Der ÜrlauB beginnt!
Welch ein berückendes Gefühl für viele: Der Sommerurlaub ist nicht mehr fern! Jene Wochen des Ausspannens, auf die man sich ein ganzes Jahr hindurch freut, sind in greifbare Nähe gerückt. Alle Hoffnung setzt man auf Petrus. Weniger zuversichtlich schauen indessen die meisten in ihre Kurse. Wer konnte schon für eine Sommerreije sparen, wo man das bißchen Geld gerade zum Lebensunterhalt benötigte! Wie dem nun auch sei, es heißt eben einrichten und mit Wenigem bescheiden. Man entwirft ein umfangreiches Urlaubsprogramm: dann kommt die Kalkulation, nach der die notwendigen Abänderungen des Ferienplanes vorgenommen werden. Es geht nicht alles so, wie man es anfänglich gedacht hatte; überall springen Nebenausgaben heraus, man ertappt sich dabei, daß man auf dem besten Wege ist, seinen Etat zu überschreiten. Aber man weiß sich zu helfen. Eine billige Sommerwohnung in der Nähe von Wald und Wasser ersetzt eine Auslandsreise; vielleicht hat man auch irgendwo auf dem Lande liebe Anverwandte, die einmal mit kurzem Ferienbesuch beehrt werden können, denn das würde sich relativ noch am billigsten stellen. Und wenn man gar nicht verreisen kann, dann macht man eben Landpartien, die einen in die weitere Umgebung seines Wohnortes führen. Tüchtig wandern, dann und wann baden gehen, vielleicht auch ein paarmal im Schatten uralter Bäume liegen, das alles kann man.schon bestreiten, bringt auch Erholung, Stärkung und Ausruhen nach einem Jahr intensiver und sorgenvoller Arbeit. Wer ledig ist, der kann sich sein Urlaubsprogramm unbeeinflußt entwerfen; hingegen muh der Familienvater und Ehegatte weitgehendste Rücksichtnahme kennen. Er muß sich den Wünschen seiner Familie unterordnen, die dann ruhen will, wenn er gerade wandern wollte, und die Lust hat zum Wasserplantschen, wenn er sich mit der Absicht trügt, einmal dreißig Kilometer und mehr zu fressen! Schließlich ist es ja auch einerlei, wie es gemacht wird, die Hauptsache ist: Heraus aus den stickigen vier Wänden, ein paar Wochen runter vom Büroschemel, nichts sehen und nichts hören von geschäftlichen Sorgen und wirtschaftlicher Depression. Die paar Urlaubstage sollen dem süßen Nichtstun geweiht sein, irgendwo an einem Flecken, wo möglichst nicht so viele Menschen sind und wo man sich ein bißchen an den Schönheiten der Natur ergötzen kann. Wenn man dann wieder seinen ersten Geschäftsgang macht, wenn man nach vierzehntägigem Urlaub wieder in dem stickigen Büroraum sitzt, dann will man doch seinen lieben Kollegen etwas von seinen „Reiseerlebnissen" erzählen, man wird die grandiosesten Schilderungen abgeben, damit die anderen alle vor Neid platzen und sagen: Das ist der richtige Mann, der hat es wenigstens verstanden, sich seinen Urlaub einzuteilen! In diesem Sinne: Fröhlichen Sommerurlaub!
Herstellungskosten von Wohnungen.
Aus dem engen Zusammenleben der Bewohner infolge übermäßiger Bebauung der Grundstücke haben sich Schäden auf gesundheitlichem und sittlichem Gebiet ergeben, die geeignet sind, das Gesamtwohl der Bevölkerung zu gefährden. Das Bestreben diese Gefahren zu beseitigen, hat jedoch in neuem Zeit zu Maßnahmen geführt, die vom wirtschaftlichen Standpunkt aus nicht vertretbar und vom gesundheit-, lichen Standpunkt aus nicht notwendig erscheinen. Diese Bestrebungen, denen man zustimmen könnte, wenn dabei die notwendigen wirtschaftlichen Interessen der Bevölkerung gewahrt würden, haben ihren Niederschlag in den geltenden Baupolizeiverordnungen gefunden, indem man hier allgemein von dem Kern nach den Außenbezirken eine Verminderung der Bebauung vorsah. Solche Baupolizeiverordnungen gewähren in der Regel im Grundriß ein gutes Schaubild, auch wenn der zukünftige wirtschaftliche Aufbau zu den größten Nachteilen führt. Für die Steuerleistungen der Bewohner kann es wirtschaftlich nichts Ungünstigeres geben, als wenn das Straßennetz unverhältnismäßig groß ist. Es läßt sich vielfach feststellen, daß die wirtschaftliche Lage einer Stadt um so ungünstiger ist, je größer die Straßenlänge auf den Kopf der Bevölkerung ist. Daher ist eine planmäßige Entwicklung vorzubereiten. Infolge der Vorschriften der heutigen Baupolizeiverordnungen werden ungeheure Werte vergeudet, einmal durch die unrichtige Behandlung des Straßen- und Baulandes, zweitens durch die Nötigung zur Aufwendung höherer Kosten für Gebäude mit geringerer Geschoßzahl an unrichtiger Stelle.
50 Siedlungsdörfer im Osten.
Die Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisa- swn veröffentlicht soeben die Ergebnisse einer Erhebung über den Verlauf der Umsiedlung seit ihrem Beginn im Satire 1927. Demnach hat die West-Ost-Siedlung, die An- stedlung West-Süd und mitteldeutscher Bauern im östlichen Siedlungsgebiet erhebliche Fortschritte gemacht. Im Jahre 1927 haben sich 153, 1928 263, 1929 355, 1930 852 Fami- llen im Osten angekauft. Es sind in den letzten 4 Jah- ren 1623 Bauernfamilien aus dem Westen und Süden nach dem Osten übergesiedelt, was ungefähr einer Zahl von 5000 bis 6000 Personen oder 50 Siedlungsdörfern ent« spricht. Im letzten Jahre besetzten die aus West- und Süd- deutschland stammenden Siedler bereits fast ein Viertel uller bäuerlichen Siedlerstellen. Westfalen hat 616 Siedler Wellt, die zum größten Teil nach Oberschlesien gegangen und. Die 184 Hannoveraner verteilten sich hauptsächlich auf Mecklenburg und Brandenburg, während die Rheinländer (173) zum größten Teil nach Mecklenburg und Nie- verschießen zogen. Auch die Siedler der Provinz Hessen- Nassau sind zum größten Teil nach Mecklenburg gegan- gen, wie überhaupt dieses Land als das wichtigste und begehrteste Siedlungsgebiet sich entwickelt hat. Mitteldeutsch- mud, nämlich die Provinz Sachsen, Thüringen und Schles- wig-Holstein beteiligten sich mit 171 Siedlern, während die mer süddeutschen Länder insgesamt 194 Siedler stellten. Bank ihrer Herkunft aus Gebieten höchster deutscher Bauernkultur und aus Gegenden fortschrittlicher Wirtschaft, wegen der Auslese durch die einheimischen Führer und durch die konfessionelle sowie landsmannschaftliche geschlos- >ene Ansetzung in einheitlichen Bauerngemeinden, können diese Siedlergruppen ein kräftiges Leben entfalten.
Das Goldene Rad von Forst wurde in Anwesenheit von über 4000 Zuschauern ausgetragen und endete mit einem Siege Exweltmeisters Sawall. Thollembeek mürbe «weiter vor Schindler und dem Förster Pawlak.
... Die Stettiner Radrennen waren ein großer Erfolg für den dortigen Lokalmatador Carpus, der alle drei Rennen über 15, 25 und 30 Kilometer gewann.
Mitteldeutsche Gtammbultenschou.
Bester Altbulle Mitteldeutschlands „Günther 3408", Stamm« bullenschau (Erfurt 1931. Züchter: Güterdirektor Saage, Wendisch-Khlsdors, Krs. Schweinitz. Besitzer: Gutsbesitzer D. 5rei)er, Frauenhain, Krs. Seife. Auf DLG-Schau Hannover 1931 unter Zchaunummer 493 ausgestellt.
Mitteldeutschlands bester Stammbulle „Kopal 5691". Ztammbullenschau (Erfurt 1931. Züchter ^Rittergutsbesitzer A. Wadsack, Hornsömmern. Besitzer: Zuchtgenossenschaft Schillingstedt, Krs. Tckartsberge.
Hausfrau und Volksvermögen.
Die am Ausgang vorigen Jahres von der Regierung eingeleitete Preissenkungsaktion zum Ausgleich der gleichzeitig vorgenommenen Lohnsenkung hat alle Verbraucher- kreise schwer enttäuscht. Heute kann man feststellen, daß einmal die erhoffte Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse kaum zu spüren ist, daß aber auch ferner die Preise für Lebensmittel nicht zurückgegangen sind, sondern eher die Neigung zeigen, wie zum Beispiel beim Brotpreis, wieder zu steigen. Mit großer Sorge verfolgen die Hausfrauen diese Entwicklung, und sie wissen kaum noch, wie sie ihre mannigfachen Aufgaben erfüllen sollen, noch sparsamer als bisher zu wirtschaften, die Gesundheit ihrer Familie zu erhalten und Abwechsel- ' Küchenzettel zu bieten.
Von jeher hat die deutsche Hausfrau den Ruf besonderer Umsichtigkeit und Sparsamkeit genossen und mit Recht als eine mustergültige Verwalterin des Volkseinkommens, das ja bekanntlich zum allergrößten Teil durch ihre Hände läuft gegolten. Es ist deshalb kaum mehr nötig, sie, wie das letzt zuweilen geschieht, an die Pflicht eines sparsamen und rationellen Einkaufs und besonders der Vermeidung des Gebrauches ausländischer Nahrungsmittel zu erinnern. Die deutsche Hausfrau weiß ohne Frage selbst am besten, wie weit sie hier zu gehen hat und welche ausländischen Lebensmittel zurzeit noch im Interesse billiger und gesunder Ernährung unentbehrlich sind. Sie kann gar nicht mehr viel nach der Herkunft der Erzeugnisse fragen, sondern nur rechnen, ob Qualität und Preis einer Ware ihrem Geldbeutel entsprechen. Die Hausfrauen sind eben nicht, wie in besseren wirtschaftlichen Zeiten, frei in ihren Entschlüssen, sondern sie müssen sich einer zwangsläufigen Entwicklung fügen, die von den gestiegenen Lebenshaltungskosten diktiert wird. Wenn der Absatz einheimischer Erzeugnisse dadurch benachteiligt wird, so hängt das in vielen Fällen damit zusammen, daß unsere Landwirtschaft noch viel zu wenig Wert auf Sortierung und Verpackung ihrer Erzeugnisse legt und damit selbst die Konkurrenzfähigkeit gegenüber ausländischen Lebensmitteln erschwert. Zurzeit liegen die Dinge immer noch so, daß zahlreiche ausländische Lebensmittel für uns Deutsche nicht entbehrt werden können. Oft wird gegen die Verwendung ausländischer Lebensmittel allerdings der Ein- wurf erhoben, daß dadurch soundsoviele Menschen in Deutschland arbeitslos bleiben müssen. Greift man aber als Beispiel die Einfuhr von Gemüse und Obst heraus, die zufolge der Umstellung unserer Volksernährung von besonderer Bedeutung ist, so zeigt sich, daß bei einem Gesamt-Einfuhrwert für Gemüse und Obst in Höhe von 424,5 Millionen RM der deutschen Wirtschaft eine Bruttoeinnahme aus Seefracht. Hafenabgaben, Zöllen, Eisenbahnfracht, Handelsnutzen usw. von 453 Millionen RM erwächst. Von dem vorn Ver- braucher zu zahlenden Preis für diese Einfuhr in Höhe von 877,5 Millionen RM, der sich aus Einfuhrwert und Verdienst der deutschen Wirtschaft zusammensetzt, gehen also nur 45 % in die ausländische Wirtschaft, während 55 % in Deutschland verbleiben. Eine Unterbindung dieser lebensnotwendigen Einfuhr würde zwangsläufig einer großen An- zahl Menschen wieder eine Verdienstmöglichkeit entziehen. Ein weiteres Moment, das gegen eine Unterbindung der Einfuhr von Lebensmitteln spricht, ist der durch dies- Maß
nahme sich notwendig ergebende Rückgang unserer Ausfuhr. Kauft doch das Ausland nur von feinen besten Kunden! Welches Interesse hätte zum Beispiel Italien daran, uns unsere Jndustrieprodukte abzunehmen, wenn wir nicht seine Agrarerzeugnisse kauften?
Nach Ermittlungen des Statistischen Reichsamts können je 100 Millionen RM Ausfuhrwerte einer Beschäftigung von 20 000 Arbeitern für 1 Jahr und einer Ersparnis von rund 20 Millionen RM an Arbeitslosenunterstützung gleichgesetzt werden. Ein Rückgang der rund 3,9 Milliarden RM betragenden Ausfuhr um ein Drittel würde also einer Arbeitslosigkeit von mehr als einer weiteren Viertelmillion Arbeitern oder einer Mehrbelastung der öffentlichen Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung um 260 Millionen RM im Jahr entsprechen. Die dadurch hervorgerufene weitere Verminderung der Konsumkraft des Binnenmarktes muß sich wiederum in einer weiteren Einschränkung der Haushaltsausgaben auswirken und die Hausfrauen veranlassen, noch schärfer und kritischer die angebotenen Lebensmittel auf ihren Verbrauchswert und ihre Preiswürdigkeit zu untersuchen.
— Lernt schwimmen! Im Jahre 1926 sind in Deutschland 2995 männliche und 557 weibliche Personen ertrunken; 1350 Männer und 1164 Frauen haben durch Ertrinken freiwillig den Tod gesucht. Wer schwimmen kann, wird nicht Selbstmord durch Ertrinken begehen! Man kann also die Fälle zu den Verunglückungen durch Ertrinken hinzuzäh- ler! und kommt dadurch zu dem erschütternden Ergebnis, daß 1926 in Deutschland 6066 Personen durch Ertrinken den Tod gefunden haben. Auch die unter den Ertrunkenen be- findlichen rund 600 Kleinkinder bis zu fünf Jahren hatten gewiß zum weitaus größten Teil dem Leben erhalten bleiben können, wenn ihre Angehörigen Schwimmer gewesen wären.
— Die staallichsa Beihilfen an kinderreiche Familien. Wie mir einem Runderlaß des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt entnehmen, zwingt die durch die Notlage des preußischen Staates gebotene Sparsamkeit leider dazu, auch bei den Beihilfen, die Familien mit zwölf und mehr lebenden Kindern verliehen werden, eine Einschränkung in der Weise vorzunehmen, daß bei wiederholter Gewährung der Beihilfen statt 200 RM nur noch 100 RM gegeben werden. Im übrigen bleiben die Bestimmungen unverändert.
IV ü r j b u r g. 3m nahen Gramschatz hatte am 1. Fe- bruar abends der 27 jährige Waldarbeiter Wilhelm Rothen- Höfer seiner Geliebten, der 22jährigen Landwirtstochter Marie Straut, die das Verhältnis mit ihm gelöst hatte, stundenlang aufgelauert und sie, als sie sich im Hofe ihres Anwesens von einem anderen Burschen verabschiedete, durch zwei Schüsse ins Gesicht so schwer verletzt, daß sie am 19. Februar starb. Rothenhöfer stand nun wegen Mordes vor dem Schwurgericht. (Er stellte die Tat als eine Affekthandlung aus Eifersucht hin. Der Staatsanwalt beantragte in erster Linie die Todesstrafe evtl. wegen Totschlags 15 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete wegen Totschlags auf acht Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Thrverlust.