung wegen Vorbereitung zum Hochverrat beantragt. Zum Untersuchungsrichter bestellte der Präsident des Reichsgerichts den Reichsgerichtsrat Zoeller.
Aus Darmstadt liegt eine Meldung vor, nach der der hessische Iustizminister den Gerichtsasfessor Dr. Best mit sofortiger Wirkung außer Verwendung gesetzt hat. Die amtliche Mitteilung darüber schließt mit dem Satz: „Dr. Best kehrt nicht mehr in den hessischen Iustizdienst zurück."
Ferner wird aus Darmstadt eine längere
Darstellung der hessischen amtlichen Pressestelle
verbreitet. Darin wird u. a. ausgeführt:
„1. Die in Frage kommenden Dokumente sind nach dem (Ergebnis der Ermittlungen ganz zweifellos nicht nur eine Privatarbeit des nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Dr. Best. Sie sind das Ergebnis von Besprechungen, die sich auf einen längeren Zeitraum erstreckten. U. a. haben an der Schlußbesprechung auf dem Boxheimer Hof allein vier Abgeordnete teilgenommen.
2. Die Behauptungen, daß die Haussuchungen ergebnislos verlaufen feien, ist völlig aus der Luft gegriffen."
3. Dr. Best ist als Leiter der Rechtsabteilung des Gaues Hessen Mitglied der Gauleitung des Gaues Hessen und als solches au der Führung der Partei maßgebend beteiligt."
Die ^Mordiiste" war gefälscht.
Die sozialistische „Münchener Post" hat am 25. November eine sogenannte „Mörderliste" veröffentlicht, in der Namen von Persönlichkeiten stehen, die angeblich von den Nationalsozialisten besonders verfolgt werden Die Münchener Polizei hat nun wegen dieser Liste eine Haussuchung im Braunen Haus vorgenommen Dabei hat sich nach Mittei-
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gestellt. daß ein gewisser Friedrich Säbel die „Mörderliste
fabriziert, Unterschriften gefälscht und dann das ganze verkauft hat.
Eine Erklärung GchäferS.
Der hessische Landtagsabgeordnete Schäfer, der da? Box- heimer Dokument den Behörden übergab, veröffentlicht in der „vossischen Zeitung" eine längere Erklärung, in der er sich mit den gegen ihn von seinen früheren Parteifreunden erhobenen Vorwürfen auseinandersetzt. Schäfer stellt fest, daß keine Bank auf der ganzen Welt gegen ihn jemals einen Strafantrag wegen Wechselfälschung gestellt habe, sein Mandat habe er sich nicht erschwindelt.
Die Gauleitung der HSDAp habe ihm im (Oktober mitbeauftragt, Randidatenvorschläge zur Landtagswahl zu machen. Das habe er getan. Niemand werde zu behaupten wagen, daß er sich selbst vorgeschlagen habe. Er habe sich auch nicht rächen wollen, sondern er wollte sich nicht mit Blutschuld bedecken. Ihm liege es vollkommen fern, Adolf Hitler zu unterstellen, daß er Kenntnis von allen Dingen habe. Es gebe jedoch schon viel kleine Hitler in Deutschland, die eine ungeheure Gefahr bedeuten. Er betonte, daß auch der derzeitige Gauleiter Lenz von den Boxheimer Dokumenten keine Rhnung gehabt habe.
Wenn er sich hätte rächen wollen, würde er anders gehandelt haben. Strafrechtlich wollte er persönlich niemanden treffen, sondern politisch auf ein irrsinniges wirt- schaftspolitisches Denken Hinweisen, welches, umgesetzt in die Praxis, das Deutsche Reich vernichten würde.
Bessere Führerauslese.
Zur Führerauslese bei der HSDAp. wird von der deutschnationalen Pressestelle im „Tag" u. a. folgendes geschrieben: ... Eine so gewaltig angewachsene Bewegung, wie die nationalsozialistische, kann sich nicht davor schützen, daß Minderwertiges sich anhängt. Sie kann und muß aber dafür sorgen, daß sie vor Führern bewahrt wird, die mit ihr die ganze nationale Bewegung diskreditieren. Ruch nach einer anderen Richtung sei das gemeint. Die vielen Entgleisungen rednerischer und journalistischer Art, die sich gerade in letzter Zeit Unterführer der HationaD sozialisten insbesondere gegen die Deutschnationalen und ihren Führer sowie auch gegen den Stahlhelm geleistet haben, und die von den nationalsozialistischen Führern zweifellos mißbilligt werden, kommen ebenfalls auf das Konto unzulänglicher Führerauslese. Disziplinlosigkeit und politische Unreife schädigen nur eine Bewegung, ebenso wie Minderwertigkeit ....
In allen Stadtteilen Berlins fanden Sonntag vormittag große Reichsbanner-Kundgebungen statt, in denen eine Reihe namhafter Redner ju den Vorgängen in Hessen und der Rufdeckung nationalsozialistischer Proklamationen sprachen.
Verirauen und Treue.
Rundfunkansprache des Reichsinnenministe« (Steetiet. '
Berlin, 30. November.
In einer auf alle deutschen Sender übertragenen Rundfunkrede sprach Reichsinnenminister Groener über da« Thema: „Vom Glauben an Deutschland." Der Minister führte aus:
Der Geist pessimistischen Denkens und pessimistischer Staatsauffassung geht durch das deutsche Volk. Politischer Haß und Streit, politische Gegensätze beherrschen die Zeit Politischer Irrsinn malt den Feuerbrand an die Wand Die ungeheure Wirtschaftsnot lastet schwer aus den einzelnen und auf der Gesamtheit. Ueber Stadt und Land fliegen aufreizende Nachrichten, deren Wahrheit von den einzelnen nicht nachzuprüfen ist. So kommt es, daß viele in Verwirrung und Hoffnungslosigkeit geraten.
Der Minister führte dann weiter aus, das deutfche Volk befinde sich gegenwärtig i» einer schweren Krise, deren Ursachen teils außerhalb Deutschlands, teils im eigenen Hause zu suchen seien Ein Allheilmittel gegen die Not gebe es nicht. Er wolle nicht die Staatsführung mit N 0 t Verordnungen und die dadurch bedingten rohen und tiefen Eingriffe rühmen, aber in der gegenwärtigen Lage gebe es für die Reichsregierung keine andere Möglichkeit für die Sicherheit des Staates zu sorgen.
In meinem Amt als Reichsinnenminister, so fuhr Minister Groener dann fort, gedenke ich nicht, lediglich mit polizeilichen Mitteln zu arbeiten. Ich habe den Wunsch, auch auf die geistigen und moralischen Kräfte des deutschen Volkes einzuwirken, die Verzweiflungsstimmung zu bekämpfen und die Gegensätze zu mildern. Freilich. materielle Hilfe zu geben vermag ich nicht. Aber mit heißem Bemühen möchte ich allen Deutschen in Kopf und Seele gießen: die hohe Kraft des moralischen Mutes, den unerschütterlichen Glauben an die Zukunft Deutschlands. Das ist der gesunde Optimismus, der zu einem tätigen Leben führt und den wir alle brauchen, wenn wir als Volk und Nation einen neuen Aufstieg entgegengehen wollen.
Die beste Grundlage für diesen Wiederaufstieg ist un' Staat, die deutsche Republik, und wehe denen, die glaub , durch ein Untergraben dieses Staates und durch feinen Zu- sammenbruch eine günstigere Grundlage für den Wiederaufstieg zu schaffen. Diese Träumer sehen nicht die Wirklichkeit. Aber sie bilden keine Gefahr. Denn die staatliche Macht
steht fest. Die Regierung ist wachsam, um alle Versuche gewaltsamer Auflehnung mit äußerster Tatkraft niederzu- schlagen. Vor solchen Vorkommnissen bewahre uns der Himmel und vor allem das deutsche Volk selbst, denn jeder solcher Spuk ist zerstoben. wenn das Volk in Geschlossenheit nicht nur einzelne Gewaltakte ablehnt, sondern überhaupt die verrückten Ideen terroristischer Regierungsmethoden. Der Kamps um politische Anschauungen muß mit geistigen Kräften ausgefochten werden und nicht mit den Waffen. Gewaltakte im politischen Leben des Volkes schädigen das Ansehen Deutschlands aus der ganzen Welt auf das Schwerste und gefährden seinen Wiederaufstieg.
Wenn die Not die Völker zu einer Weltverbundenheit führen soll, so ist es von höchster Bedeutung, daß das deutsche Volk nicht in politischer Zerrissenheit dasteht wie ein zum endgültigen Niedergang verurteilter Volkskörper.
Noch find die deutschen Fähigkeiten auf den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft und Technik ungebrochen.
Warum also verzagen? Einen seelischen Rückhalt in diesen bitteren Tagmi finden wir in dem Erbe unserer großen Vergangenheit. Immer wieder haben sich die Deutschen emporgerungen, trog des Erbübels, der Zwietracht. Eine besondere Seelenstärkung gegen dieses Erbübel mögen wir heraushören aus dem heroischen Ringen unseres Volkes im Weltkriege und im Kampf um Rhein und Ruhr. Ein Emporsteigen unserer Nation ist aber nur möglich, wenn wir einig sind in dem Willen, uns aus der Not mit gemeinsamer Kraft Heranszuarbeiten. treu dem Reiche und Staate. Dazu rufe ich alle auf, den Mann am Pfluge, in der Werkstatt in der Fabrik im Büro und in der Behörde. die Frau, sie alle, die still ihre Pflicht tun. Sie alle sind die wahre, große Realität und sicherste Grundlage des deutschen Lebens und Aufstiegs.
Zu den stillen Helden des Alltags rechne ich auch das Heer der Arbeitslosen.
Ihnen allen rufe ich zu: Bleibi treu dem Reich und der Nation. Den Arbeitslosen gilt nicht nur unsere Hilfsbereitschaft, sondern auch der Handschlag der Treue zum Volk«. Ihr Schicksal zu lindern, muß die wichtigste Sorge der Gesamtheit unseres Volkes sein.
In dieser heiligen Stunde d e r S e! b st b e s i »- » u'n g. io beendete Minister Groener dann seine Ausführungen, wollen mir mit dem Dichter sprechen:
„Du sollst «1 Deutschlands Zukunft glauben, an deines Volkes Auferstehen, laß diesen Glauben dir nicht raube trotz allem, allem was geschehn, und handeln sollst du so nie hinge, von dir und deinem Tun allein, das Schicksal ab bet deutschen Dinge, und die Verantwortung wäre bd«.’
lörqiebel zum Polizeipräsidenten von Dortmund ernannt Die Ernennung des früheren Polizeipräsidenten von Berlin, Zörgiebet. zum Polizeipräsidenten von Dortmund ist vom Preußischen Staats- Ministerium vollzogen worden.