DchlMemev Zutuns ßKis-Amtsbiatt * Allgemeiner amtlicherAnKeitzer für öen Kreis SEchtem I«S»m»- v«ll^:H.St»ü»M Söhne* Sefthätz^'^chahofide.S * ^wnstv-Ne/p^* PMHe^nPmö^ftnrdLM^a»»» Nr. 116 (1. Blatt) Samstag. den 26. September 1931 83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Nr. 5835. Nach einem Schreiben des Herrn Landes- hLUptmannes in Hessen (Gemeindeunfallversicherungsver- band für den Regierungsbezirk Kassel) werden alle im Bereits] des Unfallversicherungsverbandes als Angestellte in Stadt- und Landgemeinden tätigen Fleischbeschauer und Trichinenschauer mit Wirkung vom 1. Juli 1928 ab als bei dem Gemeindeunfallversicherungsverband versichert erachtet. Die Aufforderung seitens des Gemeindeunfallversi- cherungsverbandes an die Stadt- und Landgemeinden zur Anmeldung der nunmehr bei ihm versicherten Fleischbeschauer und Trichinenschauer und die Ermittlungen der »Hnsummen soll gelegentlich der Einforderung der Lohn- uchweise für die übrigen bei ihm versicherten Betriebe pp. am Schlüsse dieses Geschäftsjahres erfolgen.
kezüglich der Aufbringung der Kosten wird auf § 4 let Verbandssatzung verwiesen. Die Umlagebeiträge werden also nach dem tatsächlichen Einkommen der versicher- tm Personen aus ihrer Betriebstätigkeit errechnet und von Jen Stadt- und Landgemeinden erhoben werden.
(Eine Heranziehung der Fleischbeschauer und Trichinen- chauer zur Umlage des Gemeindeunfallversicherungsver- banbes für die rück liegende Seit (die Zeitspanne vom 1. Juli 1928, dem Tage des Inkrafttretens des 3. Gesetzes über Aenderungen in der Unfallversicherung bis 31. Dezember 1930 war zu einer Umlageperiode zusammen- geschlossen) soll nicht erfolgen, obwohl der Versicherungs- chutz schon von diesem Zeitpunkte ab gewährt wird. Auch ür bas laufende Geschäftsjahr (Kalenderjahr 1931) ist eine seranziehung zur 'Umlage nicht zu erwarten, 'sodaß eine tftmalige Veitragsleistung für diese Personenkreise erst ür das Geschäftsjahr 1932 zu erfolgen haben wird.
Don dem Vorstand des Gemeindeunfallversicherungsver- anbes ist nämlich die Einziehung eines Betriebsvorschusses ür das laufende Geschäftsjahr (er beträgt 0,5 % des in en vorliegenden Anmeldebogen der Verbandsmitglieder mchoewiesenen Lohnaufkommens für die Seit vom 1. Juli 928 bis 30. September 1929. also Ks der Umlage für die rste Umlaaeperiode) bereits beschlossen worden, der demnächst zur Erhebung kommt. Der Vorschuß ist so berechnet, «K er dem voraussichtlichen Gesamtbedarf für das lauende Geschäftsjahr entspricht. Die Erhebung einer Hähern Umlage ist nicht erwünscht und voraussichtlich auch licht zu erwarten. Ein am Schlüsse des Geschäftsjahres ich event, ergebender Mehrbedarf würde dann in dem Misten Geschäftsjahre mit ungelegt werden.
vorstehende; wird den Herren Büraermeiftern mit dem ^suchen mitgeteilt alsbald die Fleischbsschauer und Tri- Hinenschauer hiervon zu verständigen. Meine Verfügung M 25. Juli d. Js. — Nr. 5259 — Schlüchterner 5ci= M Nr. 92 - findet hierdurch ihre Erledigung.
Schlüchtern, den 21. September 1931-
Der Landrat: Dr. Müller.
T.-Nr. 1901. In der Seit vom 26. 9. 1931 bis zum ^. 10. 1931 bin ich beurlaubt. Meine Sprechtage fallen ” dieser Seit aus. Der erste Sprechtag nach meinem Urlaub wird in (Seinhaufen am 19. 10. 1931, in Schlüch- Icm am 20, 10. 1931 in üblicher Weise abgehalten werden, ^i eiligen Angelegenheiten werde ich vertreten vom Herrn wisarrt in hanau a. M.
Telnhausen, den 22. 9. 1931.
Der Kreisarzt des Kreisarztbezirkes Gelnhausen-Schlüchtern.
Die Herren Fleischbeschauer und Trichinenschauer werden an die pünktliche Einsenduna der vierteliahresnachwei- mgen (Postkarten) an den Herrn Veterinärrat erinnert bchlüchtern, den 22. September 1931.
Der Landrat. J. V.: Duroe.
Kreis ausschutz. Obstversteigerimg.
U.*Hr. 4640 K. A. Das Obst an den nachgenannM. Landwegen des Kreises wird wie folgt öffentlich meist- “'Oenb versteigert:
o) am Samstag, den 26. d. M t s., vormittags von 9 Uhr ab: an der Kreisstraße von Herolz nach Ahlersbach,
6) am Samstag, den 26. d. M ts., nachmittags von 2J/e Uhr ab: an der Kreisstraße von Elm nach Vollmerz (Ueuberg),
c) am Monta g, den 2 8. d. M ts., vormittags von 9 Uhr ab: an der Kreisstraße von Schlüchtern nach Hohenzell.
Der Verkauf des Obstes erfolgt gegen bare Zahlung des Kaufpreises.
Schlüchtern, den 24. September 1931.
Der Vorsitzende des Kreisansschusses- J. v.: Preise
Paris zum Besuch in Berlin.
»Die Stunde der Entscheidung ist gekommen."
Paris, 25. September.
Dem Berliner Besuch Lavals und Briands wird wegen der jüngsten Entwicklung der europäischen Wirtschaftskrise in der Presse eine große Bedeutung beigemessen. Man betrachtet ihn teilweise als Vorbereitung für die Washingtoner Begegnung. Im „Oeuvre" erklärt der ehemalige Minister, Senator Le Trocquer, der Vorsitzende des deutsch-französischen Komitees für die europäische Zollunion:
Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Deshalb müssen wir uns beglückwünschen, daß Laval und Briand die Einladung der Reichsregierung angenommen haben. „JourneeJndustrielle" will mit Genugtuung eine Umstellung in der öffentlichen Meinung Deutschlands feststellen, die, wie man erkläre, bisher wenig geneigt gewesen sei, den französischen Ministern einen günstigen Empfang zu bereiten.
Lavals Reise werde jetzt sogar von den Rationalisten als einigermaßen glücklich bezeichnet.
Wahrscheinlich hätten die englische Währungskrise und die Geste Hoovers diesen Umschwung bei einem wichtigen Teil der öffentlichen Meinung Deutschlands bewirkt. Bei den Besprechungen in Berlin dürfte namentlich über die Finanzierung des deutschen Exports gesprochen werden. Das sei natürlich für viele Deutsche weniger verführerisch als die Beseitigung der Reparationen und Kriegsschulden oder als eine Währungsunion mit Frankreich. In Berlin aber dürfe man nicht vergessen, daß Deutschlands Handel und Industrie an sich zwar nicht stark bedrückt seien, aber doch der Schonung bedürften. Außerdem müsse auf die Notwendigkeit gewisser Bedingungen hingewiesen werden, ohne die keine nutzbringende Besprechung oder Verständigung möglich sei.
Ein Abkommen würde nicht geschlossen werden. Wie könnte man in 48 Stunden etwas anderes tun, als nach einem Wege 7üUen!
Aber schon wenn dieser gefunden würde, wäre die Berliner Reise eine wichtige Etappe auf dem Wege des europäischen Wiederaufbaues.
„ Volonte " begrüßt die bei der Ueberreichung des Beglaubigungsschreibens durch Francois-Poncet in Berlin zwischen dem Reichspräsidenten und dem Botschafter ausgetauschten Ansprachen. Hindenburgs Anspielungen auf die besonderen Aufgaben Frankreichs und Deutschlands und auf eine fruchtbringende Zusammenarbeit und ihren Verständi- gungswillen gingen über den reinen Höflichkeitston hinaus. Ein Dicklog von Volk zu Volk hebe an.
Mich und Gemeinden.
Gemeinsamer Schritt der Länderregierungen.
Berlin, 25. September
In der Iahreskonferenz der preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten hat der Minister des Innern Severing über die Lage der Gemeinden gesprochen. Er nahm die Gemeinden gegen unberechtigte und verallgemeinernde Vorwürfe in Schutz und erklärte, daß der Aufgabenabbau und die Einsparungen in den kommunalen Etats an der Grenze des Erträglichen angekommen feien. Dazu verlautet, es stehen amtliche Schritte der Länderregierungen für ihre Gemeinden bei der Reichsregierung unmittelbar bevor. Die Preußische Staatsregierung' hat kürzlich Gelegenheit genommen, dem Reichskanzler mit allein Nachdruck zu erklären, daß die Sanierung des Reichshaushaltes bedeutungslos sein müsse, wenn die kommunalen Etats nicht gleichzeitig ins Gleichgewicht gebracht werden könnten.
Die Selbsthilfe der Gemeinden könne nur etwa die Hälfte des fonämunaten Defizits decken, das in erster Linie und hauptsächlich durch die unvorherfehbare Belastung mit Wohlfahrtserwerbslosen entstanden sei und in keiner Weise allein von den Gemeinden getragen werden könnte. Ohne eine schnelle und entschiedene Hilfe der Reichsregierung wäre es unmöglich, daß die Gemeinden ihre großen Aufgaben gegenüber Arbeitslosen, Kranken und Kindern erfüllen könnten.
Eine ähnliche Haltung nahmen die Regierungen der übrigen deutschen Länder ein.
Wegen Spionage verhaftet
Fulda. Die Kriminalpolizei hat hier unter dem Verdacht der Spionage zugunsten Frankreichs drei Personen festgenommen, und zwar den Kaufmann Konrad Kraus* aus Hiesig bei Fulda, den Kaufmann Julius NoßKopf aus Fulda und den Baumaterialrenhändler Karl Wißler aus Hünfeld. Die Verhaftungen sind bereits vor geraumer Seit erfolgt, aber bisher geheimgehalten worden, da man noch nach einem, weiteren verdächtigen suchte. Es handelt sich dabei um einen gewissen Katz, der, wie verlautet, jetzt ebenfalls in Mainz verhaftet worden sein soll. Den Verhafteten ist nachgewiesen, daß sie mit französischen Agenten in Verbindung getreten sind. Es soll sich um militärische Spionage handeln: Krause war früher Soldat.
Nie letzte Woche.
Vor kurzem wurde in Berlin ein Prioatbeleidigungs- prozeß verhandelt, der interessante Enthüllungen darüber gebracht hat, wie man „Friedenspolitik" macht. Französisches, polnisches und tschechisches Geld wurde an gewisse Kreise in Deutschland gegeben, die dadurch „in Frieden machten", daß sie Deutschland der Kriegshetze und geheimer Rüstungen bezichtigten. Leider wurden nicht alle Fäden aufgedeckt, die zwischen jenen „Friedensmachern" und ihren Geldgebern bestehen und die wesentlich dazu beitragen, daß das deutsche Volk in der Frage einer wahren Friedenspolitik sich nicht verständigen kann. Aber eines hat dieser Prozeß erneut bestätigt, daß französisches Geld heute wie vor dem Kriege in der Welt arbeitet, um Frankreichs Machtpolitik zu stützen. Und was das Geld im Geheimen wirkt, das sollen schöne Reden nach außen hin bekunden: bje „Friedensliebe" Frankreichs. Was haben wir in diesen Tagen wieder für schwungvolle Reden in Genf vernommen! Wenn man die letzte Rede des französischen Finanzministers Flandin im Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes nachliest, müßte man zu der Ueberzeugung kommen: Ein Kind, kein Engel ist so rein! Behauptete er doch allen Ernstes, daß die starke Anhäufung von Goldvorräten in Frankreich nur der Ausfluß des allgemeinen Vertrauens sei, das Frankreich entgegengebracht werde. Ueber die Feststellungen italienischer und englischer Sachverständiger, über die ruinösen Wirkungen der Reparationspolitik geht Flandin mit einer bezeichnenden Handbewegung hinweg: Das ist das Eisen, das Frankreich nicht erlaubt, aufzuheben!
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Frankreichs Geldpolitik hat schon viel Unheil angerichtet. Es hat Oesterreich jetzt auf die Knie gezwungen, hat sich die Oststaaten, den Balkan willfährig gemacht. Schon glaubt es, auch England sich vollständig dienstbar machen zu können. Die Erschütterung des englischen Pfunds weckte in Frankreich den scheinbar freundschaftlichsten Ruf: Wir tue- den helfen! Und siehe da, England lehnte die französifc Hilfe ab! In Frankreich macht man sich heute darüber E danken, was man in England wohl beabsichtige. Die Zu rüifw^uJt^eiÄes-jwun^ angebotenen Hilfsdienstes muß ooch "Hintergründe haben. Die hat sie gewiß, denn Frankreich hat oft genug erkennen lassen, daß es keine Hilfe ohne politische Gegenleistung bietet. Im Zusammenhang mit der englischen Krise hat Hoover den französischen Ministerpräsidenten Laval nach Washington eingeladen. Das ist ein Vorgang, der nicht alltäglich ist Aber doch scheint man in Frankreich nicht ganz zu erkennen, daß sich hinter dieser Einladung mehr als etwa die Ueberzeugung verbirgt, daß die beiden goldstarken Mächte der Welt zu einer gemeinsamen Aktion zusammenstehen müßten. Amerikas Präsident hat schon einmal Frankreich die Hand geboten. Dazu kam er selbst nach Frankreich. Das war Wilson. Er ist von den Franzosen deshalb schwer hineingelegt worden, weil er für einen Rechtsfrieden sich einsetzte." Heute ruft Amerikas Präsident den französischen Ministerpräsidenten nach Washington. Erkennt man in Frankreich so wenig das Symptomatische dieser amerikaniscken Anregung, nachdem wenige Wochen vorher die französische Regierung einen wohlgemeinten Vorschlag Hoovers sabotiert hat?
Es gehen weltbewegende Dinge vor. Mit schönen Reden und langwierigen Konferenzen wird man sich bald nicht mehr abgeben Diese Methode hat sich überlebt, weil man ihre tauben Früchte immer mehr erkennt. Die Institution, die jene Versailler Friedensmacher schufen, um der Well einen Dauerfrieden zu garantieren, hat nur eins bisher gekonnt, Akten zu füllen und Versprechungen zu machen. Die Taten aber sind ausgeblieben. Es ist geradezu grotesk, daß in dem Augenblick, da die Jahresversammlung des Völkerbundes zu friedensfördernder „Arbeit" in Genf tagt, sich zwei Staaten, deren Vertreter in Genf am gleichen Be- ratungstisch sitzen, ihre Heere gegeneinander schicken. Der japanisch-chinesische Mandschureikonflikt ist ein Hohn auf die Friedensreden, die man von Genf aus immer wieder gehört hat. Das japanische Kabinett hat ausdrücklich eine Einmischung des Völkerbundes abgelehnt. Zwar stellt 'Artikel 11 des Genfer Paktes fest, „daß jeder Krieg und jede Bedrohung mit Krieg „eine Angelegenheit des ganzen Bundes ist und'dieser zum Schutz des Völkerfriedens geeignete Maßnahmen zu ergreifen hat." Was heißt „geeignete Maßnahmen", wenn derjenige, der den Krieg veranlaßt, über genügend starke Kanonen und Maschinengewehre verfügt?
Ebensowenig wie der Völkerbund die Machtmittel besitzt, einen Krieg zu verhindern, ebensowenig ist er in der Lage, die im Völkerbund zusammengeschlossenen Mächte zu einer gemeinsamen Aktion zur Ueberwindung der Weltwirtschaftskrise zusammenzubringen. Denn es brennt in dieser Hinncht doch an allen Ecken. Aber weder besitzt der Völkerbund den Löschapparat, um wirkungsvoll einzugreifen, noch die die Mannschaft, die diesen Apvarat bedienen könnte. Die Völker Pud, wie gerade die Völkerbundssachverständigen vor wenigen Wochen in Basel festgestellt haben, darauf angewiesen, sich selbst zu Mfen. England scheint das auch in zielklarer Weise besorgen zu wollen. Gewiß, England steht trotz aller wirtschaftlichen Erschütterungen finanziell und politisch wesentlich besser da als Deutschland. Aber schließlich sollte man doch auch in Deutschland wenigstens den Beweis erbringen, daß man den Willen hat, einen bestimmten Weg zu geben. Das jetzige Zagen und immer wieder VertMen