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Nüchterner Zeitung

ßxeis-Kmtsblatt * Myerneiner amtlicherMzeLger für öerr Kreis Ächlüchtem

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Nr. 33 (1. glatt) Dienstag, den 17. Mär; 1931 83. Jahr».

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Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

3,-tlr. 2265. Die Drtspolizeibehörden werden hiermit auf die im Regierungs-Amtsbl. 1931 Seite 39/49 ver­öffentlichte Polizeiverordnung vom 20. Februar d. 3s., best. Errichtung von Außenantennen, aufmerksam gemacht und ersucht, die ordnungsmäßige UnterhaltunL der Rn= iennenanlagen auch in Zukunft zu überwachen und gegen mvorschriftsmäßige Anlagen einzuschreiten.

Schlüchtern, den 13. März 1931.

Der Landrat. 3. D.: Schultheis.

Stadt Schlüchtern.

Freibank Schlüchtern.

Am Dienstag, den 17. d. Mts. vormittags von 9 Uhr ab wird auf der Freibank (Brückenauerstraße Nr. 3) min­derwertig abgestempeltes Fleisch einer Ruh verkauft. Preis 4050 pfg. pro Pfund. r

Schlüchtern, den 16. März 1931.

i Die Polizeiverwaltung.

Vier Möglichkeiten.

Llegerrvald über allgemeine und Agrarpolitik.

Essen. 16. März.

Bei einer Kundgebung der christlich-nationalen Arbeit- «ehmerbewegung Essen» setzte sich Reichsarbeitsminister Ltegerwald mit den Teilen der Schwerindustrie und der Landwirtschaft auseinander, die glauben, mit dem National­sozialismus politische Geschäfte machen zu können. Aus­gangspunkt der Rede bildete ein Artikel von Dr. Grauert m derRheinisch-Westfälischen Zeitung" gegen die letzte Rede des Reichsarbeitsministers im Haushaltsausfchutz des Reichstages über das Tarif- und Schlichtungswesen. Ste- gtrmalö führte u a aus:

^ Als die Notverordnungen des Reichspräsidenten vom Reichstag abgelehnt worden waren, habe Hindenburg gesagt, daß es nunmehr für ihn zwei Möglichkeiten gäbe: entweder « trete zurück oder er löse den Reichstag auf. Eine Reichs- präsidenkenkrise hätten wir 1930 unter "keinen Umständen vertragen können. Mithin sei nur die Reichstagsauslösung Möglich gewesen. Nach der Reichstagswahl habe es für die »Regierung vier Möglichkeiten gegeben: 1. Rücktritt, 2. Dikta- piir (sofern der Reichspräsident mitgemacht hätte), 3. Anleh­nung nach rechts, 4. Anlehnung nach links.

I Der Rücktritt hätte ein grenzenloses Chaos bedeutet. |®egen Diktatur habe sich selbst Bismarck ausgesprochen. Die «Anlehnung nach rechts fei nicht in Frage gekommen, weil Iman mit den Nationalsozialisten zwar Massenkundgebungen Iveranstalten, nicht aber ein Land, das sich in sehr schwerer l<age befinde, regieren könne. In solcher Lage sei gar nichts lanoeres übriggeblieben, als die Stütze von links anzu° lahmen.

I Ueber die Agrarpolitik der Reichsregierung

Mrfche in weiten Kreisen größte Beunruhigung. Sein ptanbpuntt in der Agrarpolitik sei: Deutschland muß unter

Umständen eine leistungsfähige Landwirtschaft sich Inhalten und sichern. Der Weltmarkt spiele für uns eine gichtige Rolle. 80 v. H. unserer Erzeugung aber müßten B r '^..Innern absetzen. Was nachdrücklichst abgelehnt wer- |7en müsse, sei der Agrarradikalismus und auch eine stark |ln, agitatorische orientierte Agrarpolitik

| kürzlich habe ihm ein sehr maßgebender Landwirt u. a. Wugt:Wenn alle Kräfte von links und rechts zusammen- Ren, dann können wir eine allseitig erkennbare große ^«trauensbasis schaffen und in absehbarer Zeit eine Zins- "ikung von 2 bis 3 v. h. erreichen, womit der Landwirt- W mindestens soviel genüht wird, wie mit zweifelhaften ^uen Zollaktionen."

Die Vorkriegsagrarpolitik, die in der Hauptsache nur W Zölle abgestellt gewesen sei, lehne die christliche Ar» '"erschaft nachdrücklichst ab.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber müßten sich zu viel um- Milderer Gemeinschaftsarbeit zusammensinoen und Refor- gegen den übersetzten öffentlichen Verwaltungsapparat den Verteilungsapparat der Privatwirtschaft durchsehen.

^>e England-Jreise des Königs von Spanien.

b Doris, 16. März. Der König von Spanien ist Sonn- ?WmiHag aus der Reise nach England nach Paris ge- mtuen. DerTemps" dementiert in diesem Zusammen- 78 die Nachricht, daß König Alsons hier eine Unterredung -antiago Alba haben werde. Ebenso sei das Gerücht K. dah Alba den Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Spanien festgesetzt habe.

700 Jahre Tarn.

Rerli», 16. März. Aus Anlaß der vor 700 /Jen durch den deutschen Ritterorden gegründeten tp Thorn, die im 689. Jahre ihres Bestehens Malz unter polnische Verwaltung gekommen ist, im ehemaligen Herrenhaus eine eindrucksvolle Aebung statt. Auf dein Podium hatten Fabnen- roilungen der Heimattreuen Verbände Aufstellung lammen. Reichspräsident v. Hindenburg, der Ehren­der ThornS, hatte ein Begrüßungsschreiben gesandt.

Der Kampf derGrünen Front".

Schiele und Kalckreuth auf der Tagung des Landbundes.

Weimar, 16. März.

Auf derFührer- und Kampftagung" des Thüringer Landbundes sprachen am Sonntag Reichsernährungsminister Schiele sowie der Präsident des Reichslandbundes, Graf Kalckreuth. Die Zeit, so führte Schiele aus, verlangt nach Ordnung und Sammlung der Front, sie verlangt nach kla­ren Marschparolen. Das deutsche Landvolk in seinem harten Schicksal hat keine Wahl. Es muß schöpferisch positiv einge­stellt sein. Deshalb müssen wir heraus aus der Unfrucht­barkeit des Resignierens und des Resolutionierens. Ent­weder oder, ja oder nein, alles andere ist Ausweichen vor dem Ernst der Entscheidung. Wie Sturmfluten sind Revolu­tion, Währungsverfall und eine in ihrem Ausmaß bisher unerhörte Wirtschaftskrise internationalen und nationalen Ursprungs über uns hinweggegangen. Solche Schicksais­schläge, die wie Naturkatastrophen die Grundfesten des wirt­schaftlichen und staatlichen Lebens der Nation erschüttern, lassen sich nicht schnell und noch viel weniger mit ein paar Patentrezepten überwinden. Wehe denen, die uns in die­ser elementaren Not den Rücken kehrten, in der es täglich gilt, unsere Scholle neu zu erobern. Mit der Parole:Macht euren Dreck alleine!" ist weder der deutschen Landwirtschaft noch dem deutschen Volke zu helfen.

verstärken wir wirklich unsere Stellung im Kampf um das System, wenn wir uns selbst von den entscheidenden Machtpositionen im Staate ausschalten?

Sind nicht nach dem Bekenntnis meines Amtsvorgän­gers Haslinde fast alle Handelsverträge seit dem übereilten Exodus der Deutschnationalen im Jahre 1925 auf Kosten der deutschen Binnenwirtschaft abgeschlossen worden? Ich entsinne mich noch, daß seinerzeit von einem der heutigen deutschnationalen Wortführer statt der Ermächtigungszölle stabile Getreidezölle in Höhe von 9 Mark je Doppelzentner angestrebt worden sind, die möglichst noch handelspolitisch gebunden werden sollten. Wo wären wir wohl bei der etzigen Weltmarktlage hingekommen, wenn wir diesen Vor- rhlägen gefolgt wäre»; haben ^,ik -doch heute-Getreib».-ö - von 18,20 und 25 Mark?

Wohin führt denn der weg der unentwegten Negation? Verzweiflung und Verhetzung machen heute bereits vor keiner Autorität mehr halt. Man verstehe uns klar: Wir sümpfen nicht etwa gegen die äußerste Rechte, unser Ziel ist vielmehr, sie aus ihrer Weltenferne, aus ihrer Romantik herunterzuzwingen in den realen Kampf um Sein oder Nichtsein der Nation. Für uns, meine Freunde und alle, die mit uns in der Grünen Front für die Rettung der Landwirtschaft sümpfen wollen, kann es nur eine Marsch­parole geben: zähes Festhalten an dem Errungenen, keine übereilte Preisgabe von Machtpositionen und ständiges Be- reitlein zu aktiven Handeln, soweit und solange ich es vor meinem Gewissen verantworten kann. Das ist der Weg, den ich bisher gegangen bin, und den ich weitergehen werde.

Hierauf führte der Präsident des Reichslandbundes. Graf von Kalckreuth, folgendes aus:

Der Reichslandbund kämpft um eine Reichsleitung, die sich freimacht von den bisherigen schädlichen Einflüssen und Abhängigkeiten und fordert daher den Rücktritt einer Regie­rung. die nicht sofort und ungeschmälert diese Forderung zur Tat macht. Trotz des Eindringens der Agrarvorlage haben wir gerade ick den letzten Wochen erneut erfahren müssen, wie eifrig die Landwirlschaftsgegner am Werke sind, wie stark vor allem ihr Einfluß im Reichskabinett selbst ist.

Die Agrarvorlage fordert bekanntlich eine Ermächtigung der Reichsregierung für freie Handhabung de Zölle auf allen Gebieten. In der Hand einer für die Nationalwirt­schaft energisch kämpfenden Reichsregierung kann diese Er­mächtigung ein wirksames Instrument werden.

Die gegenwärtige Zusammensetzung der Reichsregierung läßt diese Hoffnung allerdings als einen gefährlichen Optimismus erscheinen.

Die Tatsache, daß es Reichsernährungsminister Schiele ge­lungen ist, nach schweren Kämpfen die Zollermächtigung durchzusetzen, bedeutet zwar für ihn einen persönlichen Er­folg. aber für die Sache selbst noch keinen entscheidenden Sieg. Die Denkschrift der Reichswirtschaftsministerium» gegen die Agrarpläne des Reichsernährungsministers be­weist, daß die entscheidenden Kämpfe erst einsetzen werden, wenn es um die praktische Neugestaltung der deutschen Han­delspolitik geben wird. Schulter an Schulter mit dem Reichswirtschaftsministerium hat bis zur letzten Stunde der Reichsarbeitsminister gegen die Agrarpläne der Reichsregie- rung gesümpft *

Die Einbringimg der Genfer Zollfriedensvorlage kommt geradezu einer Sabotage der von der Landwirtschaft geforderten Schutzmaßnahmen gleich.

Meint es Reichskanzler Brüning wirklich ernst mit dem Auftrage des Reichspräsidenten zur Rettung der Landwirt­schaft. so kann er an der Tatsache nicht vorübergehen, daß die Ablehnung des Zollfriedensvertrages der Angelpunkt der eingeleiteten Agrarmaßnahmen ist. Bedenkt man, daß so wichtige Forderungen des Reichs-Landbunder wie die nach einer allgemeinen Lastensenkung nach Einführung eines Steuernotiabres usw. usw. gänzlich unberücksichtigt aeblie- ben ftnD, vergegenwärtigt man sich die Unzulänglichke« auch der neuen Osthilfepläne. so kann man nur zu dem Gesamturteil kommen, daß die vorhandenen Ansätze so ge­ring sind, daß der Reichs-Landbund seine ganze Kampfeskraft

einsetzen muß, um einen wetteren Ausbau Der Agrarmag- nahmen und ihre zielbewußte Handhabung zu erzwingen.

3n der öffentlichen Auseinandersetzung über diese Frage hak besonders die Tatsache der nationalen Sezession eine große Rolle gespielt. Wie man sich auch zu der Zweckmäßig­keit dieser Maßnahme stellen mag, so wäre es doch eine Verschiebung des Schwergewichtes der politischen Verant­wortlichkeit, wenn man auf Grund dessen die Reichsregie­rung von ihrer Pflicht entbinden wollte, die ihr zur Ver­fügung stehenden Möglichkeiten zur Durchsetzung der not- wendigen Agrarmaßnahmen restlos auszunuhen.

Schon bei der Frage des zollfreien Gefrierfleischkon­tingents hat sich gezeigt, daß die Reichsregierung es nicht vermocht hat, die ihr nahestehenden Parteien ihrer Parole unterzuordnen,

von der Behandlung der Zollfriedensfrage wird es ab­hängig fein, wie der nächste Kampfesabschnitt des Reichs- Landbundes um die Rettung der deutschen Scholle sich ge­stalten wird.

Kür deutsche Kultur an der Saar.

Protest der Lehrerschaft gegen die französische Schul- propaganda.

Saarbrücken, 16. März.

Die Lehrerkammer des Saargebiets und sämtliche Lehrer- verbände, mit Ausnahme der sozialdemokratischen Lehrer­gruppe verunstalteten eine eindrucksvolle Protestkundgebung, in der mit aller Deutlichkeit gegen den unwürdigen Zustand Stellung genommen wurde, daß in dem rein deutschen Saar- gebiet deutsche Kinder zum Besuch der französischen Schulen gezwungen werden

Der VorsitzenÄe der Lehrerkammer, Rektor Gerber, teilte zu Beginn mit, daß das tschechische Mitglied der Regie- rungskommisfion, Vescensky, dem die saarländischen Schul- angelegenheiten unterstehen, auf die an ihm ergangen? Ein­ladung zum Besuch der Versammlung keine Antwort ge­geben habe, und kennzeichnete dann die Ziele der französi­schen Dominialschulen. die einzig und allein den Zweck Der» folgen, die französische Aktion im Saargebiet zu unterstützen.

-iorskrrungskvmmifjwn, sie auf alle Beschwerden der Lehrerschaft und der politischen Parteien nie eine Antwort gegeben habe, habe es erreicht, daß entgegen den Bestimmungen des versailler Diktates auch andere Kinder, als die des französischen Grubenpersonals, zu den französischen Schulen zugelassen würden.

Der französische Arbeitsminister benutze heute mehr denn je feine Machtstellung dazu, mit allen Mitteln des wirt­schaftlichen Druckes die französischen Schulen zu füllen. In einer Entschließung wird schärfster Protest gegen die franzö­sischen Werbemethoden, die durch Versprechungen und Dro­hungen in unverantwortlicher Weise die Not der Bevölke­rung mißbrauchen, erhoben.

Die Versammlung klagt vor aller Dell diejenigen, die die Verantwortung für diese unwürdigen Zustände fragen, an, und erwartet von der Regierungskommission als dem Treuhänder für das Saargebiet, daß endlich alle Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden. Mit aller Dringlichkeit wird der Völkerbund ersucht, seinen Weisungen im Saarge­biet Geltung zu verschaffen. Die Entschließung endet mit dem Appell an alle Eltern, sich durch die französischen Werbe- methoden nicht verführen oder abschrecken zu lassen.

Entsetzlicher Tod einer Berlinerin auf Eapri. Die Ber­linerin Klara Eich-Reund, die sich seit einigen Monaten in Eapri zur Erholung aufhielt, übergoh in einem Anfall von Wahnsinn ihre Kleider mit Benzin und zündete sie an. Sie wurde mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie ihren Verletzungen erlegen ist.

Das kommunistische.gerschastsmitglied Henning ist in der letzten Nacht in einem von Sollenfpieker nach Hamburg fahrenden Autobus, den er zur Heimfahrt be­nutzte, von drei Männern, die rechtsradikalen Kreien an­gehören sollen, erschossen worden. Eine in dem Magen befindliche Lehrerin erhielt zwei Beinschüsse.

Als Sonntag nachmittag in Hamburg ein älteres Ehepaar nach Hause zurückkehrte, überraschte sie drei Ein­brecher. Diese gaben mehrere Schüsse ab, wodurch die Frau getötet und der Mann schwer verletzt wurde. Einer der Burschen konnte festgenommen werden.

3n Buenos Astes explodierte in einer Hauptstraße, in der eine große Menschenmenge der Ankunft des Prin­zen von Males harrte, eine Bombe. Einem Italiener, der »Anarchist sein soll, entfiel beim Aussteigen aus, einem Straßenbahnwagen aus Unvorsichtigkeit ein Paket, in dem sich eine Bombe befand, die mit lautem Knall explodierte. Der Besitzer der Bombe und zwei Fahrgäste wurden getötet, drei Personen schwer und eine Anzahl leicht verletzt. Die Polizei verneint einen Zusammenhang der Explosion mit der Anwesenheit des Prinzen von Males.

Der Gencra'direktor der Deutschen Reichsbahn Dorp. milNer hat eine Reihe von Drohbriefen erhalten, in denen unbekannte Erpresser die schwersten Attentate ankündig'N, falls ihnen nicht ein Barbetrag von 100000 Mk. ausze- händigt würde. Da die Briefe zum Teil in Bayern und Baden aufgegeben wurden, sind die preußischen, bayeri­schen und badischen Polizeibehörden eifrig an der Arbeit, "der Verbrecher htrbhaft'zu werden, jedoch bisher ohne Erfolg.