Ichluchtemer Leitung
ßrets-Kmtsbiatt * Allgemeiner mntltcherKuzeiyer für den Kreis -chlüchtem
Rr. 142(1. Matt)Donnerstag, den 26. November 1931 83. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachung
Kretsausschuß.
.»str. 5599 K. R. Rm Blontag, den 1 4. Dezem - ber b. 3s. vormittags l 0 Uhr findet im Kreis« fgllr^ierselbst eine Sitzung des
Kreistages
M.
Schlächtern, den 23. November 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Handelstag zur Ofihilfe.
Er flüstert schwere Bedenken.
Berlin, 25. November
Der Deutsche Industrie- und Handelstag hat in zwei Lmrägen bei den zuständigen Reichsbehörden zu der Verordnung zur Sicherung der Ernte und der landwirtschaftlichen Entschuldung im Osthilfegebiet Stellung genommen. Die eine Eingabe behandelt in erster Linie die als notwendig erachteten Maßnahmen auf dem Gebiete der Kreditwirt- ichaft, während die andere Abänderungs- und Ergänzungs- vsrfchläge zu der Osthilfeverordnung selbst enthält..
Zu dem Schreiben zur Lage der Kredikwirtschaft kamen die schwersten Sorgen aller auf Gläubigerseite beteiligten Lmisskreije in Handel, Bankgewerbe und Industrie zum Ausdruck, daß die Notverordnung zu einer völligen Erschütterung des Kreditwesens und zur Vernichtung einer unabsehbar großen Zahl gewerblicher Betriebe führen nrorbe.
Zur Abwendung vermeidbarer schwerer Gefahren scheint ein Doppeltes notwendig: einmal ist es unerläßlich, die Rahmenvorschriften der Notverordnung durch entsprechende Durchführungsbestimmungen in Uebereinstimmung mit ihrer volkswirtschaftlichen Grundrichtung so zu ergänzen, daß vermeidbare Gefahren für Gewerbebetriebe ausgeschlossen werden. Die Sachlage erfordert aber auch Maßnahmen auf dem Gebiete der Kreditwirtschaft. Auf kredit- wirtschaftlichem Gebiete bedarf es einer Anpassung der Kreditpolitik der Reichsbank an die durch die Notverordnung entstandene schwierige Lage. Vor allem muß dieser Notwendigkeit bei der Geltendmachung von Rechten aus Wechseln Rechnung getragen werden," für die Gläubiger der unter die Osthilfe fallenden Landwirte haften
Die zweite Eingabe ist in zwei Absätze gegliedert, deren erster eine Würdigung der in der Osthilsenolver- ordnung niedergelegten gesetzgeberischen Arbeit darstellt.
Es wird aber dem Bedenken Ausdruck verliehen, daß die Berordnung ohne Anhörung der beteiligten Wirtschaftskreise erlassen worden sei. In dem zweiten Teil werden Gesichtspunkte zur Geltung gebracht, die in der Notverordnung ^bst nicht genügend berücksichtigt, aber mit ihrem System widerspruchslos vereinbar und zur Abwendung der größten und vermeidbaren Schäden vom Standpunkt des Deutschen undustrie- und Handelstages als geeignet und erforderlich bezeichnet sind.
Sicherungsverfahren und Entschuldung sollen auf die- ienigen Fälle beschränkt werden, in denen sie nach Lage des Falles unumgänglich notwendig erscheinen.
Da nach der Notverordnung die Antragsfrist bis zum 12. 1931 läuft, besteht bis dahin ein Zustand der Un= Ischerheit, der die Kreditfähigkeit der Landwirtschaft aufs äußerste gefährdet, auch soweit sie für die Vorbereitung der Einbringung der nächsten Ernte der Kredite bedarf.
Um dieser Unsicherheit zu steuern und den Landwirten, W nicht beabsichtigen vom Sicherungsverfahren Gebrauch iu machen, sofort die Kreditfähigkeit wiederzugeben, wird eine Vorschrift vorgeschlagen, daß Schuldner und Gläubiger uch In einer unwiderruflichen Erklärung gegenüber der zu- fanbigen Stelle daraus festlegen können, von der Möglichkeit, die Einleitung des Sicherungsverfahrens zu beankra- 8en, keinen Gebrauch zu machen.
Rundfunkrede des Osttommiffars.
Der Reichskommissar für die Osthilfe, Reichsminister Dr. h. c. Schlange-Schöningen, nahm im Rundfunk Stellung zu der Kritik, die von verschiedenen Kreisen an der Serien Osthilseverordnung geübt worden ist
„Die Gläubiger sind heute", |o führte der Minister aus, "Über die neue Notverordnung beunruhigt Vielfach hat man hören müssen, es würde hier ein Angriff aus das Eigentum gemacht Aber wenn die Lohnzahlungen vielfach bereits auf- gehört haben, wenn kein Wechsel mehr eingelöst wird, kein Handwerker mehr seine Rechnungen bezahlt bekommt, allenl- Hosben Eingriffe in die Substanz erfolgen, dann ist das das klingendste W a r n n n g s z e i ch e n für alle Gläubiger, daß — wenn die Dinge jo weiter gehen - nicht nur ihre Zinsen verloren sind. sondern auch ihr Kapital Das soll nicht sein
3m Einverständnis mit dein Herrn R e i d) s b a n f Präsidenten habe ich zu erklären: Gegenüber dem atl- gemein entstandenen Eindruck, daß die Notverordnungen l«bt stark in die Gläubigerrechte eingreifen, muß darauf hingewiesen werden, daß die Interessen der Gläubiger an seiner Stelle außer Acht gelassen worden sind. Es kann daraus Angewiesen werden, daß die Reichsbank die durch die Not-
serordnung geschossene besondere Lage berücksichtigen und den Gläubigern der Landwirte zugute halten wird, wenn diese etwa außerstande sein sollten, die in großer Menge zurückkommenden unbezahlt gebliebenen Landwirtswechsel nicht glatt auszunehmen.
Ferner ist von der Preußischen Zentralge - nojsenschaftskajje mitgeteilt worden, daß in ihrer allgemeinen Gefchöftspolitik keine Aenderung eingetreten ist Die Preußenkasje sieht nach wie vor ihre Aufgabe darin. Störungen im genossenschaftlichen Kreditapparat zu verhüten. Einerseits muß sie darauf bringen, daß fällige Rückzahlungen, soweit es irgend möglich ist, geleistet werden. Deshalb lehnt sie generelle Stundungen nach wie vor ab. Andererseits wird sie da. wo die Rückzahlung unmöglich ist,
jedes vertretbare Entgegenkommen zeigen.
Im übrigen soll die Notverordnung lediglich dazu dienen, kranke Betriebe für die nächste Ernte zu retten.
Die deutsche Agrarkrise.
Line Rede des Grafen Kalckreuth.
Nürnberg, 25. November.
Der Präsident des Reichslandbundes, Graf Kalckreuth, sprach auf einer Landesoersammlung des bayerischen Landbundes in Nürnberg. Er sagte u. a., daß die Weltagrarkrise, die man vielfach als Entschuldigung erwähne, um die Not in Deutschland mit außenpolitischen Gründen zu rechtfertigen, nichts weiter sei als die Weiterführung des Krieges mit anderen Mitteln.
Der Absatz der ausländischen Landwirtschaften dürfe aber nicht auf dem Rücken der deutschen Landwirtschaft geschehen.
Die Zinssätze auch für Realkredite könnten ohne weiteres durch Notverordnung gesenkt werden. Ferner müsse es er- , reicht werden, daß die Einfuhr von Luxuswaren und Lebensmitteln. die durch deutsche Erzeugnisse ersetzt werden könnten, unterbunden würden. Die Regierung Brüning besitze zur Durchführung dieser Maßnahmen nicht das Vertrauen des Reichslandbundes, da sie zu sehr mit dem ganzen politischen und Wirtschaftssystem verbunden sei und in ihren Entschlüssen eine unzulässige starke Einflußnahme der Gewerkschaften erführe.
Deswegen sei das Bestreben der deutschen Landwirtschaft daraus gerichtet, eine Regierung der nationalen ausbauenden Kräfte zu schaffen, die Hand in Hand mit der tatkräftigen Selbsthilfe der Landwirtschaft die Kraft besähe, für das gegenwärtige Opfer, das der heutigen Generation aufgebürdet werden müsse, auch wieder Sinn und Vernunft in dieses Opfer zu bringen.
Der bayerische Iustizminister Dr. Gärtner verlangte in seiner Rede die Schaffung des Verantwortungsbewußtseins in der Verwaltung und größte Sparsamkeit. Jede nicht durch Not und äußersten Bedarf hervorgerufene Ausgabe müsse vermieden werden, vor allem auch in den Gemeinden, die der Selbstverwaltung wieder durch erhöhte Selbstzucht und durch hohes Verantwortungsgefühl Inhäst und Form geben müßten.
Zum Schluß bezeichnete der minister die Wirtschafts- moral als die Grundlage aller Arbeit im und am Staat. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, die die Beseitigung des Systems und den Rücktritt der Regierung Brüning verlangt.
Kabinettsberatungen über die Notverordnung.
Verteilung der Aufgabenkreife.
Berlin, 25. November.
Die Kabinettsberatungen über die neue Notverordnung, die gestern begannen, sind fortgeführt worden. Sie halten zunächst den Zweck, die Probleme und die Aufgabengebiete für die einzelnen Ressorts abzugrenzen. Die nächsten zehn Tage werden eine Fülle von Chefbesprechungen Minister- besprechungen und Kabinettssitzungen bringen. Aus dieser Aufgabenverteilung ergibt sich, daß die kommende Notverordnung eine ganze Reihe von Einzelvorlagen enthalten wird. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß das Kabinett vor dem Beginn der Baseler Verhandlungen, also etwa am 5. oder 6. Dezember, fertig werden wird.
Fehlspekulationen eines Bankvorstehers.
Berlin, 25. November.
Zu der von einem Berliner Blatt verbreiteten Meldung über Unterschlagungen des Bankvorstehers Brüggemann wird jetzt von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Brüggemann von seiner Urlaubsreise zurückgekehrt ist. Es trifft also nicht zu, daß er mit einer Viertelmillion geflüchtet ist. Ebenso sei es falsch, von Unterschlagungen zu sprechen. Brüggemann habe für Privatpersonen Börsenspekulationen vorgenommen, die dann in der Ungunst der Zeit fehlgeschlagen seien. Ein Strasversahren ist von keiner Seite beantragt worden, wohl aber schweben Zivilprozesse.
Jn ©blau drai^en zwei Blamier in eine Bankfiliale ein, hielten die allein anwesende Sekretärin durch Drohungen in Schach und raubten etwa 2000 Mark. Die Räuber konnten entkommen.
Die Staatsanwaltschaft hat in der Rffärc Bank für Handel und Grundbesitz jetzt auch das Ermittlungsverfahren auf weitere Mitglieder des Rufsichtsrates ausgedehnt.
4844 000 Arbeitslose.
Berlin, 25. November.
In der ersten Hälfte des Monats November hat sich die Zahl der Arbeitslosen um 220 000 auf 4 840 000 erhöht. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger ist um 63 000, die der Bezieher der Krisenfürsorge um 30 000 gestiegen.
Von den am 15. November gezählten Arbeitslosen erhielten 17 o H. keine Unterstützung. Von den unterstützten Erwerbslosen wurden 66 v. H. von der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge, die restlichen 34 o. H. von der öffentlichen Fürsorge betreut. Beachtung verdient, daß im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets die rückläufige Bewegung zum ersten Mate feit vielen Monaten zum Stillstand gekommen ist! Entlassungen erfolgten im Ruhr-Steinkohlen- Bergbau nur noch vereinzelt, die Feierschichten gingen zurück.
Deutsche sotten brotlos werden.
Drei wichtige Vorlagen im Schlesischen Sejm.
Kaktowitz, 25. November.
Der Regierungsblock des Schlesischen Sejm hat drei wichtige Vorlagen eingebradjt, Die zur Verhandlung stehen. Die erste Borlage fordert, daß gesetzlich eine Kontrolle von Wirtschaft und Schwerindustrie durch Regieruna und Berufsverbände eingeführt und für die Dauer der Wirrschafts- krise ein Kommissar mit außerordentlichen Vollmachten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ernannt wird. Die zweite Vorlage verlangt, daß Dienstverträge mit übermäßig hohen Gehältern in der Industrie mit sofortiger Wirkung gesetzlich aufgelöst werden können.
3n der dritten Vorlage werden von der Regierung Maßnahmen verlangt, um die in der ostoberschtestschen Industrie beschäftigten Ausländer — in der überwiegenden Mehrzahl sind das Reichsdeutsche — zu entlasten und durch polnische Staatsangehörige zu ersetzen.
Chinas Forderungen.
, Ratstagung ohne Hauptiulerestenten.
Paris, 25. November.
Die Ratsmitglieder sind ohne die Delegierten Chinas und Japans zu einer einftünbigen Sitzung zusammengetre- ten, in der eine kleine unwesentliche Abänderung des Re- iolutionsentwurfes vorgenommen wurde. Die Weiterbera- tung wurde dann vertagt in der Hoffnung, daß bis dahin genaue chinesische Vorschläge vorliegen werden. Der chinesische Delegierte Dr. Sze steht mit dem neuen chinesischen Außenminister Wellington Koo in Verbindung und erwartet seine endgültigen Instruktionen. Die chinesischen Gegenvorschläge bezw. Forderungen, von deren Bewilligung eine Zustimmung Chinas zur Einsetzung einer Untersuchung-kommission abhängig gemacht werden soll, bewegen sich, wie verlautet, in folgender Richtung:
Zu den chinesisch-japanischen Räumungsverhandlungea sollen Neutrale hinzugezogen werden. Weiter wird die Anwesenheit neutraler Persönlichkeiten jn &em von japanischen Truppen besetzten Gebiet verlangt. Ferner soll die Verhandlung des gegenwärtigen Völkerbundsrats in Paris nicht den Abschluß der Bemühungen des Völkerbundes um die Beilegung des chinesisch-japanischen Konfliktes darstellen, sondern nur eine Etappe, so daß die Möglichkeit weiterer Ber- Handlungen vor dem Völkerbundsrat Vorbehalten bleibt
Die chinestsch-japanischen Kämpfe
WTB. Tokio, 24. 11. Reuter wie hier verlautet, greift eine fliegende chinesische Kolonne in der Gegend von Hsimintun mehrere japanische Abteilungen an, von denen eine zwölf Mann Tote und verwundete verloren haben soll. Zwischen der südmandschurischen Eisenbahnlinie und Taitzeho brachten japanische Flieger u Artillerie einer aus chinesischen Räubern und früher t Soldaten bestehenden Truppe schwere Verluste bei und schlugen sie in die Flucht. .
In japanischen Kreisen fragt man sich, ob die Tätigkeit auf chinesischer Seite nicht das Vorspiel zu einer allgemeinen Offensive gegen Mukden ist. Eine kürzlich in Mukden eingetrofffene gemischte japanische Brigade hat den Befehl erhalten, sich bereitzuhalten.
—■ Das Schöffengericht Stäbe verurteilte gestern 21 Personen, die Ende Oktober d. Is. von einer Versammlung in Bliedersdorf kommend Nationalsozialisten überfallen hatten, zu Gefängnisstrafen von zwei bis neun Monaten.
. —’ In der Nqhe von Targul in Rumänien stießen zwei Güterzüge zusammen. Beide Lokomotiven und mehrere Waggons wurden aus den Schienen geschleudert. 12 Bahnbedienstete wurden schwer verletzt.
— Die deutsch-italienischen Verhandlungen über ein Zusatzabkommen zum Handelsvertrag werden voraussichtlich am 27. November in Rom beginnen.
— Die deutsche Ostasienfliegerin Manch v. Etzdorf, die in den vapaangenen Wochen die Sebensmürbigkeiten des Ransai-Gebietcs aufgesucht hatte, ist Mittwoch früh um 8.30 Uhr in Richtung Urusan (Kcrea) zu ihrem Rü*- flug über Ehina—Indien gestartetet.