Bunter Wochenspiegel.
Ein folgenschwerer Erlaß. — Studenten in Jtot — Lhicagos Jinanzsorgen. — Eine Edisonehrung. — Die „gute alte Zeit". — Erfolge der Winterhilfe.
Freie Bahn dem Tüchtigen! Das ist auch eines jener Schlagworte, die recht sang- und klanglos begraben wurden. Die freie Bahn, die man dem Tüchtigen bereiten kann, besteht ja zunächst wohl darin, daß man ihm eine möglichst gute Ausbildung gibt. Diese Ausbildung führt von der schule zur Universität. In der Schule beschränkt man die Ausbildung der Tüchtigen durch einen Massenabbau der Lehrer, und nun fängt "man an, die U n i o e r s i t ä t s gebühren zu erhöhen. Ob man nun durch diese durchaus nicht erstmalige Erhöhung der Universitätsgebühren neue Einnahmen schaffen oder den Andrang zum Studium eindämmen will, ist hierbei fast gleichgültig. Der gewählte Weg ist aus jeden Fall falsch und recht unsozial. Oder ist das die freie Bahn, die man dem Tüchtigen bereitet, wenn man über das Studium statt des Verstandes den Geldbeutel entscheiden läßt? Verarmt, wie unser Volk nun einmal ist, hat es im Konkurrenzkampf mit den anderen Nationen fast nichts weiter in die Waagschale zu werfen als die breite und gesunde Basis seiner Volksbildung, die gründliche Schulung feiner Akademiker. Dieser „Gebührenerlaß" wird in den betroffenen Kreisen den „gebührenden" Entrüstungs- sturm hervorrufen.
Sollte man wirklich dadurch den Zustrom zum Studium etwas eindämmen, dann kostet das schwere Opfer, denn was gedenkt man denn mit denjenigen Studenten zu tun, die diese erneute Gebührenerhöhung in die schwere Gefahr bringt, ihre Studien nicht mehr fortfehen zu können und dadurch ohne jeden Abschluß ihrer Bildung auf die Straße geworfen zu werden. Der Kampf gegen bir Ueber* füllung der Universitäten muß anders gerührt werden, denn was hier geschehen ist, ist die größte soziale Ungerechtigkeit.
Nein, dieser Weg ist nicht der richtige, womit wir na- türltch nicht gesagt haben wollen, daß e^E h i c a g o richtig macht. Diese amerikanische Weltstadt läßt zwar an der Ausbildung ihrer Bürger nichts fehlen, dafür hat sie aber in ihrer schweren Finanznot den Lehrern seit dem Monat Mai keine Gehälter mehr gezahlt, aber bei einiger ruhiger Ueberlegung mußte sich ein Weg finden, der auch ohne Einschränkung der Ausbildung-möglichkeiten den Etat saniert.
Da mir uns einmal über Amerika äußern, so wollen wir auch die Tatsache nicht unerwähnt lassen, daß nach den neusten Zählungen Groß-Neuyorks Einwohnerschaft die *Zehnmillionengrenze überschritten hat. Welch ein gewaltiges Leben muß doch in dieser Metropole fluten, in diesem geheimnisvollen Menschenmeer, in dem jeder einsam und verloren ist, ein Tropfen nur, den keiner beachtet. Wir kennen aus Lichtbildern und Filmaufnabmen die Pracht des Broadway, zumal wenn nachts die Lichter bunt aufflammen und die fünfte Avenue einem illuminierten Märchen der Zukunft gleicht. Nun stelle man sich einmal vor, daß am Mittwoch der verflossenen Woche abends 7 Uhr plötzlich diese gigantische Stadt für eine Minute in völliges Dunkel getauchr wurde, so daß der ganze Verkehr still stand. Es war jene Minute, die dem Erfinder Edison an seinem Begräbnistage geweiht wurde. Das war eine mehr als sinnvolle Ehrung, denn diese eine , W i n u t -. . im wäre heute unsere West ohne das elektrische Licht, ja was wäre diese Welt ohne jene tausend Annehmlichkeiten, die wir so selbstverständlich hinnehmen, die aber ohne die Lebensarbeit der genialen Erfinder gar nicht existieren würden?
Ja es lohnt sich, darüber nachzudenken, denn der Durchschnittsmensch hat überhaupt im allgemeinen den kulturellen Entwicklungsgang vergessen oder nur so schwach in seinem geistigen Bewußtsein, daß ihm die Kenntnis nicht als siüge dienen kann. Würde man immer die Entwicklungsgänge vor feinen Augen haben, dann würde man trotz aller gegenwärtigen Nöte nicht immer von den „guten alten Zeiten" reden, denn in Wirklichkeit sind die fagenunn- ten guten alten Zeiten ein historischer Irrtum. Das Lebensniveau hat sich in allen Bevölkerungsschichten gehoben. So können wir nur im Vergleich mit den unserer eigenen Zeit entsprechenden Ansprüchen von einem Zustand sprechen, der tief unter dem Normalen steht.
Es ist aber sehr erfreulich, daß gerade gegenüber dieser anormalen Not sich die Winterhilfe zu einer wirklichen großen Hilfsaktion entwickelt, und hierin gibt einmal die Reichshauptstadt mit ihrer Massennot ein erfreuliches Beispiel, denn die Sammlungen der Reichswehr in allen Bezirken zeitigen einen großen Erfolg und zeigen — menschlich vielleicht das ergreifendste —, daß sogar die Armen für die Aermsten noch etwas übrig haben. So kann man hoffen, daß für diesen Winter auch für die Notleidenden Kleidung und Brot vorhanden sein wird. So besteht Hoffnung, daß der Winter gut überwunden wird, aber die guten Beispiele müssen Nachahmung finden. Keiner darf sich etwa leichtfertig damit trösten, daß er glaubt, an- dere tun ja genug. Die Not gelangte bis in die kleinsten Drte, und auch hier muß sie durch das große Gemeinschaftsgefühl überwunden werden, das da erkennt, es geht nicht mehr um das Schicksal des einzelnen, es geht um das Schicksal des ganzen Volkes. Jörg.
_ Plünderungen in Lebensmittelgeschäften. An zwei Stellen im Norden Berlins sind kurz vor Gefchäftsscyluß von unbekannten Tälern Lebensmittel entwendet worden. 20 Minuten vor 7 Uhr erschienen in einem Geschäft in der Müllerstraße drei junge Burschen von etwa 18 Jahren und stahlen etwa 10 Pfund Wurst im Werte von 15 RM. Die Burschen flüchteten darauf in Richtung Sparrplatz. — In der Lebensmittelfiliale von Nordstern in der Ofener Straße entwendeten vier junge Burschen etwa 40 Pfund Wurst und flohen nach vollbrachter las in Richtung Schillerpark. In beiden Fällen ist es nicht gelungen, die Plünderer zu fassen.
Geldbriesträger beraubt. In Berlin - Pankow wurde dem 58jährigen Geldbriefträger Finkeisen feine Geldtasche mit rund 700 RM von unerkannt entkommenen Tätern abgeschnitten und entwendet. Die beiden Täter kamen auf einem Motorrade dem Beamten entgegengefahren. Bei dem Versuch des Beamten, sich zur Wehr zu setzen, wurde er von einem der Täter mU einem Messer bedroht, doch ist der Beamte nicht verletzt. Die beiden Täter sind mit dem geraubten Gelde entkommen. Die Nummer des Motorrades ist nickt erkannt worden, ebenfalls fehlt noch eine Beschreibung der beiden Räuber. Die Ermittlungen sind sofort ausgenommen worden. Auf die Ergreifung des Täters ist eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt worden,
Börse und Handel.
Berlin, den 22. Oktober 1931.
Dollar: 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), engl. Pfund: 16,60 16,64, holl. Gulden: 170,88 171,22, Belga (Belgien): 59,04 59,16, ital. Lira: 21,83 21,87, dän. Krone: 93,41 93,59, norw. Krone: 93,11 93,29, franz. Franken: 116,62 16,66, tschech. Krone: 12,47 12,49, schweiz. Franken: 82,52 82,68, span. Peseta: 37,66 37,74, schwed. Krone: 98,60 98,80, östcrr. Schilling: 58,69 58,81.
Produklenmarkt. Nach ruhigem Vormittagsverkehr eröffnete die Börse wiederum in stetigerer Haltung. Das an den hiesigen Platz gelangende ersthändige Angebot von Brotgetreide ist nur auf einzelnen Produktionsgebieten teilweise etwas stärker, ein Teil des Offertenmaterials wird aber bereits von den Provinzmühlen aufgefangen. Die hiesigen Mühlen sind mit Rohmaterial keineswegs reichlich versorgt, da sie in der letzten Zeit nur immer den täglichen Bedarf gedeckt haben. Das Preisniveau für Weizen und Roggen war im Promptgeschäft gut behauptet; für Futterweizen hat sich die Nachfrage erhalten. 3m handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft wurde gleichfalls das gestrige Schlußniveau überschritten. Weizen- und Roggenmehle lagen ruhig aber stetig; die Nachfrage für billige Provinz- roggenmehle konnte zu unveränderten Preisen nicht immer befriedigt werden. Hafer bei geringem Inlandsangebot und einiger "Konsumnachfrage fester, Gerste in unveränderter Marktlage.
- Warenmarkt.
Mittagsbörse. (Amtlich.) Getreide und Oelsaaten per 1000 Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen Mark. 215—218 (am 21.10.: 212-215). Roggen Mark. 185—187 (185-187). Braugerste 163-173 (163 bis 173). Futter- und Jndustriegerste 154—162 (152—162). Hafer Mark. 139-148 (139-148). Weizenmehl 27,25 bis 32,25 (27,25-32,25). Roggenmehl 26,25-28,75 (26,25-28,75). Weizenkleie 10-10,25 (9,90—10,10). Roggenkleie 9,25—9,50 (9,10—9,30). Viktoriaerbsen 20—27 (20-27). Leinkuchen 13,20-13,40 (13,20-13,40). Trocken- schnitzel 6 (6)). Sofaschrot 11,70—12,20 (11,50-12).
Franksnrtcr Schlachtviehmarkt vom 22. Oktober. Auftrieb: 76 Rinder, 787 Kälber, 430 Schafe und 534 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht tn Reichsmark: Kälber —, 44 bis 47, 40 bis 43, 33 bis 39; Schare 28 bis 31, —, 24 bis 27, 20 bis 23; Schweine —, 46 bis 48. 46 bis 48, 43 bis 47. 42 bis^46.
Magerviehhof Berlin-Friedrrchsfeide.
(Amtlicher Bericht vom 2 2. Oktober.)
Auftrieb: 306 Rinder (darunter 254 Milchkühe, 1 Bullen, 51 Stück Jungvieh) und 97 Kälber.
Es wurden je nach Qualität gezahlt für das Stück: Milchkühe und hochtragende Kühe: 220—370 Mark.
Tragende Färsen: 200—290 Mark.
Jungvieh zur Mast: Bullen, Stiere und Färsen 25—26
Mark für einen Zentner Lebendgewicht.
Marktverlauf: Ruhig.
Pferdemarkt:
Auftrieb: 360 Stück. Preise je nach Qualität 200 bis 1100 Mark, Schlachtpserde 30—180 Mark.
Marktverkauf: Ruhig.
Wächtersbach. (Tagung der Post- und Telegrafenbeamten.) Der Beichsverband Deutscher Post- und Telegra- _sLL-Veamten, Ortsgruppe Wächtersbach hatte am vergangenen Sonntag seine Mitglieder und Zugehörigen eingeladen, um ihnen in dem neuzeitlich eingerichteten Lichtspielhaus Deubert den Verbandsfilm „(Ein Stand ein Verband" vorzuführen. Als Einleitung wurde die Tonfilm- ansprache des Verbandsvorsitzenden Franz Kugler-Berlin übertragen. In der Deutschen Veamtenbewegung ist der Beichsverband Deutscher Post» und Telegrafen-Beamten diejenige Organisation, die stets in allen Fragen des geistigen Fortschritts mit vorangegangen ist. (Ein Stand ein verband. _ Mit diesen vier Worten ist Sinn und Zweck einer großen Standesbewegung zum Busdruck gebracht. Das Werden, Wirken und Zielsetzung werden in diesem Film lebendig und treffend dargestellt. Der Film führt zurück zur Postkutsche, er zeigt den Landbriefträger, wie er mit seinen Postkunden in Freud und Leid verbunden war. Weiter die Gründung der Bezirksvereine und am 7. August 1908 die Gründungsversammlung in Berlin. Aufgebaut ist der Beichsverband mit einer Mitglieder- zahl von rund 150 000 in 1 400 Ortsgruppen, 45 Bezirksvereine und der Verbandszentrale in Berlin. Für die Mitglieder war es besonders wertvoll, einmal die Einrichtungen des Verbandes und der Verbandszentrale kennen zu lernen, wo ihre Interessen und Belange vertreten werden zum Wohle der Mitglieder der Deutschen Beichs- post und dem gesamten Volke.. Im Bnschluß fand dann im Gasthaus Th. Huck eine Mitgliederversammlung statt. Vom Bezirksvorstand in Kassel waren der 1. Vorsitzende Herr Heinr. Gunkel und der Bez. Kaff. Herr Wilh. Bode anwesend. Ersterer erstattete Bericht von dem kürzlich in Berlin stattgefundenen Verbandstag. In klaren Worten gab er ein Bild dieser Tagung, was mit starkem Leifall ausgenommen wurde. Herr Wilh. Bode schilderte dann in seinem Beferat ’ „Unsere Krankenkasse als Selbstverwaltung'". Buch diese Ausführungen fanden bei den Versammelten große Bnerken- nung. Zum Schluß ehrte dann der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Wächtersbach Hans Kreß seinen Kollegen, Postschaffner Georg Böll-Bad Orb, zu seinem 25 jährigen Dienstjubiläum und Mitgliedschaft im Beichsverband. Als äußeres Zeichen überreichte er ihm ein Schmuckdiplom in dem Namen der Ortsgruppe. Mit dem Wunsch an die Mitglieder, auch fernerhin der Führung vertrauen zu schenken und dem Beichsverband die Treue zu halten, um die gesteckten Ziele zu erreichen, nahm die 'starkbesuchte Versammlung ihr Ende. H. K.
Gffenbach. (Oberbürgermeister Granzin wiedergewählt.) In der etwa drei Stunden dauernden Stadtratssitzung am Mittwoch ist der seitherige Oberbürgermeister Granzin wieder auf zwölf Iahre gewählt worden. Das Gehalt wird nach den von der hessischen Regierung zu erlassenden Richtlinien festgesetzt werden. Die kommunistische Opposition hatte als Kandidaten Erich Kohlrausch aus Suhl i. Th. vorgeschlagen, der 10 Stimmen erhielt. Drei Stimmen erhielt Dskar Müller-Frankfurt und je eine Stimme Galm von der kommunistischen Opposition und Bürgermeister weil; vier Zettel waren unbeschrieben.
Sport-Ecke
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Gundhelm. (Sport.) Gundhelm i. Herolz 2.
Am Sonntag, den 18. iq. 31 standen sich die obengenaU ten Mannschaften im Verbandsspiel auf dortigem Gelach gegenüber. Beide Mannschaften zeigten zu Anfang ein M tes Spiel. Der Gundhelmer Mannschaft gelang eö, trotz; Ersatzleuten, nach kurzer Zeit dem Gegner einen Treffer J zubringen, jedoch der Gegner schaffte den Ausgleich. HM zeit 1:1. Zu Beginn der 2. Halbzeit war der Schiri not Herr der Sache, jedoch durch unfaire Spielweise des Gegn!« und Drohung desselben dem Schiri gegenüber wich dich (Löwenstein Ag.) von seiner Regel und leitete daö Spiel glifj zend zu Gegners Gunsten, sodaß die Gundhelmer Ma^ schaft unverdient eine so hohe Niederlage einstecken mufft] Die 2. Mannschaft beachte eine wohlverdiente Niederlage
1 : 3. Am kommenden Sonntag treten voraussichtlich t« 2. Mannschaft Hohenzell und 2. Mannschaft Schlächtern j» einem Freundschaftsspiel auf unserem Gelände gegen unfml 1. und 2. Mannschaft an. Schiri sind gefordert.
h a n a u. (Mißhandlung eines Geisteskranken.) Der 32 Iahre alte Drechsler Kurt Günther in Gersfeld hat seinen bei ihm lebenden geistesschwachen Hilf- und wehrlosen 48] jährigen Schwager Hermann Stefsan fortgesetzt grausam! mißhandelt und war deshalb vom Schöffengericht $uM mit drei Monaten Gefängnis bedacht worden. Gegen dies«! Urteil hatte Günther Berufung eingelegt, die jedoch m der Großen Strafkammer in Hanau verworfen wurde.
Frankfurt«. M. (Notizhändel ist verboten.) Im 3a] nuar hatten sechs Viehhändler wegen Notizhandels auf der» Frankfurter Viehmarkt, da die Ziffern der Schlußschei«! mit den tatsächlich gehandelten preisen nicht übereinstinm.» ten, ein Strafmandat über je 300 MK. erhalten. Sie hatte« r gerichtliche Entscheidung beantragt, doch hatte die erstei Instanz die Höhe der Geldstrafe bestätigt. Die Straftat mer setzte die Geldstrafe auf 100 MK. herab. Die einge4 legte Revision wurde vom Gberlandesgericht verworfen. I • Frankfurt a. M. (Der preis für den Bhön-Segeli flug-wettbewerb 1931.) Der Zuspruch des vom Beichsck verkehrsministerium als preis zum Rhön-SeLelflug-wetj-t bewerb 1931 gestifteten Motorflugzeugs war vom Preist gericht des Wettbewerbs zurückgestellt worden, da kein Beck werber die Bedingungen der Ausschreibung voll erfüllt j hatte und daher wegen Zuerteilung des Preises erst biel Zustimmung des Stifters einLeholt werden mußte. Perl preis ist nunmehr dem Württembergischen Luftfahrt-Ver- k band für seine hervorragende Gesamtleistung im 12. Rhön-l Wettbewerb und in Anerkennung seiner sonstigen Verdienste | um die Verbreitung des deutschen Segelflugs zugesprochen j worden.
Frankfurt a. M. (Verdoppelung der Bürgersteuer.) I Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat sich genötigt ge-1 sehen, die Bürgersteuer, die aus 150 %’ des Landessatzes | festgesetzt worden war, auf 300%' zu erhöhen. Die Ver-I doppelung der Bürgersteuer bedeutet eine Mehreinnahme 1 von 2^/2 Millionen Mark. Auf diese Summe glaubte der [ Maaistrat für die dringend notwendige herabminderuiy I des voraussichtlichen Fehlbetrags und zur Sicherung der r Kassenlage nicht verzichten zu können. I
Kassel. (Gräßlicher Unfall.) Am Dienstag nachmittag | stürzte auf dem Bahnhof Fürstenhagen die 16 jährige | Sophie Heinemann aus Quentel, die in Hessisch-Lichtenau I die Webschule besucht hatte und sich auf der Fahrt nach I Kassel befand, aus bisher ungeklärten Gründen von der I Plattform eines fahrenden Wagens und wurde oon den | Bädern buchstäblich in Stücke gefahren. Mit großer Mühe I konnte die entsetzlich verstümmelte Leiche unter dem Zuge I geborgen werden.
Kassel. Das Bundessingen des Mitteldeutschen Sängerbundes gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung für das deutsche Lied. Bereits Sonnabend nachmittag fand eine Dirigententagung statt, an der die Thormeister der verschiedenen Vereine teilnahmen. In giner | jAnfprache führte Regierungsrat Dr. Körber u. a. aus, daß gerade die Musik und der Thorgesang die innere Zerrissenheit des deutschen Volkes Überdrücken können. Der Vorsitzende Echzell, sowie der Vorsitzende des hiesigen Thor- meisterverbandes, Konrad Damm, gaben ähnlichen Gedanken Raum. Ueber das nächstjährige Bundessingen in Frankfurt a. M. machte Kapellmeister Dr. Laugs interessante Ausführungen. Er wies darauf hin, daß 80 Bünde aus ganz Deutschland in zehn großen Sälen Frankfurts 40 Sonderkonzerte verunstalten. Dem Kurhessischen Sängerbund bleibt es dort vorbehalten, erstmalig das Thorwerk von Rellius „Aus deutscher Not" aufzuführen. Bei dem Unterhaltungsabend ergriff Dr. Friedensburg das Wort. Seine Ausführungen waren insofern von Bedeutung, als er erklärte, daß die Entziehung der Erlaubnis für ührer, als Thormeister nebenamtlich zu wirken, ein Schreckschuß der Regierung sei. Die Kasseler Regierung will nicht zerstören, so fuhr der Redner fort, sie sieht vielmehr in dem Weiterleben des kulturellen Lebens in der heutigen Notzeit eine Existenzfrage des deutschen Volkes. Am Sonntag fanden zwei Sonderkonzerte statt, an der die Thore und auch Solokräfte teilnahmen.
Koblenz. (Zusammenstöße.) In der Bacht zum Dienstag und am Dienstag morgen kam es in der Altstabt und vor dem Arbeitsamt zu blutigen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. In der Nacht erhielt ein allein des Weges kommender Bürger einen Brustschuß. Im Laufe des Morgens wurde noch einer von den Kampf- hähnen niedergeschlagen, während ein anderer einen Steckschuß in den Oberarm erhielt. Die Polizei trieb die Zu- jammenrottungen auseinander und nahm inehrere Personen fest- t ■