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Mluchtemer Zutuns

Meis-Kmtsbtatt * MHemeLner aMIicherAnzeLgsv für 6m LveLs Hchlücht

Nr. 109

(1. Blatt)

Donnerstag, den 10. September 1931

83. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Kreisausschuß.

Bürgermeister-Dersammlung

I.-Nr. 4322 K. A. Die Herren Bürgermeister der 5tadt- und Landgemeinden des Kreises werden zu einer Bespre­chung dienstlicher Kngelegenheiten auf Montag, den 1 4. September d. 3s. vormittags 9 Uhr in den Sitzungssaal des hiesigen Kreislaufes eingeladen. 3m Vor­dergrund dieser Versammlung steht eine Besprechung über die gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftsfragen. 3m Hin­blick auf die Wichtigkeit dieser Fragen ist es unbedingt erforderlich, daß sämtliche Herren Bürgermeister, auch die­jenigen der Stäbte, erscheinen oder einen Vertreter ent­senden.

Lchlüchtern, den 3. September 1931.

Der Vorsitzende des Nreisausschusses: Dr. Müller.

Freiwilttge Sanitätskolsune Kad Sode»».

Auf Sonntag, den 1 3. d. Mts, nachm. u m 1 U h r, werden die Uolonnenmitglieder zu einer Uebung in die neue Schule zu Bad Soden freundlichst eingeladen. Pünkt­liches und vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht.

Bab Soden, den 9. September 1931.

Nasprzik, Vorsitzender.

Schlüchtern, den 9. September 1931.

Dr. Müller.

Vorsitzender des Männervereins vom Roten Kreuz.

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100000 mettifieMer.

Ein Vorschlag des Reichsfinanzministers.

Reichsfinanzminister Dr. Dietrich hat dem Reichskabinett einen^großzügusen Siedtungsplan vorgelegH-ber ckw-aist-ch-^ barer Zeit 10 Prozent der Wohlfahrtserwerbslofen unter« bringen soll, und damit als ein wertvoller Teilbetrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit anzusehen ist.

Der Reichssinanzminister empfiehlt eine halb städ­tische, halb ländliche Siedlung. Räch seinem Vorschlag soll die Siedlung in der Rähe von Städten er­folgen. Der Boden soll aus städtischem und staatlichem Besitz hergegeben werden, von den Materialien, z. B. das Holz, aus den staatlichen Forsten.

Die Siedlung soll zunächst die kleinstmögliche Form be­kommen: ein kleines primitives Haus mit z w e i b i s v i e r MorgenLand. Voraussetzung für die Verpachtung einer Siedlerstelle ist, daß der Pächter, dem übrigens für später das Erwerbsrecht vorbehalten wird, bei der Herstellung des Hauses mitarbeitet, außerdem sollen andere Arbeitslose her­angezogen werden. Eine Mehrbezahlung über die Unter­stützung hinaus ist allerdings nur in Form von Verpfle­gung auf der Arbeitsstelle und Transport zu und von ihr vorgesehen.

Abgesehen davon, daß die psychologischen Schwierig­keiten der ländlichen Siedlung durch die Reihe der Städte beseitigt werden, rechnet man bei dieser Form der Errich- tung der Siedlerstellen damit, für 200 Millionen Mark, die aus der Hauszinssteuer auszubringen wären, etwa 100 000 Siedler ansehen zu können. Roch im Septem­ber soll nach dem vorliegenden Plan mit dem Merk be­gonnen werden, so daß bis zum Frühjahr 100 000 Siedler untergebracht sind. Sie würden die Unterstützung noch bis zur nächsten Ernte, spätestens bis zum Ende des Jahres 1932 bekommen.

Der Vorschlag des Reichsfinanzministers betont beson­ders die Notwendigkeit einer einheitlichen Durchführung für das ganze Reich und empfiehlt die Einsetzung eines Reichskommissars für das Kleinsiedlungswesen, der nur dem Reichskanzler direkt unterstehen würde. Ihm soll ein Bei­rat zur Seite gestellt werden, der aus Vertretern der ver­schiedenen Reichsressorts und des betreffenden Landes be­steht.

Selbstmord eines Versicherungsdirektors.

Hamburg, 9. S.ptbr. In den Räumen der Hermes Kreditverficherungsbank 2t. G. in der Königstraße hat sich der Leiter der hiesigen Filiale, Rudolf Schoenfeld, erschossen. Wie die Hermes-Bank versichert, seien die finanziellen Ver­hältnisse des Direktors Schoenfeld in der letzten Zeit pre kär gewesen.

i Mordversuch und Brandstiftung.

Königsberg, 9. Septbr. Der in Lepacken (^reis Lyck) wohnende Besitzer Kowallik stand in der Nacht auf, holte sich seinen Karabiner und gab auf seine Frau mehrere Schüsse ab. Obwohl sie schwer verletzt wurde, gelang es ihr, Zu entfliehen. Dann steckte Kowallik das Haus in Brand, weckte seine sechs Kinder, ging mit ihnen in den Garten und erschoß sich vor ihren Augen. Wohnhaus, Stall und Scheune brannten nieder. Da Kowallik - vor einigen Tagen einen Giftmordversuch an seiner Familie unternom­men hatte, nimmt man an, daß er die Tat in geistiger Um« Mnytung begangen hat.

Die Lage am Arbeiismarki. Langsames An st eigen der Arbeitslosen- Ziffer.

Berlin, 9. September.

. August w:.ren bei den Arbeitsämtern rund 4 Ua 000 Arbeitslose gemeldet; die Zunahme gegenüber dem letzten Stichtag betief sich auf rund 91 000 und blieb damit hinter der Zunahme in der ersten Hälfte des Mo- nats (rund 114 000) zurück. Die Zahl der Unterstützungs­empfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfür- sorge ist um rund 96 000 gestiegen, während im vorher­gehenden Berichtsabschnitt beide Unterstützungseinrichtun­gen zusammen einen Zugang von rund 49 000 zu verzeich­nen hatten.

Am 31. August wurden nach den vorläufigen Zählun- gen der Arbeitsämter in der Arbeitslosenversicherung rund 1 281 000 (am 16. August 1 225 000), in der Krisenfursorge rund 1 095 000 (am 15. August rund 1 055 000) Haupt- unterstützungsempfänger betreut. Insgesamt hat" die Ar­beitslosigkeit seit dem sommerlichen Tiefpunkt nicht stär- ker zugenommen als während der gleichen Entwicklungs- periode des Vorjahres, nur der Ausgangspunkt liegt in diesem Jahre erheblich höher. Die Zahl der Wohlfahrts- erwerbslosen belief sich Ende Juli auf rund 1 063 000.

Deutschlands Kriegsschiffe.

Rur die Hälfte der zulässigen Zahl.

Reichsaußenminister Dr. Curtius hat an den Gene­ralsekretär des Völkerbundes eine Note gerichtet, in der es u. a. heißt:

Die in Ihren, Schreiben vom 13. Juni ds. Js. er- ; betenen Angaben über den deutschen Rüstungsstand be= ! ehre ich mich in der Anlage zu übersenden.

Die beiliegenden Tabellen lassen erkennen, wie gering die Rüstungen Deutschlands im Vergleich zu denjenigen anderer an Gebiet und Bevölkerungszahl ihm entsprechen­der Staaten sind. Teilweise bleiben sie sogar erheblich hin- .....m ottn wyoE iioiuniiiHfrrerriwh^

Vertrages festgelegten Stand zurück. So besitzt z. B. die deutsche Marine gegenwärtig nur vier im Dienst stehende Linienschiffe, während sie aus Grund des Art. 181 des Ver- strittet Vertrages und des Schreibens der Interalliierten Marinekontrollkommission vom 26. 3. 1920 sechs Linien­schiffe im Dienst und zwei Linienschiffe in Reserve, also den doppelten Bestand zu haben berechtigt ist.

Durch diese Anfrage an alle Staaten wollte sich der Generalsekretär des Völkerbundes die nötigen Unterlagen für bie Abrüstungskonferenz verschaffen. Die meisten Staa­ten haben ihren Rüstungsstand offengelegt, Frankreich, hat noch nicht geantwortet, sondern eine Polemik begon­nen, daß nur Deutschland abrüsten müsse (!). Rußland hatte schon früher seine militärische Stärke angegeben un­ter der Bedingung, daß die Zahlen nicht veröffentlicht wür­den. Daraufhin hat sich Polen geweigert, seinen Rü­stungsstand bekanntzugeben.

Verzweiflungstat einer Mtter.

Vier Personen durch Gas vergiftet.

In der bayerischen Stadt Pasing wurden vier Perso- ! nen, und zwar Frau Dr. Dehn mit" ihren beiden Söhnen im Alter von 5 und 12 Jahren und das Dienstmädchen durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Nach den Feststel­lungen der Polizei handelt es sich um eine Verzweiflungs­tat der Frau Dehn. Die Frau lebte von ihrem Manne ge­trennt, und die Ehe sollte geschieden werden. In einem Schreiben an ihren Anwalt hatte sie die Absicht mitgeteilt, aus dem Leben zu scheiden. Drückende Notlage und die zerrütteten Familienverhältnisse dürften der Grund zu ber- schrecklichen Tat sein.

Ziveidrittet der Bevölkerung werden unterstützt.

Mayen, 9. 9. (£ig. Meldung). Die Stabt Malzen wird an die Bedürftigen größere Mengen Brennholz aus dein Stadtwalde, ferner verbilligte Briketts und Kartoffel ab« geben. Für diejenigen Notleidenden, die nicht in einem Haushalt leben, werden Suppenküchen eingerichtet. Die Verhältnisse in der Stabt sind trostlos. Zur 3est müssen, hauptsächlich infolge der darniederliegenden Steinindustrie, zwei Drittel der Einwohner ihren Lebensunterhalt aus Mitteln der öffentlichen Hand fristen.

Der Professor der Theologie Schmidlin von der Universität Münster ist Mittwoch früh in Nieder-Hagen- thal im Elsaß, wo er seinen Bruder besuchen wollte, ver­haftet und nach Colmar transportiert worden. Schmidlin ist geborener Elsässer und war am 12. 6. 1928 in einem Kulonomistenprozeß zu 10 Bahren Gefängnis und 20 3ab= reu Uufenthaltsverbot verurteilt worden.

Als Mörder des Kölner Stahlhelmführers Albert Heister wurde der 19 jährige Arbeiter Niksch ermittelt, der gestand, in der Nacht zum 9. August den verhäng­nisvollen Schuß abgegeben zu haben.

Jugendliche Arbeitslose im Winter.

Einrichtung von Bildungslehrgängen.

Von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung werden nunmehr die Zahlen über die Beteiligung der jugendlichen Arbeitslosen im letzten Win­ter bekanntgegeben, und zwar sind in der Zeit der höchsten Arbeitslosigkeit, vom 1. Januar bis etwa Anfang April 1931 durch die Maßnahmen der Arbeitsämter etwa 120 000 jugendliche Arbeitslose erfaßt worden.

In diesem Ausmaß wurde jugendlichen Arbeitslosen die Teilnahme an beruflichen Bildungsveranstaltungen der Arbeitsämter oder anderer Einrichtungen mit Hilfe von Mitteln der Reichsanstalt oder des Reichsarbeilsministeriums ermöglicht. 3m Durchschnitt waren 25 v. h. der Gesamtzahl weibliche Arbeitslose.

Eigene Einrichtungen der Arbeitsämter sind nur in we­nigen Fällen geschaffen worden. Für die Durchführung der Maßnahmen war der beachtenswerte Umstand maßgebend, daß mehrfach leer st ehe nde Werk hätten, Fabrik­räume, Maschinenanlagen für die Beschäftigung arbeitsloser Jugendlicher angeboten wurden, während andererseits un­ter den Arbeitslosen zahlreiche Ingenieure, Werkmeister, ehemalige selbständige Handwerksmeister, Facharbeiter und Lehrer als geeignete Kräfte für den Unterricht zur Verfü­gung standen. Das Interesse der Jugendlichen für praktische, von Fachleuten geleitete Lehrgänge ging im Gegensatz zu theoretischem Unterricht so weit, daß wiederholt nicht alle Meldungen der Arbeitslosen berücksichtigt werden konn­ten; aus eigenem Antrieb wurde oft über die festgesetzte Stundenzahl hinaus gearbeitet, um begonnene Arbeiten bis zum Abschluß der Lehrgänge fertigzustellen.

3m kommenden Winterhalbjahr wird diese Arbeit nach den Plänen der Reichsanstalt, die bereits aufgestellt sind, erneut und in verstärktem Umfange in Angriff genommen werden müssen.

Ein Bedürfnis nach Fortführung der Maßnahmen liegt schon deshalb vor, weil Notstandsarbeiten, Pflichtarbeiten und Arbeiten im freiwilligen Arbeitsdienst aus jahreszeit- « Äi.W«i »lrMtr.-.,n p Ä*W ÄW g>- ßerer Masten von städtischen Jugendlichen auf diesen Wegen nicht gewährleistet erscheint. Methodisch wird nach dem neuen Plan bei den Veranstaltungen für erwerbslose Jugendliche der praktischen Arbeit und der praktischen An­schauung eine zentrale Stellung eingeräumt werden, die Berufskenntnisse zu unterbauen und sie so zu fördern, daß der Arbeitslose zu keiner Zeit den Anschluß an seinen Be­ruf verliert. Außerordentlich wünschenswert erscheint eine produktive Anlage der Arbeit der Jugendlichen, wie sich das bereits im vergangenen Winter sehr gut bewährt hat.

Winterhilfe.

Auch die Teno stellt sich zur Verfügung.

Die Hauptstelle der Technischen Nothilfe gibt folgen-" des bekannt:

3n der Ueberzeugung, daß die Technische Rothilfe bei der Durchführung der umfangreichen und schwierigen Auf­gaben, vor die die Verbände der Wohlfahrtspflege bei der Durchführung der geplanten Winterhilfsaklion gestellt sind, in vieler Beziehung Mithilfe leisten kann, hat die Haupt­stelle den in Betracht kommenden Stellen die Mitarbeit der Technischen Rothilfe angeboten.

Auf Grund der Erfahrungen früherer Jahre und vor allem des letzten Winters kommt hauptsächlich die Gestel­lung von Helfern und Helferinnen für die Durchführung von Sammlungen jeglicher Art, für die Verteilung von Liebesgaben, für Lebensmitteltransporte und für Einrich­tung von Notspeisungen, aber auch nach Maßgabe des Bestandes die Bereitstellung von Feldküchen, Transport- mitteln usw. in Frage. Alle Dienststellen im Reiche, alle Ortsgruppen, Bereitschaftstrupps und Obmänner der Tech­nischen Nothilfe sind bereits angewiesen, dem Winterhilfs- werk jede mögliche personelle und materielle Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Besserung der Kriegsopferrenien.

Sitzung des Reichsausschusses für Kriegsbeschädigtenfürsorge.

Die Organisationen und die Vertreler der Hauptfür­sorgestellen der Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen, die in Gegenwart eines Vertreters des Arbeitsministeriums tag­ten, konnten in der Aenderung der 2. Notverordnung des Reichspräsidenten, soweit sie Kriegsopferfragen betraf, eine Einigung erzielen. So wurde eine Besserung der Renten für Leichtbeschädigte, eine Milderung ber Anrechnung der Ren­ten auf die Arbeitslosenunterstützung bei arbeitslosen Kriegs­beschädigten und Kriegerhinterbliebenen, eine Milderung der Ruhensbestimmungen für Personen, die öffentliches Ein­kommen beziehen, sowie grundsätzliche Aenderungen aus dem Gebiete der Gewährung von Zusatzrente der Reichsre­gierung empfohlen. Aus den Aeußerungen des Regierungs- vertreters ist zu entnehmen, daß die Wünsche des Reichsaus­schusses in einer demnächst zu verkündenden Notverordnung Berücksichtigung finden

Sir Hubert Wilkins UnterseebootNautilus" ist nach seiner polarfahrt unter dem Eis Mittwoch wieder in Song Pear Tity eingetroffen.