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I All. 1Z7

Gchlüchtemer Zeitung

3. Blatt

; Amtliche Bekanntmachung. i Kreisausschuß.

[ jjfc. I 30904 z. f Aufruf.

Mitbürgerinnen und Mitbürger!

, ' Schwerster wirtschaftlicher Druck und härteste Not lasten , Af dem deutschen VM. Die Arbeitslosigkeit wächst er- j ^reckend. Unzählige, die früher zur Linderung der Not ' h#r Nitmenschen beigetragen haben, sind heute selbst hilfsbedürftig. Der Kreis Schlächtern allein zählt Tau­end», die arbeitslos oder alt und arbeitsunfähig, auf die

- hjlf, von Kreis und Gemeinden angewiesen sind. Grim- ' mger noch als bei uns auf dem Lande zeigt sich «das üenb in den Städten.

Um die schwerste Not des kommenden Winters für di» ' Betroffenen nicht ins Unerträgliche wachsen zu lassen, chaben Dirtreter der gesamten Bürgerschaft des Kreises, der Kir= üen und Organisationen der freien Wohlfahrtspfleg» das Hilftwerk einer

Winterhilfe des Kreises Schlüchtern

! M Linderung der Not der Erwerbslosen, Kranken und Ar« fritsunfähigen ins Leben gerufen.

! Die Maßnahmen von Staat und Gemeinden find allein , nicht im Stande, der Not wirksam zu begegnen. Auch die Kraft der freien Wohlfahtspflege reicht nicht aus, wenn ' nickt alle diejenigen, die wirtschaftlich irgend dazu fähig . , sind, ein Opfer zu Gunsten ihrer notleidenden Mitbürger s ' bringen und dadurch mithelfen, der Not zu steuern und da» in vielen Familien herrschende Elend zu beseitigen. versagt Eure Mithilfe nicht! Glaubt nicht, Luch angesichts

: Ihrer hungernden und frierenden Volksgenossen mit dem

, Hinweis auf schlechte Geschäfte und verringerte Einkünfte dem Hilfswerk entziehen zu dürfen, solange Ihr selbst i i nach ein wohnliches Heim und das tägliche Brot habt! ; ' Gerade wegen der schlechten Zeitumstände muß das Lr- s : gebnis der Winterhilfe dasjenige des Vorjahres nicht nur ; , erreichen, sondern weit übertreffen, damit nicht die Ver- : i zweiflung weiter Kreise furchtbare Gefahren für das ganze s ; voll«, auch für Luch, heraufführe! Darum gebe und helfe j jeder nach feiner Kraft und nach feinem vermögen- auch die kleinste Gabe, auch der geringste Hilfsdienst ist heute un­entbehrlich. Jeder, der noch über eine gesicherte Existenz

Z verfügt, wird in der Lage sein, einen Tagesarbeitsverdienst im Monat für seine notleidenden Mitmenschen abzugeben.

) Dos möge Richtschnur sein!

l 3n der vorletzten Woche der Monate November, Dezember, - Januar und Februar werden Beauftragte des Magistrats » oder des Gemeindevorstandes mit Listen in den Wohnungen i vorsprechen und Geldspenden entgegennehmen. Wir bitten Wich, diese Personen nicht abzuweisen. Die Bürgermeister l Wen die gesammelten Geldbeträge an die Kreiskommu- j oo asse ab. Die Mittel werden von einer Kommission,

-in der alle Berufsstände, die Kirchen und die Grganisatio- ; [fen der freien Wohlfahrtspflege vertreten sind, nach den Umschlägen der örtlichen Wohlfahrtsausschüsse an die Be= | Würfligsten nicht nur des Kreises Schlüchtern, sondern auch < "er Stadt und des Kreises hanau. die wir wegen des 1 besonders großen Elends in der Industriestadt und ihren Worten in die Betreuung einbeziehen wollen, verteilt werden.

Soweit Kleidungsstücke und Naturalspenden gegeben u>er= Oett, bitten wir, dieselben bis zur Abholung zurückzuhalten. i, , ^aht uns wieder lernen, von Mensch zu Mensch einander ; bEiZustehen und einer des andern Last mit zu tragen!

®«6t für die Winterhilfe des Kreises Schlüchtern! ! Dr. Müller,

; Landrat des Kreises Schlüchtern.

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Stadtoberinspektor, Schlüchtern, Vorsitzender des Be= amtenortskartells Schlüchtern; Denker, Philipp, Schlüchtern, j?f die Arbeiterwahlfahrt; Frau Amtsgerichtsrat Zaust, schlüchtern, für den vaterländischen Zrauenverein vom Ro= en Wuj; Zlemmig, Rektor, Schlüchtern und Spieß, Pfar= Dberkalbach für die Arbeitsgemeinschaft der Pfarrer M Lehrer- Friedrich, Schuhmachermeister, Schlüchtern, Ersitzender des Handwerkervereins,- Gaenßlen, Bürgermei- schlüchtern, für den Männerverein vom Roten Kreuz;

Gähringer, Schlüchtern, für den Hausfrauenverein dWchtern,- Kind, Kuratus, Marborn, für den Karitasver-

Zrau Landwirtschaftsrat Müller. Schlüchtern, für den Dreiverband der ländlichen Hausfrauenvereine; Richter, Dechant, herolz,- Rollmann, Kreispfarrer, Schlüchtern; Ro= Ifiuaum, Kaufmann, Schlüchtern, Vorsitzender des Vereins >vr Handel und Gewerbe, Roth, Gutsbesitzer, Ahlersbach, ^Mender des landwirtschaftlichen Kreisvereins; Noch, fern, und Sauer, Elm, Vertreter der Organisationen M Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge; "Non, Schlossermeister, Schlüchtern, Vorsitzender des In- Mgsaaxschusses; Zrau Stern, Schlüchtern, für die jüdische Wohlfahrtspflege; Weber, Bürgermeister, Marborn, Vor- Sender des Kurhessischen Bauernvereins; Wolf, Max, Zabri- ant- Schlächtern; Wolpert, Pfarrer, Salmünster für die

innere Mission.

Zum Tode Barieis'

Nachruf der Vizepräsidenten.

Berlin, 13. November.

Die Vizepräsidenten des Preußischen Landtags haben dem verstorbenen Präsidenten Friedrich Bartels einen Nach­ruf gewidmet, in dem es u. a heißt: Der Verstorbene ge­hörte dem Preußischen Parlament seit der verfassunggeben­den preußischen Landesversammlung für den Wahlkreis Potsdam II an. Dem hohen Amte als Präsident des Preu­ßischen Landtags hat sich der Verstorbene mit Hingebung gewidmet. Güte und Ausgleich und das Bestreben, jedem Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, waren die Richtlinien seiner Amtsführung. Das Andenken des verewigten Prä­sidenten Bartels wird von dem Landtag stets in Ehren gehalten werden.

Vom Reichskanzler, dem preußischen Ministerpräsiden­ten auch im Namen ihrer Kabinette und den einzelnen Länderregierungen sind Beileidstelegramme eingegangen.

Keine Fortschritte in Paris.

Die Verhandlungen drehen sich im Kreise.

Paris, 12. November.

Die Verhandlungen, die zwischen dem deutschen Bot­schafter in Paris, Herrn von Hoesch, einerseits und den französischen Ministern andererseits in Paris geführt wer­den, bilden vor wie nach den Hauptinhalt der Pariser Presse, die allerdings jetzt plötzlich und fast einmütig feststellt, daß bisher keine Fortschritte erzielt worden seien.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Regierungen beständen nach wie vor in der Frage der Zuständigkeit des Baseler Untersuchungsausschusses, die die Reichsregierung erweitert sehen möchte. Frankreich lehne diese Erweiterung ab, da es hierin ein stillschweigendes Zugeständnis seinerseits erblicken würde, die privaten Schul­den mit den Reparationen aus gleichen Fuß zu stellen oder ihnen sogar den Vorrang zu geben.

ImEcho de Paris"

hebt man hervor, daß der französische Botschafter in Berlin nunmehr in der Lage sei, die Reichsregierung über alle Einzelheiten des französischen Standpunktes zu unterrichten. Was den Besuch von Hoeschs bei Briand angeht, so bedauert das Blatt, daß diese Unterredung durchaus keine neuen Gesichtspunkte gebracht habe und daß sich die Verhandlun­gen wie im Kreis drehten.

DerPetit Parisien"

wendet sich gegen jede Abänderung des Haager Abkommens. Frankreich sei sicherlich bereit, gewisse Zugeständnisse wäh­rend der Zeit der wirtschaftlichen Krise zu machen. Es sei auch bereit, bei der Prüfung der Zahlungsfähigkeit die Pri­vatschulden zu berücksichtigen. Es werde aber niemals zu­geben können, daß zwischen diesen privaten Schulden und den Reparationen irgendein Zusammenhang aufgestellt werde.

Reparationen und Sicherheiten.

Der sozialistische Senator Paul-Boncour hat in St, Aignan im Departement Eher eine Rede gehalten, in der er sich auch mit dem Reparations- und Sicherheitsproblem beschäftigte.

Er erklärte, den Sophismen und Heucheleien, mit denen man Frankreich, das 1914 unter dem furchtbaren An­griff zu leiden gehabt habe, des Imperialismus be- zichtige, müsse entgegengetreten werden.

Frankreich müsse sich an die klare Richtlinie halten, daß die Schäden von denen wieder gut gemacht werden müßten, die sie verursacht hätten, daß ein Land nicht verpflichtet sei, mehr zu bezahlen, als es selbst empfange und daß ein Land nicht auf die Sorge um die eigene Sicherheit verzichten könne, wenn die anderen Länder sich der Verpflichtung ent­zögen, für die internationale Sicherheit zu sorgen.

Frankreichs vier Punkte

Rückkehr Francois-Poncets nach Berlin.

Berlin, 13. November.

Francois-Poncet, der französische Botschafter in Berlin, ist in der Reichshauptstadt wieder eingetroffen und hatte mit dem Reichskanzler eine Besprechung über die in Paris gepflogenen Verhandlungen.

Nach der Pariser ZeitungExcelsior" sind es vier Punkte, die die Forderung der französischen Regierung darstellen:

1. Das im Poungplan vorgesehene beratende Komitee hat genau begrenzte Vollmachten.

2. Es handelt sich barum, die beutfdve Lage zu prüfen und nicht die deutsche Zahlungsfähigkeit noch einmal zu kalkulieren.

3. Die in Deutschland eingefrorenen Handelsschulden haben nichts mit den Reparationen zu tun, und die Kriegs­schäden werden aus keinen Fall den Handelsschulden ge­opfert werden.

Die französische Regierung wird aber nicht den Zusam­mentritt eines Komitees von Gläubigern und Schuldnern ablehnen, das die Möglichkeiten einer teilweise« Mobilisie­rung dieser Kredite prüfen soll.

4. Die französische Regierung wird eine neue, voll­ständige und endgültige Regelung der Reparationen nur annehmen, wenn die Vereinigten Staaten eine parallele Schuldenherabsetzung zugestehen.

Ob diese vier Punkte die endgültige Forderung Frank­reichs tatsächlich wiedergeben, kann zur Zeit allerdings noch nicht nachgeprüft werden: sie dürften aber mit geringfügi­gen Abänderungen die Pariser Ansicht widerspiegeln.

Vor einem Kompromiß?

Paris-Midi" meldet, daß man in Berliner politischen Kreisen die Audienz des Kanzlers beim Reichspräsidenten von Hindenburg als offizielle Bestätigung dafür betrachte, daß ein deutsch-französisches Kompromiß bevorstehe. Die deutsche Regierung werde spätestens am Montag oder Dienstag nächster Woche die Einberufung des Basler Ko­mitees beantragen und in dem Brief an die interessierten Mächte ihren Standpunkt genau darlegen.

Agrares Dumping.

Von Professor Dr. K. Ritter, Berlin.

Seit den ersten Novemberlagen hat das englische Pfund einen neuen Kursfall erlitten. Die mit ihm eng verbundene australische, neuseeländische und kanadische Währung sowie auch die dänische, schwedische und norwegische Krone und die Finnmark, ferner noch eine Reihe ebenfalls eng an das Pfund geketteter Währungen haben denselben Weg genom­men. Durch diese Aenderungen werden neue Umschich­tungen in der internationalen Wettbe­werbsfähigkeit ausgelöst und die Warenströme des Weltverkehrs in ändere Bahnen gedrängt. Mit Hinblick auf die deutschen Exportmöglichkeiten industrieller Erzeugnisse sind diese Erscheinungen bereits Gegenstand stärkster Auf­merksamkeit gewesen. Aber über die ungeheuren Gefahren, die aus diesen Wandlungen der deutschen Landwirtschaft drohen, ist bisher kaum ein Wort verloren. Man täusche sich aber nicht: genau so wie alle anderen Wirtschaftszweige wird auch die deutsche Landwirtschaft die Folgen dieser Wäh- rungsänderungen in kommender Zeit immer stärker ver­spüren. Ja, wenn man den Preisveränderungen der letzten Zeit genauer nachgeht, so kann man jetzt schon den Einfluß der neu gestalteten Währungsparitäten feststellen.

Unter der Ländern, deren Währungen in den letzten Monaten abgesackt sind, finden sich die bedeutendsten Exporteure von Agrarerzeugnissen, so Ka­nada, Argentinien, Uruguay, Australien, Neuseeland, Bri- tisch-Indien, Dünemark, Schweden und Finnland. Dadurch, daß ihre Währungen dem englischen Pfund gegenüber sich in ungefähr derselben Relation gehalten haben, verspüren sie zunächst bei ihrem Erport nach England den Kurssturz weni- ger. Soweit sie aber^nach Deutschland ausführen, fällt ihnen ein besonderer Gewinn dadurch zu, daß die Mark stabil ge­blieben ist Folglich suchen sie neuerdings mit Vorliebe ihre Ware in Deutschland abzusetzen. Die Länder mit festgebliebe­ner Währung hingegen verspüren bei dem Export ihrer Agrarprodukte nach England den Kurssturz des Hsunder er heblich und schränken deshalb die Ausstihr dorthin nach Möa lichkeit ein. Dazu gehören die Vereinigten Staatem Hol- land, die Schweiz, Spanien, Italien und Frankreich. Sie be­vorzugen die Verkütife in Ländern mit festgebliebener Wäh­rung und suchen deshalb den Absatz auch in Deutschland zu steigern. So ergibt sich eine mehrfache Bedrohung der deutschen Landwirtich äst durch gesteigerten Import. Die hieraus erwachsenden Schäden müssen um so größer sein, als gleichzeitig zufolge des Absackens io vieler Währungen die Preise, in Reichsmark gemessen, weiter rück­gängig sind, abgesehen wenigstens zur Zeit von Ge­treide.

Für Deutschland ergibt sich die dringende Frage, wie es seine Landwirtschaft und seinen Gartenbau vor diesen neuen schweren Erschütterungen bewahren kann. Sind doch durch den Umschwung gerade auch Edelerzeugnisse besonders be­troffen. Schon' ein Blick auf die Exportländer mit Wäh- rungssturz, wie Dänemark, Schweden, Neuseeland und Au­stralien sowie Argentinien und Uruguay erweist dies. Durch- aus unzweckmäßig, wäre es. angesichts der gegenwärtigen Gefamtsituation, zumal der Devisenlage, wenn man mit Hin­blick auf die Währungsverschiebungen eine stärkere Konkur­renzfähigkeit der deutschen Viehwirtschaft durch Senkung der Getreidepreise erreichen wollte, wie es eigenartigeremife von einigen Seiten vorgeschlagen ist. Vielmehr muß, wie in der Vergangenheit immer wieder mit Recht betont worden ist, eine Krise dadurch bekämpft werden, daß man die Ursache der Krise bekämpft.

Die Abwehr der neuen Gefahren muß sich vor allen Dingen gegen die Preisunterbietung mit ab; g e f u nkener Währungrichten. Das Ausland selb t hat Deutschland in der Zeit unserer Inflation gezeigt, wie man dabei am zweckmäßigsten vorgeht: nämlich durch be­sondere Zallziischläge gegenüber den Ländern mit entweih­ter Währung. Unter der Bezeichnung Anti-Diunping-Maß- nahmen waren nach dem Kriege derartige Mittel in weiten Teilen der Welt in Gebrauch. Selbst freihändlensche Lander haben solche Mittel eifrig *angewendet. Auch Deutschland wird Mittel gegen dieses agrare Währungsdumping auf die Dauer nicht entbehren können. Es wäre gilt, wenn man sich zu diesen Maßnahnien recht bald entschlösse, bevor es zu spät ist und noch weitere schwere Schädigungen unserer Volkswirtschaft aufgetreten sind.

Rückstrahlende Armbinden.

Zum Schutze der Weichenreiniger hat die Leitung der Mün­chener Straßenbahn Armbinden aus Leder eingeführt die mit drei roten aus Glas bestehenden Punkten fähnlich den Rückstrahlern an Fahrrädernf versehen sind. Die Punkte leuchten im Lichte der Kraftwagenscheinwerser auf. Die Gießkannen lzaben die Farben roi-wciß mit dem Vorsicht- zeichen!" erhalten.