Schlüchtemcr Zutuns
ireNÄmtsblatt * M-emeinev arntlicherKnz^tzer für Sm Keets Schlüchtan
Nr. 75
(I. Blatt)
Dienstag, den 23. Juni 1931
83. Jahr«.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 4616. Die Zuchthengste des Landgestüts Dillen« bürg werden nur noch^ bis zum 2. Juli d. Js. auf der hiesigen Deckstation verbleiben.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dies mit dem hinzufügen sofort bekanntzugeben, daß zur Vermeidung zwangsweiser Beitreibung bis dahin alle Deck- und Foh- lengelder an die hiesige Veckstellenkasse eingezahlt sein müssen.
Zchlüchtern, den 19. Juni 1931.
Der Landrat. J. D.: Dumc.
J-Nr. 4451. Ueber die Kirschenausfuhr nach England sind einschränkende Bestimmungen des Herrn Landwirtschafts- Ministers ergangen. Sofern in einer Gemeinde des Kreises Kirschenausfuhr nach England beabsichtigt ist, hat die Gemeindebehörde die vorerwähnten Bestimmungen umgehend hier anzufordern.
Schlächtern, den 17. Juni 1931.
Der Landrat. 3. V.: Dume.
Einladung.
Am Sonntag, den 28 Juni findet in Altrichs- Haufen der
9. Krelsfeuerwehrtag
des Kreisverbandes Schlächtern statt.
Tagesordnung:
1. Ab 9V2 Uhr (Empfang der auswärtigen Gäste und Kameraden.
2. IOV2 Uhr (Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden.
o. Feststellung der^ Anwesenheit und Entgegennahme der Feuerlöschberichte.
4. Geschäfts- und Kassenbericht-
5. Vortrag des Herrn Direktors Zchmiedgen vomUeber- landwerk über elektr. Anlagen pp.
6. Wahl des Grtes zum nächstjähr- Verbandstag.
7. Mittagspause.
8. 2Ve Uhr Zchul- und Angriffsübung des Bejirhs 8 unter Zuziehung der Kreismotorspritze.
9. Kritik zur Uebung.
10- Kameradschaftliches Beisammensein.
Es hat jede Feuerwehr bis 50 Mitglieder einen Abge= ordneten, und für je weitere 50 Mitglieder einen weiteren Abgeordneten zu entsenden. Die Feuerwehrführer und Abgeordnete haben in Uniform, in Ermangelung einer sol- in Feuerwehrbinde zu erscheinen.
, Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehendes Uen Wehren alsbald mitzuteilen und im Interesse der oeuerlöschsache selbst an der Tagung teilzunehmen.
stllc diejenigen, welche Interesse an der Leuerlöschein- Ncbtung, zum Lchutze an Leben und Eigentum haben, M uns als Gäste recht herzlich willkommen.
_ Der Vorsitzende.
Kreisausschust.
Wir. 3033 K. A. Der Herr Oberbürgermeister a. D.
Antoni, früher in Fulda, hat sich entschlossen, die ^ondge^eindeordnung für die Provinz Hessen-Uassau vom 1 August 1897 nach' dem neuesten Stand der Gesetzgebung bearbeiten. Die Ausgabe des Werkes wird im Laufe Monats Juni 1931 erfolgen. Der Einzelpreis des in finen gebundenen Exemplares beträgt 7,50 Rill. Bei 'Mnielbestellungen wird sich der Preis auf 5. Rill. & bie einzelnen Gemeinden ermäßigen, wenn von jedem ^gierungsbezirk (Kassel und Wiesbaden) eine Sammelbc- klliing pon mindestens 500 Stück erfolgt. Die Herren Urgcrmcifter der Landgenieinden, deneii ich die Kiischaf- ?n9 bes Werkes empfehlen kann, ersuche ich, mir inner«
10 Tagen 311 berichten, ob die Bestellung eines IWIars des demnächst in der Elwert'schen llniversitäts- Verlagsbuchhandlung in Marburg erscheinenden Koni« ^ars gewünscht wird.
^^lüchtern, den 16. Juni 1931.
P«r Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Sttrnnkentr erschießt Vottretmachtmelster.
, ®p. Ludwigstadt, 21. 6. Der Schwerkriegsbe- ^d'gtc Schlegel kam heute nacht betrunken nach Hause bedrohte Frau und Sohn mit Erschießen. Als Polizei ■1 bilfe eilte, flüchtete er vor den Beamten auf den Dach- 0 oi und gab aus einem Revolver einen Schuß ab. Dieser z 7 ben Gendarmeriewachtmeister Zenk in die Stirn, so- . kurz nach seiner Anlieferung ins Krankenhaus miarb.
Gn Gchuldenfeierjahr. hoovers Vorschlag zur wirischastlichen Erholung.
Der von der ganzen Welt mit größter Spannung erwartete Vorschlag Amerikas zur Schuldenfrage ist jetzt der Oeffentlichkeit bekanntgegeben worden. Wm aus Washington gemeldet wird, hat Präsident H 0 0 v e r folgende Erklärung abgegeben, deren Wortlaut er den Missionschefs der beteiligten Länder, darunter dem beutfdien Geschäftsträger Leitner, durch das Außenamt überreichen ließ:
Die amerikanische Regierung schlägt einen einjährigen Aufschub aller Zahlungen aus Schulden der Regierungen, Reparationen und Miederausbauschulden vor, und zwar sowohl bezüglich des Kapitals wie der Zinsen, ausgenommen natürlich Schuldverpflichtungen der Regierungen, die sich in Privathandel, befinden. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses ist die amerikanische Regierung bereit zu einem Aufschub aller ihr seitens fremder Regierungen geschuldeten Zahlungen während des am 1. Juli 19 31 beginnenden Etatjahres, unter der Bedingung, daß die wichtigeren Gläubigerstaaten ebenfalls alle ihnen geschuldeten Zahlungen aus Regierungs- schulden für ein Jahr ausschieben.
Dieser Schritt ist von 21 Senatoren und 18 Mitgliedern des Repräsentantenhauses gebilligt worden. Er wurde ferner gebilligt von dem Botschafter Dawes und Omen D. young.
Zweck dieses Schrittes
ist, das kommende Jahr der w i r t s ch a f t l i ch e n Erh 0 - lungder Welt zu widmen und die Kräfte in den Vereinigten Staaten, die bereits am Wiederaufbau arbeiten, von den von außen kommenden verzögernden Faktoren zu befreien. Die über die ganze Welt verbreitete Depression hat die europäischen Staaten mehr in Mitleidenschaft gezogen als uns. Einiae jener Maaren fühlen die Verminderung ihrer wirtschaftlichen Stäbilitot durch diese Depression in ernstem Maße. Das Gewicht der Regierungsschulden, das in normalen Zeiten tragbar wäre, drückt inmitten dieser Depression schwer aus die Völker.
Aus einer Reihe von Gründen, die aus der Depression resultierten, beispielsweise der Preissturz fremder Waren und das mangelnde Vertrauen in die wirtschaftliche und politische Stabilität im Ausland, begann eine abnorme Zuwanderung von Gold nach den Vereinigten Staaten, wodurch die Kreditfähigkeit vieler fremder Staaten vermindert wurde.- Diese und andere Schwierigkeiten im Ausland verringern die Kauskraft für unsere Exportwaren und sind daher in gewissem Umfang schuld an unserer fortdauernden Arbeitslofigfeit und den fortdauernd niedrigen Preisen für unsere Farmprodukte.
Rechtzeitige Maßnahmen sind daher geboten, um den Druck dieser ungünstigen Faktoren im Ausland zu lin- dern, zur Wiederherstellung des Vertrauens beizukra- gen und dadurch den politischen Frieden und die wirtschaftliche Stabilisierung in der Welt zu fördern.
Die Autorität des Präsidenten der Vereinigten Staaten bezüglich der Lösung dieser Probleme ist begrenzt, da er hierin vom Kongreß unterstützt werden muß. Dem Präsidenten ist von führenden Mitgliedern beider Häuser des Kongresses herzliche Unterstützung zugesichert worden.
Der Kern des Vorschlages ist, den Schuldnern Zeit zur Wiedererlangung ihrer nationalen Prosperität zu geben, und ich richte an die Amerikaner den Rat, in ihrem eigenen Interesse gute Gläubiger und gute Nachbarn zu sein.
Amerika und die Separationen.
Ich möchte diese Gelegenheit dazu benutzen, metne An- sicht über unsere Beziehungen zu den deutschen Reparationen und den uns von den europäischen alliierten Regierungen geschuldeten Summen offen zu äußern: Unsere Regie- rung hat sich nicht an der Auferlegung der Reparationen beteiligt, noch sich irgendwie bezüglich ihrer Festsetzung ge- äußert. Wir haben mit voller Absicht keinen Anteil gehabt an den allgemeinen Reparationen oder an der Aufteilung von Kolonien oder von Privateigentum Die Rückzahlung der Anleihen, die wir den Alliierten für den Krieg und für Wiederaufbauzwecke gewährten, wurde auf einer Basis geregelt, die weder mit den deutschen Reparationen irgendwie zusammenhing, noch von deren Zahlung abhängig gemacht wurde.
Daher ist die Reparationsfrage notwendigerweise ein rein europäisches Problem, mit dem wir nichts zu tun haben. Jet) billige nick' im entfern- tetten die Streichung der uns geschuldeten Summen. Das Wellvertrauen würde durch einen derartigen Schritt nicht gefördert werden. Keiner unserer Schuldner hat das !e vorgeschlagen, aber da die Basis der Fundierung dieser Sckmlden bk Zahlungsfähigkeit des Schuldners unter normalen Verhältnissen war, so führen wir nur konsequent unsere eigenen Prinzipien durch, wenn wir die gegenwär- tigen anormalen Verhältnisse in der Welt in Rechnung ziehen.
Ich bin davon überzeugt, daß das amerikanische Voll nicht den Wunsch hat, den Versuch zu machen, vom Schuldner mehr herauszuholen, als er zahlen kann, und meiner Ansicht nach verlangt eine weitschauende Politik, daß unsere Regierung die gegenwärtige Situation in ihrer Realität anerkennt. Diese Haltung entspringt vollkommen unserer bisher befolgten Politik.
wir werden dadurch nicht in die Diskussion rein europäischer Probleme, zu denen die Reparationsfrage gehört, hineingezogen, wir wollen lediglich unsere B e - r e i t s ch a s l ausdrücken, zur baldigen Erholung der Weltprosperität, an der unser Volk so stark interessiert ist, unseren Teil beizutragen.
Ich möchte noch hinzufügen, daß wir, obgleich dieser Schritt mit der für nächsten Februar angesetzten Konferenz zur Beschränkung der Landabrüstungen nichts zu tun hat doch die Hoffnung haben, angesichts des starken Einflusses des Wettrüstens auf die gegenwärtige Depression werde unser Schritt zu freundschaftlicheren Beziehungen beitragen, die für die Lösung dieser wichtigen Rüstungsfrage so notwendig sind.
Durch diese Erklärung des amerikanischen Präsidenten werden die ersten aufsehenerregenden Meldungen der Neu- yorker Presse über ein beabsichtigtes zwei- bis dreijähriges Schul den moratorium überholt.
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Der Bericht der Washingtoner Botschaft.
Dem Auswärtigen Amt ist ein ausführlicher Kabelbericht der deutschen Botschaft in Washington zugegangen, den der Gesandtschaftsrat Lettner, der in Abwesenheit des Botschafters die Geschäfte führt, über seine Unterredung mit dem amerikanischen Außenminister gegeben hat. Der Bericht enthält eine ausführliche Darstellung der Vorschläge, die der amerikanische Präsident in den Fragen der S ch u l ü e n st u n d u n g, der Anlezheaewäh - <Hrr*~ ^*- «twptr-rmtr-frer flrni m^k H rf n Ent- l a st u n g Europas ausgestellt hat, sowie die Erörterungen, die in einer ausführlichen Unterredung der amerikanische Außenminister diesen Vorschlägen zugefügt hat.
Kabinellsberalungen über den Reparakionsschritt.
Das Reichskabinett und namentlich der reparations- pntitifd)e Ausschuß des Kabinetts hat am Sonnabend die vorgesehenen Beratungen fortgesetzt. An den Verhandlungen nahmen wieder die bereits in Berlin weilenden deutschen Botschafter teil.
Botschaft des Reichspräsidenten.
Telegramm Hindenburgs an hoovkr.
Berlin, 22. Juni.
wie wir erfahren, hat Reichspräsident von hindenburg :n der Rächt vom Sonnabend zum Sonntag an den Präsi- dentln Hoover ein Telegramm gerichtet, in dem er darauf hin weist, daß die Kollage des deutschen Volkes eine sofortige Entlastung notwendig mache.
Es ist anzunehmen, daß der Reichspräsident diesen Schritt nicht ohne das vorherige Einverständnis des Präsidenten Hoover unternommen hat. Eine Veröffentlichung bes Telegramms wird nicht in Berlin, sondern vielleicht m Reusen erfolgen.
Was Hoovers Vorschlag bedeuiei.
Entlastung von 1800 Millionen für Deutschland.
Berlin, 22. Juni. '
Der Vorschlag des Präsidenten Hoover findet in Berlin die Aufnahme, die einem Ereignis von ganz außergewöhnlicher Bedeutung zukommt. Diese Bedeutung zeigt sich in der Tatsache? daß der Gedanke Hoovers weit über ba^ hinausgeht, was der Poungplan an möglichen Erleichterungen Vorsicht. Das gilt von drei Gesichtspunkten aus:
1. hoover schlägt nicht nur einen Transfer-, sondern einen Zahlungsaufschub vor;
2. der Aufschub soll nicht erst nach den im Ponngplan vorgesehenen Fristen, sondern bereits am 1. Juli cinfrcten;
3. er umfaßt die geschützten und die ungeschützten Zahlungen, also auch die 660 Millionen, die wir bei einem regulären Poung-Moratorium auf alle Fälle zu zahlen hätten.
Die Ersparnis des schuldenfreien Jahres würde für uns etwa 1 8 0 0 Millionen Mark ausmachen. Der amerikanische Präsident nimmt von dem Feierjahr die wchuldenverpflichtungeu an Private aus. Das würde bedeuten, daß die Zinsen aus der Dawes- und der Pounganleihe weiter zu zahlen wären. Dabei handelt es sich aber nur um einen verhältnismäßig geringfügigen Betrag, der ja auch im Etat außerhalb der Revarationsannuität besonders angesetzt ist. Dagegen würden die Zahlungen, die wir auf Grund des deutschuunerikanischcn Friedensvertrages an die Vereinigten Staaten zu leisten haben, mit einer unwesentlichen Ausnahme ebenfalls eingestellt werden können.