Bunter Wochenspiegel.
6s schwinden die Wohltäter. — Hilfe für den Winter. — Ein Rückschlag für die Klassenlotlerie. — Dos Achtellos zu teuer? — Der Niedergang des Haufes Rothschild.
Für diesen Winter wird eine Hochflut von Arbeitslosen erwartet, deren Not die öffentliche Fürsorge allein nicht mehr steuern kann. Es muß die private Wohlfahrts- J'flege eingreifen, aber wohin soll sich die private Wohl- ahrtspflege wenden? Natürlich an die Millionäre, an die Reichen. Nun hat man aber eine sehr eigenartige Feststellung gemacht. Eine große Wohlfahrtsorganisation wandle sich bereits zu Anfang des Jahres an die Millionäre Berlins und der Provinz Brandenburg mit der Bitte um Geldspenden zur Linderung der großen Not, aber von den 1100 Millionären haben nur etwa ein Dutzend geantwortet, und die Gesamtsumme der Spenden belief sich auf etwa 2000 Mark. Gibt es keine Wohltäter mehr oder woran liegt es sonst, daß die G e b e f r e u d i g k e i t in diesem Ausmaße gesunken ist?
Es soll hier über die Ursachen keine Polemik entfesselt werden, aber eines steht fest: So kann die kommende Not nicht überwunden werden. Deutschland steht in bezug auf die Gebefreudigkeit der Bemittelten allen Ländern nach, und für die Wohlfahrt muß fast alles aus den Fünf- und Zehnpfennigsammlungen aufgebracht werden, Beträge, die alle vom Mittelstand kommen. Es muß damit gerechnet werden, daß die Summen, die der Mittelstand aufzubrin- gen vermag, immer mehr zurückgehen, denn auch er ist an den Rand der Not gebracht worden. Es mag sein, daß der Reichtum vielfach die öffentliche oder private Fürsorge nicht als Vermittler für seine Wohltätigkeit benutzt, aber dadurch können dringend gebrauchte Gelder leicht in falsche Kanäle geleitet werden.
Das Elend des kommenden Winters gemeinsam zu besiegen ist ein Gebot der Selbsterhaltung unseres Volkes, darum möge der Ruf um Hilfe, der nun bald tausendfach von zahlreichen Wohlfahrtsstellen ausgehen wird, überall gehört werden, und jeder möge diese Stelle in Anspruch nehmen und seine Groschen nicht einem Bettler geben, dessen tatsächliche Notlage man gar nicht beurteilen kann, denn gar mancher Bettler wurde nach dem Tode als gar nicht bedürftig entlarvt. Wo man ohne Inanspruchnahme der öffentlichen oder privaten Wohlfahrtshilfe etwas tun will, da fei es nur gegenüber Personen, deren Verhältnisse man aus eigener Anschauung ganz genau kennt. —
Man sollte meinen, daß die Not viele dazu veranlaßt, ihr Glück mit einem Lotterielos zu versuchen, aber die letzte Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie steht dazu in einem gewissen Widerspruch, denn über 150 000 Lose sind unverkauft geblieben, während früher selten ein^Los frei wurde. Es zeigt sich darin doch wohl, daß der Fünf-Mark-Preis für ein Achtel z u hoch ist, denn gerade die minderbemittelten Spieler müssen mit jedem Pfennig rechnen und können bei fünf Mark pro Klasse die Ziehungsperiode finanziell nicht mehr durch- halien. Nicht jeder kann wie der Gleiwitzer Kaufmann ein Doppellos spielen und dann noch 600 000 Mark gewinnen. Die Loueriedirerlion will gegen diesen Rückschlag im Los- werden zugleich kritische Stimmen laut, die eine Neuorganisation des Absatzes fordern, mit dem Ziele, den Kreis der kleinen Lotterieeinnehmer zu vergrößern.
Unsere anormale Wirtschaftslage läßt allerdings keinen absolut sicheren Schluß zu. welches die Ursachen dieles Rückschlages sind, bezw. wie stark die einzelnen Ursachen an dem Ergebnis beteiligt sind, jedoch nehmen die oben angeführten Gründe den höchsten Grad der Wahrscheinlichkeit für sich in Anspruch.
Ein Zeichen der Zeit ist auch das Verbleichen des Glanzes des Hauses Rothschild, eine Finanzdynastie, die das vorige Jahrhundert beherrschte, heute muß dieses Haus seinen internationalen Glanz an die Finanzgrößen der neuen Welt abtreten. Der Gründer des Frankfurter Stammhauses hinterließ fünf Söhne, die als die „ F ü n f Frankfurter" bis in den kleinsten Winkel hinein bekannt sind Von den fünf Rothschildschen Häusern existieren eigentlich nur noch drei, das Pariser, das Wiener und das Londoner. Die englische Linie steht noch am mächtigsten da. Wenn auch die Rothschilds noch keine armen Leute sind, die Glanzzeit ist dahin, und nach dem Gesetz vom Auf und Nieder der Geschlechter wird auch für die Rothschilds eine Zeit kommen, wo sich ihr Reichtum zerstreut hat und eine Redensart „reich wie Rothschild" nur noch historischen Wert besitzt.
Die Amstelbank, die jetzt zusammenbrach, ist auch ein mit den Rothschilds verknüpftes Unternehmen, und wenn der ob seines Verlustes erzürnte Pallenberg feine Rache- pläne verwirklicht, dann wird er dem Glänze des Namen Rothschild große Einbuße tun und ein Nachkomme der allmächtigen Frankfurter lebt in einer Posse als „komische pigur" auf der Bühne fort, nachdem die „Fünf Frankfurter" den Stoff für ein fast klassisches Bankiersdrama abgegeben haben. Sie tranfit gloria mundi — So vergeht die Herrlichkeit der WeltI Jörg.
Vermischtes.
O Die ausgepretzte Zitrone. Ein scheelsüchtiger Höfling beklagte sich einmal bei Friedrich dem Großen über die Gunst, die er Voltaire zuteil werden lasse. Der König sah den Mißgünstigen eine Weile schweigend an, dann sagte er: „Kümmere Er sich nicht um Dinge, die ihn nichts angehen. Man preßt die Zitrone so lange, bis nichts mehr darin ist. dann schmeißt man sie weg und nimmt den Saft für sich." Der Höfling hatte jedoch nichts Eiligeres zu tun, als zu Voltaire zu laufen und ihm den Ausspruch Seiner Majestät brühwarm zu überbringen. Darauf wandte sich der Franzose schnurstracks nach Frankreich zurück und schrieb in seinen Memoiren: „Ich beschloß, meine Zitronenschale so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen."
o Eheringe im Fluß. In Reno Nevada, jener Stadt in U S A., wo am schmerzlosesten geschieden wird, hat sich der Brauch herausgebildet, daß die „neugeschiedenen" Paare nach dem Fluß pilgern, um ihre Eheringe ins Wasser zu versenken. Und ferner ist es Sitte geworden, daß die Straßenjungen nach den Ringen in den Fluß tauchen, um sie für ihren Goldwert wieder zu verkaufen.
Börse und Handel.
Berlin, den 10. September 1931.
Effektenmarkt. Der Beginn des variablen Verkehrs brächte in der Tat' die schon seit einigen Tagen befürchteten Entlastungen der Spekulation, hinzu kam, daß die Auslandsbörsen wieder schwächer lagen, und daß verschiedentlich über doch hier und da entstehende Schwierigkeiten bei der Abwicklung der laufenden Terminengagements geklagt wird. Die ersten fortlaufenden Notierungen lagen gegen gestern uneinheitlich, im allgemeinen jedoch wenig verändert, vereinzelt stellten sich Abweichungen bis zu 2 Prozent nach beiden Seiten ein. Auch am Pfandbriesmarkt war das Geschäft heuie bedeutend ruhiger. Die Tendenz im allgemeinen fest. Die Lage am Geldmarkt war versteift, Tagesgeld zirka 9 Prozent, Monatsgeld 8,5—10 Proz. Warenwechsel zirka 10 Proz.
Devisenmarkt. Pfunde etwas leichter, sonst allgemein ruhig.
Dollar: 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), engl. Pfund: 20,455 20,495, holl. Gulden: 169,83 170,17, Belga (Belgien) : 58,54 58,66, ital. Lira: 22,02 22,06, dän. Krone: 112,52 112,74, norm. Krone: 112,51 112,73, frans. Franken: 16,50 16,54, tschcch. Krone: 12,468 12,488, schweiz. Franken: 82,06 82,22. span. Peseta: 37,71 37,79, schwev. Krone: 112,62 112,84, östrrr. Schilling: 59,17 59,29.
Produktenmarkt. Bei knappem Inlandsangebo: und allgemein guter Nachfrage war die Tendenz fester; Roggen um etwa 2 Mark. Am Mehlmarkt notierte nur Roogen- mehl höher. Hafer stetig, G e r st e still.
Warenmarkt.
Mittagsbörse. (Amtlich.) Getreide und Oelsaaten per 1000 Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen Mark. 214—216 (am 9. 8.: 212—214). Roggen Mark. 176—178 (173—175). Futter- und Jndustrieaerste 152—160 (152-160). Hafer Mark. 135—144 (135-144). Weizenmehl 26—32,50 (26—32,50). Roggenmehl 24,10 bis 26,75 (24,10-26,75). Weizenkleie 11,50 -11,80 (11,50 bis 11,80). Roqgenkleie 9,50—9,80 (9,60—9,90). Viktoria- erbsen 22-28 (22—28). Leinkuchen 13,60—13.80 (13,60 bis 13,80). Trockenschnitzel 6,70—6,80 (6,70—6,80). Sojaschrot 11,90-12,40 (11,90-12,40),
Kartoffelpreise.
Amtliche Kartoffelerzeugerpreise je Zentner waggon- frei ab märkischen Stationen (amtlich ermittelt durch tue LandwirtschaftSkammer für die Provinz Brandenburg und Berlin): Weiße 1,30—1,40, Rote 1,40—150, Odenwäldec Blaue 1,40—1,50, andere gelb fleischige 1,50—1,75 Mark.
Frartf iter Sel l rchtviehmarkt vom 10. September: Austrieb: 82 Rinder, 683 Kälber, 187 Schafe, 654 Schweine. Bezabli wurden pro 50 Kilogramm Lebendge- Wichr in Reichsmark: Kälber —, 50 bis 55, 45 bis 49, 36 bis 44: Schafe 40 bis 43, —, 34 bis 39, 28 bis 33; Steine 54 bis 58, 53 bis 57, 51 bis 56. — Markt- re-m-f: Kälber, S ' ^e und Schweine ruhig, geräumt. _
Magerviehhof Berlin-Friedrichsfelbe.
(Amtlicher Bericht vom 10. September.)
Auftrieb 254 Rinder (darunter 232 Milchkühe, 22 Stück Jungvieh), 83 Kälber, 465 Pferde.
Es wurden je nach Qualität gezahlt für das Stück: Milchkühe unb hochtragende Kühe: 280—410 Mark. Tragende dürfen: ‘260-370 Mark.
Jungvieh zur Mast: Bullen, Stiere und Färsen 28—30 Mark für einen Zentner Lebendgewicht.
Marktverkauf: Sehr langsam bei gedrückten Preisen.
Pferdemarkt: Ruhiges Geschäft. Preise je nach Qualität 200-1100 Mark. Schlachtpserde 30-180 Mark.
Gänse-Auftrieb 100.
Am 14. September Zuchtviehversteigerung der Brandenburgischen Zuchtviehverbände.
Rpndsunk-Vrogromme.
Frankfurt a. M. und Kassel (Südwestfunk).
Sonntag, 13. September: 7 Hamburger Hasenkonzert; 9.15 Katholische Morgenseier; 10 Deutsche Stunde; 10.30 „Die Walküre", Einführender Vortrag; 11.30 Bachkantate; 12.15 Schallplatten; 12.50 Programme der Sonntags- und Montagskonzerte des Frankfurts» Orchesteroereinsz 13.05 Schallplatten Forts.; 13.50 Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden; 14 Stunde des Landes; 15 Stunde der Jugend; 16 Nachmittagskonzert; 16.50 Länder- fußballspiel Deutschland — Oesterreich; 17.45 Nachmittags- konzect Forts.; 18.15 Kammermusik; 18.50 Paul Heyse, Einführung und Leseproben; 19.20 Sonderwetterdienst für die Landwirtschaft, Sportnachrichten; 19.30 Blasmusik; 20.45 Klassische Monologe; 21.15 „Die Walküre", 1. Aufzug; 22.15 Deutsche Motorrad-Bahnmeisterschaften im Stadion Frankfurt a. M.; anschließend Zeit, Wetter, Nachrichten; 22.35 Tanzmusik.
Montag, 14 September: 15.15 „Kommunale Frauen- mitarbeit zur Bekämpfung der Not Jugendlicher", Vortrag; 18.40 „Abrüstung-fragen", Vortrag; 19.05 Englischer Sprach- unteriichl; 19.45 Volislieder. 1. Oesterreich; 20.30 Der Tag des Ulysses; 21.30 Waldemar von Baußnern zum Gedächtnis; 22.30 Nachrichten.
Dienstag, 15. September: 15.20 Hausfrauennachmittag; 18.40 „Holländer und Deutsche in Niederländisch-Jndien", Vortrag; 19.05 „Die junge Kaufmannsgeneration", Vortrag; 19.45 Wettjingen; 20.30 Wir wollen helfen; 22 Nachrichten. Mittwoch, 16. September: 10.20 Schulfunk; 15.15 Stunde der Jugend; 18.40 „Das Haus", Vortrag; 19.05 Primaner sprechen über Bergs Wozzek; 19.45 Zitherkonzert; 20.30 Drei Kurzgeschichten; 21 Orientalische Musik; 22.15 Nachrichten; 22.30 Komponistenstunde; 23 Budapester Zigeunermusik.
Donnerstag, 17. September: 9 Schulfunk; 15.30 Stunde der Jugend; 18.40 Stunde des Films; 19.05 „Wirtschaft, Staat und Gegenwart", Vortrag; 19.45 Einführungsunier- richt zu der Oper „Calome"; 20 „Salome".
Freitag, 18 September: 18.40 „Kinderängste", Vertrag; 19.05 „Der Himmel im September und Oktober"; 19.45 Schweizer Jodler; 20.15 Konzert; 21.30 Deutsche Humoristen; 22.10 Nachrichten; 22.35 Tanzmusik.
Sametag, 19. Scpt.mber: 10.20 Schulfunk; 15.15 Stunde der Jugend; 18.40 „14- bis 17jährige Berufstätige in Familie, Beruf und Politil", Drei Gespräche; 19.15 Spanischer Sprachunterricht; 19.45 Wiener Volksmusik; 20.30 Der Narr und die Liebe, Komödie; 21.30 „Johann, Joses und Eduard Strauß", Konzert; 22.20 Nachrichten; 22.50 Tanzmusik.
Münchens Winterfürsorge.
I Der Münchener Stadtrat genehmigte zur Bekämpfung der I Winternot ein umfangreiches Fürsorgeprogramm, das u. a. ftäb. I tische Speisungen von täglich 50 000 bis 60 000 Menschen vorsieht. i Außerdem sollen in der Zeit vom 1. Oktober bis Ende März an 50 000 bis 60 000 bedürftige Personen Kohlen und Lebensmittel zu Preisen abgegeben werden, die bis zu 20 Prozent verbilligt sind, und gegen Ausweis bei Handel und Gewerbe bezogen werden können. Die Gewerbetreibenden haben sich im nächsten Halbjahr damit zu einem Opfer von 200 000 bis 300 000 Mark bereit erklärt. Für die Betreuung der jugendlichen Erwerbslosen wurde ein Ju- genddienst mit täglich vier Stunden gemeinnütziger Arbeit und zwei Stunden Unterricht und Sport nach dem Grundsatz der Frei- Willigkeit und Unentgeltlichkeit eingerichtet.
Frankfurt a. M. (Feldhüter von Obstdieben erschoß sen.) Mittwoch nachmittag kurz nach 4 Uhr überraschte der Feldhüter Hattemer aus Kalbach in der Gemarkung zwischen Kalbach und BonameS mehrere Leute, die dem Obstdiebstahl nachgingen. Als er zur Feststellung der Personalien schreiten wollte, zog einer der Diebe den Revolver und gab auf den Beamten einen Schuß ab, der den sofortigen Tod herbeiführ- te. Die Leiche des Erschossenen wurde später von Kindern aufgefunden, die die Polizei benachrichtigten. Von den Tätern hat man noch keine Spur.
Frankfurt a. M. (5-Tagewoche in der süddeutschen Brauindustrie.) Die Bauereien des Frankfurter Braubezirkes haben beschlossen, mit Wirkung vom 9. September in ihren Betrieben die 5-tägige Arbeitszeit einzuführen, und zwar soll die Arbeit an jedem Mittwoch ruhen. Mit dieser Maßnahme folgte man den badischen und pfälzischen Brauereien, die bereits seit einiger Zeit Kurzarbeit eingeführt haben. Gegenüber dem Braujahr 1929/30 wird ein Absatzrückgang von 33 bis 35 Prozent verzeichnet.
Kassel. (Im Straßengraben verletzt aufgefunden.) In der Nähe der Knallhütte waren^am vergangenen Samstag abend zwei jüngere Arbeiter bewußtlos mit Verletzungen im Straßengraben aufgefunden (worden. Der mysteriöse Unfall ist jetzt dahin aufgeklärt worden, daß am Ausgang des Dorfes Nicderzwehren sich zwei Kraftwagen entgegenkamen, von denen der eine trotz der Warnung des entgegenkommenden Autos nicht abblendete, sodaß der^Führer des andern Kraftwagens ganz nach rechts lenkte, um einen Zusammenstoß zu verhüten. Die beiden jungen Leute waren ebenfalls von dem starken Scheinwerferlicht geblendet und liefen dem einen Auto direkt in die Räder. Die Polizei hat die Sucht nach dein Auto, das durch das Nichtabblenden das Unglück verursachte ausgenommen.
Kassel. („Republik oder Vaterland".) Die Pressestelle der Regierung teilt mit: In Versammlungen der dcutschnationalen Volkspartei wirft Landtagsabg. Steuer dem Regierungspräsidenten Dr. Friedenburg vor, er habe sich noch bis vor einem halben Jahre bemüht, bei jeder Gelegenheit feine republikanische Gesinnung zu beweisen, indem er bei offiziellen Gelegenheiten die Republik in den Vordergrund gestellt habe; neuerdings habe er seine Ansicht geändert und lasse immer das Vaterland hochleben. Landtagsabg. Steuer führt diese angebliche Beobachtung als Beweis dafür an, daß bisher linkseingestellte Beamte bereits einen starken Zug nach rechts erkennen ließen. Dem Regierungspräsident ist von einem geänderten Verfahren in dieser Hinsicht ebensowenig bekannt wie von einer Wandlung seiner republikanischen Staatsgesinnung. Die Form, in der er bei dem Abschluß einer Rede des deutschen Vaterlandes gedenkt, pflegt sich jetzt wie seit über zehn Jahren nach der Art der Veranstaltung zu richten. Es ist selbstverständlich, daß ein allgemein vaterländisches Fest andere Formen verlangt als eine offizielle staatspolitische Feier. Die Unterscheidung erfordert allerdings ein gewisses Maß von^Takt und Feingefühl, das bei der Zuhörerschaft in der Regel vorausgesetzt werden kann, für ■ das aber in der Parteiagitation wohl kein Verständnis besteht.
“ G-schäMch-s.
Ein einfaches Rezept! Zur Bereitung einer billigen und kräftigen Seifenpaste lösen Sie zweckmäßig ein Paket Dr. Thompsons Seifenpulver — das übrigens nur 25 Pfg. kostet — in i’/4 Liter kochend-Heißem Wasser auf, rühren gut um und lassen die Masse erkalten. Dann erhalten Sie 3 Pfund weiche, weiße Seifenpaste, die zum Absei- fen und Scheuern, zum Vorwaschen und Einweichen besonders schmutziger Wäsche ganz vorzüglich ist. Machen Sie einmal bei nächster Gelegenheit diesen Versuch, Sie werden das Rezept bestimmt immer wieder anwenden.
Die Vebesserring des Pflan^enbestandce auf Wiesen und Weiden ist notwendig, um wirt- schaftseigenes Futter bester Qualität zu erhalten, wodurch wiederum gesteigerte Milch- und Fleischleistungen und damit erhöhte Einnahmen zu erzielen sind. Die Erfahrungen haben gelehrt, daß gerade die Kalidüngung im Verein mit einer Pboöphorsäuregabe einen weitestgehenden Einfluß auf die Zusammensetzung der Grasnarbe aueübt. Sie bewirkt einerseits eine Vermehrung der Kleearten und eine starke Bestockung der guten Gräser, andererseits aber eine Unterdrückung der Unkräuter und minderwertigen Gräser, so daß nicht nur der Ertrag gesteigert wird, sondern auch der Wert des Futters eine erhebliche Verbesserung erfährt. Am besten ist es, die für Wiesen und Weiden unentbehrliche Kalidüngung im Herbst oder Winter vorzunehmen und zwar in Mengen von i1/2—2 Ztr. 40er Kalidüngesalz oder 4—6 Itr. Kainit je */4 Hektar.
vorsorgliche Hausfrauen beginnen schon jetzt für sich und ihre Rinder Herbst- und Winterkleidung zu schneidern. Eine große Auswahl dazu bieten die zahlreichen Modelle der im 40. Jahrgang erscheinenden „Deutschen Moden-Zeitung". vierzehntäglich erscheint ein Heft mit großem Schnittbogen für 50 pfg. Ausser dem reichhaltigen Modeteil bringt die Zeitschrift Romane, Novellen, Hauswirtschaftsecke, Preisausschreiben u. v. a. Durch jede Buchhandlung, oder direkt vom Verlag (Otto Leyer, Lcip- Zlg, zu haben.