Einzelbild herunterladen
 

Zchlüchtemer Zeitung

Kreis-Kmtsblatt * Mgemeiner amULcherKazeLger führ 5en SeeLs Schlüchtem

Nr. 24

(1. Blatt»

Dienstag, den 24. Februar 1931

83. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen.

Kreisausschuß.

3.4fr. 955 K. st. Der Hausangestellten Fräulein Elisa­beth Menius in Schlächtern ist aus Rnlaß ihres 40 jähr gen ltienstjubiläums bei der Familie Georg Bolender hierselbst eine Prämie von 40. RUT. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlächtern, den 20. Februar 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Dr. Müller.

J.-Hr. 955 K. st. Dem Landwirtschaftsgehilfen lvendelin Leidenwand in Steinau ist aus Rnlaß feiner 10 jährigen ununterbrochenen Dienstzeit bei dem Landwirt Johs. Mech- fesfel in Steinau eine Prämie von 10 RM. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlächtern, den 20. Februar 1931.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller-

Stadt Steinau.

Polizeiverordnung.

Auf Grund der §§ 5 und 6 d-er Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen Dom 20. September 1867 (G. S. 5. 1529) und des § 143 Abf. 1 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung Dom 30. 7. 1863 (G. S. S. 195 ff.) wird nach Beratung mit dem Magistrat für den Umfang des Gebietes der Stadt Steinau folgendes verordnet: I

Einziger Parag raph.

Die Polizeiverordnung, betr. das Verbot der Benutzung der Schloßdurchfahrtsweges durch Kraftfahrzeuge und Fahr­räder vom 20. 10. 1925, wird mit Verkündung dieser Polizeiverordnung aufgehoben.

Steinau, den 19. Dezember 1930.

Die Polizeiverwaltung. Dr. Kraft.

Lawrn»n«nglnck.

Am Sonntag ereigneten sich in den Alpen wieder zwei chwere Lawinenunfälle. Bei Lenggries verschüttete eine -awine eine siebenköpsige Skiläufergruppe. Da die Ret= tungsarbeiten sofort einsetzten, konnten sechs Personen lebend geborgen werden- ein Tourist aus München wurde getötet. ~ Am Patscherkofel beim Grünen Boden (Tirol) verschüt- ete eine Lawine sieben Skiläufer. Einer konnte sich selbst ^freien, eine Dame wurde mit gebrochenen Leinen gebor­gen. Die übrigen drei konnten bis zum Übend nicht ge= fanben werden, zumal eine neue Lawine auch sechs Mann der Rettungskolonne verschüttete, die jedoch alle unverletzt geborgen wurden.

Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.

In vielen deutschen Städten kam es am Sonntag wieder zu Zusammenstößen und Ausschreitungen von Mit­gliedern der radikalen Parteien, so in Berlin, Stuttgart, oraunschweig wo am Sonntag Hitler sprach Köln, Öolfenbüttel und Tosel. Am schwersten waren die Zusam- menstöße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten in °raunschweig sowie in Wolfenbüttel. Zahlreiche Personen wurden teils leicht, teils schwer verletzt. Die Polizei nahm umfangreiche Verhaftungen vor.

In Bombay verhaftete die Polizei während eines ^monstrationszuges indischer Nationalisten durch die Haupt­verkehrsstraßen der Stadt 400 Teilnehmer.

Die Südseeinseln wurden von einem schweren Drkan Heimgesucht. Nach den ersten Meldungen haben vor allen Dingen die Look-Inseln schwer gelitten.

In ganz Italien haben tagelange schwere Stürme, Zwitter und Hochwasser erhebliche Schäden an Saaten ^b Häusern angerichtet. Zwölf Personen haben den Tod gefunden. - In Abrianopel (Türkei) wurden durch, das t'Ochwasser der Maritza 47 Häuser zerstört.

Schiedsspruch In der Lauscher Tuchindustrie. Ein Schiedsspruch ifwbc für die Lausitzer Tuchindustrie gefüllt, der bie- strittigen Wogen der Manteltarifs und der Arbeitszeit regelt und ab 5. März e Lohnkürzung von 6 o. H. vorsieht.

k Weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit in Oesterreich. Mitte R°ruor wurden in Oesterreich 336 989 unterstützte Arbeitslose g«> Im Vergleich zur letzten Zahlung vom 31. Januar ergibt tine Zunahme um rund 5700 Personen.

Die Ruhe in Peru wiederhergestellt. 77 Todesopfer. Wöh. n# des Ausstandes in Peru wurden 48 regierungstreue Soldaten J1 29 Zivilisten, die zu den Anhängern Leguyas gehörten, bei ^mirmung des Forts IHeal Filipe in Callao getötet. Im ganzen ist die Ruhe wiederhergestellt worden.

l Wißglückter Putsch in Paraguay. In der Stadt Encarnacton Wen 200 Kommunisten die sozialistisch« Republik ausacrufen. später flüchteten sie aber, nachdem sie 1% Millionen Peso» aus ^»Danken geraubt hatten. Die Ordnung konnte durch die Re- WkNattuvosn »sederhergtstellt werben.

VorbereitAngen der Abrüstungskonferenz.

Ein unvollständiger Fragebogen.

Genf, 23. Februar.

Das Generalsekretariat des Völkerbundes, das mit der technischen Vorbereitung der Abrüstungskonferenz 1932 beauftragt worden ist, hat an alle Staaten die Aufforde­rung gerichtet, Angaben über die Rüstungen und alle anderen technischen und allgemeinen Fragen zu machen, die geeignet seien, die Abrüstungskonferenz aufzuklären und ihre Vorbereitung zu erleichtern.

In der Aufforderung wird lediglich auf den Abschnitt des Berichts des vorbereitenden Abrüstungsausschusses hin­gewiesen, der von dem Widerstand spricht, den der deutsche Antrag auf Offenlegung der Rüstungen im November fand. Es wird ganz darauf verzichtet, Angaben über die entschei­denden Teile der Rüstungen zu verlangen, wie über ge­lagertes Material, ausgebildete Reserven, Zahl und Größe der Tanks, Flugzeuge und schweren Geschütze. Die Ausfor- derung setzt zudem keinen bestimmten Zeitpunkt fest, bis zu dem die Auskünfte einzureichen sind, so daß keinesfalls damit zu rechnen fein dürfte, daß der Völkerbundsrat schon im Mai im Besitze aller Auskünfte ist, und sich ein Bild über ihren Umfang und ihre Zulässigkeit machen kann.

In Sekretariatskreisen erklärt man darum auch schon jetzt, der Rat und die Vollversammlung würden sich wahr­scheinlich erst frühestens im September mit den Auskünften befassen können. Die Genfer Behörden haben die Vorberei­tungen der Abrüstungskonferenz Unterbringung der Abordnungen usw in die Hand genommen und zu die- jem Zweck einen besonderen Staatskommissar eingesetzt, der die verschiedenen Pläne prüft. Wie verlautet, sollen die großen Abordnungen aufgefordert werden, neu erbaute und fertig möblierte Häuserblocks in Genf zu mieten, wo sie geschlossen untergebracht werden können, soweit sie nicht in Hotels Unterkunft finden.

30 Tote auf GrubeEschweiler Reserve", keine weiteren Toten im Schacht.

Nochberg, 23. Februar.

Wie nunmehr feststeht, hat das Unglück auf Grube Eschweiler Reserve" 30 Tote gefordert. 29 Bergleute haben den Tod im Schacht gefunden, während ein Berg­mann den schweren Verletzungen im Eschweiler Kranken­haus erlegen ist. Die Grubenverwaltung versichert auf das bestimmteste, daß mit weiteren Toten im Schacht nicht mehr zu rechnen ist.

Der Entzündungsherd liegt in der Grube unterhalb der 600-Meter-Sohle im Revier 12. Die Explosion hatte eine solche Gewalt, daß auch noch in dem nebenan liegenden Revier 11 die dort beschäftigten Bergleute von dem gewal­tigen Luftdruck meterweit fortgeschleudert wurden. Unter ihnen entstand eine Panik. Eine Gruppe von 29 Mann traf aus der Flucht auf die Nachschwaden der Explosion, wobei drei Leute auf der Strecke liegenblieben und den Tod fanden. Der Begrenzung der Explosion kam der Um­stand zugute, daß die Zeche sehr naß ist. Deswegen hatte man schon vor Jahren einmal diese wie die benachbarte Zeche Nordstern wegen Unwirtschaftlichkeit längere Zeit stillgelegt, da die notwendigen Pumparbeiten in keinem Verhältnis 'um Förderergebnis standen.

Das Beileid der Reichsregierung.

Aus Anlaß des Bergwerksunglücks auf der Grube Eschweiler Reserve" hat der Reichsarbeitsminister im eigenen Namen und im Namen der Reichsregierung Bei­leidstelegramme an die Verwaltung sowie den Betriebs­rat der Grube und an den Landrat des Landkreises Aachen gerichtet.

Der Reichspräsident hat an den Landrat des Landkreises Aachen anläßlich des Grubenunglücks auf GrubeEschweiler Reserve" ebenfalls ein Beileidstelegramm gerichtet:

Beerdigung voraussichtlich am Dienstag.

Die 30 Todesopfer der Schlagwetterexplosion sind bis auf einen Bergmann erkannt. In den Abendstunden hat man den Angehörigen der Opfer den Zutritt zur Totenhalle gestattet.

Wie die Grubenverwaltung mitteilt, wird die Beerdi­gung voraussichtlich am Dienstagvormittag stattfinden.

Vorläufig ist geplant, in der Zeche eine Trauerfeier ab^u* halten, worauf dann die Särge den früheren Wohngemein- den der Toten zugeführt werden, wo die Beisetzung statt-' finden wird.

40stündige Arbeitswoche gefordert.

Der Zentralrat der Deutschen Gewerkvercine 5z.-D. fordert von der Reichsregierung und dem Reichstag baldige energische gesetz­liche Maßnahmen zur Milderung der Arbeitslosigkeit durch mög­lichst weitgehende Einschränkung der Beschäftigung von Doppel­verdienern, soweit nicht für sie der Nachweis einer Erwerbs- bedürftigkcit erbracht wird. Der Zentralrat forvet ferner eine Ver- ordnung zur Einführung einer 40ftünbigen Arbeitswoche, sowie In allen Jndustriegruppen ein Verbot der über 48 Stunden hinaus- gehenden Arbeitszeit.

Der Geschäftsführer Josef ©Der der DrtsKranKen- Kasse Sieglar hat 35000 Kilt. Kafsengelder unterschlagen und ist geflüchtet.

Also sprach Zaleski...

Auch die Abgeordneten hetzen gegen Deutschland.

Warschau, 22. Februar.

Eine länger als fünfstündige Aus! räche über die pol* nische Außenpolitik im Auswärtigen usschuh des Sejms schloß Außenminister Zaleski mit eine kurzen Replik ib. Er versuchte nachzuweisen, daß die rolnische Regierung dem Beitritt Danzigs zum Kelloggp'kt nur aus dem Grunde beigepflichtet habe, weil es dadurch dem Bestreben zur Festigung des Friedens in der Ostsee und zur Stabili­sierung der einmal festgesetzten Grenzen Ausdruck verleihen wollte. Die Forderungen Danzigs auf ein Monopol der Handelsschiffahrt nach und von Polen seien völlig unbe­gründet. Zaleski gab ferner der Meinung Ausdruck, daß Polen Anträge auf Regelung verschiedener Fragen, die die Bewegungsfreiheit der Polen in der Freien Stadt Danzig beträfen, schon in der nächsten Zeit erledigt werden würden.

Schließlich erklärte Zaleski, daß besonders die national- demokratiscyen Redner hinsichtlich der Genfer Entscheidun­gen in den oberschlesischen Fragen die Meinung des deut­schen Außenministers teilten. Demgegenüber verharre er jedoch auf seinem bereits im Senatsausschuß vertretenen Standpunkt, wonach die deutsche Taktik in Gens vollen Schiffbruch erlitten hätte und keinerlei Zweifel darüber übrig ließen, daß es sich hierbei nur um eine Diskrimi­nierung Polens gehandelt habe. Die Meinung der Welt komme allmählich zu der Ueberzeugung, daß diese Taktik mehr Deutschland als Polen schade.

Im Mittelpunkt der Aussprache stand Deutschland. Abgeordneter W a I e w s k i vom Regierungsblock, der sich offenbar als Sachverständiger für die deutschen Fragen entdeckt hatte, verbreitete sich sehr ausführlich über die Po­litik Deutschalnds namentlich Polen gegenüber. Die Repu­blik Deutschland mit dem Januskopf verfolge nach seiner Ansicht eine scheinbar pazifistische Politik den Weststaaten gegenüber, während es gleichzeitig die Zustände im Osten verschärfe, um Polen ein Canossa (?) zu bereiten. Nach der Erfüllungs- und Realpolitik fei in Deutschland als dritte Trappe vie bievywnspolilit augenbimuch auf der Tages­ordnung. Dieser Revisionspolitik stehe, wie der Redner mit Nachdruck heroorhob, die einheitlich ablehnende öffent­liche Meinung in Polen gegenüber.

Ein besonders sensationelles Interesse dürfte wohl die Behauptung Walewskis erregen, wonach die Minderheiten­frage für Polen eine ethische Angelegenheit, für Deutsch­land dagegen nur ein Mittel der politischen Aktion sei. Er beschuldigte Deutschland, die deutsche Presse, die deutschen Minister, die Parteien und die deutsche Schuljugend, daß sie allezeit dunkelste Pläne und Ziele Polen gegenüber ver­folgen, während Polen ein friedliches Zusammenleben mit Deutschland anstrebe.

Der nationaldemokratische 2lbgeorbnete Pietr - zynski glaubte durch Feststellungen nachweisen zu kön­nen, daß Polen in legier Zeit zahlreiche Zugeständnisse an Deutschland gemacht hätte.

Der Redner forderte eine energische Aktion zur 6nt- deutschung der polnischen Westgebiete.

Der christlich-demokratische Abgeordnete D i 11 n e r for- derte, Polen möchte von der bisherigen defensiven Politik in Genf zur Offensive gegen Deutschland übergehen, zumal 99 Fälle ihm die Berechtigung gäben, dort als Kläger gegen Deutschland aufzutreten. Fürst Radzi will, der Vorsitzende des Ausschusses, erklärte, ^ie deutsch-polnische Gegnerschaft sei keine vorübergehende Erscheinung, sondern vielmehr ein geschichtlicher Prozeß, den Polen im Jahre 1772 (erste Teilung Polens» bereits einmal verloren, habe. Deshalb müsse Polen alle Vorteile wahren.

Die deutsche Politik, die seiner Meinung nach einerseits am Völkerbund scskhalte und andererseits Revisionen er­strebe und einer Zusammenarbeit mit Sowjetruhland hul­dige, könne nur als eine Politik der Sabotage gegen Polen bezeichnet werden.

Neuer Mord in Berlin.

18jährige Stenotypistin im Grunewald erschossen.

Berlin, 23. Februar.

3m Grunewald, dicht am Bahnhof Grunewald, wurde in einer Birkenschonung eine Frau erschossen aufgesunden. Die Leiche wies Schußverlehungen am Kopfe auf, neben der Leiche lagen zwei Patronenhülsen. Nach den bis­herigen Ermittlungen der Polizei handelt es sich wahr­scheinlich um einen Mord.

Gegen 15.30 Uhr hörten zwei Männer, die in der Nähe Fußball spielten, zwei Schüsse. Etwa um die gleiche Zeit hörten drei Gärtner, die auf dem Hockeyplatz des Tennis- clubs Rot-Weiß beschäftigt waren, ein verdächtiges Ge­räusch, ferner beobachteten sie einen Mann, der sich offen­bar eilig entfernte. Sie begaben sich an die betreffende Stelle, wo sie die Leiche fanden, und alarmierten sofort . die Polizei..

Die weiteren polizeilichen Ermittlungen haben er­geben. daß ev sich bei der Ermordeten um die 18jährige Stenotypistin Charlotte Jackowsky aus Wannsee handelt. Der Täter hat sich selbst auf dem Polizeipräsidium in Potsdam gestellt. Es handelt sich um den Z2jährigen Kaufmann Eugen Reih aus Berlin N. Der Grund der "Tat ist noch nicht geklärt.