IchlWemer Zeitung
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Nr. 66 g^BS«
(1. Blatt) Dienstag, den 2. Juni 1931 83. Jahrs.
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Amtliche Bekanntmachungen
KreisaussWuß.
Verstrigerttng von FleckvtehlruUen in Fulda
z.-Nr. 2747 K. 6. Die Herren Bürgermeister des Krei= [« mache ich auf die am Mittwoch, den 3. Juni d. Js. 'in Zulda stattfindende Derfteigerung von Fleckviehbullen aufmerksam. Die Versteigerung bietet den Gemeinden Gelegenheit, ihren Bedarf an Zuchtbullen zu decken. Schlüchtern, den 29. Mai 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J. v.: Preiß.
J.Hr. 2748 K. A. Nach. § 48 des Neichsgesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 17. Mai 1898 — Neichsgesetzblatt Seite 189 — und nach dem Erlaß der Herren Minister des Innern und der Iustiz vom 27. Januar 1904 — I st 2383 — Just. Min. I 269 A — (mitgeteilt durch meine Verfügung vom 4. Juni 1904 - J. Nr. 2133 K. st. —) haben die Standesbeamten dem Vormundschaftsgericht Anzeige zu erstatten:
1. wenn bei ihnen der Tod einer Person — Vater oder Mutter — angezeigt wird, die ein minderjähriges Kind hinterlassen hat,
2. wenn bei ihnen
a) die Geburt eines ehelichen Kindes nach dem Tode des Vaters oder '
b) die Geburt eines unehelichen Kindes angezeigt wird,
3. wenn vor ihnen von einer Frau, die ein minderjähriges eheliches Kind hat, eine neue The geschlossen wird,
4. wenn bei ihnen die Auffindung eines minderjährigen Kindes, dessen Familienstand nicht zu ermitteln ist, gemeldet oder
5. wenn ihnen der Tod eines unehelichen minderjährigen Kindes angezeigt wird,
6. wenn ein minderjähriges uneheliches Kind durch nachfolgende The legimitiert wird
— vergl. auch Ziffer 251 und 252 des u>»iLUch»u..,«P»»->>- ' buches. — Da diese Bestimmungen in letzter Zeit vielfach nicht beachtet worden sind, nehme ich erneut Veranlassung, die Herren Standesbeamten der Landgemeinden auf die ihnen obliegende Anzeigepflicht wiederholt hinzuweisen. Für das geistige und leibliche Wohl der minderjährigen Kinder ist es von großer Bedeutuno, daß alle diese Anzeigen unverzüglich erstattet werden. Nur dann ist das vormund- schaftsgericht in der Lage, die im Interesse der Minderjährigen notwendigen Maßnahmen sofort zu treffen. 5chlüchtern, den 29. Mai 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
lk-Nr. 2696 K. st. Dem landwirtschaftl. Arbeiter Philipp Drebert in Vollmerz ist aus Anlaß seiner 30jährigen unun- s Erbrochenen Tätigkeit bei der Freiherr v. Kühlmann- ?tumm'schen Verwaltung eine Prämie von 30 Rill. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlächtern, den 29. Mai 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
J-llr. 2710 K. st. Dem Baumpfleger Loos in Vollmerz ! P^ur Anlaß seiner 40 jährigen ununterbrochenen Tätig- bei der Freiherr v. Kühlmann-Stumm'schep Berwal- tung eine Prämie von 40 NM. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlächtern, den 29. Mai 1931.
—Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J .v. preiß.
®tnbt Schlüchtern.
B e k a n n t m a ch tt n g.
3n her Zeit vom 5. bis einschl. 12. Juni 1951 findet Reinigung der Schornsteine in folgenden Straßen der Stobt statt: Hanauerstraße, Schlag weg, Schloßgasse, lvas- pfgaffe, Kirchstraße, Sackgasse, Altebahuhosstraße und Hö» "«merweg.
Schlächtern, den 1. Juni 1931.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Neka « ntm achunst
^ Donnerstag, den 4. Juni 1 931, nach - l^ttagx 3 Uhr, findet eine Uebung sämtlicher Mann sichtend er Pflichtfeuerwehr statt.
Sammelpunkt: Hof des städtischen Anwesens Fuldaer- 47. ,
®rtsbranbmei[ter: Die Polizeiverwaltung:
Denhard. Gaenßlen.
7~ Professor Piccard und sein Begleiter Dr. Kipfer lnö Sonntag abend 19,40 Uhr in Augsburg eingetrof- Vor dem Hotel, in dein Piccard abgestiegen ist, hat- ?s !>ch Tausende von Menschen angesammelt, die öem "^nen Forscher einen begeisterten Empfang bereiteten.
Schwere Wottenbrüche.
Hagelschlag vernichtet die Ernte. — Ausgedehnte Ueberschwemmungen.
Unwetter verwüstet Berlins Bororte. 200 Hilferufe nach der Feuerwehr.
TUB. Berlin, 1.* 6. (Tig. Meldung). Das schwere Unwetter, das Stonntagabend fünf Stunden lang über Berlin und seiner Umgebung tobte, hat katastrophale Verheerungen angerichtet. Während die Innenstadt selbst vom Schlimmsten verschont blieb, sind, wie die Zeitungen berichten, die Außenbezirke und Vororte stellenweise förmlich verwüstet worden. Gleich reißenden Strömen flossen die Ne- genfluten durch die Straßen und überschwemmten Keller und Läden, verursachten Wasserrohrbrüche, durch die wiederum die Fahrdämme und Bürgersteige aufgerissen und überflutet wurden, bildeten Seen, in denen Autos, Wagen und vollbesetzte Autobusse hilflos stecken blieben, und legten den Verkehr stellenweise völlig lahm.
Im Bunde mit den Regengüssen vollbrachte der orkanartige Sturm sein Vernichtungswerk. Ganze Neihen von Siedlungshäusern wurden innerhalb weniger Sekunden ab- gedeckt. Schaufensterscheiben wurden eingedrückt, Baugerüste umgeworfen und der putz von den Hausfronten gefegt, durch den an verschiedenen Stellen Passanten getroffen und verletzt wurden. Bis 12 Uhr nachts liefen über 200 Alarmierungen ein, über 200 Mal mußte die Wehr ausrücken und Hilfe bringen.
Ueber Berlin entlud sich in der Nacht zum Sonntag ein sehr starkes mehrstündiges Gewitter, das aber nur eine ganz vorübergehende Abkühlung brächte. Die Feuerwehr war dauernd unterwegs, um den Folgen der zahlreichen Wasserrohrbrüche und Kellerüberschwemmungen zu begegnen. In Nikolassee wurde ein Student, der unter einer Pappel Schuh gesucht hatte, vom Blitz erschlagen.
Weite Teile des Landes Lippe sind abermals durch ein schweres Unwetter heimgesucht worden. Das Unwetter er- ftrefte sich insbesondere auf den Südosten des Landes, namentlich die Ortschaften Schieber, Glashütte, Lrate-ner und Lothe haben durch einen einstündigen Hagelschlag gelitten.
hühnereigroße Hagelkörner vernichteten die Gelreide- und Obsternte vollkommen. Die Niese bei Schieber ist kilometerweit über die User getreten. Das Laub der Bäume ist nahezu restlos abgeschlagen. In manche Häuser drang das Wasser so schnell ein, daß die Bewohner keine Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen und erst mit Hilse von Nachbarn durch die Fenster gerettet werden konnten.
Auch in Kassel wurden bei einem Unwetter viele Keller unter Wasser gesetzt. Das Unwetter verzog sich dann gegen H a n n o v e r s ch - M ll n d e n. Auch in diesem Gelnete wurde großer Schaden angerichtet und die Ernte zum Teil vernichtet. Am schlimmsten wütete es um die Orte Hede- münden und Oberrode, wo so große Wasserm-assen niedergingen, daß das Wasser vielfach bis zu einem Meter hoch stand.
Viele Ortschaften in der Schweiz wurden auf gleicher Weise heimgesucht, besonders der Kanton Aargau, Bäume wurden entwurzelt, ein Haus wurde
von den Wafsermaffen in den Rhein gerissen, ein Mann wurde dabei getötet. Vier Stunden hielt das Gewitter an und richtete einen Schaden an, der in die Millionen geht.
Das Gteuerveremheitiichnngsgsseh
Die (Einigung mit Bayern.
München, 1. Juni.
Der Landcsausschuß der Bayrischen Volkspartei billigte das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Reich über das Steuervercinheitlichungsgcsetz in einer Entschließung, in der der Inhalt der Einigfing erstmalig der Oeffentlichkeit bekannt gegeben wird. Die Formel besagt:
Die Steuernotverordnung vom 1. Dezember 1930 soll in den Kapiteln „Grundsteuer" und „Gewerbesteuer" dahin geändert werden, daß den Ländern die eigene Zuständigkeit für die Regelung der Freigrenzen. Lefreiungsvorschriften und Meßzahlen belassen wird. Die Meßzahlen sollen lediglich an eine Höchstgrenze für die Besteuerung des Gewerbe- ertrages von über 15 500 RM gebunden sein. Bei den Be- sreiungsvorschriften soll ein Einspruchsrecht des Reichs- sinanzminislers nur dann bestehen, wenn die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für eine Reichsgesehgebnng gegeben wären. Die Aenderung der Steuernotverordnung erfolgt durch ordentliche Gesetzgebung. Das Reichskabinctt wird die entsprechende Vorlage vor dem Reichsrat und dem Reichstag vertreten.
— Die Eröffnungsfeierlichkeiten des Sojialbcmohratb scheu Parteitages begannen am Sonntag mit einer großen Massenkungebung auf dem Metz-Platz. Die Zahl der Teilnehmer wird auf etwa 100 000 geschätzt.
- Ueber Heidelberg und Umgebung tobte Sonntag früh ein schweres Gewitter, das von einem wolkenbruch- artigen Stunden anhaltenden Regen begleitet war. Ganze Straßenzüge wurden überschwemmt.
Tagung der Kolonialgesellschast.
Ansprache des Präsidenten Schnee. — Zwei Entschließungen.
Berlin, 31. Mai.
Die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesell- schaft fand unter großer Beteiligung der Mitglieder, von Vertretern der Reichsregierung, der befreundeten Verbände und der Traditionskompagnie statt.
Der Präsident, Gouverneur z. D. Dr. Schnee, gab in seiner Ansprache ein Bild von der gegenwärtigen Lage auf kolonialem Gebiete. In der Zulassung der Deutschen in den Mandatsgebieten sei kürzlich die letzte Beschränkung aufgehoben worden. Neuerdings sei auch die Zulassung von beugen Aerzten im ostafrikanischen Mandatsgebiet erfolgt, aber unsere deutschen Volksgenossen draußen litten außerordentlich unter der Weltkrise. Dadurch sei auch das deutsche Schulwesen betroffen und bedürfe mehr denn je der Unterstützung aus der Heimat, wie sie die Deutsche Kolonialgesellschast in Verbindung mit dem Frauenbund gewähre.
Das Hauptziel der Deutschen Kolonialgesellschast sei nach wie vor die Rückerlangung eigenen Kolonialbesitzes.
Trotz der starken Proteste von deutscher Seite fänden immer noch in London Verhandlungen des parlamentarischen Ausschusses statt über die Verschmelzung Deutsch-Ostafrikas mit den angrenzenden englischen Kolonien.
Unter lebhaftem Beifall der Versammlung erhob der Redner stärksten Protest gegen die drohende Verletzung des Mandatssystems und der deutschen Rechte. Dr. Schnee ging dann weiter aus die Organisation der Deutschen Kolonial- gesellschaft ein.
Ein Schritt vorwärts auf dem Wege zur Vereinheitlichung der kolonialen Bewegung sei die Uebernahme des Bundes für koloniale Erneuerung. Gegenüber einzelnen Zeitungsberichten betonte er, daß weder eine Linksschwenkung noch eine Rechtsschwenkung stattgefunden habe.
Für die Kolonialgesellschast fei einzig und allein die li<l|iWi|it^iö^ ftijl fj-E »»«»WMiechnuag jener Parkeipolitik den Kolonialgedanken zum Gemeingut des deutschen Volkes machen. Es fei eine Forderung der deutschen Ehre und der deutschen Gleichberechtigung, daß Deutschland nicht ausgeschlossen bleibe aus dem Kreise der kolonisierenden Nationen.
Sodann hielt Rechtsanwalt Dr. Leouhard Adam einen Vortrag über „Erforschung und Sammlung des Eingeborenenrechts". Einstimmig wurden dann zwei Entschließungen angenommen, in denen es heißt:
1. Die' Entwicklung des deutschen Volkes ist durch den Raub der deutschen Kolonien aus das schwerste geschädigt. Die deutsche Wirtschaftskrise wird durch das Fehlen eigener überseeischer Roh- stostgebiele und der Betäligungsmöglichkeit deutscher Volks- genossen in deutschen Kolonialgebieten noch erheblich verschärft. Die aus allen Teilen Deutschlands beschickte Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschast erhebt erneut mit Nachdruck die unverlierbare Forderung, daß Deutschland den ihm gebührenden Anteil am überseeischen Besitz erhält, und fordert die Reichsregie- rung aus, in aktiver und energischer weise dafür zu sorgen, daß die berechtigten deutschen Kolonialansprüche bei jeder passenden Gelegenheit gellend gemacht werden.
2. Die Hauptversammlung der Deutschen kolonialgesellschast erhebt angesichts der in London stattfindende» Verhandlungen einer parlamentarischen Kommission über die Frage der Zusammenlegung des ostafrikanischen Mandatsgebietes mit den an- grenzenden englischen Kolonien erneut Protest gegen die eng- lischen Bestrebungen, den völkerrechtlichen Charakter des Großbritannien anvertraute» Mandatsgebietes zu ändern und das ihm zur Verwaltung zu treuen Händen als Mandatsgebiet an- vertraute Deutsch-Oflafrika dauernd dem britischen Reich einzu- verleiben.
Großseuer in einer chemischen Fabrik.
20 Feuerwehrleute verletzt.
Zu der Chemischen Fabrik von Wander in Bern-Wabern brach Feuer aus. An den Ehemikalien und sonstigen Vorräten fanden die Flammen reiche Nahrung. Der ganze Fabrikkomplex bildete ein Flammenmeer. Die Hydranten reichten zur Bekämpfung des Feuers nicht aus. Die Rauchentwicklung war so stark, daß nur mit Gasmasken vorgegangen werden konnte. Die Frau des Hauswarts verunglückte beim Sprung in das Sprungtuch tödlich. Der Scha- den geht in die Millionen. In der Fabrik waren mehrere hundert Arbeiter beschäftigt.
Das Großfeuer hat den ganzen Dachstuhl zerstört, in bem sich das Laboratorium, das Papier- und Packmateriallager, die Portierwohnungen, der Büchfenraum usw. befanden. Die eigentlichen Betriebsräume sind vom Feuer glücklicherweise nicht zerstört morden, haben aber durch das Wasser sehr gelitten. Bei den Löschverstichen wurden nicht weniger als 20 Feuerwehrleute verletzt, davon der Feuer- wehrhauptinann schiver, der von einer Dachterrasse in das untere Stockwerk durchbrach.
Die Portierfrau, die später ums Leben gekommen ist, war bereits ins Freie gelangt, kehrte aber nochmals in die Wohnung zurück, um ihre Katzen zu retten. Sie konnte dann, da das Treppenhaus ein einziges Flammenmeer bildete, nicht mehr hinunter.