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kreis-KmtsttaL * Myemeiner amtlicher KnzeLtzev für -ar Kreis Schlüchtern

Nr. 47

(L Blatt)

Samstag, den 18. April 1931

83. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

NalksbegehrrnLandtagsanfiLfung!

I .-Nr. 3210. Die Herren Bürgermeister des Kreises weise ich darauf hin, daß! die Lintragungslisten nach Ab­lauf der Eintragungsfrist, das ist am Dienstag, den 21. b. Mts., unverzüglich abgeschlossen und danach den Ver- trauenspersonen der Antragsteller oder ihren Beauftrag­ten sofort durch Posteinschreibesendung portofrei übersandt oder diesen sonst auf sicherem Wege behändigt werden müssen .

Bis zum 23. d. Mts. vormittags 9 Uhr, ist mir bestimmt zu berichten, wieviel Eintra­gungen für das Volksbegehren dort erfolgt sind. Fehlanzeige ist erforderlich.

Ich mache die Herren Bürgermeister.für die genaue Ein­haltung des Termins persönlich verantwortlich.

Schlüchtern, den 15. April 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

I .-Rr. 3202. Nach § 4 Rbf. 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Aus­schreitungen vom 28. März 1931 (R. G. Bl. I Seite 79) ist die Veranstaltung von Personenfahrten auf Lastwagen durch Mitglieder politischer Vereinigungen oder zu politischen Zwecken anmeldepflichtig. Dem Rn= meldenden ist eine kostenfreie Bescheinigung von der Poli­zeibehörde zu erteilen. Da üblicher Weise solche Fahrten mehrere Drte oder Bezirke berühren, genügt die Anmelbung bei der Grtspolizeibehörde des Busgangsortes nur, wenn "die Fahrt sich auf den »Bereich der Grtspolizeibehörde des Ausgangsortes beschränkt. Werden mehrere Grtschas- ten berührt, die zu verschiedenen Gris^rolizeibezirken, aber zu demselben Landkreis gehören. so hat die Rnmeldung bei dem zuständigen Landrot zu erfolgen; werden verschie- dene Stadt- und Landkreise berührt, die zu demselben Re^ Bez. gehören, so hat die Rnmeldung bei dem Regierungs­präsidenten zu erfolgen- rverden mehrere Regierungsbe­zirke berührt, so ist die Lahrt bei jedem Regierungs­präsidenten anzumelden, dessen Bezirk berührt wird.

Die Vorlage von Plakaten und Flugblättern politischen Inhalts hat nach § 10 Rbs. 2 in Verbindung mit § 13 Rbs. 1 Satz 1 der Verordnung bei der Grts­polizeibehörde jeden Grtes zu erfolgen, in dem das Pla­kat oder Flugblatt auf öffentlichen Wegen, Straften oder Plätzen angeschlagen, ausgestellt, verbreitet oder sonst der Deffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Lchlüchtern, den 16. April 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

I .-Nr. 3112. Die Drtspolizeibehörden des Kreises wer­den an die Einsendung des Verzeichnisses der Drogen- pp. Handlungen erinnert, (f. Kreisblatt Nr. 7 von 1898 und Nr. 27 von 1910).

Dch weise erneut darauf hin, daß die Drtspolizeibe­hörden mit dem die Revision der Drogenhandlungen vor- "ehmenden Herrn Kreismedizinalrat bis zum 15. Mai j. 3s. die Anberaumung des Revisionstermins zu verein­baren haben.

Schlüchtern, den 16. April 1931.

Der Landrat. I. v.: Vuwe.

Stadt Schlüchtern.

Ansschreidung

3ur Instandsetzung der Wohnung im städtischen Haus, mückenauerstrahe Nr. 50, sollen die Weißbinder- und ^streicherarbeiten vergeben werden.

kingebotsformulare liegen im Stabtbauamt, Schloßgasse 15, während der Dienststunden zur Einsicht unb Em- Mngnahme bereit.

Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den Rpril 1931, vormittags 10 Uhr dem Stabt- ^Uaint verschlossen einzureichen.

Die Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der vorstehend festgesetzten Seit in Gegenwart etwa erschle» aener Bewerber--

"Uschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten. Schlüchtern, den 17. April 1931.

Der Magistrat: Fenner.

Ansschrelünng

Die Rnstreicherarbeiten an der Umkleide Halle des städt. oreibodex ollen vergeben werden.

"ngebotsformulare, Bedingungen pp. liegen im Stabt« stustint, Schloßgasse Nr. 15* während den Dienststunden "'.Einsicht und Empfangnahme bereit.

Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den April 193 1, vormittags 10 Uhr dem Stadt- oonnit verschlossen einzureichen.

Die Geffnung der Angebote geschieht zu der vorstehend festgesetzten Seit in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.

Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten.

Schlüchtern, den 17. April 1931.

Der Magistrat: Fenner.

BekanntmaUnng.

Gefunden:

1 Damenbanbic&be mit Inhalt (Geldschein).

Schlüchtern, den 16. April 1931.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

^n der Umlegungssache von Steinau ist die Reben- Kostenrechnung für das Iahr 1930 diesseits geprüft und wird ab heute 4 Wochen lang zur Einsicht der Beteiligten in dem Geschäftszimmer des Stadtsekretärs im Rathaus Steinau ausgelegt.

Etwaige Erinnerungen gegen die Rechnung sind innerhalb 14 Tagen nach Ablauf der Gffenlegungsfrist bei dem Kul­turamt Fulda gehörig begründet anzubringen.

Fulda, den 29. März 1931.

Kulturamt Fulda.

Der spanische Mtuisterpröside>ttl«be<die Lage.

WTB. Paris, 16. 4. Der Rußenpolitiker des Matin, der sich in Madrid befindet, hat mit dem spanischen Mi­nisterpräsidenten Rlcala Samara eine Unterredung gehabt: Samora erklärte, man soll sich im Rusland nicht einbilden, daß die aktiven Kräfte des Landes uns mißtrauisch be­trachten. Der Präsident der Bankiervereinigung hat mir erklärt, daß die Bankinstitute mit uns gehen. Abmiral Rznar hat mir in seiner Eigenschaft als oberster Marine-

UX | uvi ftU]CLt, Ouq VIC yvfufURr publik ausspreche. Aus der Armee erhalten wir .jeden Augenblick Loyalitätskundgebungen. Selbst unter den Mo­narchisten wird man kaum noch jemanden finden, der nicht den endgültigen Tharakter des Regimewechsels be­griffe. Bezeichnend für unsere Revolution ist, daß wir ohne Geldgeber gearbeitet haben, wir haben alles ohne Geld gemacht, abgesehen von kleinen Beträgen, die wir selbst beisteuerten, wir haben niemanden gekauft und des­halb brauchen wir uns auch nicht zu verkaufen. Die spanische Revolution ist damit Herrin ihrer Geschicke. Alles was wir anordnen, wird der verfassungsgebenden Ver­sammlung, die so schnell wie möglich einberufen wird, zur Billigung unterbreitet werden. Aber um Spanien seine Freiheit wieder zu geben und ihm die Möglichkeit^ zu verschaffen, sich selbst zu regieren, müssen wir das^ Ter­rain ebnen und die vollständige Umbildung der Gesetz­gebung vorbereiten, wir werden das Programm anwen­den, das wir während eines Zeitraums von drei Monaten vor der Revolution trotz der polizeilichen Verfolgungen und auf die Gefahr hin, wegen »Hochverrats angeklagt zu werden, vorbereitet haben.

WTL. Madrid, 17. 4. wie hier verlautet, ist»her Gberkommissar von Spanisch-Marokko, Iordana, seines Amtes entsetzt worden. Es soll ein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden sein.

Bier neue deutsche Dampfer.

Hamburg, 17. April. In den Generalversamm- langen der Hapag-Lloyd Union in "Steinen und Ham­burg wurde mitgeteilt, daß die Betriebsgemeinschaft demnächst vier neue Dampfer in Auftrag geben werde.

In der Nähe der elsässischen Drtschaft Merxheim sind zwei Güterzüge zusammengestoßen. Der Lokomotiv­führer wurde getötet, sieben Wagen entgleisten. Der Scha- den ist bedeutend.

Der konservative Mißtrauensantrag wurde im eng­lischen Unterhaus mit 305 gegen 251 Stimmen abge­lehnt. Die Regierungsmehrheit betrug somit 54 Stimmen.

Nach der Kölnischen Zeitung soll der französische Gegenplan gegen die deutsch-österreichische Zollunion große Fortschritte gemacht haben. Das Wirtschaftsprogramm habe bereits zu einer grundsätzlichen Verständigung zwischen Pa­ris, London, Rom, Prag, Warschau und Bukarest ge­führt. Man spricht von einem Programm positiver Ver­wirklichung, das den Gedanken einer deutsch-österreichi­schen Zollunion ausschließe.

In Sevilla ist es den Kommunisten gelungen, 700 Arbeiter zur NiederleLung der Arbeit bewegen. Bauern aus der Umgebung von Sevilla sind auf Lastautos mit roten Fahnen in Sevilla eingetroffen und haben Hoch­rufe auf die Sowjets ausgebracht.

- Felix lUcingartner hat gestern abend in Paris das erste feiner " beiden'angekündigten Konzerte gehalten. Ihm wurde ein festlicher (Empfang bereitet.

Die letzte Woche.

Die Ereignisse auf der Pyrenäischen Halbinsel haben sich geradezu überstürzt. Eine der ältesten Monarchien der Welt hat sozusagen über Nacht zu bestehen aufgehört. Wohl war die Stellung des spanischen Königshauses schon seit langem erschüttert, aber daß der monarchische Ge­danke im spanischen Volke so stark in Mißkredit geraten war, hätte man kaum vermutet. Sind doch die republika­nischen Parteien in Spanien selbst von ihrem überwältigen­den Sieg bei den Gemeindewahlen überrascht worden. Freunde und Gegner der Monarchie haben sich offenbar über die wahre Stimmung des Volkes ganz gründlich ge­täuscht. Auch im Auslande hat -man die Lage in Spanien vielfach falsch beurteilt. Man nahm an, daß die revolutio­nären Ideen in der Hauptsache von einer gewissen Schicht von Intellektuellen, Professoren, Dichtern und Studenten vertreten wurden. Auch daß in der Armee einzelne Ele­mente mit dem Gedanken einer Staatsumwälzung sympathi­sierten, war nicht unbekannt. Aber aus der raschen Unter» drückung -der Meuterei der Artilleriegarnison von Iaca und der Fliegerabteilung in Madrid mußte man schließen, daß die Macht noch fest in Händen des Königs lag. Die erste Wahl nach Errichtung der Diktatur, die gewissermaßen eine politische Probe sein sollte, ist jedoch eindeutig gegen das herrschende Regime, gegen die Monarchie ausgefallen.

König A l f o n s stand vor einer schweren Entscheidung. Es blieben ihm nur zwei Möglichkeiten, entweder dem Wil­len des Volkes zu trotzen und die Monarchie ipit Waffen- gewalt zu verteidigen das wäre gleichbedeutend mit der Entfesselung des Bürgerkrieges gewesen oder auf den Thron zu verzichten und das Land zu verlassen. Der König hat sich zum Opfer seines Thrones entschlossen und ist. aller­dings ohne seine Abdankung schriftlich niederzulegen, außer Landes gegangen. Er scheidet von seinem Thron, den er fast 30 Jahre innegehabt hat als ein Mann aufrechten Cha­rakters und vornehmer Gesinnung. Mit ihm ist der letzte noch regierende Zweig der Dynastie Bourb"n, eines der

.. -r>'>Lp2s^rsuhrc::' uwii«u. -. dieses lvellgesriMitllche Ereignis gleichzeitig den Andruck eines neuen Aufstiegs Spaniens darstellt, bleibt abzuwarten Vorderhand hat die junge Republik mit großen Schwierig­keiten zu kämpfen. In Barcelona hat der durch einen frühe­ren Putschversuch bekannte Oberst Macia eine selbständige Republik Katalonien ausgerufen, wodurch der spanische Staat in seinem Gefüge nicht unwesentlich erschüttert ist. Es fragt sich jetzt, ob die neuen Machthaber es verstehen werden, die katalanische Republik reibungslos in den großen spa- nischen Staat einzugliedern. Die zweite Gefahr droht der Madrider Regiervng von den kommunistisch-anarchistischen Elementen, die die politische Umwälzung zu ihren Zwecken auszunutzen beabsichtigen. Auf jeden Fall wird noch ge­raume Zeit vergehen, bis das Land wieder zur Ruhe kom­men wird.

Trugen die Vorgänge in Spanien ausschließlich innen­politischen Charakter, so schein die Unruhen auf Ma­deira und den A z o r e n . die auf eine Loslösung der In­seln von Portugal abzielen, mehr weltpolitische Hintergründe zu haben. Beide Inselgruppen sind infolge ihrer Lage im Atlantischen Ozean gegenüber der Straße von ©ibrakar von größter Verkehrs- und politischer und seestrategischer Bedeu­tung. Sie stellen wertvolle Stützpunkte für die Handels- schiffahrt von Europa nach Südamerika und neuerdings auch für den transatlantischen Luftfahrtverkehr dar. Infolge­dessen haben die beiden See- und Kolonialmächte England und Frankreich feit jeher großes Interesse an den Insel­gruppen. Vor einem Jahr hatte bekanntlich Frankreich ver­sucht. sich das Monopol für die Benutzung der Inseln als Flugstützpunkt zu sichern. Dieser Versuch scheiterte jedoch an dem Einspruch Englands und dem finanziellen Druck, der englischerseits in dieser Beziehung auf die Lissaboner Regie­rung ausgeübt wird. Wenn also eine Macht ein besonderes Interesse an einer Loslösung Madeiras und der Azoren hat, dann ist es Frankreich, und in Frankreich dürsten des­halb auch die wahren Hintergründe für die Unruhen auf den Inseln zu suchen sein. Die Wahrscheinlichkeit hierfür besteht um so mehr, als die Kräfte, von denen diese Unruhen aus- gehen sollen, den portugiesischen, in Frankreich lebenden Emigrantenkreisen angehören. England dürfte jedoch kaum geneigt sein, sich mit einer Aenderung der politischen Ver­hältnisse auf den strittigen Inseln abzufinden. Die Entsen­dung des englischen Kriegssckiffs von Gibraltar nach Ma­deira sofort nach dem Ausbruch der dortigen Unruhen dürfte weit mehr durch die Absicht einer politischen Demonstration Englands als durch den Schutz der auf Madeira lebenden englischen Staatsangehörigen bestimmt worden sein.

In der Innenpolitik konzentriert sich das Interesse nach wie vor auf das Stahl Helm Volksbegehren für eine vorzeitige Landtagsauflösung in Preußen. Im Zusam­menhang Damit kam es in der Ocffentlichkeit zu lebhaften Auseinandersetzungen über mißbräuchliche Anwendung der letzten Notverordnung des Reichspräsidenten durch die un­teren preußischen Verwaltungsorgane. Bis weit in die Re­gierung hinein ist man über die Vorgänge stark befremdet und fordert von der Reichsregierung eine loyalere Hand­habung der Notverordnung. Inzwischen hat der Stahlhelm mit seiner Beschwerde bereits erreicht, daß die Beschlag­nahme seines Flugblattes wieder rückgängig gemacht wol­len ist.