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Dienstag« den 7. April 1931
83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen.
Sandratsamk.
I .-Nr. 2891. 3m Monat März d. 3s. sind folgenden Personen Iahresjagdscheine ausgestellt worden:
Dr. Roch, Karl, Rechtsanwalt, Gewänden,
Förster Michel, Kerbersborf, Gberpostmeister Vogt, Schlüchtern, Heinrich Schodder, Kaufmann, Göttingen.
Schlüchtern, den 2. April 1931.
Der Landrat. 3. V.: Dume.
3 .=Kr. 2900. Die Herren Bürgermeister ersuche ich-, dafür zu sorgen, daß Löschmannschaften, die zur Bekämpfung von Waldbränden angesordert werden, die notwendigen Werkzeuge, vor allem Uexte, Spaten, Schaufeln, eiserne Rechen und Hacken mitbringen. Dhne solche Werkzeuge ist die wirksame Bekämpfung eines Waldbrandes kaum möglich.
Schlüchtern, den 2. April 1931.
Der Landrat. 3. V.: Dume.
Kreisansschuß.
I .-Nr. 1415 K. A. Am Freitag, den 10. April 1931, vormittags von 10 Uhr a b, findet in Schlüchtern an der Dreschhalle eine
Körung der Altziegenböcke
statt. 3u dieser sind sämtliche bereits gekörten (alten) Ziegenböcke, die weiterhin zum Decken verwandt werden sollen, vorzuführen. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dp- für zu soren, daß die alten (gekörten) Böcke der Gemeinden vollzählig zur Vorführung gelangen.
Die Körung für Jungziegenböcke findet wie alljährlich auch in diesem Jahre im Monat September ftatt._ Die kichere Abhaltung der Körung für Altböcke soll den Zweck
, eine unnötige Haltung der Böcke bis zum Herbst Einbruch» enthielt. Da auch der Rame des Besitzers itT dem
im Falle der Abkörung zu vermeiden. Bei der später tattfindenden Jung- Ziegenbockkörung können R[t=Bö&e ächt zur Vorführung gelangen. (Es ist deshalb unbedingt notwendig, daß bei der Körung am 10. April d. 3s. sämtliche A11 = Böcke, deren erneute Körung gewünscht wird, vorgeführt werden.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise in ihren Gemeinden aufmerksam zu machen.
Schlüchtern, den 20. März 1931.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Auf Grund des Gesetzes über das Verfahren bei Volks- begehren und Volksentscheiden vom 8. 1. 1926 der Der« ordnung zur Ausführung des Gesetzes über das Verfahren bei Volksbegehren und Volksentscheiden (Sanbesabftimm« »Tönung) vom 23. 1. 1926 und der Bekanntmachung des Preuß. Ministers des Innern uom 4. März 1931 betr. Zulassung eines Volksbegehrens „Landtagsauslösung" wird hiermit bekannt gegeben, daß! die Gintragungslisten in ^r Zeit vom 8. April bis einschließlich 21. April 1951 >w Rathaus Zimmer Hr. 2 — offen liegen. Während dieser Zeit können an den Wochentagen von vormittags H bis 12 Uhr und nachmittags von 4 6 Uhr — atm Sonnabend nur vormittags und am Sonntag, den *2- und 19. April vormittags von 10 11 Vr Uhr die llnterschnften in die Listen eingetragen iveröen.
Räch § 15 öer Landesstimmordnung ist zur (Eintragung gelassen:
1) wer am ersten Tage der (Eintragungsfrift in der Stadt Schlüchtern seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat,
2) wer nach den Bestimmungen des Landeswahlgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. 10. 1924 am Tintragungstage
a) Wähler zum Landtag ist,
b) vom Wahlrecht nicht ausgeschlossen ist,
c) in der Ausübung des Wahlrechts nicht behindert ist, ö) nicht zu dem Personenkreise gehört, dessen Wahlrecht ruht,
'O wer einen Tintragungsschein hat.
Degen der Tintragungsscheine wird auf die Beftimmun- 5fn in § iß her Landesabstimmungsordnung hin gewiesen, in dem angegebenen Tintragungsraum eingesehen wer« können.
Schlüchtern, den 28. März 1931.
Der Magistrat: Gacnßlen.
, (Ein amerikanischer Marineunteroffizier, der sich au । 11 Rettungswerk in Managua beteiligte, mußte erschoß ich werden, weil er den Verstand verlor und Unheil an- Wete.
Zusammenstöße in Berlin.
Zahlreiche Verhaftungen von kommunistischen Demonstranten.
Trotz des polizeilichen Verbots der Osterpropa- ganda der Kommunisten und der Freidenkerorganisa- tion sind am 1. Feiertag und in der Nacht zum Montag in zahlreichen Fällen Versuche unternommen worden, dieses Verbot zu sabotieren. In allen Gegenden der Stadt wurden Demonstrationszüge gebildet. Größere und kleinere Trupps zogen von Haus zu Haus, um Hetzreden gegen die Religion zu halten, unl» ebenso versuchten nachts Klebekolonnen durch Anschläge Stimmung für die Kommunistische Partei und das Freidenkertum zu machen. Dabei ist es vielfach zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Fast in allen Fällen mußte vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden, wobei insgesamt 187 Personen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Aufreizung und tätlicher Beleidigung fest genommen wurden. Zu wiederholten Ansammlungen kam es in der Kösliner Straße, die von den Maiunruhen tm Jahre 1929 in Erinnerung ist.
Bon der eigenen Tochter erschlagen.
Kattowitz, 7. April. 3n Siemianowih (Laurohütte) Hak sich eine blutige Familientragöde zugetragen. Als der 65jäh- rige Betriebsaufseher Simon Domzol vom Dienst nach Hause zurückkehrte, wurde er von seiner 21jährigen Tochter Emilie mit Schmährufen empfangen. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf die Tochter einen Hammer und ihr Verlobter eine Axt ergriffen und aus den alten Mann einschlugen, bis er tot zusammenbrach. Die Tochter wurde verhaftet, ihr Verlobter ist geflüchtet.
Das verhängnisvolle Tagebuch.
Kopenhagen, 7. April. Das Führen eines Tagebuches ist einem Verbrecher zum Verhängnis geworden. Auf einem kleinen jütländischen Bahnhof fand man ein Tagebuch, das eine genaue Beschreibung eines nachts zuvor H^pngenmi
Tagebuch stand, konnte die Polizei den Einbrecher schnell festnehmen.^ Der Mann hak bereits ein Dutzend Einbrüche und Diebstähle eingestanden, nachdem man sie ihm an Hand feines eigenen Tagebuche» auf den Kopf zusagen konnte.
Die Einladung der englischenRcgizrnng an Reichskanzler Kriining und Antzsnminifter Cnrtius.
TNL. Berlin, 7. 4. ((Eigene Meldung.) Su der (Ein« . ladung der englischen Regierung an den Reichskanzler und. den Reichsaußenminister weiß die Voss. 3tg. zu berichten, daß Dr. Brüning und Dr. Turtius die Reise am 29. April antreten und am 1. Mai Gäste des englischen Premierministers MacDonald auf seinem Landsitz in The- quers sein werden. Während des kurzen, nur auf einen Tag berechneten Aufenthalt in Thequers, würden in An« Wesenheit des englischen Außenministers Henderson die aktuellen politischen Probleme der Vorbereitung der Abrüftungs« Konferenz und der deutsch-österreichischen Zollvereinbarung erörtert werden.
Reichsverkehrsniinister v. Görard ist am Montag vom Papst empfangen worden. Der deutsche Botschafter beim heiligen Stuhl veranstaltete zu Ehren des Reichsverkehrsministers ein Diner.
3n Funchal auf Madeira ist es zu einer Militärrevolte gekommen. Der portugiesische Ministerrat hat be- ' schlössen, ein Truppenkontingent nach Madeira zu entsenden. Man vermutet, daß die Regierungsgebäude in , den Händen der Rufständischen sind.
Die Leiche des Fliegers (Eecconi. der bei einem Flugzeugunglück zusammen mit dem bekannten itakeni ] scheu Flieger Maddalena ums Leben kam, ist jetzt zwei । Meilen von der Küste entfernt bei Mariana di pisa gefun« , den worden.
Der Textilindustrielle Gustav Gberländer, der im Jahre 1888 aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten auswanderte, hat eine Million Dollar zur Förderung von Studien über deutsche Einrichtungen und deutsches Leben, die das deutsche Volk dem amerikanischen Volk näher bringen sollen, gespendet.
In den letzten 10 Märztagen wurden in Rußland 647 000 Bauernwirtschaften gegen 507 000 der vor- bergegaugenen 10 Tage kollektiviert. Am 1. d. M. waren insgesamt 10 514 500 kollektivierte Bauernwirtschaften vorhanden — 42 Prozent aller Bauernwirtschaften der Sowjetunion.
Auf einer Landstraße bei Nürnberg fanden Radfahrer einen Mann und eine. Lrau tot auf. Die Frau war durch einen Kopfschuß und der Mann, der den Revolver noch in der Hand hatte, durch einen Schuß in den Mund getötet worden.
Die Gemeindewahlen in Spanien sind bisher ruhig verlaufen. Bisher haben die Monarchisten 1160 und die Linksparteien 194 Delegierte erhalten.
Bei einem (Broßfeuer in Keil bei Trier fanden zwei Personen den Tod durch Ersticken.
„Wirtschaftliche Auferstehung".
Ausführungen Schöbe» und Maklers.
Wien, 6. April.
Unter dem Titel „Wirtschaftliche Auferstehung" wird ein Osterwunsch der österreichischen Außenministers und Vizekanzlers Dr. Schober veröffentlicht, in dem w im Zusammenhang mit der Zollunion u. a. heißt:
Ihr souveränes Recht, ihre wirtschaftlichen Beziehungen im Rahmen der bestehenden internationalen Verpflichtungen zu ordnen, können sich die beiden Staaten nicht bestreiken lassen. Es hat für sie ebenso Geltung wie für jedes andere Mitglied der europäischen Völkerfamilie. Die Untersuchung der von ihnen selbst auf das sorgfältigste geprüften Frage, ob ihr Beschluß keinen der abgeschlossenen internationalen Verträge verletzt, werden die beiden Staaten nicht scheuen. Sie werden auf dem beschrittenen Mege weiter sorkjchreiten in der Hoffnung, daß ihnen die anderen Staaten Europas folgen werden.
Dundesminister Franz Dinkler, Mitglied des Landbundes, veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Der Landbund erblickt in dem Vorschlag einer deutsch-österreichischen Zollunion eine befreiende Tat und erhofft von der neuen Entwicklung die dauernde Lebensmöglichkeit für den Bauernstand. Darum begrüßt er mit Begeisterung und in festem Glauben an die Kraft des deutschen Volkes diesen Anfang einer besseren Zeit.
Weitere österreichische Stimmen. *
Der christlich-soziale Abgeordnete Kunschak erklärt über dar deutsch-östereichische Zollabkommen:
Roch lägen keinerlei Linzelangaben über den Umfang und die Gestaltung dieses Planes vor, schon aber sind geschäftige Hände und ränkesüchtige Geister daran, seine Verwirklichung zu verhindern. Doch besteht in dieser Frage bei allen maßgebenden Kreisen der ernste und feste Dille, sich durchzusehen.
In einem Dsterartikel in drn ..Kinnensurjher Freien etffnmv, .gl der ehemalige Innenminister Schumy, die Niederlegung der Zollschranken mit der Anpassung unseres handelspolitischen Schutzes an jenen von Deutschland ist geeignet, der heimischen Landwirtschaft große Entwicklungs- möglichkeiten zu bieten. Die Kärntner Landwirtschaft wird den Männern, die sich zu dieser Tat zur rechten Zeit ent- schlössen, von herzen dankbar sein.
Freundschaftliche Anbahnung.
Im Mai Besuch Brüning» und Eurtius' in London?
London, 7. April.
Räch einer offiziösen Meldung der .Times" hak die engsische Regierung vor einiget Zeit durch die deutsche Botschaft in London eine Einladung an den deutschen Reichskanzler und den Außenminister Dr. Eurtius übermitteln lassen, London im April einen privaten, rein freundschaft- Nchen Besuch abzustatten.
Es hätten sich jedoch einige Schwierigkeiten ergeben, die einen Besuch in diesem Monat unmöglich machten' Sowohl Brüning wie Eurtius hätten eine Reihe anderer Verpflichtungen.
Die Einladung sei aber für den Mai angenommen worden. Die englische Regierung hoffe, daß Vriand bei dieser Zusammenkunft anwesend sein werde.
Ueber den Zweck der Zujammenkunfi gibt die Mitteilung der „Times" keine Auskunft. Don zuständiger deutscher Seite wird erklärt, daß seitens der englischen Regierung tatsächlich eine derartige Einladung, und zwar nach Ehequer», dem Landsitz des englischen Ministerpräsidenten, vorliegt. Deutschland begrüßt selbstverständlich diese Einladung lebhaft. Der Termin, an welchem ihr Folge geleistet wird, kann allerdings noch nicht angegeben werden.
Revolution in Kunchal.
London, 7. April. Am Ofterjonntag ist in Funchal auf der Insel Madeira eine Revolution ausgebrochen. Sowohl der Zivil- wie der Militärgouverneur find verhaftet worden. Die Regierungsgewalt ist in den Händen des Generals Souza Pias. Der Präsident von Portugal hat auf Grund eines Kabinelksbefchluffes einen Kreuzer und ein regierungstreue» Regiment nach Funchal entsandt.
Erdstöße in Buenos Aires.
Reuyork, 7. April. Die aus Buenos Aires gemeldet wird, wurden dort zwei leichte Erdstöße verspürt, die bei der Bevölkerung großen Schrecken hervorriefen, besonder» da auch einige Tage vorher ein Erdstoß verzeichnet worden war.
— Am mpiiuufeiii.e, einem Ausläufer des Vierwald- ftätterfees, sind 30 000 Kubikmeter Felsmassen in den See gestürzt, wodurch Transportschiffe von 60 000 Tonnen Nutzlast zerstört wurden .
— Lei einem Bombenanschlag, den eine Verbrecherbande gegen das Geschäft eines italienischen Kolonialwaren- Händlers in New pork ausführte, wurden zwei Verkäuferinnen getötet, sechs Personen schwer verletzt.