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Achluchtemer Zeitung
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Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I.-Nr. 6568. Mit Ermächtigung des Herrn Negierungs- präsidenten in Kassel werden die drei letzten Sonntage unter Ausschluß der Zeit des Hauptgottesdienstes vor Weihnachten für den Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen freigegeben und zwar der 6. Dezember bis zu 5 Stunden unb der 13. und 20. Dezember bis zu 8 Stunden, jedoch nicht über 18 Uhr *(6 Uhr nachm.) hinaus. Gleichzeitig md für diese Tage und Stunden die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern zugelaffen. Zchlüchtern, den 29. Oktober 1931.
Der Landrat. Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Die Kacheichung der Maße, Waagen unb Gewichte findet in der Zeit vom 25. November bis 7. Dezember 1931 statt. Lichungslokal: Saal des Gasthauses zum Deutschen Kaiser, Zuldaerstraße 41. Schlüchtern, den 3. November 1931.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Kretsausschyß.
I-Nr. I 20904 £
Aufruf.
MitbürgerinnLN und Mitbürger!
Schwerster wirtschaftlicher Druck und härteste Not lasten mf dem deutschen Volk. Die Arbeitslosigkeit wächst er= chreckend. Unzählige, die früher zur Linderung der Not hier Mitmenschen beigetragen haben, sind heute selbst hilfsbedürftig. Der Kreis Schlüchtern allein zählt Tau- ei'^e, di->-arbeitslos oder alt unb arbeitsunfähig, auf H- - - filfe von Kreis und Gemeinden angewiesen sind. Grim- ' niger noch als bei uns auf dem Lande zeigt sich das s Elenb in den Städten. . I
Um die schwerste Not des kommenden Winters für die Betroffenen nicht ins Unerträgliche wachsen zu lassen, haben Vertreter der gesamten Bürgerschaft des Kreises, der Kühen unb Organisationen der freien Wohlfahrtspflege das silfswerk einer
Winterhilfe des Kreises Schlüchtern ur Linderung der Not der Erwerbslosen, Kranken und Ar- i ^unfähigen ins Leben gerufen.
Die Maßnahmen von Staat und Gemeinden sind allein ^t im Stande, der Not wirksam zu begegnen. Auch die j lieft der freien Wohlfahtspslege reicht nicht aus, wenn i M alle bieienyen, die wirtschaftlich irgend dazu fähig md, ein Opfer zu Gunsten ihrer notleidenden Mitbürger singen und dadurch mithelfen, der Not zu steuern und «s in vielen Familien herrschende Elend zu beseitigen.
Versagt Eure Mithilfe nicht! Glaubt nicht, Euch angesichts krer hungernden und frierenden Volksgenossen mit dem Bweis auf schlechte Geschäfte und verringerte Einkünfte em Hilfswerk entziehen zu dürfen, solange Ihr selbst W ein wohnliches heim und das tägliche Brot habt! Hemde wegen der schlechten Zeitumstände muß das Er- iebni; der Winterhilfe dasjenige des Vorjahres nicht nur neiden, sondern weit übertreffen, damit nicht die ver- । Leistung weiter Kreise furchtbare Gefahren für das ganze ^, auch für Euch, Herauffähre! Darum gebe und helfe kder nach seiner Kraft und nach seinem Vermögen: auch die linste Gabe, auch der geringste Hilfsdienst ist heute un« "^ehrlich, Jeder, der noch über eine gesicherte Existenz ^fugt, wird in der Lage sein, einen Tagesarbeitsverdienst ^onat für seine notleidenden Mitmenschen abzugeben.
Qs möge Richtschnur sein!
^ der vorletzten Woche der lNonate November, Dezember, ?^'ar und Februar werden Beauftragte des Magistrats fr bes Gemeindevorstandes mit Listen in den Wohnungen . Sprechen unb Geldspenden entgegennehmen, wir bitten A"ch, diese Personen nicht abzuweisen. Die Bürgermeister ^ea die gesammelten Geldbeträge an die Kreiskommu- I alMfe ab. Die Mittel werden von einer Kommission, । alle Berufsstände, die Kirchen und die Organisatio ? der freien Wohlfahrtspflege vertreten sind, nach den Wägen der örtlichen Wohlfahrtsausschüsse an die Be- ^^sten nicht nur des Kreises Schlüchtern, sondern auch i
■ Stab! und des Kreises“ Banau. die wir wegen des jlonbers großen Elends in der Industriestadt und ihren Sorten in die Betreuung ein beziehen wollen, verteilt Wen
Soweit Kleidungsstücke und Naturalspenden gegeben werden, bitten wir, dieselben bis zur Abholung zurückzuhalten.
Laßt uns wieder lernen, von Mensch zu Mensch einander beizustehen und einer des andern Last mit zu tragen!
Gebt für die Winterhilfe des Kreises Schlüchtern!
Dr. Müller, Landrat des Kreises Schlüchtern.
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Alt, Stadtoberinspektor, Schlüchtern, Vorsitzender des Beamtenortskartells Schlüchtern: Deuker, Philipp, Schlüchtern, für die Arbeilerwohlfahrt: Frau Amtsgerichtsrat Faust, Schlüchtern, für den vaterländischen Frauenverein vom Noten Kreuz: Flemmig, Nektar, Schlüchtern und Spieß, Pfarrer, Gberkalbach für die Arbeitsgemeinschaft der Pfarrer und Lehrer: Friedrich, Schuhmachermeister, Schlüchtern, Vorsitzender des Handwerkervereins: Gaenßlen, Bürgermeister, Schlüchtern, für den Männerverein vom Roten Kreuz: Frau Gähringer, Schlüchtern, für den Hausfrauenverein Schlüchtern: Kind, Kuratus, Marborn, für den Karitasverband: Frau Landwirtschaftsrat Müller. Schlüchtern, für den Kreisverband der ländliä^en Hausfrauenvereine: Nichter, Dechant, Herolz: Nollmann, Kreispfarrer, Schlüchtern: Ro= senbaum, Kaufmann, Schlüchtern, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe, Noth, Gutsbesitzer, Ahlersbach, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisvereins: Noth, Schlüchtern, und Sauer, Elm, Vertreter der Organisationen für Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge: Simon, Schlossermeisler, Schlüchtern, Vorsitzender des Innungsausschusses: Frau Stern, Schlüchtern, für die jüdische Wohlfahrtspflege: Weber, Bürgermeister, Marborn, Vorsitzender des Kurhessischen Bauernvereins: Wolf, Max, Fabrikant, Schlüchtern: Wolpert, Pfarrer, Salmünster für die innere Mission.
Die Wirtschaftskommission tagt.
Die erste Sitzung der deutschen Mitglieder..
Unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning oersam- melten sich zum ersten Male die deutschen Mitglieder und Sachverständigen der deutsch-französischen Wirtschaftskommission. Nachdem der Reichskanzler den Sachverständigen für ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an den Ausgaben der Kommission gedankt hatte, führte er u. a. folgendes aus:
Der Gedanke der Einsetzung der deutsch-französischen Wirtschaftskommission verdanke Entstehung und Ausgestaltung den Zusammenkünften der deutschen und französischen Minister in Paris und Berlin. Hatte die Kommission ihren Ursprung somit auf politischem Boden, so beschränkte sich ihr Aufgabenkreis auf wirtschaftliche Fragen. hier allerdings finde sie ein weites Feld.
Die Sachverständigen könnten alle wirtschaftlichen Probleme in Angriff nehmen, die ihnen geeignet erschienen, um die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen den beiden Nationen zu fördern. Dabei sei zu betonen, daß die Arbeiten der deutsch-französischen Wirtschaftskommission sich gegen kein drittes Land richteten.
Die Sachverständigen dürften die ihnen obliegende Tätigkeit nicht als eine vorübergehende betrachten, die in wenigen Wochen bereits zu einem endgültigen Ziel geführt haben werde, sondern sollten ihre Aufgabe in einer ständigen gegenseitigen Fühlungnahme und Zusammenarbeit erblicken, die nach und nach alle Fragen in ihren Bereich ziehen könne, die im Nahmen dieser Gemeinschaft gelöst werden könnten.
Der Reichskanzler gab sodann die Gliederung der Aus- schüsse und ihrer Arbeitsgebiete bekannt.
Eaillaux für französische Hilfe an Deutschland.
WTB. Paris, 3. 11. Nach seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden des Generalrates des Larthe-Departements ging Senator Laillaux heute in Le Manche in seiner Eröffnungsrede auf die allgemeine Wirtschaftslage ein. Er sprach sich für die' Senkung der Herstellungskosten französischer Erzeugnisse und gegen eine übertriebene Schutzzollpolitik aus, um alsdann auszuführen: Frankreich wurde seiner Tradition untreu werden und gleichzeitig seine Interessen verkennen, wenn es sich weigern wollte, seinen in Not befindlichen Nachbarn zu helfen, gleichgültig, worauf dessen Schwierigkeiten zurückzuführen seien. Aber nur wohlüberlegte, vorsichtig unternommene Interventionen, die möglichst auch der Zivilisation einen allgemeinen Dienst erweisen, haben Wert. Wäre nicht die Schaffung einer gesunden Währung für alle Völker von Vorteil? Wie solle der Wohlsland wiederkehren, solange die verschiedenen Währungen von der Gnade aber Ungnade der Spekulanten abhängen, solange die Beständigkeit der Metallbasis der Papiergeld Pyramide von den heute Geiz, morgen Verschwendungssucht verratenden Launen des hoUbaren Metalls abhängen?
Entscheidende Tage.
Lavals Ankunft in Paris.
Berichterstattung beim Präsidenten Doumer.
Paris, 3. November.
Ministerpräsident Laval wurde bei seiner Ankunft oon seinen Ministerkollegen sowie einer größeren Menge erwartet. Er begab sich sofort ins Innenministerium. Vor bem Gebäude bereitete ihm eine große Volksmenge eine Ovation. Laval erklärte den Journalisten, er sei mit seiner Steife zufrieden. Er hoffe, daß seine Reise nach Amerika nicht zwecklos gewesen sei. Vom Innenministerium begab sich Laval zum Präsidenten der Republik Doumer, um itjm Bericht über seine Reise zu erstatten.
Eine Erklärung Lavals.
AIs der Dampfer „Isle de France" auf der Reede von Le Havre eintraf, fuhren außer offiziellen Persönlichkeiten zahlreiche Journalisten mit einer Barkasse dem Dampfer entgegen und stiegen an Bord. Ministerpräsident Laval begann mit ihnen sofort ein lebhaftes Gespräch, lehnte jedoch jede politische Erklärung ab. Als der Dampfer am Kai in Le Havre festgemacht war. bestiegen der Bürgermeister von j Le Havre und die Senatoren, Abgeordnete und Gemeinde- j ratsmitglieder der Stadt das Schiff. In einer Begrüßungs- ; ansprache erklärte der Bürgermeister, daß die über die Washingtoner Unterredungen ausgegebenen Communiquös i sehr diskret gehalten gewesen seien. Der Ministerpräsident . kehre nach Frankreich mit ungebundenen Händen zurück. ‘ Ministerpräsident Laval führte in seiner Erwiderung aus:
„Ich habe eine wichtige Mission durchgestihrt und hege die Hoffnung, daß sie glückliche (Ergebnisse für unser Land haben und auch gestatten wir^ das Werk ^er soliden, dauerhaften Organisation des Zrieoens zu für ’. Ich habe mein yeftes getan, um meinem Lande zu dienen. Ich bin glücklich und durch das Bewußtsein gestärkt, mich in Ideen- gemeinschaft mit der öffentlichen Meinung Frankreichs zu
Paris, 4. November.
Von maßgebender Seite find die verschiedenen Gerüchte, die von allen Seiten über die angebliche Lösung der Tribut- frage und der Frage der kurzfristigen Kredite verbreitet wurden, zum grüßten Teil als unwahr bezeichne! worden. Was bereits geschehen ist, bringt das „Journal" in den Worten zum Ausdruck daß der französische Ministerpräsident aus Amerika die Handlungsfreiheit für Frankreich und die Notwendigkeit, zu handeln, mitgebracht habe. Außer diesem nicht zu unterschätzendtzv Erfolg der französischen Diplomatie ist jedoch nichts geschehen. Auch die Pariser Blätter, die bisher immer noch in dem Irrtum lebten, der deutsche Botschafter werde der französischen Regierung Vorschläge der Reichsregierung unterbreiten, haben sich inzwischen von ihren Berliner Berichterstattern dahin belehren lassen, daß die Unterredung Lavals mit dem Botschafter von Hoesch mehr der Unterrichtung diente, und daß die Reichsregierung zunächst einmal die notwendigen Aufklärungen des französischen Ministerpräsidenten über eine ganze Reihe von Fragen erwartet, die in Washington erörtert wurden, ehe sie selbst zur Frage der kurzfristigen Kredite und der Tribute Stellung nehmen kann..
Die Meldung, wonach sich Ministerpräsident Laval gegebenenfalls mit der Absicht trage, eine Konferenz der Gläubigermächte nach Biarritz einzuberufen, ist von Laval selbst dementiert worden.
Eine Reihe von Blättern machen Deutschland den Vo- wurf. mit den kurzfristigen Krediten und ihrer Rückzahlu' so zu manövrieren, um den Beweis zu erbringen, daß . y Deutschland unmöglich fei, auch nur einen geringen Teil der Tribute zu zahlen.
Die nationalistische „Ordre" wirft Deutschland vor, durch seine überschraubten Forderungen jede deutsch-sran^- sische Annäherungspolitik unmöglich zu machen.
Die „Tournee industrielle" warnt vor Ueberstürzungen und erklärt, daß die deutsch-französische Zusammenarbeit nur sehr vernünftige Ziele verfolge, daß aber das Arbeitspro- gramm der internationalen Besprechungen vorher in allen Einzelheiten aufgestellt werden müsse.
Dank an Laval.
Von der Tagung des französischen Ministerrats wurde olgende amtliche Mitteilung veröffentlicht: „Minisierpräsi dem Laval hat dem Ministerrat über die von ihm in den Vereinigten Staates erfüllte Aufgabe Rechenschasi abgelegt.
Der Justizminister und stcllverlretende Ministerprästdent Verard dankte Laval im Namen des Gesamtkabinetts und beglückwünschte ihn zu den Bedingungen, unter denen er sich der Ausgabe entledigt hat.
Er hob hervor, daß die vertrauensvolle und freiinbfcbaft’ liche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten durch die Arbeit des Ministerpräsidenten gekräftigt worden sei. Ferner legte der Finanzminister Flandin dem Ministerrat den Gesetzentwurf über den neuen Abschnitt der nationalen Ausrüstung vor Die betreffende Vorlage wird unmittelbar dem Finanzausschuß zugelettet werden damit die Aussprache in der Kammer so schnell wie möglich beginnen kann. Der Zusammentritt der Sommer wurde wir den 12. November ieitaeleau"