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Amtsblatt * Allgemeiner amtlich er Anzeitzer für öen Kreis Schlürf

Rr. 120 (1. Blatt) Dienstag, den 6. Oktober 1931 83. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachungen, jindratsamt.

1 Diejenigen Orts Polizeibehörden, welche mit der Einsen- >ung der Katafterblätter über die gewerbIi - hen Anlagen no>ch im Rückstände sind, werden an 6tren sofortige Einsendung erinnert (Derfügung vom 18. Juli 1929 Nr. 6119 Zchlüchterner Zeitung Nr. 87).

Der Landrat. 3. D.: Vuwe.

Kreisausschutz.

Hageuer Stadtkinder.

J.-Nr. II 18489 $. Die Heimkehr der im Kreise Schläch­tern zur Erholung untergebrachten Kinder aus Hagen i. W. findet am Montag, dem 1 9. Oktober d. 3rs.. statt. Ich bitte die Vertrauensmänner und Pflegeeltern, dafür Sorge zu tragen, daß die Kinder sich rechtzeitig zu dem Zuge, der 1211 Uhr mittags in Schlächtern abfährt, ein= inöen, damit sie den Anschluß an den Zug 1209 Uhr ZelnhausenGießen erreichen.

Ich benutze zugleich die Gelegenheit, allen Pflegeeltern für das durch Aufnahme der Stadtkinder erwiesene Liebes- oerti und denen, die sonst zum Gelingen desselben! beige­ragen haben, meinen besten Dank auszusprechen.

Schlächtern, den 1. Oktober 1931.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

I Die diesjährige Personenstandsaufnahme erfolgt nach dem Stand vom 10. Oktober 1931. Die Listen werden vorher den Hausbesitzern, Haushaltungsvorständen und Retriebsinha- ibern zugestellt und sind so rechtzeitig auszufüllen, daß sie

>n Montag, den 12. Oktober 19 3 1 ab zur Rb = oluNN bereit liegen. Bemerkt wird, daß der Ma­strat berechtigt ist, die rechtzeitige und ordnungsmäßige >--fiMM^^MMcrum> dsr Mn durch|mfe- n bis zu 5 000 UM. nach § 202 Ueichsabgäbenordnung i erzwingen. Es ist in früheren Jahren vorgekommen, die Beauftragten der Stadt 34 mal in den haushal- ungen vorsprechen mußten, um endlich oder auch dann ach nicht die Listen zurückzuerhalten. Dies fordert Seit pb unnötigen sonstigen Ruftoanb. Jn diesem Jahre wer­den die Listen nur einmal zurückgefordert werden, und p haben die dann noch Säumigen zu gewärtigen, daß mit

Iwangsstrafen gegen sie vorgegangen wird.

Bemerkt wird, daß in die Haushaltungslisten alle in der lacht vom 9. zum 10. Oktober anwesenden Personen auf- »führen sind, vorübergehend Abwesende sind in den er Liste vorgesehenen besonderen Abschnitt einzutragen. Schlächtern, den 28. September 1931.

Der Magistrat. Gaenßlen.

in

Bekanntmachung.

Gefunden:

1 Damen uh r.

Lchlüchtern, den 2. Oktober 1931.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Zufammeustötze in Gisleken.

DTR. Eisleben, 4. 10. R(s heute abend Polizeibe- anite einen etwa 120 Mann starken nichtgenehmigten Um= ug des Kamvfbundes gegen den Faschismus auflösen woll­en, wurden sie von den Demonstranten angegriffen. Poli- Werftärkungen aus Halle stellten die Ruhe wieder her. ^r Kommunisten wurden verhaftet. Gegen sie wird ein ^kafverfahren wegen Landfriedensbruches eingeleitet verden.

Die Opposition der SPD, die sich am Freitag in Dessau zurSozialistischen Arbeiterpartei" .sSUP) zusam- vchgeschlossen hatte, hielt am Sonntag in Berlin eine "ichrkonferenz ab. Das Bauptreferat hielt Seydewitz, der a. erklärte, daß ab 1. November in Berlin eine Tages- jf^ung 0er SRD. erscheinen werde. Die SAP will sich der Zweiten Internationale anschließen und im Gegensatz zum ^tchsbanner einenSozialistischen Schutzbund" ins Leben rufen.

Unbekannte Täter versuchten am Samstäa, die ka= Wifdie Pfarrkirche in Leverkusen-Steinbüchel in Brand stecken. Sie gössen das (Del der Ewigen Lampe auf den und steckten es an. Der Küster entdeckte den, Brand verhinderte feine weitere Ausdehnung. Die Täter Wen auch aus einem Beichtstuhl eine Stola mitgenommen. " In den Träten Abendstunden de- Samstag erschien Rom ein Flugzeug, das antifafzistische Flugblätter in Massen über der Stadt abmarf. Darin wird der König ufaeforbert, selbst die Rührung zu übernehmen und das O^ vom $afjismus zu befreien.

Gegen Wettrüsten und Krise.

Appell des Papstes zu einem Kreuzzug der Nächsten' ebe und Unterstützung.

Rom, 5. Oktober.

In einer im Osservatore Romano veröffentlichten En­zyklika, die mit den lateinischen Worten Nova impedent be­ginnt und nach diesen Anfangsbuchstaben benannt wird, beklagt der Papst die Wirtschaftskrise und die zunehmende Arbeitslosigkeit sowie die Rückwirkungen dieser Not auf die Familie und die Kinder.

In dieser Lage mühten sich alle, die ein Empfinden für den Glauben und die christliche Liebe haben, zu einem Kreuzzug der Nächstenliebe und Unterstützung vereinigen. Durch Stillung des leiblichen Hungers würden auch die Seelen getröstet, das Vertrauen in sie einkehren und die traurigen Gedanken verscheucht werden, die das Elend ge- wöhnlich in die Seele präge.

Der Kreuzzug der Nächstenliebe werde die Flammen des Hasses und der Leidenschaft löschen und die Flammen der Liebe und der Eintracht entzünden und zum Frieden und zum sozialen und individuellen Wohlergehen führen. Klar sei, daß nur durch die Großmut der Nationen und die Hingabe der christlichen Seelen und durch Opfer für das Wohlergehen der Brüder und vor allem für die Kinder die ersten Schwierigkeiten der gegenwärtigen Stunde überwun­den werden könnten.

Da das zügellose Wettrüsten ohne Zweifel zum Teil eine Folge der Eifersucht der Völker fei, andererseits aber riesige Ausgaben verursache, die dem Volksvermögen ent­zogen würden und so zur Krise beitrügen, könne er, der Papst, sich nicht enthalten, die Warnung seines Vorgängers zu wiederholen und zu bedauern, daß diese bisher noch nicht berücksichtigt worden sei.

Die Bischöfe werden aufgefordert, sich überall an die Spitze des Hilfswerks für die Kinder zu stellen.

ZiZsammenbruch einer Hetzs.

Siebet: Deutsche in einem Wahlprozeh in PommereÜen

Bromberg, 5. Oktober.

In Neustadt ging ein politischer Prozeß gegen sieben Deutsche aus Nord-Pommerellen mit der Freisprechung sämtlicher Angeklagter zu Ende. Die Deutschen waren be­schuldigte während der Wahlen zum polnischen Parlament im herbst vorigen Jahres durchGeldzuwendungen" und Drohungen" Personen dazu bewogen zu haben, für die deutsche Kandidatenliste zu stimmen. Der größte Teil der Angeklagten, die damals die deutsche Wahlagitation leiteten, saß während der Wahlzeit in Untersuchungshaft, so daß die Wahlagitation der Deutschen in Nord-Pommerellen zum größten Teil lahmgelegt war. Angeklagt war'dn der Leiter des Sejm-Büros von Nord-Pommerellen, Kurt Knabe- Dirschau, Raube, Schiemann, Suchetzki, Bamberger-Neu- stadt und die Brüder Tatulinski aus Linden.

Das Verhör der Angcklagken und der vierBelastungs­zeugen" t ewies die völlige Haltlosigkeit der Anklage, so daß die Vert )igung auf das Verhör der geladenen elf Entla- ftungsje; en verzichtete. Der Staatsanwalt überließ die Festfehu j der Strafe dem Gericht, das nach kurzer Bera­tung sämtliche Angeklagte das freisprechende Urteil ver­kündet? Damit ist einwandfrei erwiesen, daß die Verhaf­tung er Angeklagten und ihre Festsetzung aus Grund fal­scher Aussagen erfolgt war.

Oesterreichs Gamerungsgesetz angenommen.

Wien, 5. Oktober.

Der Nationalrat und der Bundesrat haben mit ben Stimmen der drei Regierungsparteien und denen der so- zialdemokraten das Sanierungsgesetz angenommen. Dage­gen stimmten die acht Abgeordneten des Heimatblocks.

Die Albaner zu Kerker verurteilt.

Wien, 5. Oktober.

3m Prozeß wegen des Attentats auf den König von Albanien wurde der Angeklagte Gjeloshi wegen Mordes zu sieben Jahren, der zweite Angeklagte Lami wegen Beihilfe zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt.

poincares Befinden verschlechtert sich.

Paris, 5. Oktober.

Im Befinden des früheren französischen Staats- und Ministerpräsidenten Pomcare ist dem Vernehmen nach eine neue Verschlechterung eingetreten. Eine völlige Wieder­herstellung Poincares von dem vor längerer Zeit erlittenen Schlaganfall gilt als unwahrscheinlich.

Frankreichs neuer Haushaltsplan bereits im Gleichgewicht.

Paris, 5. Oktober. Wie die französische Morgenpresse mitteilt, dürfte in der Vorbereitung des Budgets bereits jetzt ein Ausgleich in Einnahmen und Ausgaben erzielt fein. Deckung war zu beschaffen für einen Fehlbetrag von etwa 800 Millionen RM.

226 Barren Gold im Gewichte von 15 Tonnen löschte die aus Remnork in Therbourg eingetroffeneEu­ropa" für eine pariser Bank. Eine weitere amerikanische Goldsendung für Frankreich wird am Montag erwartet.

i Brüning-Rede im Reichsrat.

t Bei der Verkündung der Notverordnung. Fortgang der Kabinettsberatungen.

Berlin, 5. Oktober.

Der Reichskanzler beabsichtigt, die neue Notverordnung in einer öffentlichen Vollsitzung des Reichsrats in Anwesen­heit der Ministerpräsidenten der deutschen Länder bekannt zu geben und in längeren Ausführungen zu erläutern. Vor- aussichtlich werden sich auch der Reichsarbeitsminister, der Reichsfinanzminister und Vertreter der übrigen an der Not­verordnung beteiligten Ressorts zu den einzelnen Bestim­mungen im Reichsrat äußern. Die Reichsratssitzung, die in diesem Falle nicht in dem alten Bundesratssaal, sondern in dem großen Saal des Haushaltsausschusses des Reichstages ftattfindei, ist zunächst für Dienstag vorgesehen. Dieser Ter­min steht jedoch noch nicht endgültig fest, da sich möglicher­weise die Fertigstellung der Notverordnung noch um einen Tag verzögern kann.

Im Verlaufe des heutigen Montags werden die Mini­sterien die oom Kabinett beschlossenen Aenderungen in die einzelnen Entwürfe hineinarbeiten, so daß dann in einer zweiten Lesung die letzte Hand an die Notverordnung ge­legt werden kann. Die außenpolitische Aussprache soll ebenfalls am heutigen Montag weitergehen.

Herabsetzung der Golddecke angeregt.

Vom Generaldirektor der BIZ.

Basel, 5. Oktober.

Der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Ouesnay, hat einen Vorschlag zu einer allgemeinen Herabsetzung der Golddeckung des Notenum- f laufs der Zentralbanken auf 20 Prozent gegenüber einem Normalsatz von 40 Prozent ausgearbeitet, der oorausficht- j lief) in der bevorstehenden Verwaltungsratssitzung der BIZ. am 12. Oktober zur Sprache gebracht werden wird. Durch , diese Herabsetzung der Golddeckung, deren Durchführung naturgemäß nur diskutabel wäre, wenn _fid) alle Länder, , gikm also auch Frankreich die Verein uen Staaten dem"Pläne' anschließen, wäre eine Vergrößerung des Geld­umlaufs möglich, ohne daß der Goldmangel einzelner No­tenbanken dem entgegenstände.

Neue Besprechungen Hoovers.

Die Diskussion der Korridorfrage von Stimson bestätigt.

i Washington, 5. Oktober.

1 Staatssekretär Stimson vom Außendepartement der Vereinigten Staaten bestätigte, daß er Senator Morrow nach Washington gebeten habe und mit ihm die europäische Lage, darunter die Frage des polnischen Korridors, bespro­chen habe. Er dementierte, daß ein Konsultativpakt formu­liert worden sei. Präsident Hoover, der lange Besprechungen I über die Finanzlage Lateinamerikas mit mehreren seiner Kabinettsmitglieder und dem Chef des Federal Reserve ' Board geführt hatte, lud den führenden Finanzmann Ber- i nard Baruch zum Frühstück ein. Ueber das Wochenende nahm er Julius Barnes und andere Wirlfchaftsführer in fein Landhaus am Rapidan-Fluß mit.

Nach wie vor kursieren in Washington Gerüchte, daß hv^ver einen großzügigen Plan zur Besserung der inter­nationalen Kreditlage erwäge und im Januar eine Art Ko- alitionskabinett bilden wolle, dem die Demokraten Baruch und Omen D. Zoung angehören sollen. Eine Bestätigung dieser Vermutungen ließ sich allerdings nicht erlangen.

Der stellvertretende Gouverneur der Federal Reserve Bank, Burgeß, ist nach London abgereist, wahrscheinlich um die mit der Aufhebung der Goldwährung in England zu­sammenhängenden Probleme zu studieren.

Es häufen sich also die offiziösen und offiziellen Erklä­rungen aus den Vereinigten Staaten und erst recht die privaten Kombinationen, wobei Fragen erörtert werden, die wie die Zweiteilung Deutschlands durch den polni­schen Korridor von größter Bedeutung sind. Offenbar haben die verantwortlichen Männer der Vereinigten Staa­ten erkannt, daß jede weitere Zuspitzung der Weltwirtschafts­krise nicht nur Europa aufs äußerste gefährden muß, son­dern ebenso auch die riesigen amerikanischen Gelder, die in Europa und i» Südamerika angelegt sind. Senator Mor­row ist üb- ns einer der einflußreichsten Männer der Vereinigten iten und erfreut sich ebenso wie Stimson des besonde .u Vertrauens des Präsidenten Hoover.

Arbeiter burc, Gebirgsbeben verschüttet. In harter Arbeit sämtlich gerettet.

Hindenburg, 5. Oktober.

In Gleiwitz-Nord ist Sonntag früh 2.43 Uhr eine kräf- tige erdbebenckrtige Gebirgsbewegung ausgetreten; auch in Ratibor. Beuthen und hindenburg wurde das Beben deutlich verspürt. Infolge der Erschütterung sind aus der Concordia- Grube in Hindenburg auf Andreasflöz 3 aus der 236-21kter- Sohle einige Strecken zu Bruch gegangen, wodurch elf Ar­beiter eingeschossen worden sind, hiervon sind drei Mann um 10.43 Uhr unverletzt geborgen worden. Die sehr schwie­rigen Bergungsarbeiten wurden unter ständiger Aussicht und Leitung der Bergbehörden fortgesetzt. Gegen 2 Uhr nachmittags konnten dann auch die übrigen acht Arbeiter aerettet werden.