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Die letzten Gehenkten.
Line Episode aus der schwedischen Sriminalgeschichle.
In Schweden ist die Todesstrafe im Jahre 1921 abgeschafft worden. Die letzte Hinrichtung durch das Beil hat ober schon im Jahre 1910 stattgefunden. Die Hinrichtung durch den Strang war im schwedischen Gesetz bis zum Jahre 1864 vorgesehen. Vor etwa hundert Jahren wurde die vorletzte Hinrichtung dieser Art vollzogen. Der schwedische Kriminalhistoriker G. O. Gunne erinnert sich bei dieser Gelegenheit der dramtischen Umstände, die diese schaurige Zeremonie begleiteten. Im Anfang des 19. Jahrhun- derts wurden in Schweden ausschließlich Falschmünzer gehenkt. Im Sommer 1828 wurde das Land von ziemlich plump nachgeahmten, falschen Banknoten überschwemmt. Ein Artilleriesoldat mit dem Namen Fryckmann zeigte einen gewissen Johannes Bramberg an, den er im Verdacht hatte, Urheber der falschen Banknoten zu sein. Bramberg wurde verhaftet und legte auch ein Geständnis ab. Er mußte seine Falschmünzerkünste sogar dem Gericht vorführen. Der Denunziant Fryckmann erhielt die Belohnung von 1000 Talern, die aber nicht von der Polizei, sondern von der geschädigten schwedischen Reichsbank und der staatlichen Schuldenverwaltung je zur Hälfte gestiftet wurden. Erst nach zwei Jahren wurde das Urteil im Prozeß Bramberg gefällt. Es lautete auf Tod durch den Strang.
Am 18. August 1830 sollte das Urteil im Hof der Festung von Karlskrona voll treckt werden. Der Kommandant der Festung wollte bei die er Gelegenheit die englische Hin- richtungsmethode zum er ten Mal erproben. Der Verbrecher sollte in eine Luke gestürzt werden. Bei dieser Hin- richtungsart wird das Seil erst nach dem Absturz des Todeskandidaten gespannt, wodurch dem Unglücklichen die Wirbelsäule augenblicklich gebrochen wird, und das führt sofort den Tod herbei. Diese Methode, meinte der Kommandant, wäre dem langsameren Erstickungstod vorzuzie- hen, dem der Gehenkte sonst ausgeliefert wird. Nun war Bramberg ein ungewöhnlich großer und kräftiger Bursche. Während der Vollstreckung des Urteils riß das Seil, und her Falschmünzer fiel in die Luke. Er brach sich das Bein und wurde in das Gefängnisspital eingeliefert. Es entstand ein Rechtsstreit über die Frage, ob das Urteil auch ohne Todeserfolg als vollstreckt anzusehen fei. Bramberg wollte aber selbst von ether Begnadigung nichts wissen und bestand im Gegenteil auf einer nochmaligen Vollstreckung der Todesstrafe, schließlich ließ er sich jedoch überreden, ein Gnadengesuch zu unterschreiben, das dem König vorgelegt wurde. Daraufhin wurde die Todesstrafe für Bramberg in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Zwei Jahre später fand die tatsächlich letzte Hinrichtung durch den Strang in Schweden statt. Wieder war es e.n Falschmünzer, der sein Verbrechen mit dem Tode bezahlen mußte. Diesmal ging alles glatt, und die grauenhafte Zeremonie verlief am 11. Januar 1832 ohne Zwischenfall. Einige Wochen später, am 29. Januar, wurde der zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilte Johannes Bramberg in einer Zelle der Festung, in deren Hof die Hinrichtung stattgefunden hatte, erhängl aufgefunden. Der Mann, dem das Leben auf so wunderbare Weise geschenkt worden war, vollstreckte das Urteil an sich selbst!
Hartkäse und Weichkäse.
Von Landesökonomierat Dr. Teichert.
Wer die ersten Käse bereitet hat, ist uns von der Geschichte nicht überliefert worden. Der Käse in alten Zeiten war wohl auch weiter nichts als ein stark molkenhaltiger Quark, so wie ihn die Hausfrauen noch heutigen Tages bei der Selbstsäuerung der Milch gewinnen. Ein Fortschritt war es dann, als man den frischen Quark formte und diese geformten Portionskäschen in Töpfen oder auf Stroh reisen ließ. So erhielt man die Sauermilchkäse. Diese Art Käse ist sehr abwechslungsreich und stellt zufolge ihres hohen Eiweißgehaltes und anregenden Geschmackes die billigste Volksnahrung dar.
Durch Zufall erkannte man später, daß gewisse pflanzliche und tierische Stoffe, sog. Fermente, die Milch gerinnen lassen. Hauptsächlich in den Mägen der jungen Säugetiere befindet sich das Labferment, welches von den in der Magenschleimhaut befindlichen Labdrüsen bereitet wird. Das Auslaugen der zerkleinerten Mägen mit Kochsalzlösung führte dann zu den in der Käserei gebräuchlichen Labflüssigkeiten. Der Käsestoff der Milch wird durch Lab aber nur innerhalb gewisser Wärmegrenzen ausgeschieden. Bei
höherer Wärme wird das Gerinnsel fester und harter und schließt weniger Mölke ein. Bei niedrigeren Wärmegraden der Milch wird bei dem Zusatz von Lab das Milchgerinnsel weicher und hat einen höheren Wassergehalt. So entstehen die Süßmilchkäse oder Labkäse, und zwar einerseits die Hartkäse, andererseits die Weichkäse. Die deutschen Hartkäse enthalten in 100 Teilen Käsemasse noch etwa 30 bis 40 Teile Wasser, die Weichkäse dagegen weisen einen Wassergehalt von 50 bis 60 Teilen auf. Während die Hartkäse 3 bis 100 Kilo schwere Laibe, Brote oder Kugeln sind, macht man die Weichkäse meistens nur 50 bis 500 Gramm bei manchen Sorten 1 bis 4 Kilo schwer. Man erteilt den Weichkäsen die verschiedensten Formen, wie die Scheiben- form, Kegelform, Stangenform, Ziegelform, Würfelform und so weiter.
Zu den Hartkäsen gehören die Schweizer Käse im Gewicht von 150 bis 200 Pfund. Der Emmentaler Käse mit seinem feinen Duft wird auch als der „König der Käse" bezeichnet. Die Tilsiter Käse mit ihrem pikanten Geschmack sind besonders bei der Herrenwelt beliebt, während die kugelförmigen Edamer durch ihre Milde besser den Frauen- geschmack treffen. Emmentaler, Tilsiter und Edamer Käse sind die hauptsächlichsten in Deutschland bereiteten Hartkäse. Von den Weichkäsen pflegen die Weichkäse nach Lim- burger Art bei den Nasen der Verbraucher meistens den heftigsten Eindruck zu hinterlassen. Sie sind aber ein wahres Kräftigungsmittel und in vollfettem Zustande, wie z. B. bei den Romadurkäsen, eine vorzügliche Delikatesse. Für den Biertrinker ist der sehr fette, aber scharf gesalzene Weißlacker Käse bestimmt. Sehr beliebt sind die Camembertkäse und Briekäse mit ihrem champignonähnlichen Geruch und Geschmack. Bei ihnen heißt es: „Schimmel und Rinde eßbar."
Sensationelle Ausgrabung im Rheinland.
In Zülpich, zwischen Dllren und Bonn, am Nordhang der Eifel, dem alten Tolbiacum, stieß man bei Kanalisations- arbeiten auf ein Römerbad von einer Größe und Erhaltung, wie man bisher noch keins gefunden hat. Die ganze Anlage, die zum Teil auch unter der alten katholischen Kirche liegt, wurde zwar noch nicht ganz freigelegt, so daß man mit Spannung die weiteren Funde erwarten darf, besonders, da man auch schon einen — wenn auch nur kleinen vorgeschichtlichen Fund gemacht hat. Inmitten der Anlage, die auf einer 80 Zentimeter starken Betonschicht gebaut ist, steht ein jetzt noch in Gebrauch befindlicher Brunnen, ohne daß man ahnte, daß dieser schon von den Römern benutzt wurde.
~ Rückgang des Frischmilchabsatzes. Die Erhebungen des Statistischen Reichsamtes über die Milchanlieferung und Milchverwertung im April 1931 zeigen, daß die verringerte Kaufkraft sich sehr ungünstig auf den Absatz von Frischmilch ausgewirkt hat, der im Vergleich zum Vorjahre um 10,7 v. H. zurückgegangen ist. Daß an diesem Rückgang im wesentlichen die gesunkene Kaufkraft beteiligt ist, zeigt die Tatsache, daß der Absatz von Flaschenmilch noch stärker zu- ruckgegangen ist als der Absatz von anderer Frischmilch. In den vorwiegend ländlichen Gebieten ist der Absatz vielfach noch stärker als in den städtischen Hauptverbrauchzentren zuruckgegangen.
Das Reich der Rosen.
Die diesjährigs^rnte der Rosenblätter, aus denen in Bulgarien das kostbare Rosenöl und Rosenwasser gewonnen werden, verspricht gute Erträge. Die Rosen werden in zwei Vezirken gezüchtet, deren Zentrum die Städte Kasanlyk und Carlovo bilden. Beide zeichnen sich durch die für die Zucht der Rosen besonders günstigen Bedingungen aus, da sie durch die sie umgebenden Höhenzüge vor kalten Winden geschützt sind und sich dank dieser Lage eines gleichmäßigen, im Sommer fast tropischen Klimas erfreuen. Zwischen 700 und 800 Tonnen Rosenblätter werden dort alljährlich gepflückt, wobei aus vier bis fünf Tonnen Blättern ein Kilogramm Rosenöl extrahiert wird. Zunächst gewinnt man das Rosenwasser, das bei längerem Stehen eine dünne Oelschicht, das Rosenöl, an der Oberfläche absetzt, ein weiteres Produkt, das nur selten seinen Weg nach Westeuropa findet, ist das Rosenwachs. Es bleibt an den Fingern der Frauen, die die Blätterabpflücken, haften und wird mit aller Sorgfalt von den Fingern abgelöst und gesammelt, denn es gilt den Balkanoölkern als das wertvollste Erzeugnis der ganzen Rcksenkultur. Man knetet das Wachs zu einem Teig, aus dem winzige Kügelchen geformt werden, die die reichen Orientalen zur Erhöhung des Rauchgenufses Zigaretten und Pfeifen beizumischen pflegen. Das Rosenwachs stellt sich teurer als Rosenöl und Rosenwasser, dafür verbreiten aber die mit ihm parfümierten Zigaretten und Pfeifen einen Wohlgeruch, der den ganzen Raum mit Rosenduft erfüllt. Die Blätter werden ausschließlich von den Frauen und Töchtern der Züchter gepflückt.
Die Arbeit erfolgt in den frühen Morgenstunden vor Aufgang der Sonne, da die Sonne eine Menge Del in den Zellen zur Verdunstung bringt. Die Männer befördern die gepflückten Blätter so schnell wie möglich in die Destillier- anstalten, von denen es rund 3000 im Lande gibt. Seit Jahrhunderten bedienten sich die lokalen Züchter ihrer eigenen primitiven Destillationsmethoden; in den letzten Jahren haben sie sich aber einem modernen Verfahren zugewandt, das nicht nur eine Zeitersparnis bringt, sondern durch das vor allem auch ungleich reichere Erträge erzielt werden. Bei den neuen Apparaten werden die Blätter mit Dampf behandelt; der Destillationsprozeß dauert nur zwei bis drei Stunden. Der Wert der bulgarischen Ausfuhr von Rosenöl und Rosenwasser stellt sich im Jahresdurchschnitt auf 6 Millionen Mark.
Die ersten Nachtfröste im schlesischen Flachlande. In den tieferen Lagen Schlesiens sind die ersten Nachtfröste aufgetreten. Bad Kudowa meldet eine Tieftemperatur von minus 1 Grad. In vielen Orten wurde eine Reifbildung beobachtet. Auch in Breslau ging die Bodentemperatur auf den Gefrierpunkt zurück.
„Nautilus" nur leicht beschädigt. Mit voller Geschwindigkeit ist das Unterseeboot „Nautilus" in L o n g y e a r City (Spitzbergen) eingelaufen. Es ist nur leicht beschädigt und wird vermutlich seine Fahrt in einigen Tagen fortsetzen. Professor Sverdrup, der Deutsche Villinger und der Amerikaner Soule sind mit einem norwegischen Dampfer nach Harstadt abgereist. Dies wird dahin gedeutet, daß „Nautilus" entweder direkt oder auf der Route über Island nach Amerika fahren wird. Die Fahrtteilnehmer haben sich über die Erfahrungen mit den mitgenommenen wissenschaftlichen Geräten sehr zufrieden geäußert. Vor allem habe der Kreiselkompaß allen Anforderungen genügt.
Ein tragischer Irrtum. Im D-Zug Bombay—Schaoan- pur ist der 18jährige Sohn eines englischen Journalisten, Donald Clark, unter tragischen Umständen getötet worden. Er stieg am frühen Morgen in eine Abteilung 1. Klasse ein, wo sich ein junger Offizier, Leutnant Stechan, bereits befand, der in der Nacht zum 23. Juli in einem Zug bei Dhusaval angegriffen und durch Messerstiche verletzt worden war. Stechan, der schlief, wachte bei der Ankunft des neuen Fahrgastes plötzlich auf, glaubte in seiner Verwirrung, mit einem neuen Angreifer zu tun zu haben, und feuerte auf ihn drei Revolverschüsse ab. die ihn töteten.
Hochwasser in Frankreich. Der Wasserstand der Maas und der Marne ist infolge der anhaltenden Regengüsse gestiegen. Der Bürgermeister von Verdun hat der Bevölkerung mitgeteilt, daß der Höchststand vermutlich in den nächsten Tagen erreicht werden dürfte und daß die Maas um etwa 80 Zentimeter die Ufer überfluten werde. Auch die Marne ist beträchtlich gestiegeen.