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Hehren vorhanden sind, ist demgegenüber sehr anzuerken- nen. (Es können aber immer noch 4—5 neue Beehren ge­gründet werden, worauf besonders verwiesen wird. In den 10 Wirkungsjabren haben drei Kreisgemeinben Was­serleitungen erbaut, wovon die Heubacher Leitung noch nicht als regulär anzusehen ist. — Direktor Schmiedgen vom Ucberlandwerk Fulda— Hünseld—Schlüchtern hielt sodann einen klaren, aufschluß- und anregungsreichen Vor« trag über elektrische Fragen im Feuerlöschlvescn und brächte aus reicher (Erfahrung eine Fülle von Fällen, die, meist als „Kurzschluß" abgetan, durch Fahrlässigkeit in den land-- lichen Betrieben sich ereignen und bei einer genauen Ueber« Prüfung und fachmännischen Behandlung der elektrischen Leitungen vermeiden lassen. Vor allen Dingen warnte , der Reimer vor dem eigenmächtigen, behelfsmäßigen Flicken der Sicherungen und betonte, daß eine gute Unterhaltu^ der Leitungen, wie vorbemerkt, Unfälle vermeidet. Der Dortrag, nebst seiner erbetenen Belehrung über die Ein­wirkung des Blitzes auf elektrisches Licht, wurde dankbar ausgenommen.

Der nächste, 10. Feuerwehroerbandstag, wird die Note eines Iubiläumstages haben, mit einem Führerkursus verbunden sein und der Freiw. Feuerwehr Schlüch- . lern zugesprochen. Um den Kreisfeuerwehrtag 1935 be­werben sich Bad Loden und Ulmbach. UTit einer klah- nung zum guten Besuche des kurhefsischen Feuerwehr­tages in Hersfeld schloffen die Verhandlungen. — An das gemeinschaftliche Mittagessen reihte sich, vorbildlich aus­geführt, eine Schulübung der Wehr Uttrichshausen an, und an diese wiederum die große Angriffsübung des Feuer­wehrbezirkes 8, an der auch die Schule Uttrichshausen unter Führung beider Lehrer und die Schlüchterner Motor­spritze rege beteiligt waren, und die, laut der Kritik des Kreisbrandmeisters, von guter Schlagfertigkeit der betei­ligten Wehren zeugte und einen ebensolchen Verlauf nahm. Unter den klängen der Feuerwehrkapelle Neuhof begaben sich die Wehren in stattlichem Zuge in das Dorf zurück, um in altverbriefter Kameradschaftlichkeit noch ein paar ge­mütliche Stunden miteinander zu verleben. u.

Turnen und Sport.

• Ringrichter im Schmeling- Siribling-Kampf um den Weltmeistertitel im Schwergewichtsboxen wird George Blake sein, der wegen seiner Zuverlässigkeit großes An­sehen genießt. Die Nachrichten^ die aus den beiden Trai­ningslagern in letzter Minute kommen, lauten dahin, daß Schmeling mit größter Zuversicht dem Kampf entgegen- sieht, während Stribling etwas nervös geworden sei.

Mit einem deutschen Osfizierssieg endete der moderne Fünfkampf in Wünsdorf. In Gegenwart des Chefs der Heeresleitung, General von Hammerstein, wurde als letzte Konkurrenz der Geländelauf über 4 Kilometer ausgetragen, in dem Oberlt. Strempel vor Oberlt. Naudö die beste Zeit erzielte. Im Gesamtergebnis siegte und wurde damit Heeresmeifter Oberlt. Nauds mit 28 P. vor Oberlt. Radtke 32 P. Den 3. Platz belegten der finnische Leutnant ^ukki- mäki und Oberlt. Hax mit je 35 P. Den Länderkamps ge­wann Deutschland überlegen gegen Finnland.

Gestorben ist Jockey Oerkel, ohne das Bewußtsein wie­der erlangt zu haben. Sein Tod bedeutet eine fühlbare ; Lücke in unterem Hindernis-Rennsport.

6iit Schatten der Vergangenheit. ■ Driginalfomair von Maria Harling.

23 । (Nachdr. verb.)

Auch Frau Edith muß lächeln, sie freut sich, den Freund hier zu treffen, denn er hat sich in letzter Zeit, wohl die Ab­neigung Norberts instinktiv empfindend, in ihrem Hause rar gemacht.

„Also hierher muß man kommen, wenn man den so viel begehrten Doktor Helmut einmal sprechen will?" .

'Walter Helmut nimmt die schlanke, weiße Hand, die sie ihm reicht, fest in die seine.

„Nein, liebe Frau Edith, der Doktor ist nur auf der Engelstraße zu sprechen, der Freund aber für Sie zu jeder Zeit und an allen Orten."

Er hat ihre Hand losgelasien und neben ihr auf her Bank Platz genommen. Beide schweigen einen Augenblick. Walter Helmut blickt gedankenverloren auf die sonnen- : kringel, die zu seinen Füßen spielen; yrau Editqs Augen richten sich empor, als hoffe sie, daß aus dem dunklen Laub der Bäume ihr ein guter Geist das rechte Wort zuflus.ern möge mit dem sie das lastende Schweigen brechen kann. Ein feiner Luftzug führt den schmeichelnden Duft einiger Spätrosen zu ihnen her, ein paar verspätete Goldregen- trauben leuchten aus dem dunklen Grün. Da faßt nch Frau Edith ein Herz, sie legt ihre Hand leise auf den Arm des Mannes.

„Walter, warum kommen Sie nicht mehr zu uns? Was hat Sie vertrieben?"

Der gelenkte Kopf richtet sich empor, seine Augen tauchen in die erwartungsvoll auf ihn gerichteten Frauenaugen.

„Weil ich den Frieden Ihres Hauses nicht stören will, Edith'"

Die Worte hängen wie Antwort heischend in der Luft, es war keine Frage, und dennoch muß eine Antwort werden, das fühlt Frau Edith wohl. Sie fühlt auch, daß die nächsten Worte vielleicht entscheidend für ihre Zukunft sein werden. Fast krampfhaft pressen sich ihre Hände zu­sammen, ihre Augen nehmen einen fast starren Ausdruck an als sie leise sagt, oft von einem tiefen Atemzug unter­brochen: „Walter, darf ich Ihnen als Antwort ein Märchen erzählen? Es waren einmal zwei Kinder, glück­liche, gedankenlose Kinder. Hand in Hand durchstreiften sie das Wunderland ihrer Jugend, sonnendurchglühte Ge­bilde voll seltener, duftender Blumen. Doch da es Mittag ward, als die Sonne allzu prall ihre Strahlen auf die Erde niedersandte, da suchten sie den kühlen Schatten des Waldes auf. Doch unter den prächtigen Bäumen des taui&cnbcn Waldes schritt unbemerkt von ihnen ein anderes Wesen mit, eine majestätische Gestalt in feinen, seidenen Gewändern, die mit Juwelen übersat waren, Ju­welen die selbst im Waldesdunkel noch mehr leuchteten als

Sonnenprayien. TwH sie leuchteten nur, sie wärmten nicht, . darum bemerkten die Kinder auch nur hin und wieder ein Blitzen und Funkeln durch das Dämmerdunkel, ohne zu wissen, woher es komme.

Plötzlich standen die Kinder vor einem seltsamen Schloß, das aus den Bäumen des Waldes emporzuwachsen schien. Sonnenlicht brach sich in allen Farben in den Hellen Fensterscheiben, ein großes, eisernes Tor aber versperrte den Eingang. Zagend standen die Kinder davor, doch neugierig, nach Mädchenart, suchte eines der Kinder einen Blick in das Innere des Schlosses zu tun.

„Es ist gewiß das Zauberschloß der guten Fee, von der mir Hanna einst erzählt", flüsterte das Mädchen ihrem Begleiter zu. Doch kaum hatte sie die Worte gesprochen, da flog von unsichtbarer Hand geschoben, der Riegel des eisernen Tores zurück und die Kinder blickten in einen wundersamen Zaubergarten. Mitten in diesem Zauber­garten aber stand die fremde Gestalt, die ungesehen mit . ihnen gewandert war, sie nahm das zitternde Mädchen in ihre weißen, juwelengeschmückten Arme und floh mit ihm davon, der Knabe aber floh zurück in das Dunkel . des Waldes.

Jahre vergingen, das Mädchen lebte in dem Zauber- . schloß ein eigenes Leben, es fröstelte inmitten all der Pracht und Farbe, denn all die Pracht konnte nicht er­wärmen. Nun plötzlich hat der Knabe den Weg zum Zauberschloß wiedergefunden, wieder steht er, wie einst, wartend vor dem Tor, daß es sich ihm öffnen möge. Nun steht statt jener wunderhasten Frau das Mädchen seiner Jugendträume in dem Zaubergarten, es hat den Schlüssel in der Hand, aber so oft es das Tor öffnen will,, kommt ein Schatten aus den verborgenen Winkeln des Gartens gehüpft und entwindet den Schlüssel ihrer kraftlosen Hand. Der arme Knabe aber steht draußen vor dem Tore mit müdem, sehnendem Herzen und dennoch können sie beide nicht zu einander kommen."

Frau Edith schweigt; schwer, fast hörbar, entringen sich die Atemzüge ihrer Brust. Sie hat, während sie sprach, Walter Helmui nicht angeblickt, ihre Blicke haben sich in den dunklen Baumkronen festgesogen, durch die ein feines Sonnenslimmern dringt.

Walter Helmut hat den Kopf wieder gesenkt, aber kein müder, resignierter Zug, wie ihn Frau Edith dem harren­den Knaben um den Mund zeichnete, liegt auf seinem klugen, von echter Menschengüte durchsonnten Gesicht. Ein ganz feines Lächeln stiehlt sich in feine Augen, es zuckt um seine Lippen.

. „Frau Edith, warum haben Sie mir das Märchen unseres Lebens erzählt? Wollen Sie den Knaben bitten, aus dem Dämmerland der Träume wieder hinauszugehen in das volle Licht, den flutenden Sonnenschein des Lebens?"

„Und wenn ich's wollte, Walter, täte ich unrecht daran?"

Ein glänzendes Meldeergebnis kann der Große Preis von Deutschland verzeichnen, den der AvD am 19. Juli auf dem Nürburg-Ring zur Durchführung bringt. Die abgege- gebenen 47 Meldungen bedeuten eine Rekordziffer. Bugatti ist allein mit 10 Wagen, Mercedes/Benz mit 7 Wagen ver­treten, die erfolgreichsten Rennfahrer der letzten Jahre werden am Start sein.

Siefeier begeisterte mit seinen Kunstflügen die Pariser, denen er an einem Flugtag zusammen mit dem franzö­sischen Kunstflieger Detroyat sein fabelhaftes Können zeigte.

Hollands Kegler siegten im Länderrückkampf gegen Deutschland, der in Maastricht stattfand. Die Aufnahme der deutschen Kegler war überaus herzlich.

Geschlagen wurden Frl. Außem/v. Stamm in Wim­bledon durch Lycett, Boussus 6 : 8, 4 : 6. Damit schied das letzte deutsche Paar aus dem Wettbewerb. Nur Frl. Außem ; und Frl. Krähwinkel sind jetzt noch an den Dameneinzel­spielen beteiligt. ‘ j

Börse und Handel. |

Berlin, den 30. Juni 1931. ;

Effektenmarkt. Wie vorauszusehen war, eröffnete auch die heutige Börse in schwächerer Haltung. Die bestehende Nervosität und Zurückhaltung hat sich durch die Nachricht, daß auch bei den gestrigen Pariser Verhandlungen keine Einigung erzielt wurde, weiter verstärkt. Es kam an fast * allen Märkten wieder Material heraus, das trotz seines geringen Umfanges das Kursniveau um 1—8 Prozent im 1 Durchschnitt, bei Spezialwerten bis zu 6 Prozent senkte. ! Meldungen von verschiedenen Stillegungen in der Industrie, i wenig gute Abschlüsse usw. wirkten natürlich ebenfalls ver­stimmend. Die Geldsätze blieben unverändert. Im Ver­laufe konnten sich verschiedentlich Erholungen bis zu 1 Pro­zent durchsetzen, Salzdefurth erholten sich um 3 Prozent. Privatdiskont 7 Prozent, Reichsbankdiskont 7 Prozent.

Devisenmarkt. Im allgemeinen unverändert, Schweiz etwas gebessert.

Dollar: 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), engl. Pfund: 20,472 20,512, Holt. Gulden: 169,33 169,67, Belga (Bel­gien): 58,61 58,73, ital. Lira: 22,025 22,065, dän. Krone: 112,71 112,93, norw. Krone: 112,69 112,91, frans. Fran­ken: 16,474 16,514, tschech. Krone: 12,473 12,493, schweiz. Franken: 81,48 81,64, span. Peseta: 41,01 41,0.9, schweb. Krone: 112,86 113,08, österr. Schilling: 59,175 59,29.

Produklenmarkt. An den Grundlagen des Produkten- marktes hat sich kaum etwas verändert. Infolge der angespannten Geldmarktlage und angesichts der vorzüg­lichen Witterungsverhältnisse sind die Käufer mit Anschaf­fungen weiter vorsichtig, andererseits ist das Angebot von Brotgetreide alter und neuer Ernte auf dem inzwischen erreichten Preisniveau ziemlich gering. Das Milchgeschäft war ruhig. Hafer stetig, neue Wintergerste war nur schwer abzusetzen.

Warenmarkt.

Mittagsbörse. (Amtlich.) Getreide und Oelsaaten per 1000 Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen Mark. 270-272 (am 29. 6.: 272-274). Roggen Mark. 213-215 (213-215). Braugerste -,- (-,-). Suiter- und Jndustriegerste 180—198 (182—198). Hafer lärt. 166-170 (167—171). Mais Ivko Berlin-- (-,—). Weizenmehl 31,75-37,10 (32—37,2.5). Roggenmehl ' •28,50-31 ((28,75—31). Weizenkleie 13-13,25 (13 bis 13,25). Roggenkleie 11,75-12 (11,75-12). Raps —,— (—,—). Leinsaat —,— (—,—). Viktoriaerbsen 26—31 (26—31). Kleine Speiseerbsen —,— (—,—). Futtererbsen 19-21 (19—21). Peluschken 26-30 (26—30). Ackerbohnen 19-21 (19—21). Wicken 24-26 (24-26). Lupinen blaue 16-17,50 (16-17,50), gelbe 22-27 (22-27). Serra­

della neue —,— (—,—). Rapskuchen 9,30—9,80 (9,30 bis 9,80). Leinkuchen 13,20-13,40 (13,10—13,30). Trocken- schnitze! 7,60-7,70 (7,60-7,70). Sojaschrot 12,40 bis 13,30 (12,40-13,30). Kartoffelflocken —,- (-,-).

Heu und Stroh.

(Amtlich.) Erzeugerpreise für 50 Kilo ab märkischer Station frei Waggon für den Berliner Markt in Reichsmark: Drahtgepreßtes Roggenstroh 0,55—0,65, desgl. Weizenstroh 0,45—0,55, desgl. Haferstroh 0,45—0,55, desgl. Gerstenstroh 0,45-0,55, Roggenlangstroh 0,90—1,00, bindfadengepreßtes Roggenstroh 0,55—0,75, desgl. Weizenstroh 0,40—0,60. — Häcksel 1,40—1,65. Heu, handelsüblich, gesund und trocken —,—, gutes Heu t 1. Schnitt) neu 1,80—2,30. Drahtge- preßtes Aen 30 Pfennig vier Notiz. — Tendenz: Ruhig.

Berliner Schlachtviehmarlt.

(Amtlich.) Auftrieb: 1092 Rinder (darunter 143 Och­sen, 511 Bullen, 438 Kühe und Färsen), 2675 Kälber, 5727 Schafe, — Ziegen, 14 864 Schweine, — Auslands- schweinc. — Preise für einen Zentner Lebendgewicht in Reichsmark:

Ochsen:

30. 6.

26. 6.

1. vollfl., ausgem., höchsten Schlachtwerts jüngere

48-50

48-49

ältere

—

—

2. sonstige vollfleischige, jüngere

46-48

45-47

ältere

—

—

3. fleischige

43-45

42-44

4. gering genährte

38-41

38—40

Bullen:

]. jüngere, vollfl., höchsten Schlachtwerts

41-45

41-45

2. sonstige vollfleischige oder ausgemästete

42-43

41-43

3. fleischige

38-40

38-40

4. gering genährte

36-37

35-37

, Kühe:

1. jüng., vollfl., ausgem., höchst. Schlachtw.

33-37

33—38

2. sonstige vollfleischige oder ausgemästete

28-32

28—32

3. fleischige

23-27

23-27

4. gering genährte

18-22

18-22

Färsen (Kalbinnen):

1. jüngere, vollfl., höchsten Schlachtwerts

43-45

42—45

2. Vollfleischige

40-42

40—41

3. fleischige

36-39

36—39

Fresser:

1. mäßig genährtes Jungvieh

34-38

35-38

Kälber:

1. Toppellender bester Mast

_

_

2. beste Mast- und Saugkälber

45-55

47-56

3. mittlere Mast- und Saugkälber

38-50

38-50

4. geringe Kälber

25-35

25—35

Schafe:

1. Mastlämmer und jüngere Masthammel Weidemast

Stallmast

47-48

45-48

2. mittlere Mastlämmer, ält. Masthammel

43-45

43—45

3. gut genährte Schafe

33-35

33—36

4. fleischiges Schafvieh

35-40

36-41

5. gering genährtes Schafvieh

23-30

23-30

Schweine:

1. Fettschweine über 300 Pfund

45

47-49

2. Vollfleischige von 240—300 Pfund

44-46

47-49

3. Vollfleischige von 200—240 Pfund

43-46

47-49

4. Vollfleischige von 160—200 Pfund

41-44

45 47

ö.fleischige von 120—160 Pfund

38—40

40-44

6. fleischige unter 120 Pfund

—.

—

7. Sauen

41-43

44-46

Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, mälber»^ schleppend, Schafe ruhig, gute Lämmer knapp, Schweine" ruhig.

Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht, Markt- und Verkaufskosten, Umsatzsteuer, sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich also wesent­lich über die Stallpreise erheben.

Da erfaßt Walter Helmut eine der schlanken, weißen Hände, die sich so scharf von dem Schwarz ihres Trauer­kleides abheben und fast sieghaft jubelnd kommt es von seinen Lippen: „Frau Edith, so blicken Sie doch den Knaben an, der wartend vor der Türe des Zauberschlosses steht! Sieht er denn aus wie ein wegmüder, zerbrochener Gesell? Glauben Sie, er habe die ganze Zeit, die die Genossin seiner Jugend im Zauberschloß verträumte, im Dämmerdunkel des Waldes umhergeirrt? Nein, c nein, das Leben hat er bezwungen, dank der treuen Führerhand einer frommen Mutter, die ihm die Devise mit auf den Weg gab: Kannst du nicht einem geliebten Menschen alles sein, so sei vielen Menschen etwas! Das aber bin ich geworden. Edith, und darum ist mein Leben niemals arm gewesen! Ihr Märchen war schön, es zeigt mir auch, daß ich mich in der Weg- genossin meiner Jugend nicht geirrt habe, daß sie ein Herz besitzt, um das nur die Eitelkeit der Welt eine Dornenhecke gebildet. Doch der Schluß Ihres Märchens war falsch. Nicht Einlaß begehrend steht der Knabe vor dem Zauber­schloß, sondern er möchte die Weggenossin seiner Jugend mit hinausnehmen aus dem gefährlichen Zaubergarten, mit hinaus in das strahlende Licht der Sonne, die sich Menschenliebe und christliche Charitas nennt. Wer in dem Licht dieser Sonne wandelt, wird niemals sich im Dunkel verirren, ist dem Dunkel, das da geboren wird aus emem unbefriedigten, glücklosen Herzen. Diesen Weg aber will der Knabe seiner einstigen Weggenossin zeigen, darum hat er an die Pforte des Zauberschlosses geklopft."

Da blickt auch Frau Edith leuchtenden Auges zu dem selten edlen Manne empor.

„Walter, wie tief beschämen Sie mich abermals, mich und meinen Sohn. Er soll Abbitte bei Ihnen leisten/'

„Nein, nein, Edith, nicht rühren an den leisen, flattern­den Gedanken, die sich wie ganz feine Herbstfäden um Nor­berts Seele spinnen. Ein roher Griff würde wohl das feine Eespinnst zerstören, aber er würde eine Wunde verursachen, die niemals zu bluten aufhören würde. Norbert leidet nicht allein darunter, daß er fürchtet, ein anderer Mann könnte an die Stelle seines Vaters treten, seine größte Not ist die, daß er seine Mutter, die für ihn bisher der In­begriff alles Makellosen war, nun in die Reihe der ge­wöhnlich Sterblichen herabsteigen steht."

Bestürzt blickt Frau Edith Walter an.

„Bei Gott, Walter, Sie könnten recht haben, daran habe ich noch nie gedacht! Welch ein feiner Seelenkenner Sie sind!"

Walter Helmut lächelt nachsichtig.

„Ein guter Mediziner muß auch ein guter Psychiater sein, denn in gar vielen Fällen muß erst die Wunde der Seele geheilt sein, ehe er daran denken kann, der körper­lichen Krankheit zu steuern."

(Fortsetzung folgt.)