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Nr. 74 st. Blatt)

Samstag, den 20. Juni 1031

83. gahra.

Amtliche Bekanntmachungen.

Bekanntmachung

Die Firma Carl 6 nselm j r in Loden als Tigen- fümerin der Mech. Zwirnerei, Färberei, Bleicherei und Mreerisierung, offene Handelsgesellschaft Kartenblatt H Parzellen 625, 624, 626, 629, 627, 630, 631, 632, 415 415 415 423 416 425 425 0,425 872, 873, 874, 875, 876, 877,426 der Gemar- 0,425 0,425 0,425 0,425 0,425 0,425

hung Loden, Kreis Schlächtern hat auf Grund des § 186 der Wassergesetzes vom 7. April 1913 (G. 3. S. 53) be­antragt, folgende Wasserrechte für sie in das Wasserbuch einzutragen:

a) das Wasser des Mühlgrabens Parzelle 871 Karten» 415

Hatt H Gemarkung Loden im Umfange von 20 bis 50 Tbm. täglich für Färberei, Bleicherei und Merce- risierung sowie zum Speisen von Dampfkesseln zu entnehmen:

b) das nach a) abgeleitete Wasser nach Gebrauch als Fabrikabwässer während des Fabrikbetriebes (täg= lich 810 Stunben) bei Parzelle 624 Kartenblatt H 415

Gemarkung Loden in den Mühlgraben Parzelle 871 415 Kartenblatt h Gemarkung Loden wieder einzuleiten. Die zur Begründung des beanspruchten Rechts beige­brachten Unterlagen können während der Dienststunden im Geschäftszimmer des Bürgermeisteramtes in Loden einge­sehen werden.

Widersprüche gegen das beantragte Recht sind bis zum 25. 3uli 1931 bei dem Bezirksausschuß in Kassel (Regie» rungrgebäude) schriftlich unter Angabe obiger Geschäfts- TOTTTner anMNiMN. Die Widersprüche sind 311 begrün wobei anzugeben ist, auf welche Redete sie sich stützen. '

Rad) Ablauf der Frist erfolgt die (Eintragung des Rechts in das Wasserbuch mit der Wirkung, daß sie gegenüber den­jenigen, die innerhalb der Frist keinen Widerspruch erho­ben haben, bis zum Beweise des Gegenteils als richtig gilt, soweit sie nicht mit dem Grundbuch in Widerspruch steht.

Kassel, den 9. Juni 1931.

Hamens der Bezirksausschusses. (Wasserbuchbehörde)

Der Vorsitzende. J. V.: Bickell.

K w. 210 Schlüchtern.

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KreisaussKutz.

AbhStnn- des Grases tu den Grabe» und aus den Köschnu-eu der Kaudmege des Kreises

Schlüchtern.

llMr. 3053 K. A. Nach § 6 der allgemeinen BedinguN- 9en über die Verpachtung der Grasnutzungen in den Gräben und auf den Böschungen der Landwege des Kreises Lchlüch- tern darf die Gewinnung des Grases nur durch Mähen oder pPIdineiben mit der Senfe oder Lichel erfolgen. Die Ab» Wung des Grases ist ausdrücklich verboten. Trotz dieses Oerbotes wird immer wieder beobachtet, daß in den Grä- °^ und auf den Böschungen der Landwege (Rreisstraßen) geweidet wird. Ich nehme daher Veranlassung, darauf hin- .Usweisen, daß Personen, welche künftig beim Weiden mit Wein, Ziegen, Schafen usw. in den Straßengräben und Löschungen betroffen werden, auf Grund bes § 12 und 13 f5 Selb» und Forstpolizeigesetzes in der Fassung vom 21. anuar 1926 bestraft werden.

lgie Grtspolizeibehürden des Kreises ersuche ich, auf ^ vorstehende Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Cffe hinzuweisen und Personen, die wegen weidens in den ^en und auf den Böschungen der Landwege des Kreises bt_Anzeige gebracht werden, unnachsichtlich zu bestrafen.

Oex Weiteren ersuche ich die Herren Landjägereibeamten, w Augenmerk auf die vorstehende Angelegenheit zu lenken etwaige Ueberlrchmgsfälle zur Anzeige zu bringen. Schlüchtern, den 16. Juni 1931.

Der Landrat. Dr. Müller.

- In Lindau am Lodensee richtete ein schwerer West- üiu erheblichen Schaden an. verschiedene Dampfer auf 111 Lodensee wurden durch Sturzseen beschädigt, wobei ch mehrere Personen verletzt wurden.

x Ruch in Wien verursachte ein Grkan schweren Sd)a» .5 Zahlreiche Gerüste stürzten ein und Dächer wurden ^t' Die RettungsgcfeUfdyaft hatte zahlreichen ver- Sten hilf« jl( leisten. Besonders arg wurde der Zirkus g'geubeck mitgenommen.

MacOonalbs Besuch.

Die englischen Minister am 17. Juli in Berlin.

Berlin, 19. Juni.

Englischen Meldungen zufolge werden MacDonald und Henderson am 17. 3uli zu ihrem Gegenbesuch in Berlin einfreffen.,

TNB. Berlin, 19. 6- (Eig. Meldung). Die D. A. 3. begrüßt die Nachricht, daß der Ranzlerbesuch in Thequers von den Herren Macdonald und henderson schon am 17. Juil in Berlin erwidert werden soll. Die Beschleunigung des Gegenbesuchs erklärt sich, nach Rnsicht des Blattes, aus der Zuspitzung der Tributfrage und der Unmöglichkeit für Deutschland (trotz heroischer Anstrengungen), seiner fi= nanziellen Schwierigkeiten bald Herr zu werden, sofern es die unmoralischen und unerträglichen Kriegstribute weiter bezahlen muß. Das Transfer-Moratorium bringe uns kei­nerlei wesentliche (Entlastung, außer in rein psychologischer Hinsicht. (Ein großer konstruktiver und schöpferischer Plan zur Sanierung der Welt fei nötig, und das britische Reich habe daran ein ebenso großes Interesse wie die anderen Industriestaateü. Der einzige Wunsch, der sich an den Berliner Besuch der britischen Minister knüpfen lasse, sei der, daß sie sich persönlich von der Lage der Dinge in Deutschland überzeugen mögen, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen, (Es sei jetzt kurz vor 12, und wenn England, das für den friedlichen Wiederaufbau (Europas eintrete, das Gebot der Stunde nicht erkenne, dann werde sich der überall vorhandene Pessimismus noch steigern, und niemand könne das Ende absehen. Das Blatt vermutet, daß lebhafte Bemühungen unternommen werden, um auch eine deutsch-französische Russprache herbeizuführen. -obwohl ihr negatives (Ergebnis von vornherein feststehen dürfte. itiÄA^W h WMWMW durch den Beweis, baß! jtins zu tun fast nichts mehr übrig bleibe.

Die Germania schreibt: Der Besuch der hohen englischen Gäste wird im ganzen deutschen Volk mit dein Gefühl aufrichtiger Freundschaft begrüßt werden. (Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß dem englischen Besuch über das Gesellschaftliche hinaus auch eine nicht geringe politische Bedeutung zukommt.

Der Lleberbrückungstredit des Reiches.

Berlin, 19. Juni. Wie von zuverlässiger Seite ver- laukel, hat die Reichsregierung zur Ueberwindung der Kas- senschwierigkeiten den Ueberbrückungskredit mit den Banken abgeschlossen, und zwar in Form von 250 Millionen Reichs­mark Schahanweisungen des Reiches.

Der Brasilienflug des ,Do X*.

Das Flugschiff in Bahia gelandet.

Nach einer Zwischenlandung auf dem Logo Grande bei Macia ist das FlugschissDa X auf seinem Brasilienflug von Ratal kommend in Bahia gelandet.

Der Start in Diatal war infolge der Windstille äußerst schwierig und daher nahmDo X" nur Brennstoff für einen Dreistundenflug mit. Die Zwischenlandung erfolgte auf et­wa halbem Wege NatalBahia.

Wieder Polizeibeamie verhaftet.

Der Skandal aus der Rennbahn Karlshorst.

Vor einigen Tagen waren vier Polizeibeamte der Ber­liner Schutzpolizei verhaftet worden, da ihnen nachgewiesen wurde, baß sie wilde Buchmacher vor dem Nahen der Kri­minalbeamten gewarnt hatten. Die Untersuchung wurde weitergeführt, da man glaubte, baß noch mehr schuldige au finden sein würden.

Das Ergebnis ist seht, baß sechs weitere Volneibeamte einer anderen Inspektion, die ebenfalls auf der Rennbahn Dienst machten, meist junge Leute, unter dem dringenden verdacht der passiven Bestechung verhaftet wurden.

Auch diese Beamle haben nur ganz geringe Beträge, etwa bis 6 Mark, und einige Zigarren oder Zigaretten erhalten.

Stimsons Berliner Besuch.

Berlin, 19. Juni. Auf seiner großen Europareise wird der amerikanische Staatssekretär Stimson nach einem Aufenthalt in Rom und Paris am 21. Juli in Berlin ein- treffen, er wird also schon zwei Tage nach dem Besuch Mac­donalds und Hendersons in Berlin weilen, und es wird bereits möglich sein, in den Besprechungen mit ihm die Er- gelmiffe der deutsch-englischen Aussprache zu verwerten. Es erscheint besonders bemerkenswert, baß die Fühlungnahme mit den Vertretern der beiden Staaten bereits zu einem so frühen Zeitpunkt stattfindet, um so mehr als man in Ber­liner politischen Kreisen für Mitte August die Einleitung bet Aktion der Reichsregierung in der Reparationsfrage er- wartet.

Die letzte Woche. n

Die Erleichterung, die der Verzicht auf die Einberustma des Reichstages oder auch nur des Haushaltsausschpffes bei fast allen Parteien ausgelöst hat, kommt in der Stim­mung der öffentlichen Meinung erst nach dem Ende der Krise klar zum Ausdruck. Es ist selbstverständlich, baß die Parteien, die hinter dem Reichskanzler standen, mit be­sonderer Zufriedenheit auf die Lösung zurückblicken und ihr Maß von Anteil an dem Erfolg des Kabinetts bean- spruchen. Es kann allerdings nicht davon die Rede fein, daß z. B. die Sozialdemokratie oder auch die Deutsche Volkspartei sich mit der Lösung ohne weiteres zufrieden geben, hier wird in kürzerer Frist der Kanzler noch man­chen Strauß auszufechten haben, denn die Notverordnung wird ja allerseits abgelehnt und eine Revision, die die ent» gegengesetzten Ansichten und Wünsche der einzelnen Par- teien unter einen Hut bringen könnte, dürfte sich kaum ermöglichen lassen. Scharf Stellung gegen die Lösung nimmt naturgemäß die Opposition ein. Auf der einen Seite liest man, daß der Kanzler den Sozialdemokraten keinerlei Zugeständnisse gemacht habe, auf der anderen, daß die Angst vor den Sozialdemokraten und die Angst vor Neuwahlen was keineswegs dasselbe ist für die Lösung der Krise entscheidend gewesen sei, und einig ist man sich nur in der Ablehnung der Notverordnung und hinsichtlich der nun ein» zuleitenden außenpolitischen Aktion, die energisch und aktiv sich auswirken soll.

Die praktischen Auswirkungen der jüngsten Ereignisse werden sich in den nächsten Tagen fühlbar zu machen be­ginnen. Eine kleine Ruhepause ist allen Beteiligten wohl zu gönnen, damit die Kräfte gesammelt werden für die entscheidenden Handlungen, die bevorstehen. Die nächste Woche wird, nach dem Eintreffen der deutschen diploma­tischen Vertreter aus dem Auslande in Berlin, dazu dienen, die internationale Situation klarzustellen und aus ihr die Wege zu suchen, auf denen die Reparationsneuregelung angestrebt werden soll.

l iffiWKl ip 1 Will MllWWY MMrMV'Wfk'MM"' -- abgelaufen. Das Kabinett Ender hat zurücktreten müssen, weil es eine Mehrheit für die internationalen Sanierungs- versuche nicht gewinnen konnte. Einen geradezu verzweifel­ten Kampf hat die Wiener Regierung kämpfen müssen, um das drohende Chaos der österreichischen Finanzen abzu- wehren. Ein Minister nach dem anderen verließ dar Ka­binett, weil seine Gruppe die internationale Sanierungspo- litik nicht mehr stützte. Bei den Großdeutschen und beim Landbund ist das Dlein genau so eindeutig gewesen wie bei den Sozialdemokraten, die der Regierung angehörten. Man widersetzt sich der Umwandlung privater Bankschulden in Staatsschulden, man sieht in der Uebernahme der Staate» Haftung für 80 Millionen Dollar nur eine Vergrößerung der finanziellen und damit der politischen Abhängigkeit vom Ausland. Und man sieht bei all diesen Versuchen noch nicht die unbedingte Sicherung vor dem Staatsbankrott. Das Abkommen mit demStillhalte-Konsortium" kam für das Kabinett Ender zu spät. Wohl hat der eben demissionierte Finanzminister Dr. Juch die Verträge noch unterzeichnet, aber schon werden Zweifel darüber laut, daß die neue Re­gierung diese Verträge unverändert anerkennen wird. Was das für die Kreditfähigkeit des Landes bedeuten kann, bedarf keiner näheren Erklärung. Angesichts dieser Sach­lage hat das Kabinett Ender dem Bundespräsidenten den Rücktritt notifiziert und nun gehen die Verhandlungen über die Neubildung der Regierung, die sich sehr schwierig gestalten und 'noch zu keinem Ziele geführt haben, wenn auch ein neues Kabinett Ender die größten Aussichten hat.

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In der französischen Presse geht die Kampagne gegen die nüchternsten Forderungen einer Vernunftpolitik weiter. Man will nichts davon wissen, daß die Reparationspolitit revidiert wird. Voll Hohn zieht dasPetit Parisien^ pa­rallelen mit dem inflationistischen Frankreich vor fünf Jahren, dem es gelungen sei, aus eigener Kraft dar er­schütterte Vertrauen in die Staatsfinanzen wiederherzu» stellen. Ja, hat man denn in Frankreich vergessen, daß nur Reparationsgeld den Grundstein zum Ueberwinden der Pariser Inflation bildete? Briand bleibt also im Amt. Hub er ist froh darüber. Man muß abwarten, ob er die Kraft finden wird, die Ideale nun zur Grundlage der praktischen Politik zu machen, die er oft genug verkündete und die ihni bei dem großen Friedensbankett in Gourdon den Jubel derer einbrachte, die sich die Testamentsvoll­strecker der Toten nennen. Es wird darauf ankommen, die­sem Frankreich in den Parlamenten, in Kammer und Senat die Resonanz zu schaffen, die es verdient.

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In Amerika ist man über das Stadiumernster Prü­fungen" auch noch nicht hinausgekommen. Auch von dort her kommen immer wieder Stimmen, genau wie aus Frankreich, die von demFall sprechen, wenn eine ernste Krise eintritt". Als ob zwischen vier und fünf Millionen Arbeitslose und der Stand her deutschen Wirtschaft und ihrer Finanzen nicht Zeugnis genug ist dafür, daß dieser Fall längst, längst eingetreten ist. Auch in Amerika wird man sich darüber klar werden müssen, daß Konferenzen über die Schuldenfrage heute eilig geworden sind, wenn Deutschland nicht zum Krankheitsherd eines siechen Euro­pas werden soll.