Einzelbild herunterladen
 

chluchtemer Zeitung

ßrelsHmtsbtatt * Allgemeiner amtlich er RllMHer für Sen Kreis Schlücht

M. 125

(1. Blatt)

GamStag, den 17. Oktober 1931

83. Jahr«.

imiltche Bekanntmachungen.

undratsamt.

Die Herren Bürgermeister in Ahl, Altengronau, Breiten« ich, Eckardroth, Heubach, Hohenzell, Iossa, Kerbersdorf losterhöfe, Reinhards, Sarrob, Seidenroth, Wahlert und >eiper$ werden an die sofortige Einsendung der itasterblätter erinnert. (S. Verfügung vom 18. Juli 1929 Nr. 6119 Schlüchterner Zeitung Nr. 87).

Fehlanzeige ist erforderlich.

Zchlüchtern, den 16. Oktober 1931.

Der Landrat. I. v.: Duwe.

Krelsausschuß.

Abschrift.

iandwirtschaftskammer für

f ben Reg. Bez. Kassel. Kassel, den 8. Oktober 1931, Tgb. Nr. 11384/31.

Das starke Auftreten ber Unfruchtbarkeit beim Rindvieh nsbefonbere in ben kleinbäuerlichen Ställen in man« jen (Orten soll seit Jahren kein Kalb mehr lebend auf die Mt gekommen sein , hat der Landwirtschaftskammer leranlassung gegeben, mit den Herren Kreistierärzten und taktischen Tierärzten. besondere Vereinbarungen über die stematische Bekämpfung der Unfruchtbarkeit, deren Ur= lesen sehr verschiedener Natur sein können, zu treffen. He mit den Herren Tierärzten getroffenen Vereinbarungen, freu Einzelheiten aus Nr. 36 1931 und Nr. 27 1930 es Amtsblattes der Landw irtsch aftskammer zu ersehen sind, (strecken sich vor allem auf ein einheitliches und ver- higtes Vorgehen in der Bekämpfung. Um den viehbe- ^ern die Teilnahme an der Bekämpfung zu erleichtern, it der Bezirksverband auf Antrag der Landwirtschafts- immer den Betrag von 1500 RM. Beihilfen zu dem hfahren.l^willigt, wozu noch 500 RM. aus Kammer« titeln kommen. Diese Beihilfen sollen als Zuschuß filT*^' ftmalige Untersuchung gegeben werden und zwar sollen r Besitzer mit einem Bestände bis zu 10 Zuchtkühen und ^fähigen Rindern 1. RM. je untersuchtes Tier betra« in und für die Besitzer mit einem größeren Kuhbestande 50 BM. Die Anträge werden in der Reihenfolge des ingangs erledigt. Für die Durchführung des Verfahrens ib mit b,en Herren Tierärzten folgende Vereinbarungen troffen worden:

1- In einer Gemeinde müssen mindestens 30 Tiere zur Untersuchung durch einen Tierarzt angemeldet sein.

2. Für die einmalige Untersuchung aller im Stall vor­handenen Kühe und gedeckten Rinder auf Trächtigkeit bezw. auf die Ursachen der Nichtträchtigkeit wird eine Gebühr von 1,50 RM. pro Tier erhoben.

Eine einmalige Untersuchung lediglich der vom Besitzer genannten Tiere auf Trächtigkeit bezw. die Ursachen der Uichtträchtigkeit kostet 2. RM. pro Tier.

4. Erfolgt auf Wunsch des Besitzers eine Zonderbehand- lung zur Beseitigung der Ursachen der Nichtträchtig- keit (Gebärmutter-, Eierstock- ober sonstige Behand­lung der Geschlechtsorgane) so betragen die Kosten einschließlich Urzneikosten 8. RM. pro Tier.

5. Bei Tuberkulosenverdacht einzelner Tiere ist zunächst Untersuchung der Tiere im Unschluß an das Tuber- Kuloseversahren vom Tierarzt anzuraten, > bevor das Eier zwecks Beseitigung der Sterilität beseitigt wird. G Beim verdacht des Vorliegens seuchenhaften Verkal- bens ist der Viehbesitzer auf die Entnahme und Unter­suchung einer Blutprobe aufmerksam zu machen. Die Eragung der Kosten hierfür sowie für eine etwaige Behandlung der Tiere ist Sache des betr. Viehbesitzers.

Diejenigen Herren Tierärzte, die in der Bekämpfung der Fruchtbarkeit besondere Erfahrungen haben, sind uns '°n der Tierärztekammer bekannt und ihre Hamen in 36-1931 des Amtsblattes der Landwirtschaftskammer hoffentlich) worden.' Wir bitten auf die Einrichtung dieses Mährens insbesondere die Herren Bürgermeister entwe« h durch amtliche Bekanntmachung ober gelegentlich^ der hlgermcisterversammlung ober in sonst geeigneter Form seifen zu wollen.

, von Keudell.

n die Herren Landräte.

. E-Nr. 4929 K. A. vorstehendes Schreiben wird den etren Bürgermeistern des Kreises zur Kenntnisnahme mit« Weilt. Unter Bezugnahme auf die Besprechung in der hchermeister-Dienstversammlung am 14. September d. 3s. hoffend die Bekämpfung bes Sheibenkatarrhs bei dem "Mich ersuche ich die Herren Bürgermeister, die Vieh- auf die von der Landwirtschaftskammer getroffene Dichtung in geeigneter Weife aufmerksam zu machen. l ach ^r Bekanntmachung der Landwirlschaftskamnier zu alM vom 28. August d. 3s. Tgb.-Nr. 9531 (Amts«

blatt der Landwirtschaftskammer Hr. 36/1931) hat Herr Tierarzt Dr. Bergien in Zterbfritz besondere Erfahrung in der Bekämpfung der Unfruchtbarkeit der Rinber.

Schlächtern, den 14. Oktober 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Auf Antrag des Handels- und Gewerbevereins Schläch­tern wird auf Grund des Artikel 1 der Verordnung über Sonntagsruhe im Handelsgewerbe vom 5. Februar 1919 an folgenden Sonntagen: 25. Oktober, 1., 8., 1 5. und 29. November 1931, die Offenhaltung der Ladenge­schäfte von vormittags 11 Hz Uhr bis nachmittags 2 Uhr gestattet.

. Schlächtern, den lA. Oktober 1931.

Der Bürgermeister als Grtspolizeibehörde: Gaenßlen.

Der babische Alnamminister für Unterstützung der Regierung Drüning.

'OB. Konstanz, 16. 10. (£ig. Meldung.) Der badische Finanzminister Mattes erklärte gestern abend derKon= stanzer Zeitung" zu der Stellungnahme der Volkspartei Bebens zu den bevorstehenden Tntscheidunaen im Reichs- taae, er habe sowohl auf der Tagung der Südwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft der D. D. P. in Darmstadt, an der auch der Parteiführer Dingeldey teilnahm, wie auch in der Reichsausschußsitzung der D. V. P. in Berlin für Baben gesprochen und dabei den Standpunkt vertretene daß die staatsvolitischen Aufgaben und vor allem auch die Schwie­rigkeiten des kommenden Winters die Unterstützung der Re­gierung Drüning notwendig machten Die gleiche Ansicht habe er auch in einer Mitgliederversammlung der D. D. P in Karlsruhe vertreten. Mich wenn man der Meinung

- tionen nach

Seit

eine Regierung mit der Rechten grundsätzlich nicht abae- lehnt werden könne, so sei doch der iekige Zeitpunkt für eine Regierungsänderung verfehlt. Man müsse jetzt eine Regierung auf möglichst breiter Basis aufzubauen suchen und hülfe nicht die SopalbemokraUe. die bereit fei, dn schwere Verantwortung mittragen zu helfen, in die Opposition und an die Seite des Kommunismus drängen.

Laval über die Bedeutung feiner Ameritareife.

WTD. varis, 15. 10. Ministerpräsident Laval hat heute abend vor den Vertretern der Presse eine auch durch Rundfunk verbreitete Ansprache geholten, in der er u. a. sagte: Die Regierungen bemühen sich, durch Mittel, die sich bisher < als unzureichend berausstellten, der schweren Krise zu steuern, die immer weiter um lich greift. Am här­testen betroffen wurden die Länder Mitteleuropas, dann Deutschland und zulekt England. Frankreich ist gestind Ze- blieben. Es verdankt dies" Vorzugsstellung der Arbeit und dem Srarfinn. Frankreich hat übrigens seine Tradition. Es weiß. wenn nötig, sich durch andere Beweggründe als solche rein egoistischen Interesse? bestimmen zu lassen. Die Reife, die ich unternehmen werde, um eine immer engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich herzustellen, läßt große Hoffnungen aufkennen. Hüten wir uns aber vor Illusionen. Wenn persönlich' Be- frrechunaen und eine offene Aussprache zwischen den Regie­rungschef? als die sicherste Methode erscheinen, die es ge­stattet, die Regeln für eine normale Wirtschaft wiederzufin- ben, wäre es doch übertrieben davon endgültige Lösungen zu erwarten. (Eine aus den Fugen geratene Produktion. Währunasstörungen. ein Uebermaß an Vertrauen in die Spekulation haben Arbeitslosigkeit und Elend erzeugt. Das Nebel ist tiefgreifend, da feine RAuhe gerab* in den Fort­schritten einer zu schnell entwickelten Zivilisation liegt. Niemand kennt bas Heilmittel. da? einzig und allein a'ye« bracht wäre. Ein strenges Regime ist geboten Vier Tage in Washington werden nicht genügen, die Angelegenheiten des Weltalls in Ordnung zu bringen. Wir werden unsere Ge­danken austauschen. Präsident hoover werde ich mitteilen, was mein Land denkt, wünscht und tun kann Die fran>ö- fifche Regierung bat bereits ihren Willen, zu handeln, ge= seiet. Bei meiner Rückkehr werde ich im Parlament Rechen­schaft ablegen.

Die Rewporker Dund-sreservebank hat ihren Dis­kontsatz von 2*4 auf ö-oo erhöht.

Vertreter des christlich-sozialen Dolksbienftes legten heute Dr. Spülung eine Reihe Fragen vor, auf die sie bindende Auskünfte erhielten, sodaß bas Kabinett auf die Unterstützung bes Thristlich-sozialen Volksdienstes rechnen kann.

Die letzte Woche,

Während im Reichstag der schwere Kampf der Regie­rung Brüning ausgefochten wird, während hemmungsloser wie je zuvor die Redeschlacht im Plenarsaale tobt, findet ein stiller aber darum äußerst zäher Kampf hinter den Kulissen statt, wobei es sich darum handelt, ob die Arithmetik der­jenigen Recht behält, die bereits einen Sieg des Kabinetts mit dem Stift errechnet haben. Auf jeden Fall ist die Lage aufs äußerste gespannt. Von den 577 Mitgliedern des Reichstages müßte die Opposition 289 Slimmen für das Mißtrauensvotum aufbringen, um den Kanzler stürzen zu können. Sicher verfügt sie über die 107 Stimmen der Na­tionalsozialisten, die 41 Stimmen der Deutschnationalen und über 77 Stimmen der kommunistischen Partei. Dazu kom­men wahrscheinlich die 7 Stimmen der neugegründeten so­zialistischen Arbeiterpartei. Bei der Landpolkpartei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei ist die Sache noch insofern unklar, als wohl ein Teil der Abgeordneten mit der Opposition gehen will, während die anderen für Stimmenthaltung plädieren bezw. ihre Stimme dem Ka­binett zu geben gewillt sind. Würden, wie in den Wandel­gängen des Reichstages verlautet, lediglich 20 Mitglieder der Volkspartei mit der Opposition gehen, ferner etwa 5 Mitglieder der Landvolkpartei der Abstimmung fernbleiben, so würde die Opposition 269 Stimmen erhalten, das heißt, es würden ihr 20 Stimmen zum Siege fehlen Biese 20 Stimmen könnten nur von der Wirtschaftspartei kommen, was nach den Beratungen dieser Fraktion bereits sehr un­wahrscheinlich ist. Die Regierung verfügt zunächst über 136 sozialdemokratische stimmen, über 68 Zentrumsstimmen, 14 Christlichsozialer Volksdienst, 4 Konservative Volkspartei, 3 Deutschhannoversche Partei, 19 Bayerische Volkspartei, 14 Staatspartei, 6 Deutsche Bauernpartei und 6 Volksnationale Reichsvereinigung. Die Regierung hat also zunächst 270 sichere Stimmen. Kommen noch von der Wirtschaftspartei die Stimmen dem Kabinett zugute, so könnte man mit einer Mehrheit von 25 bis 28 Stimmen gegenüber der Opposition rechnen. Da aber Ueberraschungen nicht ausgeschlossen sind, so bedeutet dies nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, die

daß hinter den Kulissen mit Hochdruck gearbeitet wird, um die Waagschale es kommt auf die Einzelstimme mehr an wie je zuvor nach der eigenen Seite zu senken.

Zur Würdigung der Gründe, die zum Rücktritt des preußischen Finanzministers Höpker-Aschoff führten, muß daran erinnert werden, daß zwischen der Reichsregie- rungundder Preußischen Staatsregierung Absprachen stattgefunden haben über die Maßnahmen, die durch die Notverordnung von Preußen und den übrigen Ländern durchgeführt werden sollten und die eine unabweis­bare Vorbedingung für die Hilfe des Reiches war, die den Kommunen zuteil werden sollte. In diesen Absprachen hatte sich die Reichsregierung bereit erklärt, dem Vorgehen der Preußischen Staatsregierung im Hinblick auf eine A u f - rückungs- und Befördern ngsjperre zu folgen. Es war infolgedessen verständlich, daß innerhalb der preu­ßischen Staatsregierung und bei den Koalitionsparteien leb­haftes Befremden zutage trat, als die Notverordnung der Reichsregierung die Aufrückungs- und Beförderungssperre nicht enthielt. Als dann die Wünsche nach einer Aenderung auftraten, hat sich der preußische Finanzminister nunmehr dagegen gewandt, weil er der Auffassung war, daß es ein Zeichen von Schwäche sein würde, wenn eine Notverordnung, die am 12. September erlassen worden sei, am 12. Oktober wieder geändert würde. Er hat weiter die Auffassung vertreten, daß, wenn man in verhältnismäßig kleinen Punkten Abänderungen in Form von Erleichterun­gen treffe, dadurch ein falscher Eindruck bei den Beamten entstehen könne. Im preußischen Kabinett fand er mit sei­nen sachlichen Ueberzeugungen keine Mehrheit, sondern es wurde die Aenderung der Aufrückungssperre beschlossen. In den Presseerörterungen ist weiter davon die Rede gewesen, daß die Gründe für den Rücktritt Höpker-Aschofss mit darin gelegen hätten, daß er die Hilfeleistung für ein öffentliches Kreditinstitut verweigert habe. Es handelt sich um eine Bürgschaftsleistung des Preußischen Staates für die Spar­kassen, die ursprünglich 325 Millionen Mark betrug und die durch den Bürgschafts-Ausschuß erhöht wurde. Die Er­höhung der Bürgschaft ist alsdann vom preußischen Kabinett beschlossen worden. Da der Minister in diesen Beschlüssen des Staatsministeriums eine Desavouierung feiner Tätigkeit er­blickte, glaubte er den Rücktritt fordern zu müssen.

Immer deutlicher trennen sich die beiden großen Ak­tionen, die der amerikanische Präsident Hoover in Gang zu bringen am Werke ist. Seine erste Sorge hat den Notwen­digkeiten des eigenen Landes gegolten, und die Schaffung eines Baukenpools zur Sicherung der gefährdeten kleineren provinziellen Banken und zur Wiederbelebung der in Grundstücken eingefrorenen Dollarmillionen zeigt, welche Wege er hier zunächst für zweckmäßig hält. Als zweite Aktion folgt dann der Versuch, die trotz des Schuldenfeier- jahrs nur noch weiter erschwerte internationale Finanzlage zu erleichtern. Mit besonderem Nachdruck läßt er darauf Hinweisen, daß über seine Absichten sofort Nachricht nach Paris gegeben worden sei, und daß er nicht daran denke, feine Pläne bis zum Abschluß zu fördern, ehe er nicht mit seinem Gaste, dem französischen Ministerpräsidenten Laval, eingehend die zur Lösung drängenden Fragen besprochen