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Ichlüchtmm Zeitung

ßrets-KmtsbkLk * Mtzemeiner amtticherKnzeLyev für ßen Kreis Ächlüchtem

Kt. 46

V. Blatt)

Donnerstag, den 16. April 1931

83. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen

Land rat samt.

s Z.-Nr. 3038. Während der nächsten Wachen findet die diesjährige Knbauflächenerhebung in Preußen statt. Es M erwartet, daß die Bevölkerung des Kreises die im Interesse der Landwirtschaft durchzuführende Erhebung da­durch fördert, daß die Gemeindevorsteher bei Befragung der Grtseinwohner nach ihrem landwirtschaftlichen kin- bouflächenverhältnis bereitwilligst Auskunft erhalten. [ Schlächtern, den 8. April 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

KreisaussHutz«

Freiwillige SanitätSkolonne Dab Soben.

I Auf Sonntag, den 1 9. April >d s. 3 s., nach - mittags 1 Uhr, werden die |KoIonnenmitglieder zu Wner Uebung mit anschließender Versammlung in die neue Schule zu Bad Soden ifteundlichst eingeladen. 3m Kressenten sind willkommen.

Lad Soden, den 15. April \1931.

Uasprzik, Vorsitzender, i I Schlächtern, den 15. April 1931. i Dr. Müller, Vorsitzender des Männervereins vom Roten (Kreuj.

Der Norman-Plan.

Auch Deutschland ist kreditbedürftig.

London, 15. April.

E^""chester Guardian veröffentlicht in einem ausführ- ikel Eii^ettzßPen übel den sogeuarmten N o r - a n , an dem außer dem Gouverneur der Bank nd Sir Charles Ellis, ehemaliger englischer Ver- Reichsbankdirektorium und Sir Robert Kinders- aglische Hauptvertreter im Dawes-Ausschuß, her­beteiligt sind. Der Plan, der Mitte. d. Mts. in mfel anläßlich der Aufsichtsratssitzung der B.I.Z. von den ührern der Notenbanken besprochen wurde, habe ein drei- iches Ziel:

1. Miktelbeschaffung für kreditbedürftige Länder,

[ 2- Garantien für die Zahlungsfähigkeit der Kredit, nehmer.

3- Schnellster Transfer der Gelder von den Kreditgebern zu den Kreditnehmern.

Der Verfasser des Artikels zählt zu den kreditbedürfti- en Nationen, deren Solvenz für England wichtig sei, u. a. >eukschland, die osteuropäischen Staaten und die rohstosf- fteugenden Länder wie Australien, Argentinien, Brasilien

I Die Sicherheit für die Solvenz der Kreditnehmer liege darin, daß die führenden Finanzleute gemeinsam an der Aufrechterhaltung der Solvenz interessiert seien. Der Nor- >nan-Plan solle darauf hinwirken, daß sich die berühmtesten andustrieunternehmungen zur Zusammenarbeit bereitfinden, $s sei daran gedacht, daß Firmen von erstklassigen fi- "«nziellem Ruf, wie Unilevers, 3. G. Farben, Sofina usw. Stammkapital von 20 Millionen Pfund aufbringen, von denen wohl nur fünf Millionen einzuzahlen seien. Spä- >ec würde das Publikum zur Zeichnung von Schuldverschrei- d»"gen in Höhe von etwa 100 Millionen Pfund eingeladen werden.

Der Plan sei bereits zweimal erörtert worden, und man dabe ihm allgemein sympathisch gegenübergestanden. Die putschen Bankiers gingen sogar noch bedeutend weiter. Sie warten es als ihr ihnen unter dem 'goungplan zustehendes ^cht, daß «in Plan, wie her Norman-Plan, unverzüglich in fast gesetzt werde. Die französische Seite sei etwas skep- Wr.

^ugzeug BerlinBreslau abgestürzt.

Zwei Tote, vier Schwerverletzte.

Görlitz, 15. April.

Das auf der Strecke BerlinBreslau verkehrende Augzcug V 1928 stürzte bei Rietsäzen in der Oberlausitz ab. Maschine hatte drei Mann Besatzung und sieben Passa­ge an Bord, von denen zwei getötet und vier schwer lletzt worden sind. Getötet wurden der Flugzeugführer der Bordwart.

m. Die Schwerverletzten befinden sich im Krankenhaus in Ueber das Schicksal des Bordfunkers ist noch Mts bekannt. Auch sind die Personalien der verunglückten ^Ifagiere noch nicht festgestellt.

Bussenaufträge für Deutschlands Elektroindustrie.

, Gerüchte, daß neben den allgemeinen deutsch-russischen Ver­edlungen noch gesondert Verhandlungen über Aufträge mit der . ? ^'- geführt werden, werden dahingehend bestätigt, daß bereit» geraumer Zeit über größere Elektroprojekre rusfischerseitr mit Eschen Eliktrofirmen (nicht also allein mit der AEG.) gefüllt ""t>en, deren Abschluß zur Zeit aber noch nicht zu überfein ist.

Genf und die Zollunion.

Genf, 15. April.

Das Zollabkommen auf der Tagesordnung der Ratstagung.

Die Rote der englischen Regierung an den General­sekretär des Völkerbundes, in der ersucht wird, das deutsch­österreichische Zollabkommen auf die Tagesordnung der Maitagung des Völkerbundsrates zu sehen, ist nach Ueber- miktlung an sämtliche Mitgliedsstaaten auf die Tagesord­nung der Ratstagung gesetzt worden.

Allgemein ausgefallen ist hier die geschickte, offensichtlich unklar gehaltene Fassung des englischen Antrages. Es be­steht der Eindruck, daß die englische Regierung sich weder im Gegensatz zu dem französischen, noch zu dem deutschen Standpunkt setzen wollte.

Im ersten Absatz wird beantragt, das Zollabkommen als solches auf die Tagesordnung zu fetzen, ohn? daß hierbei die Rechtsfrage gestellt wird. England sucht offenbar hier­durch den französischen Wünschen auf eine allgemeine Er­örterung des Abkommens entgegenzukommen. Dagegen schränken die Absätze 2 und 3 eine solche Auslegung wieder ein, indem ganz allgemein hervorgehoben' wird, es beständen Zweifel an der Vereinbarkeit des Zollabkommens mit den Bestimmungen des Genfer Protokolls von 1922; die englische Regierung halte es für wünschenswert, daß diese Frage durch den Völkerbundsrat geklärt werde.

Die englische Regierung vermeidet es jedoch ausdrück­lich, sich mit diesen Zweifeln zu identifizieren. Die Möglich­keit der Einholung eines Rechlsgutachtens des Haager Ge­richtshofes wird mit keinem Wort erwähnt. Die endgültige Formulierung der Frage, die vor dem Völkerbundsrat zur Verhandlung gelangen wird, erfolgt erst in der geheimen Sitzung des Rates, die der Eröffnung der Ratsoerhandlun- gen vorherzugehen pflegt.

Ob und in welcher Form Oesterreich und die Tschecho­slowakei als Signatarstaaten des Genfer Protokolls zu den Ratsverhandlungen zugezogen werden, steht noch nicht fest. Nach den Bestimmungen des Völkerbundspaktes können nicht teilnehmen In diesem Falle würden die beiden Regie­rungen als Mitglieder des Völkerbundsrates gelten und Sitz und Stimme haben. Es ist zu erwarten, daß der Gene­ralsekretär die beiden Regierungen darauf aufmerksam machen wird, daß eine sie unmittelbar interessierende Frage zur Verhandlung gelangen wird; damit wäre die Möglich­keit ihrer Teilnahme an den Ratsverhandlungen gegeben. Das Schwergewicht der Verhandlungen dürfte jedoch schon möglicherweise im Europaausschuß liegen, da dort wahr­scheinlich von französischer und tschechoslowakischer Seite ein umfangreicher Gegenvorschlag zum Zollabkommen ein­gereicht werden wird, um eine Verzögerung der deutsch­österreichischen Zolloerhandlungen zu erreichen.

Ein historisches Schloß eingeäschert.

Wertvolle Kunstschätze zerstört.

Der Archivar des Schlosses Velen bei Selen in Westfalen, der mit seiner Familie im Schlosse wohnte, bemerkte früh starken Rauch. Er stellte fest, daß bereits der ganze Dachstuhl des Schlosses in Flammen stand. In aller Eile wurden die reichen Kunstschätze geborgen. Inzwischen hatte das Feuer einen derartigen Umfang angenommen, daß außer der Feuerwehr von Velen auch die Wehren der benachbarten Ortschaften anrückten.

An eine Rettung des Schlosses war aber nicht mehr zu denken. Zunächst wurde der rechte Flügel ein Raub der Flammen, darin griff das Feuer auf die Kapelle über, deren wertvolles Glockenspiel mit 37 Glocken vernichtet wurde. Die mittleren Säle des Schlosses waren in kurzer Zeit ein einziger Trümmer­haufen.

Hier war es der Feuerwehr mit Unterstützung des Archivars gelungen, wertvolle Gemälde und vor allem Alabasterschalen, die von Kaiser Napoleon ge­stiftet worden waren, noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Was dann die Flammen nicht vernich­teten, wurde

von den Wasscrmasscn zerstört.

Das Schloß stammt aus dem Jahre 1250 und war eine der bekanntesten und schönsten Wasserburgen des Münsterlandes.

Berlins neues Oberhaupi.

Dr. Sahm zum Oberb ürgermelfter gewählt

Fn Berlin fand die Wahl des Oberbürgermeisters statt. Fusgesamt wurden 222 Stimmzettel abgegeben, 13 davon waren unbeschrieben, 209 gültig. Dr. Sahm erhielt 110 Stimmen, der Kommmüst Pick 52, Stci° «igcr (Dntl.) 46 und Springfeld sDntl.) 1 Stimme.

3n Köln kam es Dienstag Abend zwischen Stahl- hclmern und politisch anders Denkenden zu einer Schießerei, wobei ein ASdlfann und ein Stahlhelmer verletzt wurden. Die verfolgende Polizei wurde beschossen. Bisher wurde eine Verhaftung vorgenommen.

Spanien als Republik.

Thronverzicht des Königs.

Madrid, 15. April.

König Alfons XIII. hat soeben für sich und seine Familie dem -Thron entsagt. Um 17 Uhr versammelte sich das augenblickliche Kabinett im königlichen Palais, wo die Unterzeichnung der Abdankung durch den König erfolgte. Daraufhin hat der abgehende Ministerpräsident Admiral Aznar dem künftigen Präsidenten der Republik Alzala Zamora die staatlichen Gewalten übergeben. Es ist umgehend mit der Proklamation der Republik zu rechnen.

^.«.puptu m JiürJjHiüüu au^emfe«.

Auf dem Bürgermeisteramt in Barcelona, das der stell­vertretende Bürgermeister auf Aufforderung den Republi­kanern übergeben hat, ist die republikanische Fahne gehißt worden. Eine gewaltige Menge brach bei diesem Anblick in begeisterte Hochrufe auf die Republik au«. Man behauptet, daß Oberst Maria Präsident der katalanischen Ryublik wer­den würde.

Das neue spanische Kabinett.

Die Republik in Spanien ist jetzt als Tatsache anzusehen. Die republikanische Regierung setzt sich aus folgenden sozialistischen und republikanischen Führern zusammen:

Ministerpräsident Alcala Zamora, Außenminister A z a ma,

Marineminiftcr CccareS Q u i r o g a, Finanzminister Prieto, Innenminister Miguel Maura, Minister für öffentliche Arbeite« «l b o r u o S, Arbeitsminister Caballero, Wirtschajstsminister varioß,

Minister für Unterricht Professor Fcrnwds de los Rias.

Die Regierung vereidigt.

Als Treuhänder des Bolkes hat Fernando de loS Rivs die neue Regierung vereidigt. Die Regierung hat erklärt, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Ruhe und Ordnung zu gewährleisten uns das Leben der königlichen Familie« zu schützen. Die Truppen fin> in den Kasernen geblieben.

Die Berliner Blätter zum Rücktritt des spanischen Königs.

TN8. Berlin. 15.4. (Eigene Meldung). Die Morgen- blätter berichten in großer Aufmachung über Sie Ereignisse in Spanien und die Abdankung des Königs Alfons. 3n den meisten Kommentaren werden die persönlichen (Qualitäten des Königs hervorgehoben und insbesondere seine Bemühun­gen während des Krieges um die Aufrechterhaltung der Neutralität Spaniens trotz aller versuche der G^zner Deutschlands erwähnt. Allgemein ist die presse der Mei­nung, daß die Monarchie sich aufgegeben habe, ohne von den * in ihrer Hand befindlichen Machrmirteln Gebrauch gemocht zu haben.

Die neuesten Nachrichten aus Spanien besagen, daß zahlreiche Mitglieder der spanischen Aristokratie das Land verlassen, darunter der Herzog von Santander, Herzog Alba und Graf Eimera. Don Paris aus haben sich die Mitglieder der provisorischen Regierung prieto, Domingo und Volver nach Madrid begehen. 3n Madrid wurde heute abend das Standbild Isabellas II vom Sockel herun­tergerissen. Der bisherige Kriegsminister General Leren- guer will sich scheinbar nicht fügen und feinen Posten nicht verlassen. Die republikanische Regierung wird ihn ge­fangen nehmen müssen. König Alfons hat in Madrid ein Manifest zurückgelassen, das morgen veröffentlicht wer« Sen soll.