Zchluchtemer Zutuns
kreis-Kmtsbtatt * Myemeinev amULcherHuzelyer für 8m Kreis Schtüchtero
Nr. gg<1. Blatt)Dienstag, den 18. August 1931 83. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
3.=Hr. 4967 a. Nachdem die Abstimmung betr. Errichtung einer Zwangsinnung für das Schuhmacherhandwerk im Bezirk des Kreises Schlächtern durchgeführt ist, liegt die Abftimmungslifte während der Vienststunden im Büro des Sandratsamts (Zimmer Nr. 3) in der Seit vom 18. d. Mts. bis 1. September d. 3s. zur Einsicht und Erhebung von Einsprüchen der Beteiligten aus. Die etwa nach Ablauf der Frist angebrachten Einsprüche bleiben unberücksichtigt.
Schlächtern, den 13. August 1931.
Der Landrat. 3. D.: Duwe.
KreisausfAuß.
3.=Hr. 3785 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden des Kreises erinnere ich hiermit an die Erledigung der diesseitigen Verfügung Dom 30. 3uli d. 3s. — I -Nr. 3785 K. A. - (Kreisblatt Nr. 93) betr. Angabe des Bestandes an deckfähigen Ziegen und sprungfähigen Ziegenböcken- Erledigung erwarte ich bestimmt innerhalb 8 Tagen.
Schlüchtern, den 14- August 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Die am 15. d. Mts. fällig gewesene Rate Hauszins- und Grundvermögensteuer, sowie alle rückständigen Steuerbeträge aus den Vormonaten werden hierdurch öffentlich gemahnt- Einzelmahnung erfolgt nicht.
Lt- Notverordnung vom 3ult d. 3s. werden für vcrfpä- ete Einzahlung 5% für jeden 1/2 Monat erhoben.
Steinau, den 14. August 1931.
Der Magistrat: gez. Dr. Kraft.
Der Meuchelmord an den Schupooffizieren.
Haftbefehl gegen fünf Verdächtige.
Berlin, 17. August.
Gegen fünf von den im Zusammenhang mit der Untersuchung der Bülowplatz-Krawalle festgenommenen 28 Kommunisten sind vom Untersuchungsrichter Haftbefehle erlassen worden.
Dabei handelt es sich in erster Linie um vier Mitglieder der kommunistischen Malkolonnc aus der Fransccky-Skraße, die im dringenden verdacht steht, daß sie von der beabsichtigten Ermordung der Schupoossiziere vorher gewußt, Kalfo der Vorbereitung eines solchen Verbrechens sowie Unterlassung einer Anzeige schuldig gemacht haben.
Der fünfte ist ein gewisser Z a ch 0. der bei den Unruhen am Bülowplatz einen Schuß in den Fuß erhielt, in eine Wohnung in der Nähe flüchtete und schließlich entdeckt wurde. Dabei fand man eine Ortgies-Pistole, deren Gebrauch bei Kommunisten vielfach festgestellt wurde.
»wird sich wegen Landfriedensbruchs und unbefugten mbesitzes zu verantworten haben.
*
Neue Todesdrohungen gegen die Polizei.
' TNB. Berlin, 17. 8. ((Eigene Meldung). 3n der Suarez-Straße in Tharlottenburg haben unbekannte Täter auf dem Fahrdamm folgende Kufschrift angebracht: „Schupos, schießt nicht! NFB schießt wieder. Für jeden erschossenen Arbeiter zehn Schupos." von den Tätern fehlt bisher jede Spur.
Ein neuer Fall Tetzner?
TUB- Berlin, 17. 8. ((Eigene Meldung). Vor einigen Tagen wurde auf dem Dobel zwischen Herrenalb und Wildbad der ausgebrannte Wagen des Besitzers, der Mcr- cedes-Benz-Niederlassung in Bingen Heinz v. Lacum mit der angeblichen Leiche des Wagenbesitzers aufgefunden. Nachträglich waren jedoch Bedenken laut geworden, daß die Leiche die des Lacum sei.
Nach einer Meldung der „Montagspost" habe sich jetzt herausgestellt, daß Lacum Wechselschicbungen und wahrscheinlich auch Wechselbetrug begangen und Jahrzehnte hindurch eine Bnzahl Firmen hinters Licht geführt hat. Er habe sich als Akademiker ausgegeben, was ebensowenig väreffe wie sein angebliches Angenieurefamen. Für die Autopsie war von Wichtigkeit, ob der Schädel der gefundenen Leiche eine aus dein Kriege stammende Silberplatte trug. Der Schädel war jedoch völlig zertrümmert, und es fanden sich nicht die mindesten Reste der Silberplatte vor. facum hätte — so schließt die Verlautbarung der „Ulom tagspost" Schulden in Höhe von einer Million Mark gehabt, denen nur etwa 2500 RITT- Aktiven gegenüber« ständen-
Eisenbahnunglück in Gteiermark.
0er Römerschnellzug auf einen Personenzug aufgefahren.
— Bisher 12 Tote und 60 Verletzte.
Wien, 16. August.
Auf der österreichischen Südbahn hat sich am Sonntag- morgen ein schweres Eisenbahnunglück ereignet. Der sogenannte Römerschnellzug, der um 8 Uhr in Wien ein- ireffen sollte, ist bei Göß in der Nähe von Leoben (Steier- mark) aus einen Personenzug aufgesahren. Mehrere Wagen wurden beschädigt, drei stürzten in die Mur. Nach den bisherigen Feststellungen wurden zwölf Personen getötet und vier lebensgefährlich verletzt. Sechs weitere Personen wurden schwer verletzt, 30 bis 40 mehr oder minder leicht.
♦
Mit voller Geschwindigkeit zusammengeftoßen.
Das Unglück ereignete sich in einer Kurve. Da der D- Zug Rom—Wien mit voller Geschwindigkeit in den vor Hm fahrenden Güterzug hineinfuhr, war die Wucht des Zusammenstoßes so groß, daß sich der Post- und der Gepäckwagen des D-Zuges in den ersten Personenwagen hin- einschob.
Die Lokomotive stürzte über eine drei Meter hohe steile Böschung in die an der Unglücksstätte vorüberfliehende Mur. Wie durch ein Wunder blieben der Lokomotivführer und der Heizer dabei fast unverletzt. Der Bremser des letzten Wagens des Güterzuges konnte sich durch Abspringen im letzten Augenblick retten.
Unter den Toten und Schwerverletzten befinden sich keine Reichsdeutschen; es handelt sich zum größten Teil um Oesterreicher und Ungarn.
Die Frage des Verschuldens
ist noch nicht geklärt Die beiden Fahrdienstleiter der Stationen Göß und Hinterberg, zwischen denen sich das Unglücks ereignete, beschuldigen sich gegenseitig, das Signal auf Freie Fahrt gestellt zu haben, während der Güterzug Noch uns der Streck» "wr.-Beide mucken "‘men Verdunkelungsgefahr verhaftet und dem Gericht übergeben
In dem verunglückten Zuge befand sich auch ein Wagen mit Kindern, die von einer Ferienkolonie nach Wien zurückfuhren. Die Kinder blieben unverletzt und sind bereits in Wien eingetroffen. An der Unfallftelle spielten sich fürchterliche Szenen ab. Zum Glück fuhr in dem Zuge als Reisender ein Wiener Chirurg mit, der an Ort und Stelle den Schwerverletzten erste Hilfe leistete und sie durch Rettungsabteilungen der Umgegend in die nächsten Spitäler bringen ließ
Schwere Autounfälle in Frankreich.
15 Tote, 60 Verletzte.
Paris, 17. August.
Am Tage Mariä Himmelfahrt haben sich in Frankreich zahlreiche Automobilunfälle ereignet. Insgesamt wurden 15 Personen getötet und etwa 60 verletzt, darunter 37 schwer.
Ein besonders ernster Verkehrsunfall ereignete sich bei Void. Eine Musikervereinigung hatte eine Pilgerfahrt
nach dem Beinhaus von Douaumont
und den Schlachtfeldern von Verdun unternommen. Ihre Mitglieder befanden sich in einem Autobus und einem einfachen Personenkraftwagen. Als letzterer den Autobus überholen wollte, streifte er dessen linkes Hinterrad.
Der Autobus schlug um. stürzte einen Abhang hinunter und geriet in Brand. Nicht weniger als sechs Personen kamen ums Leben, zwölf wurden verletzt.
Ein Autoanhänger umgestürzt und mitgeschleift.
Auf der Straße Hochrosen — Glatz stürzte ein mit 45 Mitgliedern der Freien Turnerschaft Breslau-West besetzter Lastkraftwagenanhänger um und wurde mehr als 100 Meter vom Führerauto mitgeschleift. Sämtliche Insassen wurden herausgeschleudert und verletzt, davon sechs schwer.
In der Nähe von E i n f e l d nördlich von Neumünster (Schleswig-Holstein) stieß ein mit Kieler Fußballspielern besetztes Lastauto und ein Pferdefuhrwerk zusammen, wobei vier Insassen des Lastkraftwagens auf das Straßen- pflaster geschleudert wurden. Zwei von ihnen mußten mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus geschafft werden; ihr Zustand ist besorgniserregend.
ächt Attentat auf den FL-Zug Basel—Berlin?
Am Freitag war von der Reichsbahndirektion in Erfurt mitgeteilt worden, daß der FD-Zug Basel—Berlin beschossen morden sei. Nach dem Stand der bisherigen Untersuchung hat sich aber kein A n h a l t s p u n k t dafür ergeben, doch es sich um ein Attentat handelt Es steht noch nicht einmal fest, daß die Beschädigung der Scheibe eines Personenwagens auf einen Schuß zurückzuführen ist. Geschoßteile oder sonstige Projektile sind in dem zur Untersuchung von Berlin nach Erfurt übergeführten D-Zug- Wagen nicht gefunden morden.
Die Industrie soll garantieren.
Neue Schwierigkeiten in Basel. — Kreditverlängerung um sechs Monate.
Im Internationalen Stillhaltekonsor- tium wurden am Sitz der BIZ. in Basel die direkten Verhandlungen mit den deutschen Delegierten über die Vorschläge der Gläubigergruppen bezüglich der Bedingungen, unter denen die kurzfristigen Kredite an Deutschland verlängert werden können, fortgesetzt.
In Gläubigerkreisen ist man gewillt, die Kredite um sechs Monate zu verlängern unter der Voraussetzung, daß auch die beteiligten Zentralbanken und die BIZ. den Deutschland gewährten 100-Millionen-Dollarkredit, der anläßlich der letzten Sitzung der 2333- um drei Monate verlängert wurde, ebenfalls auf sechs Monate verlängern.
Wie hierzu gemeldet wird, ist man seitens der Zentralbanken und der BIZ. durchaus gewillt, einer solchen Verlängerung zuzustimmen. Die deutschen Delegierten ihrerseits haben telephonisch mit der Reichsbankleitung und der Bankiervereinigung in Berlin Fühlung genommen, um neue Instruktionen einzu- holen, da ihnen gewisse Bedingungen kaum annehmbar erscheinen.
Die Verhandlungen bieten insofern noch gewisse Schwierigkeiten, als die Gläubigergruppen fordern, daß nicht nur die in Frage kommenden deutschen Banken, sondern auch die Jndusiriekreise, an welche die Kredite weitergeleitet werden, an der Ga- rantierung der Kredite beseitigt werden sollen.
Die durch die Vorschläge geschaffene Situation erfordert langwierige Verhandlungen. Der Studienausschuß zur Prüfung der deutschen Kreditlage hat am Sonntagnachmittag eine kurze Sitzung abgehalten, um seinerseits die ihn obliegenden Arbeiten tunlichst zu beschleunigen.
Revision im Moratoriumsjahr?
Die Auffassung der amerikanischen Finanzkreise.
Tier Frage, was geschehen werde, wenn oas Hoover- Jahr abgelaufen fei, wird in politischen und finanziellen Kreisen Amerikas lebhaft erörtert.
Nach einer Meldung bet Neuyorker „Evening Post" herrscht in maßgebenden Wallstreet-Kreisen die Ansicht, daß die Welt niemals zu der Basis zurückkehren werde, die vor dem Vorschlag Hoovers, einen Zahlungsaufschub der bestehenden Kriegsschulden zu ge- währen, bestanden habe.
Persönlichkeiten, die kürzlich aus Europa zurückkehrten, hätten erklärt, dies sei eine in allen großen Hauptstädten angenommene Tatsache. Diese Persönlichkeiten seien der Ansicht, daß, wer etwa vermute, Deutschland könnte oder würde in eine Rückkehr zu der alten Zahlungsbasis ein- willigen, die Sachlage nicht genau geprüft habe. Sie seien weiter der Ueberzeugung, daß sich Deutschland, falls es die Zahlungen auf der vorherigen Grundlage wiederauf- nähme, in einer schlimmeren Lage befinden würde, als vor dem Moratorium, da es dann auch noch die hinzukommende Last der aufgeschobenen Zahlungen zu tragen hätte. Nach Ansicht dieser Kenner der Sachlage werde Deutschland wahrscheinlich um eine Revision des Versailler Vertrages nachsuchen, und es werde angenommen, daß diese Revision wahrscheinlich zur Sprache gebracht werden würde, bevor das Moratoriumsjahr abgelaufen fei.
Stimson dementiert.
Staatssekretär Stimson, der zurzeit in Schottland weilt, hat in einem Telegramm das Gerücht, wonach er mit Premierminister MacDonald die Frage der Kriegsschulden und der Reparationen erörtert habe, für unrichtig erklärt.
Die Ernte von 400 Morgen zerstört.
BLtterseld, 17. August. In der etwa 60 Meter langen Feldscheune des Rittergutsbesitzers Mensdorf in Borbitz brach Feuer aus. Mit großer Sdjnelligfeit ergriffen die Flammen das ganze Gebäude, das bis auf die Um» fassungsmauern eingeäschert wurde. Die gesamte diesjährige Ernte von etwa 400 Morgen ist den Flammen zum Opfer gefallen.
Riesenüberschwemmungen in China.
Washington, 17. August. Nach Mitteilungen des amerikanischen Gesandten in Peking an das Staatsdepartement sollen 31 Millionen Menschen durch die Ueber- ichwemmungen im Pangtse-Tal schwer gelitten haben Der Gesandte schützt auf zehn Millionen die Zabl der Personen. die ihre Häuser verlassen mußten. Nach den Schätzun- zen des amerikanischen Konsulats in Hankau sind mehrere Zausend Menschen ertrunken. Der Schaden an der Baumwollernte dürfte 150 Millionen Mark betragen.
Neue Spur im Attentat bei Jüterbog?
Die Polizei in Zeven (Hannover) soll einen Mann verhaftet gaben, auf den die Beschreibung des Käufers des zu dem Jüterboger Attemat benutzten Drahtes zutrifft. Der Verdächtige wurde der Polizei in Bremervörde zuge- führt. Die Dolizeistellen nahmen sofort Verbindung mit der Berliner Kriminalpolizei auf.