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Ichlüchterner Zeitung

ßeeisKmtsbtatt * Myemeiaer amtlicherKazeitzevstr 0m Sveis Schlüchtan

Nr. 56 (1. Blatt)

Samstag, den 9. Mai 1931

83. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

LandratsaMt.

Das Bezirksamt Gemünden erläßt auf Grund des § 366 Nr. 10 Str®B., Art. 2 3iff. 6 u. Art. 90 Abf. II bes pStr®B. sowie Art. III der Verordnung vom 6. 2. 1924 R®BL I S. 44 folgende bezirkspoli- -eiliche Vorschrift:

§ 1.

Die Teilstrecke Vurgsinn-Mittelsinn- Gbersinn im Zuge der Lezirksstraße Burgsinn-Gbersinn-Landesgrenze wird we­gen Umbauarbeiten

vom Montag, den 4. Mai 1931 mit Sams­tag, den 2 7. Juni 1931 für La st fahr zeuge Aller Art gesperrt.

Anfang und Endpunkt der gesperrten Strecke sind durch Tafeln kenntlich gemacht und nachts beleuchtet, desglei­chen die für die Verkehrsumleitungen in Betracht kommen­den Wegabzweigungen.

§ 2.

Die Umleitung des Durchgangsverkehrs erfolgt von Jossa her über Brückenau Neuwirtshaus Gräfendorf Gemünden und von Würzburg her über Gemünden Gräfendorf Nerewirtshaus Brückenau Jaffa.

§3.

Zuwiderhandlungen werden nach den bestehenden ge= schlichen Bestimmungen bestraft.

Gemünden, den 1. Mai 1931. r i

Bezirksamt. 3. D.: gez. Noth.

J.-lhr. 3810. 3n einem Gehöft der Gemeinde Höllrich, öezirksamt Gemünden, ist "die Schweinepest 'festgestellt worden.

Schlüchtern, den 6. Mai 1931.

Der Landrat. 3. v.: Duwe.

Kreisausschuß.

3.=Ur. 2277 K. A. Dem bei der Witwe Elisabeth Blum in Steinau beschäftigten Landwirtschaftsgehilfen Konrab Hüfner ist anläßlich seiner l 5 jährigen ununterbrochenen Tätigkeit eine Prämie von 15. RM. aus Ureismit- teln bewilligt worden.

Schlächtern, den 7. Mai 1931.

Der Vorsitzende des Ureisausschusses. Dr. Müller.

Allg. Ortskrankenlasse Schlüchtern.

Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Bei- irägc aus den Zahltagen für die Monate Januar, Februar und März 1931 wird hiermit in Erinnerung gebracht.

Hebetermtne finden st a t t:

1. In Steinau, am Mittwoch, den 13. Mai 1931, Don vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckartschen Gastwirtschaft daselbst,

2. In Sterbsritz, am Freitag, den 15. Mai 1931, Don nachmittags 3 bis 7 Uhr, in der Böhm'schen Gast­wirtschaft daselbst,

3. In Salmünster, am Mittwoch, den 20. Mai 1931, von nachmittags 2'/, bis 6 Uhr, im GasthauseZum Engel" daselbst,

4. In Soden, am Freitag, den 22. Mai 1031, Don nachmittags 2*/2 bis 6 Uhr, im GasthanseZur Hoffnung" daselbst,

und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.

An dem Hebetermintage am 13. Mai 1931 bleibt die in Schlüchtern für Ein- und Auszahlungen ^schlössen, worauf besonders ^aufmerksam gemacht wird.

Rückstände, die nach diesen Tagen noch verbleiben, alsdann unverzüglich zur zwangsweise» und kosten- ^nichtigen Einziehung gelangen.

Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse wrer Gemeindcangehörigen, wie seither, möglichst am Tage V o dem ober an d c in Hebetermintage selber "ochnials ortsüblich bekannt machen zu lassen.

Schlüchtern, den 8. Mai 1931.

Vorstand der Allg. Ortskrankenkasie.

Dtadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Der trfrifd]ungsraum in der städtischen Schwimmbads- anstalt - verabfolgung alkoholfreier Getränke und Ir= !f.''^lllngen sowie von Speisen und Genußmitteln fall die Dauer des diesjährigen Badebetriebs Beginn: Dwousfidjtlid} 17. Mai verpachtet werden.

,. 0^ Pachtbedingungen können auf bem Rathaus

' "Wer Ar. 2 eingesefien werden.

schriftlich« Angebote sind bis jum Ul > ttwoch k c n ITt a i 19 3 1, vormittags 11 Uhr, in verschlossenem, ?sch entsprechende Rufschrift gekennzeichneten Umschlag °"b'tbst emMeichen. Die Eröffnung der Angebote erfolgt zu

der angegebenen Zeit in Gegenwart etwa erschienener Be­werber.

Die Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten.

Schlüchtern, den 7. Mai 1931.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Das Riesen-efizii.

Reichseinnahmen und -ausgaben im Rechnungsjahr 1930.

Berlin, 8. Mai.

Das Reichsfinanzministerium veröffentlicht den Ausweis über die RÄchseinnahmen und -ausgaben im Rechnungs­jahr 1930 (Beträge in Millionen RM). 3m ordentlichen Haushalt wurden im ganzen 10 263,2 (Jahressoll 11 632) eingenommen. Davon entfielen auf Steuern, Zölle und Ab­gaben 9024,9 (10 265,6). Ausgegeben wurden 11251,8 (11 697,3). Mithin ist im ordentlichen Haushalt eine Mehr­ausgabe von 988,6 zu verzeichnen.

Im außerordentlichen Haushalt bellefen sich die Ein­nahmen auf 961,9 (1339) und die Ausgaben auf 451,2 (567,3); also eine Mehreinnahme von 510,7. Da der Fehl­betrag aus dem Vorjahre im außerordentlichen Haushalt 771,7 betrug, ergibt sich ein Fehlbetrag am Ende März 1931 von 261. Der Kassenbestand bei der Reichshauptkasse und den Außenkassen betrug am 31. März 79, der Stand der schwebenden Schuld am selben Tage 1709,5 gegenüber 1580,4 am 28. Februar.

Schwere Unwetter

Süddeutschland ist am Donnerstag von einem schweren Unwetter heimgesucht worden. Schwere Gewitter und wol- kenbruchartige Regenfälle haben in Laden und Württem­berg großen Schaden angerichtet,' vielerorts sind weite Strecken überschwemmt. 3n Hösbach im Spessart rissen die Wassermengen eine Kleine Brücke ein. Von den sieben Dehnen, auf de^Brücke.stLnden, Und vier gekommen. 3m Taunus sind durch das Hochwasser Stra­ßen aufgerissen und Dämme durchbrochen worden. 3m Hamburger Kurpark richteten die Fluten schwere Verwü­stungen an. Der schwerste Schaden für Homburg dürfte sein, daß sämtliche Brunnenanlagen tief unter Wasser stehen und Gefahr laufen, verschlammt zu werden.

R s ch a f fe n b u r g. (vier Personen im Unwetter um= gekommen.) Donnerstag nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr entlud .sich _ über dem nahe bei Rschaffenburg gelegenen 3000 Einwohner zählenden Hösbach ein schweres Unwetter. Den ganzen Tag über hatte es geregnet. Zwischen 4 und 5 Uhr ging ein starker IDoIkenbrud} nieder. Aus dem Spessart zwischen wenig Hösbach und Unterafferbach kamen ungeheure Wassermassen gestürzt. Auf einer etwa 200 Meter vom Zentrum der Drtschaft gelegenen drei Bieter breiten Sandsteinbrücke standen um "rS Uhr 7 Menschen, um die herankommenden Wassermengen zu "beobachten. Un­ter dem ungetaneren Druck dieser Wassermengen stürzte plötzlich die Brücke ein und riß die 7 Menschen mit in die Fluten. Einige davon, zum größten Teil junge Leute, konnten sich retten, während der 9 Jahre alte Helmut Völker, die 10 Jahre alte Frieda Rettinger und der 20 Jahre alte Landwirt Anton Stab ertranken. Der 60 Jahre alte Konrab Rausch, der ebenfalls von den Fluten weg­gerissen wurde, wurde gegen eine Pappel geschleudert und trug eine Gehirnerschütterung davon. Er starb abends gegen 8 Uhr. Die Leiche des jungen Völker konnte sofort geborgen werden, während die Leichen der Rettinger und des Stab erst abends um 8 Uhr von der Feuerwehr etwa 200 Meter von der Unfallftelle geborgen werden konnten. Die Leichen waren an einem Gartenzaun hängen geblieben. Die Wasserflut dauerte nur wenige Minuten. Sie hat auch sonst an Häusern und Mauern erheblichen Schaben angerichtet. Das Vieh konnte von den Bewohnern noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. -

Frankfurt a. M. (Schwere Maigewitter.) In den frühen Morgenstunden des Donnerstag ging über Frankfurt und Umgebung ein ungewöhnlich heftiges Gewitter nieder. Nachdem schon die Nacht hindurch ständig Regen fiel, er­gossen sich in der Zeit von 7 bis 9 Uhr enorme Wasser- ,nassen über Stadt und Land. In Frankfurt kam es zu einer großen Reihe von Rellerüberschwemmungen, durch die nicht unerheblicher Schaden »»gerichtet wurde. Die Feuerwehr mußte verschiedentlich in Tätigkeit treten, um angerichtete Schäden zu beseitigen. Ruch der Blit schlug mehrmals ein, ohne jedoch zu zünden. Gegen 9 Uhr cbbte das Gewitter ab, um in einen Landregen überzugehen.

In der Affäre der Unterschlagungen bei dem Che­mischen Werk Lothringen hat die Polizei vier Verhaftun- gen üorqenommen. Insgesamt sind 100 000 RM. unter­schlagen worden.

. In Siena in Italien wurde ein aus dem Jahre 1514 stammendes Gemälde von Dürer entdeckt.

Briands Generalprobe.

Die neue Tagung der Pariser Sammer.

Paris, 8. Mai.

Die Pariser Kammer hat ihre Arbeiten nach der öfter» pause wiederaufgenommen. Der Kampf um die Verabschie­dung des Budgets war heiß. Aber das Kabinett hat damals sein Ziel erreicht. Inzwischen steht die innere französische Politik im Zeichen der Präsidentenwahl, zu der sich Senat und Kammer am 13. Mai als Nationalversammlung ver­einigen.

Alles, was jetzt parlamentarisch in Paris geschieht, ist eine Generalprobe für diesen großen Slaatsakt, der für die innere Politik Frankreichs in den kommenden sieben

Jahren entscheidend werden kann.

Bei dieser Generalprobe wird die Hauptrolle Briand spielen, und von dem Erfolg dieser Generalprobe wird er abhängen, ob der Titelheld des Dramas am 13. Mai von demselben Mann gegeben werden wird wie jetzt. Tatsächlich entscheidet der Ausgang der großen außenpolitischen Aussprache die Präsidentschaftskandidatur des französischen Außenministers. Wenn auch bis zur Stunde noch niemand sagen kann, ob Briand tatsächlich sich zur Wahl stellen wird, er selbst scheint es davon abhängig gemacht zu haben, ob er das Vertrauen der Kammer im weitesten Maße noch besitzt oder nicht.

« Die Opponenten, die ihn auf keinen Fall ins Elyste einziehen lassen wollen, sehen sich deshalb gezwungen, jetzt ihre schärfsten Geschütze aufzufahren.

So wird Briand sehr rasch übersehen können, welche Kräfte gegen ihn stehen und wieviel Truppen er aus sich selbst ver­einigen kann. So wie gegenwärtig die politische Stimmung in den maßgeblichen Kreisen von Paris charakterisiert wird, ist jeder Zweifel darüber ausgeschlossen, daß tatsächlich Briand Triumphator fein wird. Vieles, allzu vieles spricht schließlich dafür, daß er selbst diese Gelegenheit benutzen wird, um einen Wechsel in der Leitung der französischen Außenpolitik zu ermöglichen, ohne dabei seinen weittragen­den Einfluß auf den politischen Kurs Frankreichs einbüßen zu äkeüeö.

Neue Flottenverhandlungen.

Die Rückkehr des französischen Delegierten bei den Flottenverhandlungen wird in politischen Kreisen außer­ordentlich beachtet. Massigli nimmt nun, nachdem er sowohl mit dem Ministerpräsidenten Laval wie auch mit Briand und dem Marineminister Besprechungen gehabt hat, die Fühlung mit dem englischen und dem italienischen Dele­gierten wieder auf.

In der französischen Presse ist eine optimistische Rote spürbar.

Allerdings fragt man bereits besorgt, welche Zugeständnisse Frankreich den" Engländern wohl machen wolle, damit Eng­land das bei. den Flottenverhandlungen konzediert, was es bisher verweigert hat.

Die deutschen Vorschläge.

Veröffentlichung der Rüstungsziffern abgelehnk.

Genf, 8. Mai.

Die französische Regierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Note zur Weiterleitung an die Mitglieder des Völkerbundsrates übermittelt, in der zu den deutschen Vorschlägen auf uneingeschränkte Veröffentlichung der ge­samten gegenwärtigen Rüstungsziffern der Länder als Grundlage der Verhandlungen der kommenden Abrüstungs­konferenz Stellung genommen wird. Die deutsche Regie­rung hatte in Ergänzung dieses Vorschlages dem General­sekretär des Völkerbundes in allen Einzelheiten ausgear­beitete Tabellen übersandt, aus Grund deren die obligato- rische Veröffentlichung der gegenwärtigen Rüstungsziffern durch die einzelnen Regierungen erfolgen sollte. Nach den deutschen Vorschlägen werden diese Tabellen auf der Tagung des Völkerbundsrates zur Erörterung gelangen.

Die französische Regierung lehnt in ihrer Rote die deutschen Vorschläge im großen ab. Sie vertritt hierbei die Auffassung, daß eine Veröffentlichung der Rüstungsziffern keinen praktischen wer« für die Beurteilung der militärischen strafte und der Rüstungsstärke der einzelnen Länder habe, da in erster Linie die Fähigkeit zur Rüstung der einzelnen Länder und die Entwicklung der Rüstungsindustrien geprüft werden müsse.

Die französische Regierung stellt sich aus den Standpunkt der englischen und fordert, daß die Veröffentlichung der Rüstungsangaben auf Grund der von dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß ausgearbeiteten Tabellen erfolgen soll. Nach deutscher Auffassung ermöglichen diese Tabellen in keiner Weise eine Uebersicht und Vergleichbarkeit der Rüstun­gen der einzelnen Länder und entsprechen keineswegs dem deutschen Ziele, daß die Abrüstungskonferenz sich ein unein­geschränktes Bild von dem Stand der Rüstungen machen müsse.

5u umlaufenden Meldungen über die Reviswns- fragc wird erklärt, daß ein endgültiges Urteil des Reidys« Kabinetts, wann und in welcher Form die Reparation?» frage angeschnitten werden soll, nicht vorliegt.