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Drohungen russischer Arbeiter.

Ein Bild aus dem Sowjelparadies.

Die Arbeiter, Angestellten und Techniker der Gußstahl- fabrikRevolutionär" im Süden der Sowjetunion haben sich kürzlich an den Präsidenten Kalinin mit folgendem Telegramm gewandt:Seit dem Januar versorgt uns un» ser Genossenschaftsladen nicht mehr mit Milch- und Fettpro- dukren. Wir erhalten nur 50 Gramm Pflanzenbutter in der Woche für die Familie. Fleisch gibt es seit dem De­zember so gilt wie gar nicht. Die letzte Verteilung von gesalzenem Fleisch fand am 11. März statt, und von fri« schem Fleisch am 6. Januar. Statt Zucker erhalten wir seit sieben Monaten nur Surrogate. Tabak, Streichhölzer und Petroleum fehlen seit dem Februar.

In den Monaten Februar und März gab es dreimal in der Woche Grütze, ein Pfund pro Familie. Brot erhalten wir 400 Gramm für eine Familie jeden zweiten Tag, ein Junggeselle 150 Gramm. Wegen der mangelhaften Er­nährung gibt es überall, besonders bei Kindern, Krankheiten. Etwa 30 Prozent der Arbeiter können wegen Unterernäh­rung nicht regelmäßig zur Arbeit gehen. Auch in den um­liegenden Dörfern sind keine Lebensmittel zu erhalten. Wir sind in einer verzweifelten Lage. Wir bitten daher nicht mehr, sondern wir fordern sofortige Absendung von Lebens­rnitteln, damit die Fabrik nicht zum Stillstand kommt."

Reins macht Schule.

wieder -in Geldbriefkräger überfallen und beraubt.

Mannheim, 10. Mai.

In einer in der Seckenheimer Straße gelegenen Woh­nung wurde der Geldbriefträger Gericke von bisher noch unbekannten Tälern niedergeschlagen, gefesselt und beraubt. Die Täter entwendeten einen Geldbetrag von etwa 3000 Mark und flüchteten.

Ueber den Hergang der Tat wirb* mitgeteilt: Bei der 40jährigen Witwe Radloff mieteten zwei angebliche Brüder zwei Zimmer. Beide übernachteten dann in der Wohnung. Gegen 8 Uhr morgens erschien einer der Täter in der Küche und erkundigte sich bei der Vermieterin nach ihren Ange­hörigen. Er lockte dann die Frau in ein Zimmer, wo sie von hinten durch Schläge mit einem Sandsack betäubt wurde. Sie wurde an Händen und Füßen gefesselt auf das Bett geworfen und mit dem Tode bedroht, falls sie sich nicht ruhig verhalten sollte. Gegen 8.30 Uhr erschien der Geldbrief- trägrr Gericke. um eine Postanweisung über 2 Mark an Frau Radloff zu übergeben. Einer der Täter bat den Be­amten, in die Wohnung zu kommen, da seine Mutter krank zu Bett liege. Kaum hatte der (Beibbriefträger die Woh­nung betreten, als er von dem zweiten Täter, der sich hinter der Tür verborgen gehalten hatte, ebenfalls mit dem Sand­sack zu Boden geschlagen und gefesselt wurde. Die Täter beraubten den Wehrlosen und flüchteten. Dem Beamten gelang es, sein Taschenmesser der Frau Radloff zuzuschieben. Gegenseitig machten sie sich dann frei und schlugen Alarm. Die Täter sollen 20 und /" / - alt sein.

Aussatz in Deutschland. Im Jahre 1930 wurden an Deutschen Reich lech^eieue Aussatzsälle gemeldet, darunter vier aus Hamburg. Es handelt sich um Rückwanderer und Ausländer. Die Ansteckung ist im Ausland, meistens in Südamerika, erfolgt. Gegen Ende des Jahres betrug die Gesamtzahl der im Deutschen Reich in Behandlung befind­lichen Aussätzigen 10 gegenüber 8 im Vorjahr, davon in Preußen 3, in Hamburg 4.

Die erste auf der Wett.

Fünfzig Jahre elektrische Eisenbahn.

Wenn wir uns auf Reisen begeben, so sehen wir über­all elektrische Bahnen, Straßenbahnen, Schnellbahnen, elek­trische Fernzüge usw., und wir bedienen uns dieser Ver­kehrsmittel, als ob sie schon seit Urzeiten existierten.

So alt ist aber die elektrische Eisenbahn nicht, denn sie begeht am 12. Mai erst ihren 50. Geburtstag in der vollen Blüte ihrer Kraft. Deutschland genießt die Ehre, die erste elektrische Eisenbahn der Welt besessen zu haben, und diese Ehre dankt es dem großen Bahnbrecher auf dem Gebiete des Elektrizitätswesens Dr. Werner von Siemens. Diese erste elektrische Eisenbahn würde auf einer 2,5 Kilometer langen Strecke zwischen dem Anhalter Bahnhof in Berlin und der Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde angelegt. Wenn man auf alten Abbildungen den ersten Waggon dieser elek­trischen Eisenbahn betrachtet, so sieht er den alten Pferde- bahnwagen noch sehr ähnlich. Er besaß nur 12 Sitzplätze und einige Stehplätze. Und wenn die damaligen Berichterstatter schrieben:Erblitzt" eine Strecke, zu deren Bewältigung ein Fußgänger etwa 30 Minuten braucht, in sechs Mi­nuten", so war das schon damals etwas ironisch gemeint, denn diese Geschwindigkeit entsprach nur derjenigen eines Güterzuges. Dr. Werner von Siemens nannte bei einer Probefahrt diese erste elektrische Eisenbahn einen zwar kräf­tigen Jungen, der noch vor allen Kinderkrankheiten stehe, von dem man aber noch abwarten müsse, ob er es wirklich zu etwas bringe.

Wir wissen heute, daß es dieser Junge sehr weit ge­bracht hat, denn die Eröffnung der ersten für den öffent­lichen Verkehr bestimmten elektrischen Eisenbahn am 12. Mai 1881 bildete den Auftakt zu einer hervorragenden Entwicklung des elektrischen Schnellbahnwesens, die auch in der Gegenwart noch nicht ganz abgeschlossen ist.

Die Welt war auf diese Ueberraschung allerdings schon vorbereitet, denn Dr. von Siemens hatte bereits im Jahre 1879 auf der Berliner Gewerbeausstellung ein Modell einer elektrischen Eisenbahn im Betrieb vorgeführt.

Warum stets mahnen lassen?

Die Verhältnisse sind heutzutage oft stärker als wir selbst. Wir können längst nicht mehr so weit im voraus disponieren wie einst, denn es ist wohl im allgemeinen so, daß zwei Drittel aller Menschen von der Hand in den Mund leben. Dieser Zustand bringt es auch mit sich, daß man seinen finanziellen Verpflichtungen nicht immer so gerecht werden kann, wie man es vielleicht gern möchte. Der Ge­wissenhafte macht sich darum wohl Sorgen, er setzt alle fiebel in Bewegung, um sich ehrlich zu machen, und wenn ihm das nicht gelingt, dann tritt er an seinen Gläubiger heran und stellt ihm den Sachverhalt ehrlich vor, um noch einen kleinen Zahlungsaufschub zu erreichen. Aber leider gibt es ebenso- viele, die sich um ihre Verpflichtungen keinerlei Gewissens­bisse machen. Sie gehören zu den Leuten, die alles an sich herantreten lassen, die sich notabene auf den Standpunkt stellen:Wenn ich nichts habe, brauchen die anderen auch nichts zu habenI" Und dann wird womöglich weiter in den Tag hineingelebt, neue Verpflichtungen werden einzegan- gen, und neue Geldschulden werden gemacht. Man darf so etwas trotz aller wirtschaftlichen Not nicht gutheißen, weil darin eine vorsätzliche Schädigung des anderen und eine eigene Gewissenlosigkeit liegt. Solchen Leuten kommen fast diejenigen gleich, die sich aus Prinzip stets mehrfach mahnen lassen, ehe sie daran denken, sich überhaupt zu melden. So etwas dient nicht dazu, die eigene Vertrauenswürdigkeit zu

stärken, und verärgert den anderen. Niemand hat heutigen Tages noch etwas zu verschenken, und jeder gutherzige Mensch, der einem anderen aus der Klemme half, verlangt sein Geld einmal zurück. Etwas nicht zahlen können, ist zu­nächst noch keine Schande, aber sich darüber in ein grenzen­loses Stillschweigen zu hüllen, läßt den Gedanken der Bös­willigkeit aufkommen. Ein Mensch, der so anständig war, uns zu helfen, der wird höchstwahrscheinlich auch mit sj^ reden lassen, wenn der Rückzahlungstermin nicht pünktlich eingehalten wird. Komisch sind doch die Menschen: sie haben das Vertrauen, daß ein anderer ihnen hilft, sie haben aber nicht das Vertrauen, freiwillig ihre Lage einzugestehen. Warum immer erst mahnen lassen? Ein altes Sprichwort sagt: Ein gutes Wort findet stets einen guten Ort! Dieser Satz gilt auch heute noch. Es würde bedeutend weniger Verdruß auf der Welt sein, wenn die Menschen etwas mehr Vertrauet! zueinander hätten. Denn der anständige Mensch wird sich nicht lumpen lassen, wenn es ihm einmal wieder besser geht, und wird sich gern mit Zins und Zinseszinsen ehrlich machen. P.

Wofür gibt der Deutsche sein Geld aus?

Da stehen neben 7 Milliarden für Fleisch 4 bis 5 für Milch und Milcherzeugnisse, 3 bis 4 für Brot und Back­waren, 5 Milliarden für Alkohol und etwa 3 für Tabat Lehrreich ist in diesem Zusammenhang die Feststellung, daß der Rückgang des Verzehrs von Verbrauch-gütern in Krisen- gelten viel geringer ist, als man allgemein annimmt. So ist in der Stockung von 1926 der Verbrauch von Zucker, Eiern und Bier gar nicht, der von Fleisch nur um 4 % gesunken. Die jetzige Krisis hat allerdings auf allen He- bieten viel schlimmere Folgen gezeitigt als jene von 192!. Auch eine andere Vorstellung wird ziffernmäßig richra- gestellt. Es gibt in Deutschland 15C0 Großkap.talisten mit je über 50 000 RM Zinseneinkommen, außerdem eine Mit­telklasse von Kapitalisten mit 8000 bis 50 000 RM jährlichem Zinseneinkommen. Würde man, um einem manchen ge­läufigen Gedankengange zu folgen, dieses Einkommen von 550 Millionen RM der Großkapitalisten und der mittleren Kapitalisten enteignen und auf die 84 Millionen Erwerbs­tätigen verteilen, so würde jeder von ihnen doch nur 16 RM jährlich mehr erhalten.

Kunst und Wissen.

Der Verein Deutscher Ingenieure 75 Jahre alt. Am 12. Mai wird in Alexisbad, wo vor 75 Jahren der Verein Deutscher Ingenieure gegründet wurde, im Rahmen einer schlichten Feier ein vom Bildhauer Encke geschaffenes Denk­mal enthüllt werden, das die Vereinsmitglieder den 23 ju­gendlichen Gründern des VDJ. errichtet haben. Eine aus­führliche Würdigung der Bedeutung des Jubiläums für die deutsche Technik soll der nächsten Hauptversammlung vor­behalten bleiben, die am 28. Juni in Köln stattfindet und einen eindrucksvollen Querschnitt durch das gegenwärtige Schaffen des Vereines deutscher Ingenieure geben wird.

Ein Satten der Dergnn^nheil.

Driginalroman von Maria Harling.

1 sNachdr. verb >

Seh ich deine Türme ragen in der Ferne hoch und hehr Höher dann die Pulse schlagen, heim zu dir ist mein Be­gehr!" so zitiert eine junge, schlanke, bildhübsche Brünette, an die Schulter ihrer Freundin, einer etwas älteren Blon­dine, geschmiegt. Ein allerliebstes Bild gaben die beiden Freundinnen, wie sie so dastehen, auf dem Lugaus des Lon- ginusturmes in den Baumbergen, den Blick sinnend in die Ferne gerichtet, allwo bei der herrlich klaren Luft hinter den vom ersten jungen Grün umsponnenen Büschen und Wallhecken die herrlichen, vielgestaltigen Türme der west­fälischen Hauptstadt am blauen Himmelsdom sichtbar wurden.Ach, weißt du, Eva Marie, meine Vaterstadt ist doch schön, ich gäbe sie nicht her für alle Schätze der Welt!" sagte die schlanke Brünette mit leidenschaftlichem Pathos, ich werde mich auch niemals nach außerhalb verheiraten, denn ich würde todsicher vor Heimweh sterben."

Die Blonde mit dem sanften Madonnengesicht und den stillen blauen Augen lächelte.

Wie überschwenglich meine Lieselotte mal wieder ist! So leicht stirbt es fit.) nicht und wenn erst mal einer kommt, der dein kleines Herz im Sturm erobert, dann fragst du gewiß nicht: Bist du auch ein Münsteraner? Dann ist dein Herz gefangen, eh du's nur gedacht."

Du nimmst mich nie ernst, Mariovchen!" schmollt Lise­lotte, des Professors Heinrich Fontanus einziges, reizendes Mädel. Es ist ein übermütiges Ding, die Heine, braun­lockige Hexe; der Schalk blitzt ihr aus den dunklen Toll, kirschenaugen, in denen tausend neckische Spotteufelchen ihr Wesen treiben. Sie ist wie im Aeußern so auch im Cha­rakter das reine Gegenstück zu ihrer Freundin Eva Marie Terborg. Viel trägt zu dem fast etwas schwermütigen ernsten Naturell des schlanken, blonden Mädchens ihr ganzer Lebenslauf bei. Früh verwaist kam sie zu einem Bruder ihres Vaters. Das kinderlose Ehepaar gab dem warmherzigen, liebebedürftigen Kinde wohl das tägliche Brot und eine gute Erziehung, jedoch keine Liebe. Die Justizrätin Terborg, eine harte, sich selbst genügende Natur, hielt es dem armen Kinde täglich vor, daß sie Gott nicht genug danken könne, bei ihnen eine so gute Aufnahme gefunden zu haben, nachdem ihr leichtsinniger Vater alles verpraßt habe. Die harten Worte taten dem Kinde bitter weh, dennoch wagte es nicht, sich gegen den Despotismus und die Ungerechtigkeit der Justizrätin zu wehren, auch dann nicht, als sie, größer geworden, in Erfahrung brächte, daß nicht Leichtsinn, sondern Unglück den Vater in unver­schuldete Armut gebracht.

In der Familie Fontanus nun hatte das arme Mädchen liebevolle Freunde gefunden, die ihr Liebe in reichem

Maße gaben und so ihre grübelnde Natur vor Bitterkeit ; bewahrten. Auch heute ist sie mit der Familie des Pro- feffors in die Vaumberge gewandert und während er selbst mit seiner Frau.und seinen drei Buben noch hinter dem Kaffeetisch saß, sind die beiden jungen Mädchen auf den Longinusturm gestiegen. Eva Marie hat den Arm um die Freundin geschlungen.Ach Liesel, ich wollte, ich wäre wie du, oder ich hätte wenigstens etwas von deiner Lebensbe- , jahung, deinem fröhlichen Optimismus!"

Nein, Evchen, dann wären wir doch keine Freundinnen! Gerade weil du so bist, wie du eben bist, darum habe ich dich eben so lieb. Sieh, dir kann ich alle meine dummen Streiche beichten, von dir tut eine Strafrede nicht einmal weh. Doch wenn du meinen letzten Streich wüßtest, vielleicht überliefe dich dann doch eine Gänsehaut und du sähest ein, daß du all deine Liebe einer Unwürdigen geschenkt."

Einer Unwürdigen? Nein, Liesel, alle deine dummen Streiche zeugen ja nur von deinem köstlichen Humor, um den ich dich beneiden möchte, wenn ich meine Lieselotte überhaupt beneiden könnte."

Nun schlägt's aber dreizehn; hör auf, sonst muß ich noch pflichtschuldigst erröten! Doch horch, was ist das? Himmel, hilf, das ist Norbert Eerlachs Stimme. Eva Marie, wohin, wohin mit mir?"

Aber Lieselotte, was ist denn los? Warum willst du denn vor Norbert Eerlach davonrennen?"

Von unten tönt eine frische, weiche Baritonstimme herauf.

Sei mir gegrüßt in deiner Linden Kranze, So bräutlich schön, in wenig stolzem Glänze.

Ich lieb dich treu, in Wonnen und in Qualen, Alt-Münster dich, du Krone von Westfalen!"

Während der letzten Worte ist auf der Plattform der Kopf eines jungen Mannes sichtbar geworden, der mit einer bunten Studentenmütze bedeckt ist, die anzeigt, daß sein Inhaber an der Münsterschen Universität einer Ver­bindung angehört.

Alle Heiligen, wohin denn nur mit uns?" stöhnte Lieselotte noch einmal leise auf.

Ja, Liesel, da müssen wir schon standhalten," lächelte Eva Marie,unsichtbar machen können wir uns nicht, wir haben keine Tarnkappe."

Ei, warum wollen sich denn die Damen unsichtbar machen?" Ein spöttischer Blick fliegt aus kühlblickenden, grauen Augen zu ihnen hin. Der junge Mann hatte die Mütze abgenommen; kurzes dunkles Haar umgibt ein schmales, rassiges Antlitz; die scharfgeschnittenen Züge, der Blick geben dem Gesicht ein vornehmes Gepräge.

Ah, Lieselotte Fontanus! Freut mich sehr, dich zu treffen. Nun begreife ich, daß du dich unsichtbar machen möchtest!" Unverhohlener Spott liegt in diesen Worten. Das junge Mädchen jedoch wirft stolz den Kopf zurück, ihre dunklen Augen blitzen fast feindselig zu seinem Gegen­

über hin. Die dunkle Röte, die ihre Stirn bis unter W wirren krausen Haare bedeckt, kann ebensogut dem Zorn als der Verlegenheit entsprungen sein.

Du irrst sehr, Norbert, wenn du meinst, daß ich Absicht gehabt hätte, mich unsichtbar zu machen. Du weißt ganz genau, daß Eva Maria die Worte sprach, nicht ich!

Natürlich weiß ich das, meine schöne Freundin, aber sie wurden eon Eva Maria nur gleichsam als Antwort auf einen Ausruf von dir gesprochen. Verzeihe übrigens, Eva Marie, daß ich dich noch nicht begrüßte, aber wenn man von der Wildkatze so angefaucht wird, kann man schon dazu kommen, die gewöhnliche Form der Höflichkeit zu vergessen!"

Besten Dank für die Wildkatze! Ein wunderbares Kompliment! Lieselotte machte eine spöttische VerbcuguG

Nun, der Spott wird dir schon vergehen, warte nur. Du hast wohl geglaubt, an meinen Korpsbrüdern unge­straft dein Mütchen kühlen zu dürfen, aber du irrst M sehr; wir sind eine einheitliche Gemeinschaft, einer tritt fu1 den anderen ein und so haben wir beschlossen, daß keiner unserer Verbindung dich mehr grüßen darf, es sei denn, d» bittest die Herren durch mich um Entschuldigung."

Eva Marie blickt verständnislos und erstaunt zu der» Sprecher auf. Lieselotte aber wirft trotzig den schönen KM zurück. Etwas blaß zwar ist sie geworden, aber ihre Auge" blicken genau so hochmütig wie die ihres jungen Richter Wohl zittern gleich darauf Zornestränen in denselben, aber ihre Stimme klingt keine Spur erregter wie sonst, als m spottend sagt:Eva Marie, komm, laß uns gehen! Des ungezogene Mensch erlaubt sich hier eine dreiste Sprache!

Nun steigt auch dem jungen Manne das Blut zu Kops Lieselotte, was erlaubst du dir? Soll id) deinem P»^ mal deinen neuesten Streich erzählen?" ...

Wenn es dir Freude macht, warum nicht? Papa u vernünftig genug, solch harmlosen Scherz nicht tragisch nehmen. Warum sind deine Kameraden so entsetzlich e>"' fältig. Ich habe es ihnen nicht geheißen, mir nachzulauft«- Meinst du, jeder Fant habe das Recht, mir ungestraft sM Fadheiten aufzudrängen?"

Davon ist keine Rede, das weißt du wohl. Ein ansta^ diges Mädchen weiß sich vor Belästigungen auf anständig' Art zu schützen!" .

So war meine Art nicht anständig?" blitzte Lieselotte den Sprecher an. Doch gleich darauf, wie sich besinnend, nimmt sie der Freundin Arm, um sie fortzuziehen. ...

Eva Marie, so komm doch, ich habe es wahrhaftig tw) notwendig, die Moralpauke dieses aufgeblasenen MciE anzuhören. Wenn du mir noch etwas mitzuteilen hast, weißt ja, wo ich zu Huuse bin: Göbenstraße zwölf", setzt mit unnachahmlichem Hochmut hinzu. r

Mit einer nochmaligen spöttischen Verneigung geht " ganz Dame der großen Welt die Treppe hinab, Marie hinter sich berzicbend.

-Fortsetzung folgt)'