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Tchlüchterner Zeitung

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Zur 700. Wiederkehr des Todestages der Landgräfin Elisabeth von Thüringen am 19. November

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Erinnerungen auf der Wartburg.

Hoch über dem lieblichen thüringischen Städtchen Eisenach ragen die mächtigen Mauern und Türme der alten Wartburg, ein Stück deutscher Geschichte und deutscher Kultur. Hier lebte und arbeitete vor 400 Jahren Luther, der Mönch von Wittenberg. Hier litt und wirkte, um 300 Jahre früher, die Landgräfin Elisabeth. EinFrauenleben. das in seiner tiefen Religiosität und Menschenliebe zum verklärten Sinnbild deut­schen Frauentums geworden ist. EinFrauenleben voll seltenen Reichtums und seltener Tragik, um­geben von einem Schleier der Mystik und des Geheimnisvollen. In dem, was uns in 700 Jahren überliefert wurde, verschmelzen Wahrheit, Dich­tung und frommer Glaube zu diesem Lebensbild, dessen wir uns heute er­innern.

Die Ankunft des Kindes auf der Wartburg.

Mit einem Troß von 13 schwer­bepackten Wagen zog die Tochter des Königs von Ungarn, Andreas II., im Jahre 1211 als Braut auf der Wart­burg ein. Die Braut war vier Jahre alt und lag in einer silbernen Wiege. Mitten in der Nacht zog die kleine Elisabeth in Eisenach ein. Die Schwiegereltern eilten ihr entgegen. Am frühen Morgen führte man sie zur Wartburg hinauf und verlobte sie feierlich mit dem elf­jährigen Ludwig. Drei Tage hallte die Wartburg von Festen und Dank­gebeten wider, die Landgraf Her­mann mit den Seinen anstimmte. weil die Prophezeiung in Erfüllung gegangen war.

Diese Prophezeiung stammte von dem Ungar KI i n g s o r, dem man damals ungewöhnliche Fähigkeiten zuschrieb, und der eines Tages nach Eisenach kam. Er weissagte dem Landgrafen Hermann, daß ein heller Stern in Ungarn ausgehen und bis Marburg und über Marburg hinaus in die Welt strahlen werde. Dem König von Ungarn werde eine Tochter geboren, die dem Sohne des Landgrafen angetraut werden sollte und durch ihr wunderbares Leben ein Trost für das ganze Land werden würde.

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Zu jener Zeit war die Wartburg und ihr Herr, ein Verwandter Kaiser Friedrich n., der Sammelpunkt aller Künstler und Gelehrten. Landgraf Hermann schickte wieder und wieder die fahrenden Sänger aus, um nach uem Stern Ungarns zu forschen. Und als das kleine Königskind geboren wurde, dem man schon in der Wiege Wundertaten zuschrieb, bat er, schon m frühesten Alter Elisabeth als Braut seines Sohnes zu sich nehmen zu dürfen.

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Mit ihren Gespielinnen, sechs gleichaltrigen schienen.Der junge Landgraf war tugendhaft Mädchen aus den ersten Häusern des Landes, und rechtschaffen, ein tapferer Ritter, ein kluger mit dem Töchterchen des Langrafen und dem Regent. Sein Wahlspruch war: fromm, keusch, jungen Ludwig wurde Elisabeth ausgezogen. Sie gerecht!" _

wannte ihren Gemahl vom ersten bis zum letzten l Tage nie anders alsmein lieber Bruder". Die kleine Elisabeth bewies eine seltsame und wunderbare Frömmigkeit. Eine kindliche, hei­tere Neigung zum Beten und zu frommen Uebungen, eine erstaunliche Demut und Be» Meidenheit, die sie zwang, sich Entbehrungen in Kleidung und Nahrung aufzuerlegen, und eine ungewöhnliche Mildtätigkeit. Das warmherzige Kind konnte keinen Armen leiden sehen. Es sparte sich heimlich gute Bissen vom Munde ab, um st, unter Bettler zu verteilen, und gab alles, wae ihm zum Geschenk gemacht wurde, mit Freud« wieder fort.

Durch ihr« Demut zog sie sich »nicht selten Zorn der Landgräfin zu, die sich schämte, wenn M« junge Schwiegertochter nicht, der Sitte Land«, gemäß, als Königstochter in präch- «flen Gewändern auftrat, sondern wie eine ein» MaÄd -«kleidet ging. Elisabeth weinte ließ sich nicht von ihrer Ueberzeugung ab-

Mit Ludwig verband sie die innigste Liebe. Im Jahre 1221 wurde mit großer Pracht die Hochzeit aus der Wartburg gefeiert. Im ganzen Land läuteten die Glocken und alles Volk war einer Ansicht: Es hatte niemals eine lieblichere, keuschere und gütigere Braut gegeben als die vierzehnjährige Elisabeth!

Was trägst du in deinem Mantel?"

Es gah kein schöneres Paar zu jener Zeit, sagt der Chronist, es gab keine glücklichere Ehe. Zwei Menschen, die für einander geschaffen

aus

kam

vember 1231, Elisabeth stand im

R.

Thüringen, heilig.

der Welt die Königstochter treffen.

sprach der Papst Elisabeth, die Landgräfin von Solmsen.

Das Ende

dieses jungen, reichen Lebens

Ich habe das Reich der Welt verachtet, . ."

Ungarn zu

Das Rosenwunder der Heiligen Elisabeth

zum

am 19. No-

24. Lebens-

jähr. Durch ihr asketisches Leben sehr anfällig, hatte sie vermutlich an einem Krankenbett der Ansteckung nicht widerstanden. Sie starb freudig, noch wenige Sekunden vor dem letzten Atemzug sang sie. Am Pfingstsonntag des Jahres 1235

unterm Kreuz.

trennte sich Ludwig

ließ ihr alle Freiheit bei ihren Werken der Barmherzigkeit. Nur in großer Liebe und Sorge warnte er sie vor einem Uebermaß, denn

Elisabeth bewies ihrem Gemahl die größte Ehrfurcht und gehorchte ihm freudig. Ludwig

Abschied

Im Jahre 1226

er fürchtete, die junge, zarte Frau könne ihrer Gesundheit schaden, wenn sie heimlich in der Nacht aufstand, um in der kalten Kapelle zu beten, wenn sie fastete, um den Armen ihre Speisen zu bringen, wenn sie die Schwerkranken pflegte, ohne an Ansteckungsgefahr zu denken. Unter ihren Kleidern trug ste das Härene Büßerhemd, und mit größter Gewissenhaftigkeit unterzog sie sich allen Bußübungen. : ehe «r sich für immer von ihnen trennte und

Sie wurde der Engel ihres Lan-^dem Kaiser unter dem Zeichen des Krerizes ....... 1 " "" ins heilige Land folgte. Er kehrte nie

des. Täglich nahm sie den weiten Weg den Berg hinunter, um die Armen in ihren Hütten aufzusuchen. Sie verschenkte ihre Kleider an die Bedürftigen, sie spann und webte selbst die Stoffe. Sie speiste die Hungernden und pflegte die Totkranken. Sie schritt hinter den Särgen

^r Armen einher und nahm sich der Waisest«'

kinder wie eine Mutter an. Vielfach mutete sie sich zuviel zu und ihr Gemahl versagte ihr ihre Wege. Einmal begegnete sie ihm, als sie unter dem weiten Mantel mit Broten beladen den steilen Burgweg hinuntersteigen wollte. Was trägst du unter deinem Mantel?" fragte er und schlug ihn auseinander. Da lagen in den Armen seiner jungen Frau die schönsten weißen und roten Rosen und über ihrem Haupte

glänzte ein Heller Schein.

gras, erschüttert von ihres Weges ziehen.

Da ließ der Land- Wunder, Elisabeth

dem

erstenmal auf längere Zeit von feiner jungen Gemahlin, um im Gefolge Kaiser Friedrich II. einen Feldzug nach Italien mitzumachen. In seiner Abwesenheit brach eine schwere Hungers­not über das Land herein, die zwei Jahre an- hielt. Um die furchtbare Not zu lindern, ver­teilte Elisabeth den gesamten Barschatz ihres Mannes, 64 000 Goldgulden, unter die Armen, und täglich speisten 900 Menschen auf der Wart­burg. Elisabeth gründete Hospitäler und Wai­senhäuser und leistete im Gedanken der Men- schenliebe selbst die schwersten Dienst«.

Für einen kurzen Urlaub kehrte Landgras Ludwig zu seinen blühenden Kindern und seiner Gemahlin zurück. Eine kurze Spanne des Glücks,

zurück.

Elisabeth, auf der öden Burg zurückgeblieben, litt schwer unter der Trennung von ihrem Gatten und legte Witwenkleider an. Schon in Brindist, vor der Ueberfahrt, würd« Ludwig vom FMer »k-riffen uyd star», noch" tWMai

2. Blatt

27 Jahre alt. Man wagte kaum, Elisabeth dies Schreckenskunde mitzuteilen. Der Kummer warf sie auf das Krankenlager. Und als sie sich erholte, hatte die himmlische Liebe endgültig über alle irdische Liebe gesiegt. Glaube und Selbstverleugnung bis zur höchsten Läuterung wurde ihr einziges Lebensziel.

Elisabeths Flucht.

Landgraf Ludwig hatte Elisabeth zur Re- gentin des Landes bis zur Volljährigkeit feines Sohnes bestellt. Da trat der ältere der beiden Brüder des verstorbenen Landgrafen, Heinrich Raspe, vor mit dem Anspruch, die Regentschaft gebühre ihm. Elisabeth, wehrlos und demütig, wurde von den Schwägern und den gewissenlosen Höflingenmit ihren kleinenKindernvonderWart» bürg vertrieben. In Eisenach ging sie von Haus zu Haus, um ein Nachtlager und Milch und Brot für sich und die Kinder zu erbitten. Alle

Türen blieben der Landes verschlossen, hohe Strafe erlassen aufnehmen würden.

großen Wohltäterin des Heinrich Raspe hatte eine für alle, die die Fürstin Sie wohnte in einem

Schweinestall, mußte sich von ihren Kindern trennen, die sie in die Hände liebevoller Men­schen gab, und ernährte sich kümmerlich von Spinnen. Die Menschen, denen sie nichts als Gutes zugefügt hatte, beschimpften und ver­höhnten sie. Und sie selbst liebte ihr Elend und fand noch immer Gelegenheit, die Not rings um sie zu lindern.

Für eine kurze Zeit besserte sich ihre äußere Lage. Ihr Oheim, der Erzbischof von Bamberg, rief sie mit ihren Kindern nach seinem Schlosse Boten st ein. Hierher überführten die Getreuen die sterblichen Reste des Land­grafen. Als sie von der schmählichen Behand­lung erfuhren, die/ Elisabeth durch ihre Ver­wandten erfahren hatte, gaben sie nicht eher Ruhe, bis die Landgräfin wieder in Ehren auf der Wartburg ausgenommen war.

Aber alles Irdische war für Elisabeth wesenlos geworden. Sie gab sich ganz in die Hände ihres geistlichen Vaters, des Magisters Konrad von Marburg. Er erlegte ihr, auf ihren eigenen Wunsch, schwere und immer schwerere Prüfungen auf. In religiösem Fanatismus kastei.e sich Elisabeth seelisch und körperlich. An einem Karfreitag trat sie in den Franzis­kaner-Orden ein, ließ sich das Haar ab­schneiden, legte das graue Büßergewand an und umgürtete sich mit dem Strick. In diesem Kleide zeigte sie sich bis zu ihrem Tode. Sie trennte sich vollkommen von der Welt, sie trennte sich selbst von ihren Kindern, die in Klöstern aus­gezogen wurden. Und selbst in diesem, ihrem heiligen Lebenswandel suchten die bösen Zungen

Holzstatu der Heiligen Elis: burger Mro». <fd» d« 15 ]

in der inderjs^