Einzelbild herunterladen
 

MWetner Zutuns

Krels-Kmtsbtatt * Myemetnev amtticherKnKetgevfür 0m Svets Schlüchtem <«ck»m» vmla-rH.SKtafttb SSHae * Sesth6st-»-'^chrchofstr.6* f««tz>e-.Nr.P»9* Postphecktu^mGG»du»^»»» Nr. 7g st. Blatt) Donnerstag, den 2. Juli 1931 83. Iahrg.

Die schwierige Einigung.

In Washingtoner Regierungskreisen wird die Lage zur Zeit als ernst und unbestimmt bezeichnet. Man sehe keine Möglichkeit, mit Paris zu einer Verständigung zu kommen, ohne den Sinn des Hovverplanes über Borb zu werfen, hoover soll die Absicht haben, nicht nachzugeben, aber auch Deutschland nicht im Ztiche zu lassen. (Er soll gegen­wärtig mit seinen Mitarbeitern beraten, wie man Deutsch­land auch ohne Frankreichs Hilfe helfen könne. Man rech­net unter Umständen auch damit, daß Hoover Stimfon die Weisung erteilen werde, nicht nach Paris zu gehen, wenn die Verständigung mit Frankreich vorher sich nicht erzielen lasse. Die amerikanische presse teilt diese pessimistische Auf­fassung nicht. Sie vertritt den Standpunkt, daß man Frank­reich Zeit lassen müsse, und eine Einigung sich schließlich doch noch erzielen lassen werde.

Das vernünftige Italien.

Die italienische Regierung lieh durch ihren Washing­toner Lotschafter bem Staatsdepartement mitteilen, daß Italien vom 1. Juli ab auf die ihm von den Schuldnerlän- dsrn zustehenden Zahlungen vorläufig verzichten werde.

Man hofft auf nützliche persönliche Orientierung.

Durch den italienischen Botschafter in Berlin ist dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister die Einladung des italienischen Regierungschefs tu einem Besuch nach Rom übermittelt worden, und es ist ebenso selbstverständlich, daß diese Einladung dankbar angenommen wurde, wie es selbstverständlich war, daß der Sinn der Ausführungen des Reichskanzlers in feiner Rundfunkrede über ein deutsch- französisches Ehequers nicht dahin gedeutet werden konnte, als beschränke die Reichsregierung ihren Wunsch nach per­sönlicher Fühlungnahme mit den verantwortlichen politi­schen Männern Europas aus bestimmte Staaten.

Ein solches Mißoe^äiz^fts ;^... itoliwijJ^n akttt MfwulicbertDeife auch nicht aufgelaucht, und man darf au : der Art, wie in entscheidenden Phasen oes polnischen Ab­laufs der letzten Wochen die italienische Regierung Stellung genommen und ihre Leitgedanken kundgegeben hat, die Zuversicht hegen, daß eine direkte Fühlungnahme zwischen den deutschen und den italienischen Staatsmännern einen guten Erfolg haben wird. Der Termin dieser Zusammen­kunft ist noch nicht festgelegt, -auch noch nicht, ab üe vor der Reise nach Paris oder später stättftnben soll; klargestellt aber ist die begrüßenswerte Bereitschaft des italienischen Ministerpräsidenten und seiner Mitarbeiter zu einer enge- ren Fühlungnahme und zu einer für beide Seiten nützlichen persönlichen Orientierung.

Belgien stimmt Hoover« plan zu. Bitte um Berücksichtigung der bisherigen Spezialbehandlung des Landes. "

Brüssel, 1. Juli.

Die belgische Regierung veröffentlicht soeben den Wort­laut ihrer Rote an Präsident ^ooner. Der wesentlichste Teil dieser Note lautet:

Die belgische Regierung hat den Borschlag des Prä­sidenten Hoover als eine Tat von weittragender Bedeutung ausgenommen. Sie betrachtet ihn als den Beginn eines großen Versuches internationaler Solidarität, hinzielend aus eine Wiederaufrichtung der allgemeinen Wirtschaft, ein Ziel, dessen Perspektive allein schon heute aus allen Seiten ein Gefühl des Vertrauens und der Hoffnung hat wach werden lassen.

Die großen Schwierigkeiten des Augenblicks werden in der Tat nur dann überwunden werden können, wenn die Völker sich ihrer gemeinsamen Interessen bewußt gewor­den sein werden, wenn sie alle Gründe der Unruhe und der Uneinigkeit beseitigt haben werden und ihre Kräfte in einem Geiste der Zusammenarbeit und der Hilfsbereitschaft vereinen.

Das belgische Volk wünscht aufrichtig, daß die ameri­kanische Initiative zum Erfolge führen wird. Es erinnert jedoch daran, daß Belgien ein ungeschriebenes Recht aus Wiedergutmachung der Schäden hat, welche es ungerecht er­litt. Dieses Recht hat dazu geführt, innerhalb der Repara- tions- und Kriegsschuldenregelung ihm eine Spezialbehand­lung zuteil werden zu lassen, von welcher abzugehen, heute kein Grund vorliegt. Unter diesen Umständen wäre es nicht anzunehmen, daß die geplante Hilfsaktion Belgien ganz besonders schwere Lasten auferlegte und es schweren finan­ziellen Schwierigkeiten aussetzte.

3m Hinblick aus diese Erwägung stimmt die belgische Regierung aufrichtig dem Prinzip des Vorschlags des Präsidenten Hoover zu, überzeugt davon, daß der Präsident der Vereinigten Staaten die Notwendigkeit anerfennen wird, die Modalitäten der Ausführung so zu bestimmen, daß der Plan mit der speziellen Situation und den Rechten Bel- kliens in Einklang gebracht werden kann."

In Peine kam es zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu einer schweren Schlägerei, in deren Verlauf 13 Personen schwerverletzt ins Krankenhaus geschafft wer­den mußten.

Das Schauspiel, baO Frankreich in Deutsch- land einrückt, wird die Welt nicht mehr erleben!

IDilB. Washington, 30. 6. von hoher Regierungs- seite wurde heute zum Hooverplan mitgeteilt: Unserer An= sicht nach bedeutet der Russchub aller Zahlungen auf ein Iahr Keinen Angriff auf die internationalen Verträge. Jedenfalls werden sie dadurch nicht ungültig. Hoovers Proklamation hatte alsbald segensreiche Folgen in der ganzen Welt, und alle wichtigeren Rationen außer Frank­reich stimmten ihm vollinhaltlich ober prinzipiell zu. Frank­reich hat nicht einmal prinzipiell zugestimmt. Zuerst ver­langten die Franzosen die doppelten deutschen Zahlungen im nächsten Jahre. Das war unannehmbar, und wir schlugen, um Frankreichs Wunsch nach Unverletzlichkeit der internationalen Verträge entgegenzukommen, vor, daß Deutschland zwar den unaufschiebbaren Teil zahle, das Geld aber sofort als Kredit zurückbekomme. Frankreich verlangte nun, daß der obige Kredit an Deutschland nicht der Reichsregierung, sondern gewissen deutschen Industrien geliehen werde. Diese Forderung lief dem hooverschen Vorschlag vollkommen zuwider, denn die Reichsregierung braucht den vollen Betrag, um das Bubget ausgleichen zu können. Wir sind durchaus bereit, auch anderen Rationen zu helfen, vor allen Dingen aber muß Deutschland zunächst wieder auf die Füße kommen. Dann kam die Frage des Garantiefonds. Frankreich verlangte, daß im Falle eines deutschen Moratoriums nicht es, sondern Deutschland diesen Fonds auszahlen soll. Wir würden es aber als entgegen dem Hoovervorschlag betrachten, wenn die gegenwärtige Hilfsaktion dazu benutzt würde, um Deutschland eine dop­pelte Last aufzubürden. Die Verhandlungen mit Frank­reich sind nicht abgebrochen. Wir sind nicht entmutigt, sondern hoffen auf eine Einigung. Wegen der Sacblieferum £&Ulji£ta^ und Luid>.id dahin einigen, daß nur poch die laufenden Verträge ausgeführt werden. Unsere Bedingungen sind nicht schwer. Wir haben in der Frage des Kredites nachgegeben, und wir verlangen nur, daß er in seinem ganzen Umfange der Reichsregierung und für möglichst lange Zeit gegeben wirds aber 5 Iahre sind zu wenig. Auf die Frage, ob Gefahr bestehe, daß Frankreich zur Erzwingung des Poungplanes in Deutsch­land einrücken würde, wurde geantwortet:Dieses Schau­spiel wird die Welt nicht wieder erleben."

Kommunisten erschießen einen Beamten.

Berlin, 1. Juli.

Bei einem Zusammenstoß der Polizei mit demonstrie­renden Kommunisten wurde in Berlin der 30jährige Po- Iheioberroadjtmeifter Kuhfeld, der Führer eines Ueberfall- kommandos, erschossen. Oberwachtmeister Kuhfeld hatte den I Auftrag, eine Ansammlung von etwa 800 Kommunisten, die von der Frankfurter Allee in das Stabtinnere mar- schieren wollten, zu zerstreuen. Als die Beamten erschie­nen, wurden sie von den Kommunisten mit Steinwürfen und etwa 40 Schüssen empfangen. Eine der ersten Kugeln traf den Führer des Kommandos, der kurze Zeit danach, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb. Oberwachtmeister Kuhfeld hatte einen schweren Bauchschuß erlitten. Die kommunistische Ansammlung wurde ausein- andergelrieben. 17 Personen wurden verhaftet.

Aufruf an die Berliner Studenten.

Berlin, 1. Juli. Der Rektor der Berliner Univer­sität erließ an die Studenten einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:Die Vorfälle des 27. und 29. Juni mit ihren feigen Ueberfällen auf wehrlose Kommilitonen, verbunden mit tät­licher Vergewaltigung meiner Beamten. rohen Sachbeschädi­gungen und schwerster Störung der arbeitswilligen Stu­denten zwingen Rektor und Senat dazu, etwaigen Wieder­holungen solcher Ausschreitungen mit dem Einsatz aller staatlichen Machtmittel unnachsichtlich entgegenzutreten. We­gen der tätlichen Angriffe und Sachbeschädigungen haben Rektor und Senat strenge Untersuchung eingeleitet."

-.">,,.. ... ^.g. <j>. utmnyu Gesandte hat wegen der llebersliegung deutsche» Gebietes durch tschechoslowakische Mili- tarslieger beim Präger Außenamt Vorstellung erhoben.

Der russisch-afghanische Zreundschastsverlrag ratifiziert. Das Präsidium des Vollzugsausschusses der Sowjetunion hat den nor kurzem unterzeichneten russisch-afghanischen Freundschaftsvertrag ratifiziert.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" erschien Dienstag auf seiner Nordlandfahrt den Rlsein entlang kommend um 10,15 Uhr über Köln. Um 12 Uhr mittags passierte es Amfterbam. Kurz nach. 15 Uhr erreichte das Luftschiff die englische Küste, die es in einer Höhe von etwa 100 Meter überflog, sodaß die Ladegäste gute Gelegenheit hatten, das Luftschiff genau zu beobachten.

Die beiden amerikanischen Flieger Post und Gatty sind in Edmonton in Kanada gelandet.

Der Herr Reichspräsident hat an die Witwe des ver-- storbenen Lotschafters Dr. Stürmer ein in herzlichen Wor­ten gehaltenen Beileibstelegramm gerichtet.

Die Berliner Dresse

zur außenpolitischen Lage.

ERB. Berlin, 1. Juli (Eigene Meldung). DieGer­mania" erörtert im Zusammenhang mit einem Kommentar zur französischen Senatsdebatte die Lanze Entwicklung der Verhandlungen über den Hooverplan. Das Blatt bezeichnet die plötzliche Einberufung des Senats als ein weiteres Mittel, die Haltung Frankreichs zu versteifen und begrüßt deshalb umso herzlicher den Schritt der italienischen Re­gierung, die soeben das Inkrafttreten des Hooverschen Vorschlages für Italiens Verpflichtungen und Forderungen notifiziert habe.

Die Basis, auf der Amerika Frankreichs Sonderwün- schen entgegenkommen will, so schreibt das Blatt weiter, nämlich das automatische Zurückfließen der ungeschützten deutschen Annuität als zinslose langfristige Anleihen nach Deutschland, würde, finanzpolitisch gesehen, den Zielen der Hooveraktion im wesentlichen entsprechen, wenn diese Trans­aktion auch unnötige und unvorhergesehene Komplikationen heraufbeschwört. Was Frankreich darüber hinaus fordern zu können glaubt, wird von den Amerikanern mit Recht als eine Unterhöhlung der hooverschen Planes betrachtet und bekämpft. Es ist bemerkenswert daß in Paris selbst Leute wie Sauerwein Deutschland sein Fernbleiben aus diesem Zweikampf direkt zum Vorwurf machen. Man weiß in Paris sehr wohl, daß man mit einem deutschen Verhandlungspartner eher als mit einem amerikanischen Unterhändler fertig wird und hätte gar zu gerne Deutsch­lands Kapitulation als Argument gegen Hoovers Vor­schlag ins Feld geführt. Die pariser Entscheidung wird darüber entscheiden müssen, ob das Mißbehagen und der Mißmut über Frankreichs Unverständnis und Unnachgie- bigkeit im Gedächtnis der anderen Rationen ewig haften bleiben soll. Nicht als Littflehender hat Brüning seine Hand Fn ' ich cntgegeiiyeflreM fonoern als aufrichtiger Nach­bar und Freund, der um loyale Zusammenarbeit und weit­herziges Verständnis der deutschen Lage wirbt. Deutschland will keine Verträge zerreißen, sondern revidieren im In­teresse der wirtschaftlichen Zukunft Europas und des ame­rikanischen Volkes, dessen Präsident diese hochherzige Ini­tiative unternommen hat.

Die übrige Morgenpresse bringt in ihren Ueberschriften und in kurzen Kommentaren ihre Zustimmung zu der Hal­tung Italiens in der Frage des Hoovervorschlages zum Ausbruck.

Der Börfenkurier nennt den Schritt Italiens eine mutige Tat, der besonders beachtenswert in einem Aujenbli^ sei, in dem Frankreich noch immer neue Konflikte und Enttäuschungen heraufbeschwöre.

Die DAS. spricht von einer hocherfreulichen und spon­tanen Geste Italiens. Das Blatt glaubt, daß schließlich doch eine Einigung mit Frankreich so gut wie sicher sei.

Stein -Feier auf Schloß Nassau.

Reden Severings und Drews.

Nassau, 30. Juni.

Aus Schloß Nassau der Gcburtsstättc des Freiherr» vom Stein, fand eine große Gedächmisfeier für Stein statt. Für die preußische Staatsregierung nahm Minister Seve- ring und in Vertretung des Reichsinnenministers Wirth Ministerialdirektor Dr. Menzel an der Veranstaltung teiL

Minister Severing

führte u a. aus:Die Beteiligung der preußischen Staats- regierung auch an dieser Feier rechtfertigt sich aus der Pflicht, nicht nur in Großstädten an solchen Feiern leilzu- nehnien, sondern das Interesse der Regierung auch in klei­nen Städten zu bekunden. Unvergänglicher sei das Anden­ken an Männer, die wie Stein das Verdienst haben, in alle Volksschichten das Bewußtsein gebracht zu haben, daß der Wohlstand des einzelnen mit dem des Staates fest verbun­den sei. Wir sehen in Stein den Garanten für die Zu­kunft. Der Minister schloß mit einem Aufruf zum Optimis­mus. Der Präsident des preußischen Oberverwaltungs- gerichts,

Staatsminister a. V. Dr. Drews. entwarf ein Charakter- und Lebensbild Stein-, Er zeigt«, wie noch heute das Fundament für den Aufbau unseres Staates seine Ideen bilden. Mit dem Deutschlandlied schloß die Feier. Am Nachmittag folgte eine Kranzniederlegung am Grabe Steins auf der Höhe von Frycht, wobei der evangelische Landesbischof D. Kortheuer die Ansprache hielt.

Das kominunistischc volksbcgehren in Braunfcbwcig erfolgreich. Beim Ergebnis des kommunipifchen Volksbegehrens auf Aus­losung des brounschmeigischen Üandioges ist die erforderliche Stimnienzohl von 10 Prozent der 346 000 Wahlberechtigten wider Erwarten überschritten worden.

Amtsenthebung des Berliner Polizeipräsidenten gefordert. Im Preußischen Landtag ersucht die deutschnationnle Fraktion in einem Urantrag das Staatsministerium. die Aufhebung des Verbots der Spartakiade unverzüglich rückgängig zu »lache» und den Polizei­präsidenten von Berlin als ungeeignet seines Anites zu entheben.