Ichlüchiemer Zeitung
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Nr. 5t
(1. Blatt)
Dienstas. den 12. Mai 1931
83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Stadt SchlüHtern.
Mttoth-KIder I. I Meitzel scheu Stiftuug.
Die im Kloster untergebrachte Bibliothek ist diese Woche am Mittwoch, den 13. Mai d. 3s. von vormittags 11—12 Uhr geöffnet.
Lchlüchtern, den 11. Mai 1933. 1
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung
Die Zettel über das zur Verteilung kommende Losholz werden am Mittwoch, den 1 3. M a i 1 95 1 'in der Turnhalle in der Grabenstraße ausgegeben und zwar: von nachmittags 1 bis 2 Uhr Buchstabe B-F , „ 2 „ 3 „ ®-K , , 3 „ 4 „ L-P h , 4 „ 5 „ „ R S „ . 5 « 6 „ , T—Z Lchlüchtern, den 9. Mai 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Der (Entwurf des Haushaltsplanes der Stobt Lchlüch- tern für das. Rechnungsjahr 1931 liegt gemäß § 76 Abf. 2 der Stäbteorbnung vom 4. 8. 1897 in. der Seit vom 13. bis einschl. 20. Mai b. 3s. während der Bormittags- Dienststunden von 8 12 Uhr im Rathaus —. Zimmer M. 2 zur Linsicht der Gemeindeangehörigen yffen.
Scblüditern, den 9. Mai 1931.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Ansprache von Berlin nach USA.
^Mendelssohn va^, der Internationalen Handelskammer,
Berlin, 11. Mai
Präsident Franz von Mendelssohn Hieit von Berlin aus über den Ozean drahtlos die Schlußansprache an die Tagung der Internationalen Handelskammer in Washington, in der er u. a. ausführte: „Damit sich die Sachen im Raume nicht allzu hart stoßen, bedarf es heute mehr als früher der Besinnung auf die Gemeinsamkeit und des Dienstes an ihr. Meine Stimme als die eines einzelnen, die über den Ozean kommt, ist schwach und unbehilslich, aber ich erinnere Sie daran, daß andere Stimmen nach demselben rufen, alle die vielen Männer und Frauen des gewerblichen Unternehmerstandes, die ihren Betrieb trotz bester Kraftanstrengung verloren haben oder notleiden sehen, alle die tüchtigen Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze bedroht sehen, und nicht zuletzt die 20 Millionen Arbeitslosen, die gegenwärtig auf der Erde sind.
Don ihnen allen kommt bittere Klage.
Sie würde zur Anklage werden, wenn nicht im gemeinsamen Bemühen alles geschähe, den Arbeitsuchenden wieder Arbeit, den Darbenden Anteil an den Gütern dieses Lebens zu geben. Wir müssen alles daransetzen, um diese Krise der Weltwirtschaft nicht auch zu einer Krise verständiger weltwirtschaftlicher Gesinnung bei den Menschen werden zu lassen. Aber dies kann, so glaube ich, sich nur durchsetzen, wenn wir w der Wirtschaft jedes Landes uns der Verflechtung mit der Wirtschaft anderer Länder bewußt sind. Der Wohlstand des Gläubigers wird gefährdet, wenn die Lasten den Schuldner "'drücken und die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen fruchtbarer Arbeit gefährden. Der Verkäufer be- 6nrf der Kaufkraft des Käufers.
Es gibt keine Methoden, wirtschaftlichen Wohlstand . verhaft in einem Lande zu isolieren. Eingesperrler kapi- mlrelchtum verdorrt, der aber, der an sich fruchtbarem, aber «"»getrocknetem Boden zugeführt wird, wird fruchtbar im ^"«fließen wie im Rückstrom.
Das gilt besonders für Europa, das noch immer und "'k>ir als früher in wirtschaftlichen Absperrungen und Ab- ö^nzuugen verharrt, die zu Kapitalverlusten, zu Cutwick- Wngehemmungen. zu Arbeitslosigkeit führen müssen. Wir .ffopäer sehen mit Bewunderung aus das große einheit- ,'de Wirtschaftsgebiet der Vereinigten Staaten. Aber auch '" Europa kann vieles geschehend Wirtschaftsgrenzen, die bei uns störend geworden sind, fortschreitend abzubauen. . Me man wirtschaft endlich wirtschaftlich sich enl- «>r n, frei von wirlschaflssremden politischen öceinflüssun- rn' so wird das der Gesamtheit und jedem einzelnen zugute '°mmen. Die Wirtschaft ist in außerordentlichen Bedräng- ? wie noch kaum je. Aber ebenso außerordentlich sind ^ Möglichkeit»« der Führer der Wirtschaft, aus diesen «""»gnissen heranszuführen.
Schlußsitzung der LHK.
Washington, 11. Mai.
i. Die Vollversammlung der Jnteruattvualen Handels- i* in ihrer Schlußsitzung die große iiauptent. U 'Aung nn hic fic|, mil d^. Wiederbelebung des Wett- ° delr besaßt Die Einschließung geht aus von der Fest- Um8' daß die jetzige Wirtschaftskrise, die durch die Folgen
des Krieges noch verstärkt worden sei, eine Wiederholung von Ereignissen darstelle, gegen die die Welt von Zeit zu Zeit anzukämpfen habe. Nach dieser Einleitung wendet sich die Erklärung den fünf Hauptfragen zu, die den Welthandel und die Wohlfahrt der Völker beeinflussen:
1. Der Krieg sei das größte Hindernis des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts.
Die Internationale Handelskammer billige die Bemühungen der Regierungen, die Rüstungen so weit wie möglich zu feilten, i»nd dränge darauf, daß die Regierungen in diesen Bemühungen nicht nachließen, sondern sie möglichst noch verdoppelten. Die Erreichung dieses Zieles würde die Völker von einer schweren Steuerlast befreien.
2. Die internationalen Verpflichtungen sind dem Betrage und den Bedingungen nach festgesetzt worden.
Die Unantastbarkeit solcher Verpflichtungen ist stets die Grundlage für den Bestand des internationalen Kredits und für die Ausbreitung von Handel und Industrie. Indessen . steht die Beachtung dieses wesentlichen Grundsatzes nicht im Widerspruch zu einer unparteiischen Prüfung der Wirkungen dieser Verpflichtungen auf den Welthandel, wenn veränderte s wirtschaftliche Verhältnisse dies rechtfertigen.
3. Der Innen- und der Außenhandel müsse durch Beseitigung aller Hemmnisse gefördert werden.
In den Zolltarifen dürften einzelne Völker nicht unbilligerweise unterschiedlich behandelt werden. Aus- und Einfuhr- ! verböte dürften nur gegen ein Dumping und gegen andere unlautere Machenschaften angewandt werden. Alle unbe- j rechtsten Beschränkungen seien zu beseitigen.
4. Die private Initiative der Wirtschaftsführung sei das wirksamste Mittel, um die Fortschritte der JnbuftdMtt sichern und die allgemeine Wohlfahrt zu mehren.
5. Die Tendenz, die Staatsausgaben über die Einnahmen hinausgehen zu lassen, bedrohe erneut die Haushalte der Länder.
Ein gesunder Haushalt sei für die Wahrung des Staats- I kredites und für die Stabilität der Währung unerläßlich. > Die Staatshaushalte sollten möglichst sparsam aufgestellt ' werden. Es dürften keine steuerlichen Lasten erhoben wer- tnii, die die Erzeugung schädigen und bei mit Hj» .LUl^T»- losigkeit vermehren würden.
Curtius antwortet Briand.
Das Bankett des Vereins der ausländischen Presse.
Berlin, 11. Mai.
Im Hotel Adlon fand das Bankett des Vereins der ausländischen Presse statt. An dem Festmahl nahmen neben dem Reichskanzler verschiedene Reichsminister, der preußische Ministerpräsident und andere Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Oberbürgermeister von Berlin, zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps sowie Vertreter der deutschen Presse teil.
Der Vorsitzende des Vereins, Blokzijl, leitete feine Begrüßungsansprache mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten ein, worauf die Festversammlung stehend die erste Strophe des Deutschlandliedes sang.
Heichsaußenminister Dr. Curtius
erwiderte auf die Begrüßungsworte des Vorsitzenden und gab seiner Genugtuung über das vertrauensvolle Zusammenarbeiten zwischen der ausländischen Presse und der Reichsregierung lebhaften Ausdruck. Die Aufgabe der Presse, der Wahrheit zu dienen, werde durch die mannigfachsten Umstände erschwert. Es sei notwendig, immer wieder die wahren Begebenheiten krarzustellen, sich der Erfahrung bewußt zu sein, daß die Menschen im allgemeinen nicht durch die Dinge selbst, sondern durch die Vorstellungen, die sie sich davon machen, in Unruhe versetzt werden. In diesem Zusammenhänge beleuchtete Minister Dr. Curtius einige Seiten des deutsch-österreichischen Zollunionsplanes, indem er sich sachliche Erwiderungen auf die Ausführungen des französischen sowie des tschechoslowakischen Außenministers für die bevorstehenden Beratungen in Genf vorbebielt.
Die Vorwürfe über die Form des Vorgehens der deutschen und der österreichischen Regierung bei der Veröffentlichung des Planes wies der Reichsaußenminifter entschieden zurück.
Er legte, wie schon in seiner Reichsratsrede, erneut dar, daß beide Regierungen unmittelbar nach Erzielung eines Einverständnisses auch nur über ditz Richtlinien die anderen Regierungen in vollem Umfange unterrichte: hätten. Er hoffe, daß der Streit um die Taktik aufhöre, Prestigefragen aus dem Spiele blieben und die Angelegenheit selbst mit ruhiger Sachlichkeit behandelt werden würde.
Nur Wirtschaftsmomente . ..
Er begrüßte Briands Hinweis auf den rein wirtschaftlichen Charakter des deutsch-österreichischen Planes. Die wirt- schaftlichen Röte, die Oesterreich getrieben hätten, feien von dem österreichischen Vizekanzler in den letzten Tagen ein- qehend dargestellt worden. Deutschland stände unter der Geißel der fürchterlichsten Arbeitslosigkeit und dem Druck schwerster Reparationen. Absatz für unsere Arbeit, Markt- erweiternna sei das Ziel, das wir »»strebten. Die Aus- sa «na. daß wir Machtpolilik mit unserem Plane verfolgten, ^eugc von völliger Verständnislojigkeit für die Lage der beiden Volkswirtschaften.
Die Unabhängigkeit Oesterreichs werde durch die in Den Richtlinien vorgezeichnete Verfassung der Zollunion nicht beeinträchtigt. In welchen Punkten eine Verletzung der Verträge und des Genfer Protokolls vom Oktober 1922 oorläge, sei von den Gegnern des Planes bisher nicht erörtert worden. Die österreichische und die deutsche Regierung sehen in. Ruhe der Verhandlung des Völkerbundsrats hierüber ent« gegen.
Natürlich gehe es nicht an, die Rechtsfrage durch Erwägungen wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit und politisier wünsche zu verdunkeln.
Weder Utopie noch Radikalismus
Die deutsche Delegation werde ebenso wie die österreichische in Genf alle anderen Vorschläge und alle umfassenden Pläne für die Sanierung der europäischen Wirtschaft begrüßen und sich an solchen Arbeiten intensiv beteiligen. Gleich weit ent- । fernt von Utopie und Radikalismus strebe die Reichsregie- ■ rung entschlossen und besonnen eine Besserung der Gesamt- lage des deutschen Volkes an und setze sich gleichzeitig für weitestgehende Kooperation mit den anderen Völkern ein.
Deutschland sei auf das stärkste an einem friedlichen Ausgleich aller Spannungen, einer Hebung der Wirtschaftslage in der ganzen Welt und einer fortschrittlichen, gleichberechtigten Entwicklung der Völker interessiert.
Hierauf nahm Nuntius Orsenigo das Wort und ' dankte im Namen des diplomatischen Korps für die 6m« [geling. Der Vorsitzende Blokzijl hielt schließlich eine kurze Schlußansprache, in der er den Erschienenen dankte.
Deutsche Flieger in London.
Lebhafte Begrüßung durch große Volksmenge.
London, 11. Mai.
Bei strahlendem Sonnenschein landeten fünf deutsche, von ' Düsseldorf kommende Flugzeuge auf dem Flugplatz von ! Hesion bei London, um dem englischen königlichen Aeroklub einen Gegenbesuch abzustatten.
, ■ -f|p "^ --.-p";"> auf Einladung des englischen Klubs, bei der es sich um eine Art Dankesbezeugung für die Aufnahme englischer Flugzeuge in Deutschland im vorigen Jahre während des Europa-Rundfluges handelt. Die Flugzeuge, die um 11.15 Uhr vormittags von Düsseldorf gestartet waren, । stießen zunächst auf wolkiges Wetter, so daß sie recht tief fliegen mußten. Nach einem Mittagsaufemhalt in St. In- | geliert bei Calais flogen sie um 15.30 Uhr nach Heston wei- I ter. Dieser Teil der Strecke verlief.bei schönstem Wetter. | Auf dem Flugplatz wurden die Flieger von dem Vertreter I der deutschen Botschaft, von «cherpenberg, empfangen. Von englischer Seite waren u. a. erschienen der bekannte Flieger Stack, der den Rekordflug nach Istanbul und zurück gemacht hatte, Lady Drummond-Hay, die australische Fliegerin Miß Spooner, der Präsident des Aeroklubs, Perrins, Kapitän Gilfor, der Leiter der Hilfsluftverteiidgung Englands, sowie der Empfangsausschuß des Aeroklubs. Es hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, die die deutschen Flieger lebhaft begrüßte. Ein sechstes deutsches Flugzeug landete anderlhalb Stunden später auch noch in Heston.
Frau Heins erneut verhaftet.
Berlin, 11. Mai. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist die Mutter des Raubmörders Reins erneut von der Polizei verhaftet worden.
Graf Stolberg aus der Haft entlassen.
Hirschberg, 11. Mai. Der seinerzeit wegen fahrlässiger Tötung seines Vaters zu neun Monaten Gefängnis verurteilte Graf Christian zu Skolberg-Wernigerod.e ist jetzt gegen Hinterlegung einer Summe von 3000 RM aus der haft entlasten worden. Ihm wurde eine dreijährige Be- währungsfrist zugebilligt.
Ein ganzes Dorf niedergebrannt.
Warschau, 11. Mai. Ein ganzes Dorf in der Rähe von Lodz ist einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen, vierzehn Wohnhäuser mit sechzehn Wirtschaftsgebäuden und achtzehn Scheunen sind vollständig niedergebrannt. Zahlreiches Vieh ist in den Flammen umgekommen. Der Schaden beträgt mehrere hunderttausend Zloty. Die Ermittlungen haben ergeben, daß Branüslislung vorliegt. Ein Bettler, dem der Dorfwirt das Rachtlager verweigerte, zündet« aus Rache besten Scheune an.
Deutschland gewinnt den preis der Nationen.
Rom, 11- Mai. Beim Internationalen Reitturnier In Rom wurde der Preis der Rationen zum Austrag gebracht. Es ging um den von Mussolini gestifteten Goldpokal, den in den beiden letzten Jahren Italien gewonnen hatte. Mit Oberleutnant Sahla auf «Wotan", Oberleutnant Hasse aus «Derby" und Oberleutnant Momm auf .Thora" siegte Deutschland mit nur 8K Fehlern vor Italien mit 15 Fehlern und Belgien mit 26 Fehlern. Mussolini nahm persönlich die Preisverteilnng vor.