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Mlüchterner Zeitung

Krris-Kmtsblatt * Myttnemer amtlich er Knotiger für ken Kreis Ächlüchtem

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Nk. 17

(1. Blatt)

Samstag, den 7. Februar 1931

83. Jahr».

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Gesch.-Nr. V 12 723/30.

Verwertung von häuten von an Schweineseuche, Schweine­pest, Rotlauf oder an Rotz gefallenen Tieren oder wegen solcher Krankheiten getöteten Tieren.

Durch Runderlasse vom 8. Oktober 1917 IA III e 12 146 und 8. Rpril 1919 I st III g 10 337 ist mit Rücksicht auf die damalige Lederknappheit die Ver­wendung von Schweinehäuten in Fällen von Schweineseuche Schweinepest und Rotlauf, sowie von häuten von Einhu­fern in Rotzfällen unter bestimmten Bedingungen zuqela'sm worden. Nachdem der Ledermangel inzwischen behoben worden ist, haben die zugelassenen Erleichterungen keine besondere wirtschaftliche Bedeutung mehr. 3m Tinvernch- men mit dem Herrn Reichsminister des Innern hebe ich daher die eingangs erwähnten Erlasse mit Wirkung vom 1. April 1931 auf. Von diesem Zeitpunkt haben die im § 45 des Reichsvieh^euchengesetzes vom 26. 3uni 1909 und in den §§ 266 Ziffer 2 und 281 Ziffer 2 der stus= führungsvorschriften zum Vieh^euchenoesetz vorgeseh nen Be­stimmungen wieder ausnahmslos Geltung.

Ich ersuche ergebenst, hiernach das Erforderliche alsbald zu veranlassen.

Berlin, den 7. Ianuar 1931.

Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

I.°Rr. 1042. vorstehender Erlaß wird hiermit veröf­fentlicht.

Schlächtern, den 3. Februar 1931.

Der Landrat. I. v.: Schulchns.

I.-Rr. 992. Im Monat Ianuar 1931 sind folgenden

Personen Iahresiaadscheine ausgestellt worden:

Rollmann, Wilhelm, Dentist Scklüchtern,

Ruth II, Johann, Maurer. Marborn,

Sckmidt, Walter, Rentmeister. Ramholz.

Schlüchtern, den 2. Februar 1931.

Der Landrat. 3. v.: Schultheis.

I-Rr. 999. Ich mache darauf aufmerksam, daß die Eigentümer, Pächter und Nutznießer von Rvfelbäu- men jeder strt (hoch- und halbstammbäumm. Busck- und niederen Formbänmen, veredcktm und mme-ed^lten ju"gm Stämmigen der Baumschulen usw. mnschli-ßstch der kyr- nannten Zieravfelarten verpflichtet sind, bereits im Laufe des Winters und weiterhin bis spätestens 25. Iu^i jedes Wahres die von der Blustaus (wolst^aaenden Rin^eniaus befallenen gewesenen Gbstbäume qründ'ick zu reinigen und die vorgefundenen Blutlauskolonien testbs zu vernickln.

Sobald neue Blutlauskolonien feftoestellt wmdm. sind viele sofort zu zerstören und die betreffenden SteIen mit geeigneten Mitteln, die von der zuständigen hnuntsteT" für Pflanzenschutz nachgewi-sen werden zu beltrücken. S^fe m die Bekämpfung aussichtslos erfstemt smd di? Rvf'lb'ume °,s ZU dem obengenannten Termin zu vernichten. gegebenen­falls nach Rnhörung anerkannter Sachverständiger.

Ebenso mache ich darauf aufmerksam, daß die Eigentü- mer, Nutznießer und päckter von Obstbäum-n soweit letzt»re von der Schildtaus befallen sind, in der Zeit vom 1. (Ok­tober Bis 1. Rpril j. 3s. den Stamm und die stärkeren Reste abkratzen müssen. Stamm und alle stärkeren Reste Hob mit filier. 10%igen GbstbaumkarbolineumDsuno zu streichen, der ein geringer Prozentsatz Kalk zuzusetzen ist.

Bei Bäumen, an welcken die Sckildlaus bereits die K-one befallen hat, sind auch diese in gleicher Weise zu bchand-ln. Ebenso haben die Eigentümer usw. dafür zu sorgen, daß Q) alle vor dem 1. Rpril abwelkenden Dbstbäume ober Reste sofort entfernt werden und daß deren Holz sogleich verbrannt wird,

b) alle nach dem 1. Rvril absterbenden Bäume und Reste im herbst beseitigt werden und daß deren ho^z im Laufe des Winters verbrannt wird.

Schlüchtern, den 2. Februar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

K r e i s a i» S s ch u ß.

.. ^-Rr. 63'90 K. R. Die Herren Iagdvorstehm bes ,!^iles erinnere ich hiermit an die Erledigung meiner ^fügung vom 14. November 1930 I.-Nr. 6390 K.

(KreisMatt Nr. 138) betr. Berichterstattung- über ^ erfolgte Einsendung der Iagdvachtverträge vp. zwecks ^enwclprüfung an das Finanzamt Frankfurt (Main) Börse.

Schlüchtern, den 4. Februar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

Anwerbung «ndDermtttlnng nan Angendlichen in die Landwirtschaft nach Dowmern nnd O"prrnsten

I.-Nr. 2270 F. Bei der Ueberführung Iugendlicker in die Landwirtschaft nach Pommern und (Ostpreußen sind im Iahre 1930 durchweg gute Erfahmngen gemalt wer­den. Die Iugendlichen waren nach ih"er Rückkehr schr zufrieden und haben Unterbmuguno, Verpflegung und Be­handlung in ihren Rrbeitsstellen gelobk Der größte Teil von ihnen hat den Wunsch und die feste RbRchtz auch in diesem Iahre wieder Rrbeit in der Landmir f^aft auf-u- nehmen und hat sich schon jetzt bei den zuständigen Arbeits­ämtern gemeldet.

Die EinstelIung der Iugendlichen erfolgt auf ®mnb eines Vertrages auf mindestens Va Iahr. Die Reiseko­sten nach den Rrbeitsstellen werden vergütet. Den Iugendlichen wmd Familienanschluß und ein Ein­zel b e t t im Hause gewährt. Neben fr-i-r Unterkunft und Verpflegung wi-b eine mouatstch? Entschädigung in bar gegeben, die zwischen 10 und 25 RM.. je nach R^ter und Leistung lieat Rußerdem hat der Rrbuto-ber für In­standsetzung und Reinigung der Kleidungsstücke Sorge zu tragen. Die sozialen ve-sichmungslasten w-rden vom Arbeit gebet übernommen. 3uqenMibe über 18 Iahre erhaben gegebenenfalls unter den gleichen B-dinaungen wie zuvor etwas mehr Ba^lohn. Bei Vertragsbruch und etwa ent« stebenden SPeistgkeiten wird fih das für den Rrbeitsort zuständige Arbeitsamt um die Beilegung von Unstimmig­keiten bemühen.

Jugendliche männliche und weibliche, die ernstlich gewillt sind, in einem landwirsthastl. Betriebe zu arbeiten bezw. landw. Arbeiten zu erlernen, mögen sich unter Angabe ber genauen Rnschmft, d-s R'te-s, und des Berufes sofort -bei den zustäudiqm BistsstTstn des Arbeitsamts Hanau ober im Faupstimt hrnau, San= deldamm 7, melden. Iugmdstcke.unter 18 3ah"en müssen die schrjftli^e Einwi'liauna de- T^zi^'g-be-e^ri^en für 'ne O^mittluna in die Landwirtschaft fPommern oder Dstg-euken) vorl^gen.

Die Perron Bürgermeister des Kretas werden cr^uckt, arbeitslose Iugendlick» in ih^er G-meind^ auf bi' gebo­tenen Reheitsmögstchbesten fi^uwci'en. pie-b i wi-d noch­mals betont, daß Bewe-bnggen um Vwmerkung für Tin- stestuna in die aufnahmefühwen Bsti'be den a-nann en Meldestellen auf schnellstem Wege zuzuleiten sind.

Schlücktern, den 4 Feb-uar 1931.

Rreiswohlsahrts- und Jugendamt. Dr. Müller.

I -Rr. 701 K. A. Dem Gelnannfüb-e'- Peinrib Gaul in Rhlersbach ist aus Anlaß seines zGn'äh'izen Tiienft'u- biläuws bei dem Hofg'stsbesitzer A. Roth in Rbch's^ack eine Prämie 'von 10 RM. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtem, den 3. Februar 1931.

Der Vorsitzende des Ureisausschusses: Dr. Müller.

Stadt SchlüchteH

Staatliche Anfdanklassen in Schlirchtrew.

Die in Entwicklung b-g i'chne Rnstast umlaßt ab Ostern 1931 die Klaffen Untertertia b's (Oberfekunba.

Rn Meldungen von Schülerinnen und S^ü'ern zu Ostern dieses Jahres werden bissnätestensiO März von dem Unterzeichneten mündstb oder sckr'ftstb entge­gengenommen. Dabei lind emzu-eich^n: ein sechstaefmti 'ter Lebenslauf, Geburtslchrin, Wiederimolschein, bi' lebten Schulzeuaniste sowie das Rbgangswu^nis der znl'tzt be­suchten Schule. Wenn dieses noch nicht voUiegt, kann es bis zur Rufnal'meprülung nackgRichert w-rdm. Durch dm Klassenlehrer ist unmitstKar an be Schust i ung ein Gut­achten über Westn, Begabu"gsribtuna unb Leiltuu^sfä^ig- keit der Schülerin (bes Schülers) und über die Eignung zum Besuch einer Ru'ba st^ule v^rzulwen

Die R u fn a bmevr ü f u n g für Unter'ert;a findet Mittwoch, den 18. und Donnerstag den 19."Z 1931, von 8V2 Ubr ab statt, die Rufnahmev"üf»ngen für die übrigen Klaffen Mittwoch, den 15. Aprst 1931 von 82 Uhr ab. Zu den Rufnghmeprüfii"g"n sind mistubring^n Schreibunterlage, Löschblatt, Federhalter mit Feder und Bleistift.

Ausführliche Prospekte über die Anwalt und das Schüle' invenheim werden auf Wuolch zugesandt.

Schlüchtern, den 3. Februar 1931.

Der Leiter der Schatstch^n Aufbaukla'fcn: Dr. Fenner, Studienrat.

Im Reichsrgt wurden am Donners ag 123 Rn'räge fremdrassiger Rusländer auf Einbürgerung g'gen die S i n- men Thüringens unb Braunschweigs gewählt.

AIs Schönheitskönigin von Eu o-a wurde am Don­nerstag in ParisMiß France" gewählt.

Neue Erdftöße auf TleuseeLan-.

Panik unter der Bevölkerung. Weit über 1000 Tote. Rapier ein Haufen von Ruinen.

London, 5. Februar.

Die aus Wellington, der Hauptstadt von Reufee'- b, gedrahtet wird, haben die Erderschütterungen in der Ein­gebung der Stadt Rapier wieder begonnen. 3nfolgebeffen find neue Einstürze erfolgt, und die Panik der Bevölkerung hat noch zugenommen. Beamte des Roten Kreuzes find der Meinung, daß die Zahl der Toten weil über 1000 beträgt.

Als Stadt hat N a p i e r aufgehört zu bestehen. Seine Einwohner irren in der Umgebung umher. Die Stadt ist ein Haufen von Ruinen. 3m Rentrum der Stadt steht nicht mehr ein einziges Gebäude. Die auf den An- Höhen stehenden Häuser wurden durch das Erdbeben auf die tieferliegenden geschleudert. Wie die Einwohner berich­ten, wurde ein ausgedehntes Stück der Erdoberfläche durch einen ungeheuren Stoß in die Höhe gehoben und fiel dann in sich zusammen. Auf dem Trümmerfeld spielen sich

herzzerreißende Szenen,

besonders vor dcn Ruinen der Gewerbeschule, ab, wo Müt­ter aus der Stasi und den umliegenden Orten angstvoll auf Nachrichten über ihre vermißten Söhne warten. Zwei Kriegsschiffe sind mit Lebensmitteln und Arzneien vor biupier eingetroffen, deren Verteilung gegenwärtig im Gange ist. Abteilungen von Marinefüsilieren ziehen durch die Stadt, um zu verhindern, daß wieder Plünderungen begangen werden.

Hasiings fast völl'g zerstört.

Ebenso wie Rapier ist auch die Nachbarstadt Hastings schwer heimgesucht worden. Die Stadt ist fast vollkommei durch das Erdbeben zerstört worden.

Als der erste Stoß erfolgte, waren die Straßen und Geschäfte voller Menschen. Die zusammenstürzenden Ge­bäude singen die Leute in Geschäften und Läden und aus der Straße wie in einer Falle. Viele stürzten aus die Straße und wurden, sobald sie den Bürgersteig erreichten, -. XaMUueiu erjejiugen.

Ein Polizeibeamter, der unmittelbar nach dem Erdstoß auf die Straße eilte, fand ein junges Mädchen, das mit bis zu den Knien abgetrennten Beinen auf der Straße saß. - Aus allen Richtungen kamen Schreie von Männern, Frauen und Kindern, die

unter den Trümmern begraben

lagen. Manche sind dem Tode wie durch ein Wunder ent­ronnen. Ein Hotelpförtner, der, als der Stoß erfolgte, in einem der oberen Stockwerke war, entkam ohne Verletzun­gen aus dem zusammenstürzenden Gebäude. Ein anderer Mann lag neun Stunden lang unter einem Stapel von Steinen und kam mit nur geringfügigen Verletzungen davon.

Der Premierminister ron Neuseeland har sich für Ab­haltung eines T r a u e r t c. g e s am Sonntag für die Opfer des Erdbebens eingesetzt.

Die Gerüchte über angrUliche Dililaturpläne des Kabittrtts undegründcr.

TR6. Berlin, 5. 2. (Eigene Meldung). Ein Berliner Rbendblatt verzeichnete heute abend Gerüchte über an­gebliche Diktaturpläne des Kabinetts, Einberufung einer Nationalversammlung und ähnliche Gedankengänge, die vor einiger Seit in politischen Kreisen erörtert wurden. 3m Reichstag wurde diese Veröffentlichung zwar diskutiert, aber als unrichtig bezeichnet, zumal der Kanzler in seiner Tlats- rede mit Nachdruck unterstrichen hat, daß das Kabinett auf die parlamentarische Erledigung des E.ats besonderen Wert legt. Rußerdem besprach man in der Wandelhalle eine Unterredung, die der Vertreter eines anderen Berliner Rbendblattes mit dem Führer der Deutschen Vollrspartei hatte. Wir glauben zu wissen, daß der Sinn dieser Unter­haltung nur darin liegt, daß Dr. Dingeldey gegenüber ge­wissen Veröffentlichungen, die in den letzten Tagen im zum Wortführer einer Diktaturregierung gemacht hatten, fest­stellen wollte, daß er den größten Wert auf die Verfassungs- mäßigkeit des Rcgierungschstems legt.

Die Scriiner Dresse zur örüning-Dede.

TRB. Berlin, 6. 2. (Eigene Meldung). Die Berliner Morgenläätter sehen fast alle den wesentlichsten Punkt in den gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers im Reihs* tage in seinem Rimvcis auf die Rotwendiqkeit der parlamen- tarifchen Erledigung des Etats. Die Rede sei ein Rpv-ll an das Verantwortungsbewußtsein des Parlamentes. Mit nicht zu übertreffender Deutlichkeit fei dem R i bstage vor Augen gefüh t, wie sehr Veu schlands Kreditfähigkeit und der wirtschaftliche wie finanzielle Aufbau von der Wieder­herstellung des Vertrauens zu dem Funktionieren des parla­mentarischen Apparates abhängig seien.

Die Berliner Ltadtvcrordnctenver'ammlung ist am Donnerstag abend wieder einmal unter einer astremeinen Prügelei zwischen Kommunisten und Rationalsozialisten auf- geflogen.