ßreis-Kmtsbkät * Ullyemeiaer amULcherKureiyerfür 8m Kreis Schlüüj
Nr. 138 (L Blatt)
Dienstag, den 17. November 1S31
83. Jahrs.
tritt bet
«Mche Bekanntmachung.
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Wohl/ahrtobriefmarkea der Reichspost
Völlig bis ZS.Iunl 1932 Aufruf.
3.=Hr. II 21424 $. 5u Gunsten der Deutschen Nochilse ollen auch in diesem Jahre Wohlfahrtsbriefmarken zum Verkauf gelangen. Es werden ausgegeben:
Line 8 pfg.-Marke (Dresben, Zwinger) Wohlfahrts- aufschlag 4 pfg., Verkaufspreis 12 Pfg-, Line 15-pfg.-Marke (Breslau, Rathaus) Wohlfahrls- aufschlag 5 pfg., Verkaufspreis 20 pfg., Line 25-pfg.-Marke (tfeibelberg, 5chloß) Wohlfahrts- aufschlag 10 pfg., Verkaufspreis 35 pfg., Line 50-pfg.-Marke (Lübeck, Holstentor) Wohlfahrtsauf- schlag 40 pfg., Verkaufspreis 90 pfg.
Die Briesmaikeuso.ten find ben bild'ih dargestellr.
Außer den Briefmarken wird eine amtliche Wohlfahrls- postkarte in künstlerischer Ausführung (Radierung) mit eingedruckter 8 Pfennig-Wohlfahrtsbriefmarke zum Verkaufs- Pieis von 12 pfg. ausgegeben. Ferner gelangen Marken- Heftchen, enthaltend Zehn 8-pfg.-Marken und vier 15-pfg.- Marken zum Preise von 2.— RM. zur Ausgabe.
Die Wohlfahrtsbriefmarken find vollwertige amtliche Postwertzeichen, gültig zur Frankierung aller Postsendungen nach dem In- und Ausland. Die Wohisahrtsxostkarte kann ,1ii jeder Zeit verwendet werden. Der Wohlfahrtsaufschlag betrügt durchschnittlich 50 o/o des Frankierungswertes.
Die (Erträge aus dem Markenverkauf dienen zur Linde- urna materieller Notstände innerhalb des Kreises. In erster tinic soll der (Ertrag für Mütter, Rinder und Iugendliche unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsfürsorge Muren, Speisungen usw.) Verwendung finden.
Die Wohlfahrtsbriefmarken gelangen vom 1. November os. Irs. ab zur Ausgabe; ihre postalische Gültigkeit erlischt um 30. Iuni 1932.
Die gesamte Einwohnerschaft des Kreises, Wohlfahrtsor- ganisationen und Wirtschaftsverbände, Innungen und freies Handwerk, Beamten-, Angestellten« und Arbeiterschaft bitte im Hinblick auf den guten Zweck der Spenbenfammlung «efer ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und tat- «läftjg mitzuhelfen an der Verbreiterung des Abfalls ter Wohlfahrtsbriefmarken. Nur wenn jeder, der feinen Verhältnissen nach irgendwie dazu in der Lage ist, an der jörberung dieses sozialen Hilfswerks mithilft, wird es mög- nch sein, dessen Zweck zu erreichen.
Die Wohlfahrtsbriefmarken werden durch die Postämter und Postagenturen, außerpostalisch durch die Herren Schuh leitet, Bürgermeister unb die Vereine der freien Wohl- Wtspflege und der.Iugendpflege, ferner durch das Kreis« Wohlfahrtsamt verkauft. (Es wird gebeten, den Marken- ""Kauf bei diesen Stellen umgehend anzumelden. Diejeni- 4en, welche der Fürsorgestelle bezw. den crholungsbedürf- "8on Rindern mittelloser Familien des Kreises den Haupt- wteil an der Sammlung'sichern wollen, werden gebeten, Markenbedarf vom Rreiswohlfahrtsamt und den übri- außerpostalischen Stellen anzufordern.
Schlächtern, den 13. November 1931.
Rreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.
Die ^ei#ff*i*t#n bei der Reichsbahn.
Entscheidung des Reichsgerichts.
Leipzig, 16. November.
Wie verlautet, hat das Reichsgericht die Klage der ddjfifdjen Eisenbahner gegen die Einführung der Aeier- chichten bei der Reichsbahn mit der Begründung abgewie- en, die Verträge zwischen der Deutschen Reichsbahn-Gesell- Ichast und den Eisenbahnergewerkschaften enthielten keine «°s«mmung gegen die Einlegung von Aeierschichlen. Ainan- 3’cU handelt es sich bei der Klaae um Millionenbelräae.
Dos hessische Wahlergebnis.
Partei
erhaltene Stimmen
letzte Reichs- tagswahl
8 Q 3 or O
Gozialdemokraten
168 299
215 747
15
24
Jentrum
112 440
104 246
10
13
Kommunisten
106 775
84513
10
4
Kommun, Opposition
15 954
—
1
2
Deutsche Volkspartei
j8 325
49929
1
7
StaatSpartei
10793
38 829
1
3
Radikaldemokraten
4617
—
0
2
Chr. Soz. Volksdienst
16712
19 086
1
0
Volkerechtöpartei
1 529
4702
0
2
Heft. Landvolk
20 766
57 575
2
9
Dcutschnalionale
10857
11 902
1
3
Soz. Arbeiterpartei
8 177
—
1
0
Nationalsozialisten
291 189
137981
27
1
Wahlberechtigt
955 181
abgeg. gült. Stimmen
785 481
Wahlbeteiligung
82,2 Proz.
Der erste Eindruck des Wahlergebnisses
Frankfurt a. M. 15. 11. Wie vorauszusehen war, ist bei den hessischen Landtagswahlen die Mehrheit der bisherigen Regierungsparteien (Zentrum und Sozialdemo- kraten) in eine starke Minderheit verwandelt worden, von 70 Sitzen hatten sie bisher 37 inne, während sie in den neuen Landtag nur mit 25 Abgeordneten einziehen. Der [ Gewinn der Nationalsozialisten, die bei allen in der letzten ■ Zeit stattgefundenen Wahlen bedeutend an Stimmenzahl I gewonnen Habeip tritt bei den Hessischen Wahlen besonders ' stark in Erscheinung. Sie konnten gegenüber der Reichs- | tagswahl am 14. September 1930, also innerhalb eines . Iakres. ihre Stinunep mehr ah "erbonpeln, und zwar von 137 981 auf 291,189. Auch die Kommunisten haben an Stimmen 311 genommen, während das Zentrum zwar drei Mandate einbüßt, aber die Gesamtstimmenzahl um rb. 8000 gegenüber der Reichstagswahl vermehren konnte von den neu in den Wahlkampf gezogenen Parteien, den Radikaldemokraten und der Sozialistischen Arbeiterpartei konnte nur die letztere ein Mandat erringen. Der Thrist- lich-Soziale Volksdienst, der bisher nicht im Landtag vertreten war, hat, trotzdem er gegenüber der Reichstagswahl einige taufend Stimmen einbüßte, einen Randidaten durch- gebracht. Alle übrigen Parteien ziehen stark dezimiert in den Landtag ein.
Die gesamte Rechtsopposition verfügt jetzt über 32 Sitze. Wollte man den staatsparteilichen Abgeordneten, nachdem die Staatspartei während der letzten Landtagssession aus der Regierungskoalition ausgetreten war, mit zur Opposition hinzurechnen, so wäre auch dann die Rechtsopposition nicht in der Lage, ohne das Zentrum eine Mehrheit zu bilden, da ihr mindestens drei Stimmen fehlen. Daß das Zentrum sich in Verhandlungen nach dieser Richtung hin einläßt, dürfte fraglich sein. So bietet die hessische Landtagswahl dasselbe Bild wie in Hamburg, Sachsen und Oldenburg, daß nach keiner Seite hin eine regierungsfähige Mehrheit gebildet werden kann. Möglich ist allerdings, daß vorläufig die bisherige Regierung als geschäftsführende Regierung im Amte bleibt.
Interessant ist, daß anscheinend die Iungwähler geschlossen in das nationalsozialistische Lager marschiert sind.
Zu dem Wahlergebnis in Hessen schreibt die „Frankfurter Zeitung" u. a.: Ueber Hessen hinaus wird die Frage der Regierungsbildung in dem kleinen Lande weniger ins Gewicht fallen als der Eindruck des mächtigen Wahlsieges der Nationalsozialisten. In erster Linie verdanken sie diesen Sieg auch diesmal wohl der ländlichen Bevölkerung. Aber nicht nur ihr, kein Zweifel kann Jein, Tigp sie den weitaus größten Teil des städtischen Bürgertums zu sich berübergeriffen haben, kein Zweifel, daß sie auch in die Arbeiterschaft eingebrochen sind. Dieser letzte Tatbestand darf allerdings nicht überschätzt werden.
In ihrem Kommentar zu dem Ergebnis der hessischen Landtagswahlen schreiben die volksparteilichen „Frankfurter Nachrichten" u. a., nachdem sie die Unmöglichkeit einer parlamentarischen Mehrheitsbildung ohne das Zentrum festgestellt haben: „hier rächt sich, wie überall, die Taktik der Nationalsozialisten, die in der Hauptsache bisher bestrebt waren, die bürgerlichen Mittelparteien zu zerschlagen, anstatt ihren Elan auf die Zermürbung der sozialistischen Front zu verwenden." Das Zentrum gebe den Aus« schlag. (Es trage die Verantwortung gegenüber dem hessischen Gesamtvolk für den Ablauf der kommende Ereignisse, und es sei zu hoffen, daß das hessische Zentrum klügere Politik als das Reichszentrum machen werde. Es werde nötig sein, die Ursachen des Verfalls der bürgerlichen Parteien rücksichtslos klarzulegen.
Hessischer Wahl-Sonntag
Erfreuliche Wahlbeteiligung.
Darmstadt, 16. November.
Selten hat eine Landtagswahl in einem der kleineren deutschen Länder derart die Aufmerksamkeit des gesamten Reiä>es auf sich gezogen wie diesmal die Neuwahl des Hessischen Landtags. Bestimmend dafür ist das Herannahe 1 der Landtagswahl in dem größten deutschen Lande, ' Preußen. Und die Tendenz dieser, auch für di« Reichs politik bedeutsamen Wahl kann man bereits jetzt zu einem Teil aus der Umschichtung der Wählermassen erkennen, die sich jetzt bei den Wahlen in anderen Reichrteilen ankündigt.
Daß die Landtagswahl in Hessen st a r k e Veränderungen bringen würde, stand bereits fest, ehe überhaupt die Urnen aufgestellt worden waren. Da» bisherige Landesparlament Hessens war 1927 gewählt worden, also zu einer Zeit, wo das politische Gesicht Deutschlands ganz andere Züge zeigte als heute. Zur Illustration genügt der Hinweis, daß 1927 die Nationalsozialisten, die jetzt selbst im kleinsten Dorf stark vertreten sind, den Wahlkampfplatz überhaupt noch nicht betreten hatten.
Merkwürdigerweise haben die großen politischen Fragen, um die in Deutschland seit Monaten der Kampf geht, j und deren Lösungsmöglichkeiten die Gemüter erhitzen, nicht verhindert, daß 1931 in Hessen noch mehr Parteien um die ■ Gunst der Wähler geworben haben als 1927. Waren es damals 8 Parteien, die Liften eingereicht hatten, dann betrug diesmal die Gesamtzahl sogar 13, und dabei ist diesmal die Wirtschaftspartei noch ausgefallen, weil die von ihr eingereichten Liften als den gesetzlichen Bestimmungen widersprechend zurückgewiesen worden waren.
Als eine lokale Besonderheit der hessischen Wahl verdient Erwähnung, daß für den Ausfall die Stimmabgabe des flachen Landes entscheidend war-, wohnen nach der Statistik doch inehr als die Hälfte der Wahlberechtigten üi L^ haften mit weniger als 3000 Einwohnern. Daß e» fo den Parteien, die übrigens jämtlich ihre erste Rednergarnitur eingesetzt haben, nicht leicht geworden ist, an die Wähler heranzukommen, liegt auf der Hand. Bei den lebenskräftigen Parteien wurden diese Schwierigkeiten aber dadurch überwunden, daß allenthalben überzeugte Freunde vorhanden waren, die keine Mühe und keine Arbeit scheuten, um die Massen aufzurütteln und das Heer der Nicht- wühler, dem 1927 noch 45,5 Prozent der Stimmberechtigten angehörten, in Bewegung zu setzen.
Das ist diesmal in weitgehendem Maße gelungen, betrug doch die Wahlbeteiligung durchweg 80 bis 90 Prozent. In verschiedenen Städten und Gemeinden hatten bereit» in den Mittagsstunden mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht ausgeübt. In mehreren Orten waren um die Mittagszeit sogar bereits 80 Prozent der Wähler an der Urne gewesen. Zu Zwischenfällen ist es während der Wahlhandlung nicht gekommen. Auf dem Lande war die Wahlbeteiligung gleichfalls außerordentlich stark.
Es geht eben in Deutschland nicht mehr darum, ob hier und dort diese oder jene Koalition ans Ruder kommen soll, sondern wir sind jetzt in einen Auseinandersetzungs- prozeß geraten, in dem sich die Geister fd>eiben und neue ; Fronten entstehen. Der Blick muß jetzt, gleichgültig ob i ein neuer Landtag oder ein neues Kommunalparlamem gewählt wird, immer auf das Ganze gerichtet werden. Wir müssen heraus aus dem Wirrwarr der Parteienvielzahl und die handlungsfähigen Gebilde schaffen, die Notzeiten wie die unsrige erfordern.
Insgesamt waren in Hessen 7 0 Abgeordnete zu wählen, und zwar entfiel auf je 20 000 Staatsbürger ein Abgeordneter. Im alten Landtag hatten das Zemrum und die Sozialdemokraten mit 37 Abgeordneten die Mehrheit. Die Staatspartei, deren Mitglied Korell als Arbeitsmini- ster der alten Regierung angehört, war offiziell an der hessischen Staatsregierung nicht mehr beteiligt Am Ruder war diese Koalition durch die verschiedenen Wahlen hindurch mehr denn zehn Jahre.
- Für den kommunistischen Volksentscheid in Brau schweig auf Auflösung bes Braunschu>eigischen tanbtag haben 11,7 Prozent der Wähler Ia-Slimmen abgegeben. Der Volksentscheid ist somit ergebnislos geblieben, denn zu einem Erfolg hätte die Mehrheit aller Wahlberechtigten In-Ltimmen ab geben müssen. _
jn der Rähe von Graz wurde Samstagabcni ein Lastkraftwagen auf einem ungefchützten "Bahnübergang von einem Personenzug erfaßt und vollkommen zertrümmert. Zwei initfahrcnde Mädcheil wurden tödlich nerlettf, der Chauffeur und ein Mitfahrer erlitten lebensgefährliche Verletzungen. . .
Der Rommandeur der.japanischen Truppen hat in der Nähe bes Ronni-Flusses die chinesischen (Truppe 11 ange= griffen’ um einer chinesischen Ravalleriedrohung zu be« gegnen. Im Verlaufe des Gefechtes schlugen die Japaner 4000 Mann chinesische Ravallerie in die Flucht. Die Der« lüfte auf beiden Seiten sind nicht bekannt.