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Schlüchtemee Zeitung

Kreis-Kmtsbtatt * MyemeLner omttüherKnzeLyevfür tat L«ls Schlüchtern

Nr. 78 (1. Blatt)

Dienstag, den 30. Juni 1931

83. Iahra.

Amtliche Bekanntmachungen.

Sandrat'Samt.

T-Nr. 4642. Der Herr Xreismedizinalrat wird amviens- tag, dem 7. Juli d. Js. von 9 Uhr ab im hiesigen Kreis» Hause Sprechstunde halten.

Zchlüchtern, 'den 25. Juni 1931.

Der Landrat. J. D.: Vuwe.

J=Kr. 4249 b. Die Herren Bürgermeister des Kreises werden an die Erledigung meiner Verfügung vom 4. Mai b. 3s. J.-Rr. 1236, betr. Nacheichungen, hiermit erinnert.

Ich erwarte nunmehr Bericht binnen 8 Tagen. Schlüchtern, den 25. Juni 1931.

Der Landrat. J. V.: Duwe.

Die Fleischbeschauer und Trichinenschauer werden an die pünktliche Einsendung der Vierteljahresnachweisung (Post­karten) an den Herrn Veterinärrat erinnert. Schlüchtern, den 24. Juni 1931.

Der Landrat. J. V.: Vuwe.

Kreisaus s'chu ß.

3.=Hr. 3229 K. R. Die Wahl des Ja hob Geier in Narjoß zu in Bürgermeister der Gemeinde Marjoß habe ich gemäß § 55 Rbf. 1 der Landgemeindeordnung für die Pro­vinz Hessen-Uassau vom 4. August 1897 bestätigt.

Schlächtern, den 27. Juni 1931-

Der Landrat: Dr. Müller.

T-M. 2798 K. R. Die Herren Bürgermeister des Krei= fes werden an die Erledigung meiner Verfügung vom 5. Juni d. Js. J.-Hr. 2798 K. R. (Kreisblatt Ur. 69) betr. Meishundesteuer-Hauptveranlagung erinnert- Schlächtern, den 26. Juni 1931.

üorftt^w dL.:c^i^i^ppnsp- - Dr. itmtfrr

Stadt Schlüchtern.

Ausschreibung

Is soll die Lieferung von 40 Stück Wassermessern ver­geben werden.

Angebote mit Abbildungen und genauen Verzeichnissen über Leistungen, Masse, Gewichte pp. sind bis spätestens Montag, d e n 6. Juli 1931 dem Stadtbauamt ver- schlossen einzureichen.

, D'c näheren Bedingungen können beim Stadtbauamt kingesehen werden.

^uschlagserteilung bleibt vorbehalten. bchlüchternz den 26. Juni 1931-

Der Magistrat: Gacnßlen.

Jn den Besprechungen über den Hoover-Vorschlag über Sonntag eine Ruhepause eingetreten. Die deutsche Regierung verhält sich vorläufig stark reserviert, sie war- m oen Rusgang der gegenwärtigen Pariser Besprechungen . Inzwischen hat auch Mussolini bei der deutschen Re= 9erung anfragen lassen, ob ihr ein Besuch in Rom genehm we. Die Reichsregierung hat selbstverständlich zugesagt, eine Einladung bald zu erwarten ist. Die deutschen "antwortlichen Minister sind also gegenwärtig begehrt.

Ein von einer Gautagung bes Reichsbanners zurück- Mendes Lastauto mit 17 Reisbannerleuten rannte bei Z^nig im Freistaat Sachsen gegen einen Baum. Rife 17 ann wurden verletzt, 7 von ihnen schwer.

s Der polnische Geschäftsträger in Washington hat 7 Aufträge seiner Regierung dem Unterstaatssekretär ">uv die Mitteilung gemacht, daß sich die polnische Rc- ^^Ö dem Vorschagc Hoovers sehr wohlwollend ver- . Die spanischen Wahlen sind im allgemeinen ruhig trlaufen. Jn Valencia kam es aber zu einigen 3u= '"menftöfien, wobei es gleich 4 Tote gab. Ueber das rgebnis ist noch garnicht? zu sagen. Jn Katalonien feiert die Partei des Obersten Macia einen grandiosen 3m übrigen Lande dürfte die republikanisch-sozia- , Koalition die größte Stimmenzahl auf sich oer= haben.

in Ungarn sind die Wahlen ruhig verlaufen. Von ersten Wahltag zur Vergebung gelangenden !Han= hat die Regierungspartei die überwältigende Rtehr-

... Die Gattin des vor einiger seit verstorbenen $ilm= übleurs Lupu Pick hat fid} in ihrer Berliner Wohnung Oeronal vergiftet.

: Bei Königsberg und bei Hauen ereigneten sich j Rutounfälk, bei denen jeweils 2 Tote zu bekla- Jn beiden Fällen ereignete sich das Unglück bei

1 Versuche, sich gegenseitig zu überholen.

Der Sinn der Roiverordnung.

Dr. Dietrich auf der Handwerkerlagung.

Auf der Eisenacher Tagung des Reichsverbandes des deutschen Schlosser- und Maschinenbauhandwerks, zu der sich etwa 500 Teilnehmer aus dem ganzen Reich sowie Vertreter aus dem Saargebiet, aus Danzig, Oesterreich und der Tschechoslowakei eingefunden hatten, machte Reichs­finanzminister Dr. Dietrich bemerkenswerte Ausführungen, in denen er u. a. betonte:

Die bürgerliche Mitte hat in der Kriegs- und Nach­kriegszeit ungeheuer gelitten. Sie wurde in ihrer Selb­ständigkeit außerordentlich getroffen durch die Zwangs­bewirtschaftung der Häuser. Allein das Handwerk umfaßt noch 1,3 Millionen selbständige Existenzen mit 1,5 Millio­nen Gesellen und Arbeitern, mit 750 000 Lehrlingen und 100 000 Angestellten. Zusammen mit den Kaufleuten, den freien Berufen, den mittleren Landwirten und Teilen der Beamtenschaft ist diese Mitte immer noch

ein Hauptsundamenk unseres Staates,

unserer Kultur und unserer Wirtschaft. Diese ist von be­sonderer Art. Deutschland ist das Land der Mitte zwischen dem Bolschewismus und dem westeuropäischen Kapitalis­mus. Es ist auch in seiner Wirtschaftsstruktur ein Zwischen­ding.

Zwei Dinge sind erforderlich: 1. Die öffentliche Hand muß alles aufgeben, was sie an unwirtschaftlichen Betrie­ben hat, die sich für eine Bewirtschaftung durch Staat oder Gemeinden nicht eignen. 2. Die Kapitalbildung gerade des Mittelstandes muß durch steuerliche Maßnahmen wieder möglich gemacht werden.

Schon die erste Notverordnung bewegte sich in dieser Richtung, indem sie die Vermögen bis zu 20 000 RM ver- mögenssteuerfrei machte. Auch die zweite Notverordnung liegt in dieser Linie. Man konnte zwar bei der Belastung durch diese Notverordnung den selbständigen Unternehmer nicht frei lassen, aber man schonte ihn.

Die letzte Notverordnung

war eine Notwendigkeit, weil sie das letzte Mittel war. u"dt- »HvhtuugsmchigkkK WWMHXs ntifMftkzkIMfaffen Sie hat gewirkt wie ein Notsignal, und die heutige Ent Wicklung der Dinge ist nicht zum wenigsten durch sie hervor­gerufen. Gibt es wirklich so Dumme in Deutschland, die glauben, daß man unsere Schulden nachläßt oder stundet, wenn wir nicht selbst unserer eigenen Bevölkerung das Aeußerste an Lasten und Opfern zumuten? Die Notverord­nung war das Instrument, durch das die Vorwürfe aus­geräumt wurden, die früher mit mehr oder weniger Recht gegen unsere Wirtschaft erhoben worden sind.

In dem großen Kampfe, der sich zur Zeit abspielt, wird entscheidend sein, welche Kraft in Deutschsand der Staats- gedanke hat. Gerade die bürgerliche Mitte hat in diesem Punkte eine böse Geschichte.

Dieser wichtige Teil unserer Bevölkerung, ohne den wir unseren Wirtschasts- und unseren Kulturstaat nicht halten können, hat seit dem Kriegsende zwar Parteien gebildet, aber keine Politik gemacht. Soll der Mittelstand aber nicht versinken, und den ihm gebührenden Platz im Staate und in der Wirtschaft behaupten, so braucht er auch dazu einen politischen Einfluß.

Rücktritt des bulgarischen Kabinetts.

Sofia, 29. Juni. Ministerpräsident Liapkschefs ist mit seinem gesamten Kabinett zurückgetreten. Der König berles darauf den Führer der Opposition, Malinoff, zu sich, um mit ihm zu beraten.

Der Schienenzepp in Hannover.

Hannover, 29. Juni. Der Kruckenbergsche Propeller­wagen ist von Düsseldorf nach Hannover gefahren. Die Fahrt ging über Du-sburg, Oberhausen und Dortmund.

Stein-Feier in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 29. Juni. Die in Nassau an der Lahn stattfindende Reichsfeier zur Erinnerung an den 100= jährigen Todestag des Reichsfreiherrn vom und zum Stein fand ihren Auftakt in einer von der Stadt Frankfurt am Main verunstalteten Stein-Gedenkfeier in der Paulskirche, auf der der preußische Innenminister Severing die Fest­rede hielt. Anschließend hielt Reichsminister Dr. Wirth eine eindrucksvolle Ansprache, der er das ThemaStein und der Reichsgedankc" zugrunde legte. Im Anschluß an die Feier erfolgte die Enthüllung einer Stein-Gedenktafel. Die Weiherede hielt der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt.

Lavals Einladung an Brüning.

Paris, 29. Juni, wie Havas berichtet, hat der fran- jöfifdic Ministerpräsident dem deutschen Botschafter offiziell mitgeteilt, daß die französische Regierung den Besuch der deutschen Minister in Paris aufrichtig begrüßen würde. Der Zeitpunkt des Besuches bleibt späterer Her nbarung vorbehalleü.

Mord und Selbstmord. Pilzsucher fanden in der Bude- roser Forst bei G u b e n die Leichen eines Liebespaares. Es handelt sich um den 24jährigen Kaufmann Bauer und die 17jährige Tochter des Weinstubenbesitzers Klamke, die aus dem Leben geschieden sind, weil die Eltern des Mäd­chens die Verbindung nicht dulden wollten.

Die Verhandlungen in Paris.

Mellon und von Hoesch bei Laval.

Die französisch-amerikanischen Besprechungen im fran- zösischen Innenministerium haben begonnen, wo der ameri­kanische Schatzsekretär Mellon und der amerikanische Bot­schafter Edge vom Ministerpräsidenten Laval, von Außen­minister Briand, von Finanzminister Flandin und dem ge­rade von den Sitzungen des Getreidekomitees aus Genf zurückgekehrten Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Fra­gen, Francois Poncet, erwartet wurden.

Die Verhandlungen über den Vorschlag Hoovers und über die französische Antwort dauerten etwa drei Stunden. Eine neue Zusammenkunft wird wahrscheinlich am Montag stattfinden. Am Schlüsse der Besprechung hat Ministerprä­sident Laval den deutschen Botschafter von hoesch empfangen.

In der Pressekonferenz in Washington deutete Unter­staatssekretär Castle an, daß man erwarte, Anfang dieser Woche zu einer Einigung mit Frankreich zu kommen.

Als Grundlage der Einigung

i bezeichnete Castle den Vorschlag Hoovers, -Deutschland für ; den Zeitraum von einem Jahre tatsächlich von allen Lasten zu befreien". Der Unterstaatssekretär begrüßte den Verlaus der Abstimmung in der französischen Kammer, da dieser Veranlassung zu einer sehr optimistischen Beurteilung der Lage gebe. Auf Grund der Abstimmung, erklärte der Unter» staatssekretär, wisse die Welt jetzt, daß die französische Re­gierung in ihren Bemühungen um eine Erleichterung der Lage Deutschlands von der überwältigenden Mehrheit des . französischen Parlaments gestützt werde. Das Parlament : habe der Regierung das Vertrauen ausgesprochen, diese also nicht in ihrer Absicht desavouiert, Deutschland entgegen» zukommen, wie man in verschiedenen Kreisen befürchtet habe. Diese Gewißheit, schloß Castle, erleichtere die Ver­handlungen zwischen der amerikanischen und der französi­schen Regierung außerordentlich.

Belgien macht Vorbehalte.

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Aniwort Belgiens auf Hoovers Vorschlag, die am Montag vom Ministerrat beschlossen wird, zum Ausdruck bringen wird, daß Belgien dem edlen Gedanken, der Hoovers Ini­tiative zugrunde lag, huldige. Sie wird aber auch Vor­behalte hinsichtlich der Sonderstellung Belgiens in der Repa- rationsfrage enthalte».

Das T^echi auf Kolonien.

Auch Deutschland muß Anteil haben.

Das Institut für auswärtige Politik in Hamburg kann auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Aus die­sem Anlaß" fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auf einer öffentlichen Kundgebung sprach Gouverneur z. D- Dr. S ch n c e über Deutschlands Anteil an den kolonialen Aufgaben Europas. Deutschland habe, so führte dxr Redner etwa aus, in seinem einstigen Kolonialreich von der sechs­fachen Ausdehnung Deutschlands die kolonialen Aufgaben Europas in vollem Maße erfüllt.

Die europäischen Aufgaben

gingen dahin, das Anwachsen von gesunden, erwerbstätigen eingeborenen Bevölkerungen zu fördern, die in den großen, für Europäer nicht besiedlungsfähigen Tropenländern noch weitesten Raum zur Vermehrung hätten. Die wirtschaft­liche Entwicklung jener Kolonialländer liege ebenso im In­teresse der Eingeborenen wie im Interesse Europas.

Die größtenteils überbevölkerten Länder bedürften überseeischer Reservoire von Nahrungsmitteln und Roh­stoffen, aus denen sie ihre eigene nicht ausreichende Pro­duktion unter Bezahlung mit Industrieartikeln ergänzen könnten. Auch in dieser Beziehung müsse Deutschland sei­nen Anteil haben, denn

der deutsche Bodenraum reiche zur Erhaltung seiner Bevölkerung nicht aus.

Zu den europäischen kolonialen Aufgaben gehöre schließlich auch die Besiedlung dafür geeigneter überseeischer Länder, zu denen beträchtliche Teile der Deutschland entrissenen Kalonien, insbesondere Südwestafrika und die Höhengebiete Ostafrikas zu rechnen seien. Es handele sich auch dabei um ein Gesamtinteresse Europas.

Das überbevölkerte Deutschland mit seinen starken jähr­lichen Geburtenüberschüssen müsse auch hierbei seinen Anteil haben. Geschehen könne dies nur in der Weise, daß Deutschland wieder Kolonialbesitz zur eigenen Ver­waltung erhalte, sei es als Riandal oder in sonstiger Form.

Den Höhepunkt der Veranstaltungen

bildete eine Kundgebung in der Kunsthalle am Sonntag. Bürgermeister Dr. Petersen eröffnete die lange Reihe der Begrüßzingsredner. An die Ansprachen schloß sich die Ver­leihung von Ehrenurkunden des Instituts. Zu Ehrenmit­gliedern wurden ernannt: der amerikanische Botschafter in Berlin, Frederic M. Sackett, Gouverneur Dr. Schnee und Margueß of Lothian, Mitglied des englischen Ober­hauses.