> Rt. 122 (1, Blatt) Samstag, den 10. Oktober 1931 83. Jahr«.
Etliche Bekanntmachungen.
«ndratsamt.
4$ wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die puchstunden des Landratsamts auf Dienstag und Freitag, W. von 9—12 Uhr, festgesetzt sind. Den Rreiseingesesse- ,n wird in ihrem eigenen Interesse empfohlen, die Sprech- mden einzuhalten, da sie zu anderer Zeit nicht daraus chnen können, daß sich die gewünschte Rücksprache ermög- hm läßt. 5ln den Nachmittagen müssen die Viensträume : ben Verkehr mit dem Publikum geschlossen bleiben. Schlüchtern, den 2. Oktober 1931.
Der Landrat. 3. D.: Vuwe.
Z.-Nr. 8964. Die Drtspolizeibehörden werden ersucht, die lern der im Iahre 1930 geborenen und noch nicht ge= pften Rinder nochmals daraus aufmerksam zu machen, i§ alle Rinder vor dem Abläufe des auf das Geburtsjahr Igenbes Ralenderjahres geimpft werden müssen. Alljährlich wird die Unterlassung der Impfung einer mr größeren Anzahl von Rindern damit entschuldigt, daß ie Kinder z. 3t. der Impfung krank gewesen seien, ohne i ärztliche Zeugnisse darüber vorgelegt werden können. Iche mündlichen Entschuldigungen sind aber nach den ge- hlidjen Bestimmungen kein ausreichender Grund für die äerlassung her Impfung und es müssen deshalb in Zu- ' nft in allen solchen Fällen die Llrafoorschriften des Imps- setzes zur Anwendung kommen. Schlüchtern, den 5. Oktober 1931.
Der Landrat. Dr. Müller.
Kreisausschuß.
Winterhilfe des Kreises Schlüchtern.
Mir. 119514 S- Mit Rücksicht auf die zu erwartende Rot kommenden Winter soll, wie in allen anbereni Kreisen B»irf^to ■
(er und privater Liebestatigkeit für die notleidende Be= Kerung des Kreises unter Beteiligung der vorhandenen reine und Organisationen eingeleitet werden.
Üm Montag, dem 12. ds. Mts., nachmittags 3,30 Uhr, bet im Kreisläufe, hier, eine Besprechung über die Durch- frung der Hilfsmaßnahmen statt. Sämtliche vereine und ganisationen die beabsichtigen, selbst ein Hilfswerk zu ionisieren, werden gebeten, Vertreter zu. der Besprechung entsenden, um von vornherein eine einheitliche Durch- i )Tung der Sammlung sicherzustellen. ; Schlüchtern, den 9. Oktober 1931.
Rreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.
I-Nr. 4761 K. A. Die Herren Bürgermeister der Land- - neinden des Kreises ersuche ich unter Bezugnahme auf ' Umschriften für die Gemeindevorstände der Landgemein- ' bes Regierungsbezirks Rassel zur -Beaufsichtigung des meinderechnungs- und Rassenwesens vom 22. März 1898 egielungsamtsblatt von 1898, Seite 54/58) um Einsen- ng der Rassenprüsungsverhandlungen für die Monate •li—September d. Is. Schlächtern, den 7. Oktober 1931.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.
3-Hr. 4279 K. A. Die Herren Bürgermeister der Land- meinben werden hiermit an die Erledigung meiner Der- Sung vom 19. September b. Is. — I.-Rr. 4279 K. A. — leisblatt Nr. 114) betr. Berichterstattung über die er- Igte Abführung des Losholzgeldes an die Forstkasse mit ^r Frist von 8 Tagen erinnert. Schlüchtern, den 8. Oktober 1931.
_ Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller. ■
tabt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Auf Grund des Artikel 1 der Verordnung über Sonntags- ^ im Handelsgewerbe vom 5. Februar 1919 wird am )nntag, den 11. Oktober 1931 die Offen Haltung der La. Geschäfte von vormittags 11V2 Uhr bis nachmittags Uhr gestattet.
Schlüchtern, den 8. Oktober 1931.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Staatssekretär Stimson teilte mit, daß er den ameri- '"hchen Botschafter in Paris angewiesen habe, LaonI zu ^chrichtigen, daß Hoover mit dem französischen Minister- ‘bfibenten die internationale Schuldenfrage besprechen "chle. Edge habe gemeldet, daß Laval sich bamit Sinnet- ; ’irben erklärt habe. Es ist bamit also doch ein neuer Schritt ; ^vers in der ReparationsfraLe zu erwarten.
M englischen politischen Kreisen wurde erörtert, daß der "Gkanische Präsident Hoover^dem ,'Vorschlag der völligen Eichung des Kriegsschuldenproblems zustimmen würde.
Brüning in der Krise.
Um die Auflösungs-Order.
Berlin, 9. Oktober.
Die Tatsache, daß es dem Reichskanzler Brüning nicht gelungen ist, eine Stunde später, nachdem er dem Reichspräsidenten den Gesamtrücktritt des Kabinetts angezeigt hatte, ein neues Kabinett auf die Beine zu stellen', diese eine Tatsache zeigt zur Genüge, daß der Entschluß zum Gesamtrücktritt nicht auf Brüning zurückgeführt werden kann. Schon jetzt zeigt sich, daß die Gesamtdemission, falls Brüning allein und ohne höheren Einfluß zu einem solchen Entschluß gekommen wäre, als das folgenschwerste Ereignis seit der Reichstagsauflösung angesprochen werden müßte.
Es lag für Brüning überhaupt kein Grund zu einem Gesamtrücktritt vor. Die Ergänzungen des Kabinetts hätten genau so gut ohne einen Gesamtrücktritt erfolgen können.
Niemand wird den Reichskanzler Dr. Brüning für einen politischen Stümper halten — die Art aber, wie jetzt über die Besetzung der Ministersitze verhandelt wird, muß wie Stümperei wirken. Der Reichskanzler hat wochenlang mit dem Geheimrat Schwitz verhandelt. Wenn er ihn für sein Kabinett gewinnen wollte, dann mußte er sich erst Klarheit schaffen, ob Schwitz bereit war, das Verkehrsministerium zu übernehmen, und dann erst konnte der Gesamtrücktritt erfolgen. Das gilt schon für normale Zeiten, das gilt vor allem aber für eine Zeit, die so wenig für Aufregungen und langwierige Krisenverbgndlungen geeignet ist, wie dieser Krisen-Herbst. Was für Schwitz gilt, gilt in gleicher Weise für die übrigen Ministerkandidaten, für Geßler, Warmhold und Neurath. Der Fall Neurath ist hier noch besonders geartet.
Der Reichskanzler weiß ganz genau, daß sich das außenpolitische Vertrauen auf ihn konzentriert, und daß er nicht ohne weiteres in der Lage ist, dieses Vertrauen auf einen neuen Außenminister zu belegteren.
Wenn die „Germania" meint, daß die Kabinettsneubildung den Zweck verfolgt, eine noch stärkere überparlamen- tarische Form zu finden, so wird man im Zentrum ganz -gen«! wissen, daß das eins Redensa.. ist, ^.. zu map. verpflichtet. Wenn nicht schnell und entscheidend gehandelt wird, kann diese sogenannte stärkere überparlamentarische Form eine geschwächte parlamentarische Basis zur Folge haben.
In den weiteren Verhandlungen über die Kabinetts- ! krife werden die Fragen zu klären fein, ob Reichskanzler Dr. Brüning die Auflösungs-Order erhält, ob sie ihm verweigert wird, oder ob nach ihm ein anderer präfumtiver Reichskanzler mit der Auflösungs-Order für den Reichstag ausgestattet wird. Von der Beantwortung dieser Fragen erst wird man Schlüsse aus die weitere Entwicklung der politischen Lage mit einiger Sicherheit folgern können.
Die Verhandlungen gehen weiter.
Botschafter von Reurath wird vorläufig nicht Außenminister.
Berlin, 8. Oktober.
Die Verhandlungen über die Regierungsbildung hatten nach der formellen Seite hin bis Donnerstag abend noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis geführt. Abgesehen von den Ministern, die ohnehin wiederkehren, herrschte nur über die Besetzung von drei Ministerien Klarheit: Das ist die des Reichswirtschaflsministeriums mit Prof. War m - bald, des Reichsjustizministeriums mit Staatssekretär I 0 el und die Uebernahme des Auswärtigen Amtes durch Dr. B r ü n i n g.
Diese letzte Tatsache muß deshalb festgestellt werden weil immer wieder behauptet wurde, daß nun doch Bot- |d)after von Neurath Außenminister werden solle. Snt= r-egen anderslautenden Nachrichten kommt Dr. von Ren- rath im Laufe des Freitags erst nach Berlin, um dem Kanzler für Sonnabend zu Besprechungen zur Verfügung zu stehen. Sie dürften sich darauf beziehen, daß Dr. von Neurath vielleicht später einmal das Auswärtige Amt übernimmt. Für die bevorstehende Reichstagskampagne ist jedoch mit ihm als Außenminister unter keinen Um ständen zu rechnen. Der Hauptgrund dafür ist darin zu suchen, daß durch die Uebernahme des Auswärtigen Amtes durch Dr. Brüning auch der leiseste Anschein vermie- den werden soll, daß in der deutschen Außenpolitik e:ne diesen Posten zu gewinnen, sind gering. Ganz abgelegt 11 Aenderung eintreten könnte.
Ueber die Besetzung des Innenministeriums herrüht noch keine Gewißheit. Die Aussichten, Dr. Geßler für diesen Posten' zu gewinnen, sind gering. Ganz abgesehen von der ablehnenden Stellungnahme der Sozialdemokra- ten gegen Dr. Geßler, scheint' das auch daraus hervorzu- gehen, daß inzwischen bereits mit dem Essener Oberbürgermeister Dr. Bracht verhandelt worden ist. Dr. Bracht hat jedoch endgültig abgelehnt Außer Geßler nennt man jetzt auch den früheren Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz für das Amt des Innenministers. Ebensowenig Ministeriums vorwärtsgekommen. Die Fühlungnahme des sind die Verhandlungen wegen der Besetzung des Verkehrs Reichskanzlers mit dem Industrieführer Dr. Vögler unk Silverberg dürfte erfolglos geblieben sein.
Roch keine Vollmacht zur Reichstagsauslösung.
Neben den personellen Fragen scheint jetzt auch das Problem der Vollmachten aktuell zu werden, die der Reichspräsident dem Reichskanzler Brüning zu geben
bereit ist. Bis jetzt hat Dr. Brüning noch nicht die Vollmacht im Falle einer parlamentarischen Niederlage des neu zu bildenden Kabinetts den Reichstag aufzulösen. Die Entscheidung dieser Frage dürfte wesentlich von dem weiteren Gange der Kanzlerverhandlungen abhängen.
Der Herr Reichspräsident empfing am Donnerstag- nachmittag den Kanzler zwecks Berichterstattung über des Stand der Kabinettsbildung.
Französische Blätterstimmen zur tage.
Zum Verlaufe der Ereignisse in Berlin schreibt „I 0 u r- n a t", es sei nicht nachgewiesen, weshalb die Ersetzung des Reichsaußenministers Dr. Curtius die zustandengekommene Verwirrung notwendig gemacht hätte. Dagegen erkenne man sehr wohl alle Gründe, die zugunsten der Aufrechterhaltung des bestehenden Zustandes gesprochen hätten. Das Kabinett Brüning habe die Diktatur auszuüben verstanden, ohne sich der Anschuldigung einer autoritären Herrschaft auszusetzen.
Unsere Schwierigkeiien im englischen Licht.
„Daily Telegraph" sagt in einem Leitartikel: Die deutsche Regierung ist bereits unter dem Druck der Notwendigkeiten im wesentlichen eine Diktatur. Wenn sie ein Mißtrauensvotum durch den Reichstag erhalten sollte, wäre es denkbar, daß sie ohne den Reichstag weiterregierte. Die Gefahr besteht jedoch, daß in diesem Falle eine unparla- mentarische Opposition gegen eine unparlamentarische Regierung über Deutschland und Europa ein noch größeres Chaos bringen würde als bisher schon.
Man hak davon gesprochen, daß die einzige Allernalive zur Brüningregierung entweder eine Koalition ist, in der Hitlers Anhänger das llebergewicht haben, oder ein Staatsstreich, der eine Brüning-Diktatur schaffen würde. Die neuesten Rachrichten deuten auf die letztere Möglichkeit hin. Aber bei dem jetzigen Zustand der deutschen und der internationalen Angelegenheiten ist es schwer, ohne Sorge an die Möglichkeit der Schaffung einer offenen Diktatur zu denken.
Für eine starke Reichsgewali.
kennlnis zur Goldwährung.
Im Hauptausschuß des Deutschen Industrie- und Han- destages legte Reichsbankpräsident Dr. Luther erneut ein nachdrückliches Bekenntnis zur Aufrechterhaltung der deutschen Goldwährung ab. Bei den weiteren Ausführungen Dr. Luthers lag der Hauptton auf der Notwendigkeit einer einheitlichen und kraftvollen Führung des Reiches durch Herstellung einer Realunion zwischen Reich und Preußen. Eine starke Reichsgewalt sei geradezu die Voraussetzung für eine gesunde Dezentralisation, die dem Heimatgefühl Lebensraum und möglich viel Wirkungsgebiet geben könne und solle. Diejenigen Länder, deren Eigenleben noch von innerer Kraft getragen sei, seien in ihrer bisherigen staatsrechtlichen Stellung zum Reich zu erhalten.
Die GieSlung -er Gewerkschaften.
Schlußentschließung der Afa-Tagung.
Leipzig, 9. Oktober
Die freien Angestellten-Gewerkschaften haben in Leipzig getagt und befaßten sich auch mit der Stellungnahme der Gewerkschaften zu den politischen Parteien. Der Vorsitzende Aufhäuser erklärte hierzu, die Gewerkschaften und Parteien hätten zum Teil die gleichen Ziele und verträten die gleichen Volksschichten. Alle gewerkschaftliche Kraftentfaltung wurde verloren gehen, wenn die Gewerkschaftsmitglieder im politischen Kampf nicht den Volksstaat verteidigen und aufrechterhalten würden.
Bei aller Würdigung der Tätigkeit der SPD müßten die freien Gewerkschaften, wie sie es immer getan hätten, sich die volle Freiheit der Kritik vorbehalten.
Hierauf wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der der Kongreß ben Bericht über das bisherige Zusammenwirken mit der Reichstagsfraktion der SPD zur Kenntnis nimmt und die Haltung des Bundesvorstandes in der Frage der parteipolitischen Neutralität billigt. Damit hatten sich die hierzu vorliegenden Anträge erledigt.
Nach Erledigung von Satzungsänderungen wurden die Wahlen vorgenommen, die die einstimmige Wiederwahl von Aufhäuser als Bundesvorsitzender und Stöhr und Urban als stellvertretende Vorsitzende ergab. Die übrigen Bundes- oorstandsmitglieder wurden ebenfalls wiedergewählt. Damit waren die Arbeiten des Kongresses erledigt.
— Die Hemporber Bundesreservebank hat ihren Diskontsatz von 1120 0 um 1% auf 21W heraufgesetzt. Der Satz von 1V20 0 war seit dem 7. Mai d. 3s. in Geltung.
— Die Guarantee Trust To. in Renwork hat heute Gold im Werte von 30 Millionen Mark nach Frankreich zum Versand gebracht.
— Infolge eines Pfeilerbruches auf der Rarstcn-Zen» trum-Grube in Leuthen wurden Jünf Bergleute verschüttet. Einer konnte mit verhältnismäßig leichten Verletzungen bald geborgen werden, es besteht aber nur sehr geringe Aussicht, die übrigen vier verschütteten aus Tageslicht bringen zu können.