chluchtemer Zeitung
Kreis-KmwbtaLt * WlgmrMee smULcherWreLgeefür Ssn KseLs Ächlüchtan
Nr. 92
(1. Blatt)
Samstag, den 1. August 1931
83. Jahre.
Amtliche Bekanntmachungen.
L a n d r a t s a m k.
I .-Rr. 4641 a Der Herr Krcismebijinalrat wird am Dienstag, den 4. August d. 3s. von 9 Uhr ab im hiesigen Kreis Hause Sprechstunde halten.
Schlüchtern, den 27. 3uli 1931.
Der Sandrat. 3. D.: Rablte, Kreisdeputierter.
3n Abänberung der in der Schlüchterner Zeitung Nr. 89 veröffentlichten Bekanntmachung von 21. 3uli b. 3s. — Nr. 5010 — werden die Gemeindebehörden darauf hingewiesen, ba^ für die Versicherung der Fleischbeschauer und Trichinenschauer gegen Unfall der Landeshauptmann in Hessen (Gemeindeunfallversicherungsrerband für den Regierungsbezirk Kassel) in Frage kommt.
Ich werde die erforderlichen Anmeldeformulare beschaffen und den Herren Bürgermeistern demnächst zugehen lassen.
Schlüchtern, den 25. Juli 1931.
Der Sandrat- 3. D.: Radke, Kreisdeputierter.
Das Bezirksanit Brückenau erläßt auf Grund des Art. 2 Ziff. 6 Pol. Str. G. B. in Verbindung mit § 7 der Min.- Mk. vom 4. 1. 1872, die Sicherheit und Bequemlichkeit auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen betreffend, ferner gern. § 366 Ziff. 10 R. Str. G. B. und Art. I der VO v. 6. 2. 24 fUGBl. I S. 44) folgende
L e z i r k s p ol i z c i li ch e Vorschrift- tz 1.
Die mit Ausschreiben des Bezirksamts Brückenau vom 3.
6. 1931 ltr. 3044 (Amtsblatt Nr. 39) verfügte Sperre der Bezirksstraßenstrecke Unterriedenberg — Oberbach wird mit sofortiger Wirksamkeit aufgehoben.
8 2.
Bei Gen auf den Bezirksstraßenstrecken Römershag Platz — Amtsgrenge und Römershag Riebenberg Dberbach in nächster Zeit statifindenden Te e r u n g s a r b e ilen werden die gerade in Arbeit befindlichen Straßenstücke für die Dauer der Aufbringung des Teeres jeweils auf etwa 15 bis 20 Minuten für den gesamten Verkehr gesperrt.
Den Weisungen der Aufsichtspersonen ist hierbei unbe= ömgt Folge zu leisten.
§ 3- .
3m Ortsverkehr sind etwa vorhandene Umgehungsstrek- Ken nach Möglichkeit zu benutzen.
§ 4.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150. - R1R. ober mit Haft bestraft.
Die Ortspolizeibehörden haben vorstehendes sofort ortsüblich bekannt zu geben.
Brückenau, den 23. 3uli 1931.
Bezirksamt- 3. v.: Pelikan.
Kretsausfchuß.
Veränderungen im Gemeindeptchtviehdcstnttd.
I--Nr. 3703 K. A. Ts liegt Veranlassung vor, die Herren Bürgermeister des Kreises erneut auf die Befolgung meiner Kreisblatt-Verfügung vom 30. Mai 1929 - 3.=Rr. 1334 K. A. — (Kreisblatt Nr. 67 von 1930) betreffend Veränderungen im Gemeindezuchtviehbestand hin- zuweisen. Die An= und Abmelbungen der Zuchttiere (Bullen und Ziegenböcke) sind in der letzten 3eit von den Gemeinden wieder sehr lückenhaft, z. T. überhaupt nicht geschehen. Durch die Unterlassung der An- und Abmeldungen wird die Führung der Herdbücher und die Kontrolle über den Bestand der Zuchttiere sehr erschwert. Die Herren Bürgermeister ersuche ich daher wiederholt, die Deränberungsam zeigen regelmäßig und pünktlich zu erstatten-
Des Weiteren nehme ich Veranlassung, die Herren Bürgermeister auf die Bestimmungen des § 10 der im Kreisblatt von 1930 Nr. 107 veröffentlichten Polizeiverordnung betreffend die Körung von Zuchtbullen hinzuweisen. Vielfach ist die Meinung verbreitet, daß durch den Wegfall der amtlichen Vorkörung für IungbMlen über 14 Monate alt innerhalb des Kreises überhaupt keine Anmeldung mehr nötig sei. Diese Auffassung ist falsch. Vielmehr sind alle Bullen zu melden ohne Rücksicht darauf, ob dieselben durch die Bezirkskörkommission gekört oder nur v o r gekört sind. Bullen, die bei der Vorkörung durch die Bezirksherd- buchkommission noch keine 14 Monate alt waren und in- folgedessen nur vorgekört sind, dürfen erst im Alter von 14 Monaten und nach amtlicher Vorkörung durch ein Witglied der amtlichen K re i s körkommission zum Decken verwandt werden. »
Schlüchtern, den 28. Juli 1931.
Der Landrat. 3. v.: Rablte, Kreisdeputierter'.
Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Beiträge aus den Zahltagen für die Monate April, Mai und Juni 1931 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine fi n d e n statt:
1. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 5. August 1931, von nachmittags 3 bis 7 Uhr, in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst,
2. In Steinau, am Mittwoch, den 12. August 1931, von vormittags t0 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckartschen Gastwirtschaft daselbst,
3. In Salmünster, am Mittwoch, den 19. August 1931, von nachmittags 2'/^ bis 6 Uhr, im Gasthause „Zum Engel" daselbst,
4. In Soden, am Freitag, den 21. August 1931, von nachmittags 2'^ bis 6 Uhr, im Gasthause „Zur Hoffnung" daselbst, und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.
An dem Hebetermintage am 12. August 1931 bleibt die Kasse in Schlüchtern für Ein- und Auszahlungen geschlossen, worauf besonders aufmerksam gemacht wird.
Nückstände, die nach diesen Tagen noch verbleiben, müssen alsdann unverzüglich zur zwangsweisen und kostenpflichtigen Einziehung gelangen.
Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse ihrer Gemeindeangehörigen wie seither auch ortsüblich bekannt machen zu lassen.
Schlüchtern, den 30. Juli 1931.
Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse.
Stadt Schlüchtern.
Abladen von Schutt und dergleichen bete.
Es ist mehrfach festgestellt worden, daß Schutt und ber= leisten auf öffentliche Wege,- Straßen und Plätze piüii^ sonstige städtische Grundstücke abgclaben worden ist. Insbesondere ist dies in letzter Zeit auch an dem blinden Ende des Wqges im Sandgarten geschehen.
Als öffentlicher Platz zum Abladen von Schutt und dergleichen ist allein die Rote-Rains-Dalle an der Ahlersbacher- straße bestimmt- Das Schuttabladen usw. ist dortselbst mit der Maßgabe gestattet, daß die Schuttmassen nicht am Rande der Vertiefung angehäuft werden dürfen, sondern in die Vertiefung selbst hineingebracht werden müssen.
Wer an Stellen, wo dies nicht gestattet ist, Schutt und bergt ablädt, macht sich nach § 366 Ziff. 7, 8, 9 Str. G. B. und § 23 Ziff. 1 Feld- und Forstpolizeigesetzes strafbar (Selbstrase bis 60 RM- bezw. 150 RM. oder Haft bis zu
14 Tagen). Außerdem ist er zur Beseitigung der unbefugt abgeladenen Schuttmassen und zum Ersatz etwa dadurch verursachter sonstiger Schäden verpflichtet. _
Gegen Zuwiderhandelnde wird in Zukunft mit aller Schärfe eingeschritten werden.
Die Polizei- und Feldschutzorgane sind angewiesen, jede Zuwiderhandlung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen-
Schlüchtern, den 30- 3uli 1931.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen-
Bekanntmachung
Die Liste über diejenigen Personen der Stadt Schlüchtern, die zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, liegt in der Zeit vom 3- August bis einschl. 10. August 1931 von vormittags 8 12 Uhr im Rathaus — Zimmer Nr. 3 - zur Einsichtnahme aus.
Schlüchtern, den 30. 3uli 1951.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntma ch u n g.
Am Dienstag, den 4- August 1931, vormittags 8 Uhr, wird auf bem Rathaus — Kanzlei — der Schafpferch öffentlich meistbietend verpachtet.
Schlüchtern, den 30. 3uli 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmach u n g.
Der Entwurf einer Ortssatzung zum Schutze gegen Ver unstaltung liegt vom Mittwoch, den 29. bs. Hits. ab im Zimmer des Stadtsekretärs, zur öffentlichen Kenntnis offen. Gemäß § 13 der Städteordnung für die Provinz „Hessen- Rassau" vom 4. 8. 1897 steht es jedem Bürger frei innerhalb der nächsten 2 Wochen vom Tage von der Offenlegung an gerechnet, bei dem Magistrat Einwendungen zu erheben.
Steinau, den 28. Juli 1931.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
„Graf Zeppelins " Heimkehr.
Berlin, 31. Juli
®ie vorgesehene Landung in Leningrad des Luft- lchiffes „Graf Zeppelin" auf der Rückfahrt von feiner Ark- tisrelfe ist infolge der schlechten Witterungsverhältnisse un- kerbl.eben. Das Luftschiff hat vielmehr sofort Kurs nach Westen genommen, überflog Riga, Memel, Königsberg, Danzlg und näherte sich in raschem Fluge der Reichshaupk- um auf dem Tempelhoser Felde eine Zwischenlandung
Es war zwischen Dr. Eckener und der Stadt Berlin vereinbart worden, daß die Landung gegen 18.30 erfolgen solle, vorausgesetzt, daß die Stadt die Luftschiffleitung an den erwarteten Einnahmen aus Eintrittsgeldern teilneh- men lasse, um so die großen Unkosten der Arktisfahrt zu verringern. Von der Direktion der Berliner Flughafen- gesellschaft, der Schutzpolizei, der Lufthansa und dem Reichs- verkehrsmmisterium wurden sofort Besprechungen abgehalten, um die Erpeditionsteilnehmer gebührend begrüßen zu können. 3 um Empfang fanden sich auf dem Tempelherr Flugplatz ein: Reichsverkehrsminister von Gurrard fonre Oberbürgermeister Dr. Sahm und zahlreiche Vertreter von Behörden, Körperschaften. Eine riesige Volksmenge war zur Begrüßung des Luftriesen nach der erfolgreichen Ex- peditioii herbeigeeilt, die ihm beim Landen um 18.30 Uhr begeistert zujubelt.
Dr. Eckener über die Fahrt in die Arktis.
Nach der Landung, der dank des Rundfunks Millionen von Dentisten beiwohnten, überreichte Oberbürgermeister Dr. Sahm Dr. Eckener einen Blumenstrauß. Mit einer kurzen Ansprache entbot Oberbürgermeister Dr. Sahm den Führern und der Besatzung des Luftschiffes den Willkommensgruß der Reich-Hauptstadt, verbunden mit anerkennenden Worten über diese neueste Großtat deutscher Männer. In der Zeit tiefster Not, wie wir sie jetzt durchlebten, erscheine uns das silberhelle deutsche Schiff als ein Symbol des heiß ersehnten Aufstiegs. Bewundernd blicke die ganze Welt auf das Luftschiff, dessen Führer mit zähem Willen und festem Vertrauen das Ge-
Mit einem dreifachen Hoch auf Dr. Eckener und die Besatzung des Luftschiffes beendete Oberbürgermeister Dr. Sahm dann seine Ansprache. Nachdc i das Deutschlandlied verklungen war, dankte
Dr. Eckener für den freundlichen Empfang bei der ersten Landung auf deutschem Boden.
Die Besatzung sei stolz auf dieses, wie er sich aus- drücken möchte, brave Luftschiff. Vielleicht sei nicht alles erreicht worden, was man erstrebt habe, aber doch sei der Erfolg groß. Er sei fest davon überzeugt, daß das Luftschiff noch mehrfach derartige Expeditionen unternehmen werde, und vielleicht würden auch Pasfagierfahrken in die Arktis Anklang finden. Denn an Schönheit fehle es der Arktis nicht. Der Himmel fei während der Fahrt sonnig und blau gewesen, wie der Italiens, und die bösen Hebel habe das Luftschiff ohne sondekliche Mühe weit unter sich gelassen.
Der russische Botschafter Chintschuk, der nach Dr. Eckener sprach erblickte in der Durchführung der Polarexpedition und der Zusammenarbeit deutscher und russischer Forscher eine neue Bestätigung für das Wort von der völkerverbindenden Mission der Wissenschaft. Mit besonderer Genugtuung erfülle ihn natürlich das deutschrussische Zusammenwirken. Zum Schluß beglückwünschte der Botschafter Dr. Eckener noch einmal zu dem großen Erfolge.
Professor Samoilowitsch, der wissenschaftliche Leiter- der Expedition, erklärte, er sei erstaunt, ein wie ausgezeichnetes Mittel das Luftschiss für derartige Forschungszwecke sei. In wenigen Tagen habe man auf den verschiedenen in Frage kommenden wissenschaftlichen Gebieten die Ergebnisse sammeln können, für deren Zusammentragung man sonst zwei bis drei Jahre gebraucht hätte.
Während dieser Begrüßungsfeier wurde das Luftschiff für die Weiterfahrt nach Friedrichshafen mit Betriebsstoff versorgt. Die Menge, die den Flugplatz um- säumte, harrte aus, bis „Graf Zeppelin" die Weiterfahrt amrat.
— Donnerstagabend fand eine Besprechung der Reichs- minifter über die finanz- und wirtschaftspolitischen Blaß- nahmen der nächsten Tage statt. Die Verhandlungen haben zu einem abschließenden Ergebnis noch nicht geführt; sie gehen morgen weiter,
— In Amerika wurden im Monat 3uli 6 200 000 Beschäftigungslose gezählt, was eine Zunahme von 175 000 gegenüber dem Stande vom 22- 3uni bedeutet. Wenn sich die Wirtschaftslage nicht bald bessert, rechnet man zu Ende dieses Iahres mit 7 Millionen Arbeitslosen.
— In Berlin schoß am Donnerstagabend im Verlaufe von Ehestreitigkeiten' der Schlosser Lehmann auf feine The- frau. Er traf sie mit drei Schüssen in den Unterleib und in die Brust. Die Frau ist wenige Stunden später im Kran- kenhaus gestorben. Der Täter ist flüchtig.