Ychlüchtemcr Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlich er Anzeiger für ßm Kreis -chlüchtem
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Nr. 81 (1. Blatt) Dienstag, den 7. Juli 1931
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83. Iahra.
Amtliche Bekanntmachungen.
K r e i s a u s s ch u ß.
B.-Nr. 3033 K. A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden ersuche ich unter Bezugnahme auf meine Kreis» blalt-verfügung vom 16. Buni d. 3s. — 3.=Rr. 3033 K. A. — (Kreisblatt Hr. 75) nochmals um Bericht, ob die Bestellung des demnächst zur Ausgabe gelangenden Kommentars der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Rassau vom 4. August 1897 von Oberbürgermeister a. D. Dr. Antoni gewünscht wird. Wenn bis zum 15. Juli d. 3s. Keine gegenteilige Nachricht bei mir eingegang^n I ist, werde ich für jede Landgemeinde 1 Exemplar des genannten Kommentars bestellen. Die Kosten hierfür (etwa 5 RIH. pro Werk) werden nach erfolgtet Lieferung den Gemeinden in Rechnung gestellt.
Schlächtern ,den 4. 3uli 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
B.-Rr. 3285 K. A. Mit Rücksicht darauf, daß sich die Anzeigen über Baumfrevel an den Landwegen des Kreises in den letzten Bahren erheblich! vermehrt haben, es aber nur in seltenen Fällen gelungen ist, die Täter festzustellen und der wohlverdienten Bestrafung zuzuführen, hat der Kreisausschuß bereits im Jahre 1927 beschlossen, für die Benennung bezw. Ermittlung eines Baumfrev- lers in jedem Einzelfalle eine Prämie von 20.— RM. aus Kreismitteln auszufetzen.
Die Herren Bürgermeister mache ich hierauf erneut aufmerksam mit dem Ersuchen, den Beschluss des Kreisausschusses wiederholt bekannchtmachen zu lassen.
Schlächtern, den 3. Buli 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Dr. Müller.
Anfang August beginnt im ehemaligen Seminargebäude wieder ein 8 wöchiger Haushaltungskursus der Mädchen Klasse der Landwirtschaftsschule Schlüchtern. Ueber die Lehr- aegenstände und Lehrziele gibt eine in der Schlüchterner Zeitung erscheinende Notiz Aufklärung. Außerdem ist die Landwirtschaftsschule, insbesondere Fräulein Hufnagel zu jeder weiteren Auskunft gerne bereit. Schulgeld wird nicht erhoben, dagegen ist eine mäßige Gebühr für Verpflegung zu zahlen. Anmeldungen sind bis zum 20- Buli d. 3s. an den Unterzeichneten zu richten, können auch von Frl. Hufnagel entgegengenommen werden.
B.-Rr. 3300 K. A. vorstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht. Die Herren Bürgermeister des Kreier ersuche ich, in ihren Gemeinden auf die Bekanntmachung n ortsüblicher Weise empfehlend hinzuweisen und für die leilnahme an dem Haushaltungskursus zu werben. Schlächtern, den 2. Buli 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Hoover verlangt Gvtscheldmrg nur im Sinne feines Umschlages.
WTB. Washington, 6- 7. Präsident Hoover hat den amerikanischen Schatzsekretär Mellon instruiert, keinem Vorschlag zuzustimmen, der den Sachverständigen freie Hand bei der Regelung der noch nicht erledigten technischen Ein- Zelfragen läßt. Hooocr wünscht vielmehr, daß die Sachverständigen nur im Sinne seines Vorschlages, also ohne Belastung des deutschen Haushaltes, entscheiden würden.
Die Oberschlesten-Fahrt des »Graf Zeppelin."
" WTB. Gleiwitz, 6- 7. Das Luftschiff „Graf Zeppelin, das um 7,55 Uhr in Friedrichs Hafen zu einer Landungs- Wt nach Oberschlesien auf gestiegen war, erschien kurz nach 17,30 Uhr über Gleiwitz und setzte nach einer Schleife über der Stadt gegen 17,55 Uhr zur Landung an. _Die etwa 1150 000 Personen, die der Landung des „Graf Zeppelin" Miwohnten und nicht nur aus Oberschlesien, aus Schlesien, sondern auch aus der Tschechoslowakei und aus Ostober Mlesien nach Gleiwitz geeilt waren, stimmten, als das Luftschiff zur Landung ansetzte, bas Deutschlandlied an.
17,55 wurden die Landetaue . ab geworfen, und bald darauf setzte das Luftschiff auf den Boden auf. Nach dem Achsel der Passagiere und der Aufnahme von Wasser star Rte das Schiff um 18,35 Uhr wieder zur Rückfahrt nach Miedrichshafen.
B ~~ Dr. Brüning hat in Washington erklärt, daß der Aetrag der auszusetzenden Schuldenzahlungen nicht für Rü- Wngszweöke, sondern in seiner ganzen Höhe zur Ausglei- Mung des Reichshaushaltes verwendet werde.
E ~ Bei den amerikanischen Unabhängigkeitsfeiern sind Whezu 200 Personen ums Leben gekommen, und zwar WAe beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern, die meisten »ber bei Kraftwage nunfällen.
Das pariser Kompromiß.
Vorläufige, noch nicht grundsätzliche Einigung. — Die Rekreditierung der ungeschützten Annuität. — Frankreichs
Garantiesonds.
Die pariser Meldungen, die über die abendlichen Ver- Handlungen zwischen den Beauftragten des amerikanischen Präsidenten und den französischen Ministern mit dem Ziele ausgenommen worden waren, nun endlich zu einem Abschluß zu gelangen, waren offenbar mit Absicht etwas un- durchsichtig gehalten. Sie waren augenscheinlich in erster Linie daraus berechnet, für die Nachtsitzungen der Kammer und des Senats der Regierung zu dienen, indem sie den versammelten Parlamentariern den Eindruck eines starken Erfolges der französischen Verhandlungsführer vor Augen stellten.
Inzwischen hat man Zeit gehabt, die französischen offiziösen Verlautbarungen genauer zu überprüfen, inzwischen hat auch Washington zu ihnen Stellung genommen, und das Ergebnis ist, daß sich im Laufe von zwölf Stunden das Bild, das im nächtlichen Scheinwerferlicht der französischen Berichterstattung sehr leuchtend erschien, wieder verschleiert und trübt.
Washington verneint ohne große Umschweife die Pariser Darstellung, daß bereits eine grundsätzliche Einigung zustande gekommen sei, und die amerikanischen Kommentare, die sich aus Aeußerungen von durchaus autoritativer Seite stützen, reihen die absichtlichen Unklarheiten der französischen Berichterstattung noch weiter auf, so daß die in der Verständigung noch klaffenden Lücken absolut deutlich werden.
Hatte Paris versucht, die Dinge so darzustellen, als sei der amerikanische Widerstand gegen die französischen Son- derwünsche überwunden, so belehrt die amerikanische Kritik die Weltöffentlichkeit, daß diese Widerstände durchaus noch fortbestehen, und zwar nach wie vor in den kritischen Punkten, um die in den letzten Tagen gerungen wurde. Man sieht also, daß trotz des Wunsches, den amerikanischen Nationalfeiertag des 4. Juli mit dem Abschluß des groß- gedaHteu Werkes Hejonoers zu zieren, noch immer ernne Widersprüche und Differenzen bestehen. Das, was aus ! Paris berichtet wurde, ist unter solchen Umständen nur als das Gerüst eines Kompromisses
zu werten, allerdings wahrscheinlich als das tragende Ge rüst, so daß es auch jetzt schon berechtigt ist, die großen , Gesichtspunkte, die darin als maßgebend für die Gestaltung des Hooverplans angeführt werden, ernsthaft zu bewerten Dabei steht für uns in erster Linie die Abänderung des ursprünglichen Vorschlages des amerikanischen Präsidenten daß der ungeschützte Teil der Annuität nun doch von Deutschland gezahlt, uns allerdings durch Vermittlung b?r BJZ. zurückkreditiert werden soll? Die französische Berichterstattung behauptet, daß auch über das Verlangen Frank reichs ein Einverständnis erzielt morden fei, im Falle einer deutschen Moratoriumsantrages nach Ablauf des Schulden feierjahres von der Verpflichtung zur Einzahlung der 500 Millionen auf den Garantiefonds befreit zu werden. In England meint man, daß Frankreich doch zunächst einmal die Entwicklung der Dinge abwarten solle und daß wohl die von London propagierte Konferenz der Unterzeichner des Poungplans zur Erörterung dieses Problems Gelegenheit geben werde.
Was die Weiterleistung und Rückkreditierung der un- geschützten Annuität angcht, so liegt ein besonderes Abweichen von dem ursprünglichen Hooverplan nach der pariser Berichterstattung in dem Umstand, daß der Kredit nicht an die Reichsregierung, sondern an die Reichsbahn gegeben s werden soll, also den Charakter eines rein kommerziellen Kredits annehmen würde.
„Frankreich der Störenfried."
Die englischen politischen Wochenzeitschriften begleiten die Pariser Reparations- und Schuldenverhandlungen mit recht interessanten Kommentaren, die zwar nicht ganz mit den Ansichten der zünftigen Diplomatie übereinftimmen, jedoch ein sehr gutes Stimmungsbild geben.
„Immer schon seit 1918 hat Frankreich sich als der Störenfried in der europäischen Völkerfamilie gezeigt," so sagt „Weckend Review". „Seine Ziele haben sich nie mit Fortschritt oder auch nur mit einem einigermaßen haltbaren Frieden vertragen."
An sich sei die Selbstsucht Frankreichs nichts Neues. Neu sei nur, daß es feine wucht nach politischen und finanziellen Vorteilen ganz nackt der kritischen Meinung der Welt zeigt. Dieser erzreaktionäre und unhaltbare Slandpunkt würde aber von allen französischen Parteien unterstützt. — „New Statesman" meint, daß nur sehr wenige eine derartig krasse Bloßlegung eines Shylocktumes erwartet hätten. — „Times and Tide" zieht aus den Vorgängen der letzten Woche die Lehre, daß Frankreich doch eine viel stärkere Position hat, als viele geglaubt hätten.
Harter Endkampf in Paris Die Grundlinien der Vereinbarung. — Reichsbahn erhält die ungeschützte Annuität als Kredit für 12 Bahre.
Washington, 6. Juli.
Der Schatzsekretär der Vereinigten Staaten Mellon, der während des Wochenendes je vier Stunden lang bis spät in die Nacht hinein in Paris mit dem französischen Kabinett ,
verhandelt hatte, gab dem Unterstaatssekretär Eastle telephonisch die Ueberreichung einer neuen Denkschrift an die französische Regierung bekannt. Bn Washington hat diese neue Verzögerung der Verhandlungen Nervosität hervor- gerufen. So herrschte am Tage der Feier des llnabhängig- keitstages im Staatsdepartement nervöse Geschäftigkeit, während sonst Totenstille vorherrschte. Man halte gehofft, spätestens am Nationalfeiertag der Welt die Inkraftsetzung d.s hoover-planes bekanntgeben zu können. Präsident Hovver weilte während des Wochenendes in Rapidan Eamp.
Wie später ein hoher amerikanischer Beamter der Presse mitteilte, ist in den wesentlichen Punkten doch noch eine Einigung mit Frankreich erzielt worden. Ungewißheit, so äußerte der Beamte, bestehe in Washington nur noch über die Regelung der Frage der Sachlieferungen, da Frankreich die Zeit für die Rückzahlungen des Deutschland zu gewährenden Darlehens von einer Einigung in der Frage der Sachlieferungen abhängig mache und man den genauen Text der entsprechenden französischen Bedingungen noch nicht kenne.
Bm übrigen sei man sich darin einig, daß Deutschland den ganzen Betrag des ungeschützten Teiles der Reparationen in Form eines Darlehens an die Deutsche Reichsbahn von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sofort zurückerhalten solle. Dieser Umweg müßte gewählt werden, weil diese Bank Regierungen kein Geld leihen dürfe
Hinsichtlich der
Anleihen an die kleinen Slaalen in Mitteleuropa habe man sich dahin verständigt. Saß Die Federal Reserve Bank von New Port, die Bank of England und die Bank von Frankreich zehn Millionen Dollar (42 Mill. RM.) zur Verfügung stellen werden.
Was den Garantiefonds betreffe, so sei man zu einer neuen Auslegung der Bestimmungen gelangt, aus Grund deren Frankreich nur insoweit Geld in die Bank für Bnternationalen Zahlungsausgleich einzahlen müsse, als die Bank an die Ponngplan-Gläubiger aus- r.r^hle. Damit sei Frankreich nunmehr einverstanden.
Bezüglich des oben erwähnten Darlehens an die Reicks^ bahn hätten sich Frankreich und Amerika aus eine Frist von 12 Jahren für die Rückzahlung geeinigt. In den ersten zwei Jahren nach dem Feierjahr "solle nichts zurückgezahlt werden und darauf alljährlich - ein Zehntel der Summe. Leide bestehe hierin noch keine völlige Einigung, da Frankreich seine Zustimmung in dieser Frage von einem Eingehen der Vereinigten Staaten auf seine Forderungen in der Frage der Sachlieferungen abhängig mache. Amerika aber kenne diese Forderungen noch nicht genau. Das Bestreben der Vereinigten Staaten gehe dahin, sobald wie möglich die Einigung in allen Punkten bekanntgeben zu können, so daß der Hoover-Plan alsbald in Kraft treten würde.
Dann käme die Einberufung eines Ausschusses von Fi- uanz-Sachverständigen in Frage. Die vereinigten Staaten seien geneigt, sich an diesem Ausschuß zu beseitigen.
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Vor einer internationalen Konferenz.
Paris, 6. Juli.
Wie die französische Presse dazu ergänzend milteilt, soll in aller kürze eine internationale Konferenz einberufen werden. Am genauesten drückt sich der offiziöse Petit pa- risien aus. Das Blatt glaubt, daß diese Konferenz noch in dieser Woche tagen wird. Wahrscheinlich würde auch Deutschland bei den Verhandlungen vertreten fein. Ob Sachverständige der Schatzämter oder Minister die Verhandlungen führen würden, sei noch ungewiß. Vielleicht werde man erst das Terrain durch, Fachleute säubern lassen, während die Politiker die letzte Entscheidung treffen würden. Amerika, obwohl nicht Mitunterzeichner des Poung-Plancs, werde diesmal feine Beteiligung an dieser Beratung nicht vermeiden können, denn der folgende Meinungsaustausch sei bie direkte Auswirkung des höoverschen Vorschlages.
Als mögliche Orte der Zusammenkunft werden von einigen Blättern Paris, London und der Haag genannt.
Die neue Vermahlungsquoie.
Am Donnerstag Besprechungen im Reichsernährungsmini- fterium.
Berlin, 6. Juli.
Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft wird mit den Vertretern der beteiligten Wirtschaftskreise am Donnerstag die Festsetzung der Weizenvermahlungsquote im neuen Getreide-Wirtschaftsjahr besprechen. Da infolge der Ausdehnung der Anbaufläche in diesem Jahre mit einer größeren Weizenproduktion gerechnet werden muß, und da der Geldbedarf der Landwirtschaft ganz besonders dringend ist, kommt der frühzeitigen Festsetzung der Vermahlungsquots eine erhöhte Bedeutung zu.
General Mola sreigelasfen und wieder verhaftet.
Madrid, ö. Juli. Der frühere Polizeidirektor von Madrid General Mola. der seit der Proklamation der Re- publik in Hast gehalten wurde, wurde in Freiheit gesetzt. Als es darauf zu erregten Straßenszenen kam. wurde der General erneut verhaftet.