chluchtemer Zeitung
Krels-Kmtsbtaü * Myememer amULcherKazeLgeefür den Kreis Schlüchtem
Nr. 15
(1. Blatt)
Dienstag, den 3. Februar 1931
83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
3 .=Hr. 968. Die Zuchthengste vom Landgestüt Villenburg stehen Dom 4. Februar d. 3s. ab auf der hiesigen Deckstation wieder zur Verfügung. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dies ortsüblich bekannt zu geben und dir Züchter daran zu erinnern, daß sie die fälligen Füllengelder ungesäumt an den Stationswärter zu zahlen haben.
Schlüchtern, den 30. Januar 1931.
Der Landrat. I. V.: SchultheiS.
3 .-Ur. 761. Die Grtspolizeibehörden mache ich darauf aufmerksam, daß die Gebühren für die Erteilung von Legi- timationskarten (§ 44 a der R. G. (D.) durch Ziffer 55 des Gebührentarifs zur Verwaltungsgebührenordnung vom 30. Dezember 1926 — G. S. S. 327 — auf 3—10 RITT, festgesetzt sind. Innerhalb dieser Grenze sollen die Gebühren unter Beachtung der Bestimmungen des § 10 a. a. G. bemessen werden.
Ichlüchtern, den 28. Januar 1931.
Der Landrat. 3. V.: Schultheis.
Kreisausschuß.
Jusatzrenten für Kriegsbeschädigte und Kriegs- hinterblirbene.
I .-Nr. 1785 F. Die Empfänger von ZlLatzrenten sind bestimmungsgemäß verpflichtet, jede Aenderung in den Voraussetzungen für den Bezug der Renten der Fürsorgestelle unverzüglich anzuzeigen. hierzu gehören insbesondere Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, Erhöhung des Einkommens jauch der Kinder), Wegfall der Waisenrente oder Kinderzulage, Tod eines Kindes usw. Ueberhobene Zusatzrente muß nach den gesetzlichen Vorschriften in jedem Falle zurückgefordert werden.
Die Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Vormünder von Waisen, die Zusatzrente beziehen, ersuche ich, diese Bestimmungen künftighin genau zu beachten, damit Ueberzahlungen und Rückforderungen an Zusatzrente vermieden werden.
Lchlüchtern, den 29. Januar 1931.
Kreisausschuß des Kreises Schlüchtern Bezirksfürsorgeverband
Abtl.: Kriegsbeschädigten- u. Hinterbliebenen-Fürsorge.
Dr. Müller.
Kapttalabfittdnngen a« Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebeue.
3.=Rr. 20638 F. Die ungünstige Finanzlage des Reiches läßt die Bewilligung von Kapitalabfindungen z. St. nicht mehr zu. Es läßt sich auch heute nicht übersehen, ob und in welchem Umfange künftig Mittel für Kapitalabfindungen bereit gestellt werden können. Da Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene vielfach Verträge über Erwerb von Grundstücken und Errichtung von Häusern ab- schließen, weil sie mit der Bewilligung der Kapitalabfindung in späterer Seit rechnen, mache ich auf vorstehendes ausdrücklich aufmerksam. Ich warne zugleich davor, irgendwelche Verpflichtungen zu übernehmen, solange nicht das Unternehmen einwandfrei finanziert und die Kapitalabfindung bewilligt worden ist. voreilig abgeschlossene Verträge können eine schwere Schädigung und unter Umständen eine Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz der betreffenden Rentenempfänger zur Folge haben. Es kann nicht damit gerechnet werden, daß auf diese Weise entstandene Schwierigkeiten durch bevorzugte Bewilligung einer Abfindung oder Gewährung sonstiger öffentlicher Mittel behoben werden.
Schlüchtern, den 24. Januar 1931.
Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.
I .-Nr. 560 K. A. Die Herren Bürgermeister des Kreises wache ich auf Hu'e im Reichsgesetzblatt von 1931 Teil 1 Seite 11 abgedruckte Verordnung des Reichsrats vom 15. Januar 1931, wonach Veranstaltungen, die am 18. Januar '931 aus Anlaß und zu Elp'en der Reichsgründung unternommen worden sind, der Vergnügungssteuer nicht unter- Hegen, aufmerksam.
Schlüchtern, den 28. Januar 1931.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller!.
Bei einer Schießerei zwischen Kommunisten und Ha- uonalsozialisten in Tharlottenburg wurde ein Kommunist getötet und zwei verletzt. — Am Stettiner Bahnhof in Merlin wurden einige nationalsozialistische Zeitungsverkäu- Ier durch Messerstiche verletzt.
Der Rationalliberale Landesverband Bayern hat beschlossen, sich mit der Deutsch nationalen Volkspartei zu bereinigen.
Die AcheiisSoftnkrise.
Auch die Europa-Konferenz soll sich damit beschäftigen.
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat die Beratungen über die Arbeitslosigkeit abgeschlossen. Der Bericht des Sonderkomitees wurde angenommen und beschlossen, die Frage nochmals auf die Tagesordnung der Aprilsitzung des Verwaltungsrates zu setzen. Der polnische Regierungsvertreter Sokal brächte den Antrag ein, die Frage der Arbeitslosigkeit vor die nächste Konferenz des Studienkomitees für die föderative Gestaltung Europas zu bringen. Diesem Borschlag stimmte der Verwaltungsrat einstimmig zu mit der Maßgabe, daß der Direktor des Arbeitsamtes auf der Verwastungsrats- tagung im April darüber berichten soll, welche praktischen Vorschläge der Europa-Kommission unterbreitet werden sollen.
Der polnische Vorschlag wurde in der Aussprache insbesondere von dem deutschen Arbeitgebervertreter Vogel unterstützt, der an den Verwaltungsrat einen dringenden Appell richtete, zu baldigen und praktischen Ergebnissen hinsichtlich der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu kommen.
Dorstost des Reichslanddundes gegen die Regierung.
TNB. Berlin, 2. 2. ((Eigene Meldung.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat am Sonntag in Berlin eine Beratung abgehalten, in der die Reichslandbundtagung, die am 2. Februar beginnt, vorbereitet wurde. Dabei haben, wie der „Lokal-Anzeiger" meldet, die Vertreter der Provinzial- und Kreis-Landbünde eine Entschließung angenommen, an der sie betonen, daß sie geschlossen hinter der Führung des Reichslandbundes stehen und daß die Gesamtheit des Reichslandbundes einmütig alle beschlossenen Maßnahmen durchführen müsse. Diese Lolidaritäts- erklärung erhält, dem Blatt zufolge, ihre Bedeutung dadurch, daß der Bundesvorstand des Reichslandbundes g^eich- Leiti^eine Entschließung angenommen hat, die eine Kampfansage gegen die gesamte Regierung einschli'ßlich des Reichs- ernährungsmini'ters Schiele, der bis vor kurzem der erklärte Führer des Reichslandbundes war, enthält.
In der Entschließung wird zunächst darauf hingewiesen, daß der Reichspräsident in seiner Botschaft vom 18. März 1930 der Reichsregierung die Aufgabe gestellt habe, die Agrarmaßnahmen mit aller Beschleunigung durchzuführen. Es wird daraus hingewiesen, daß statt besten sich die Lage der Landwirte von Monat zu Monat verschlechtert habe. Es heißt in der Entschließung wörtlich: „Insbesondere vermissen wir jedes Verständnis und die erforderliche rasche Hilfeleistung für den wirtschaftlich zusammenbrechenden und damit nationalpolitisch gefährdeten deutschen Gsten." Die Schuld an dieser katastrophalen Entwicklung der landwirtschaftlichen Krisis wird dann den „einseitig händle- risch" und „exportindustriell" eingestellten Interessen zugeschrieben.
Ueber die Reichsregierung heißt es in der Entschließung: „Auch die gegenwärtige Reichsregierung ist diesen Einflüssen Schritt für Schritt erlegen und dadurch mitschuldig. Die Reichsregierung hat durch ihr Versagen das deutsche Landvolk aufs Schwerste enttäuscht und tiefstes Mißtrauen erweckt. Die Verhandlungen der letzten Tage über neue Agrarmaßnahmen können an diesem Urteil umsoweniger etwas ändern, als die von der Regierung in Aussicht genommene Methode der Durchführung zu Halbheiten und Mißerfolgen führen muß. Der Reichslandbund beimpft um eine Reichsleitung, die sich frei macht von den bisherigen schädigenden Einflüssen und Abhängigkeiten, und fordert daher den Rücktritt einer Regierung, die nicht sofort und ungeschmälert diese Forderung zur Tat macht."
Politische Insammeustötze in Württemberg.
LRB. Stuttgart, 1. 2. ((Eigene Meldung). Nach Schluß einer kommunistischen Versammlung in Ragold, zu der sich auch Nationalsozialisten eingefunden hatten, kam es zu einem schweren Zusammmstoß zwk'ch'n den politi'chen Gegnern. Nach nationalsozialistischer Darstellung sollen die Kommunisten auch Schüsse auf die Nationalsozialisten abgegeben haben. 21 Nationalsozialsten feinen verletzt worden, davon acht schwer. Das Befinden eines Schwerverletzten, der mit einem Bauchschuß in die Tübinger Klinik liege, sei hoffnungslos.
— Bei den Gcmeindewahlen in Rosdin-Schoppinitz (Dst- oberschlesien) errang die Deutsche Wahlgemeinschaft 3 220 Stimmen und acht Mandate, die Korfantv-Partei sieben Mandate, während sich die Regierungspartei Sanacja mit drei Mandaten begnügen mußte.
— In der Nähe von Gleidorf bei Meschede fuhr ein mit vier Kindern besetzter Rodelschlitten einem Lastkraftwagen in die Flanke. Zwei Kinder wurden auf der Stelle getötet, eines erlitt einen schweren Schädelbruch, das vierte eine Gehirnerschütterung.
Anschlag aus einen Schnellzug.
Ein Schienenstück über dem Gleis.
Auf den D-Zug Wien-^-Paris, der nachts Wien ver- läßt, wurde bei Passau ein verbrecherischer Anschlag verübt, der glücklicherweise fehlschlug. Als der Zug, der über Passau nach Paris geht, in der Nähe von Anzbach im Wiener Walde den Kilometerstein 33,1 passierte, bemerkte der Loko- motivführer trotz des 80-Kilometer-Tempos ein Hindernis auf den Gleisen. Der Lokomotivführer zog sofort sämtliche Bremsen und konnte so die Geschwindigkeit des D-Zuges erheblich herabmindern. Die Lokomotive prallte mit großer Wucht gegen das Hindernis und sprang mit den Vorderrädern aus den Gleisen. Nun stellt man fest, daß unbekannte Täter auf den Gleisen einen 16 Kilogramm schweren Schraubstock angeschraubt und eine 90 Zentimeter lange Eisenschiene mit Stricken festgebunden hatten. Durch den ungeheuren Anprall der Lokomotive waren diese Hindernisse herabgerissen und fortgeschleudert worden, worauf der Zug zum Stehen kam.
Es wurde festgestellt, daß das über das Gleis befestigte Schienenstück sowie die am Tatort gefundenen großen Schraubstücke mit einem kleinen rot angestrichenen Lastauto dorthin gebracht worden waren. Von den zweifellos sachkundigen Tätern fehlt noch jede Spur. Die Wiener Blätter erinnern daran, daß in der Silvesternacht des vergangenen Jahres ein ähnlicher Anschlag verübt wurde, den ein Streckenwärter rechtzeitig entdeckte. Diesmal ist es nur der Aufmerksamkeit und Umsicht des Lokomotivführers, der den Schnellzug kurz vor dem Hindernis zum Stehen bradjte, zu danken, daß sich kein Unglück ereignete.
Da der Zug erhebliche Beträge an Gehältern und Löhnen mit sich führte, wird vermutet, daß die Beraubung des Zuges während der Verwirrung geplant war, die bei feiner Entgleisung entstanden wäre.
Eine Masaryk-Gpende.
20 Millionen für soziale, kulturelle und wissenschaftliche Zwecke.
Lau». - Präsidenten Der ^[üe^iäo’LifHeben, Revublik wurden durch Beschluß der Volksvertretung zu seinem 80. Geburtstag 20 Millionen Kronen zum Geschenk gemacht. Präsident Masaryk hat in einer Verfügung diesen Betrag, der sich inzwischen durch die Zinsen um 650 000 Kronen vermehrt hat, in voller Höhe sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen aller Nationen der Republik zur Verfügung gestellt.
Er widmete u. a. für die Errichtung eines Instituts für Krebsforschung und -Heilung den Betrag von zweieinhalb Millionen, für die Errichtung einer Anstalt für Lupus- Heilung drei Millionen, für die Schaffung einer Abteilung für Tuberkulose-Chirurgie zwei Millionen, oer Deutschen Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst in der Tschechoslowakei zwei Millionen, dem Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen 100 000 Kronen, der Deutschen Ar- beitsvereinigung für Volksgesundheit in der Tschechoslowakei 100 000 Kronen, für die Gründung einer ungarischen Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst eine Million, der Genossenschaft der Staatsbeamten zum Bau eines Konvikts und Waisenhauses in Prag eine Million und schließlich für die Errichtung einer Masaryk-Bibliothek in Prag den Betrag von drei Millionen Kronen.
Berliner Presseball 1931. Ein gesellschaftliches Ereignis.
Der Verein Berliner Presse veranstaltete am Sonnabend im Zoo sein traditionelles Winterfest: den Berliner Presseball. Das Fest, dessen Reinertrag Wohltätigkeits- zwecken zufließt, empfing feinen Glanz durch die Anwesenheit der hervorragendsten Persönlichkeiten aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der Dielen eleganten und schönen Frauen.
Unter den Gästen befanden sich Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsfinanzminister Dietrich, Reichsminister des Innern Dr. Wirth, Reichswehrminister Dr. Groener, Reichsverkehrsminister v. Guerar^ und der stellvertretende Reichswirtschaftsminister Staatssekretär Dr. Trendelenburg, von der preußischen Staatsregierung Ilistizminister Dr. Schmidt und Kultusminister Dr. Grimme. Man bemerkte Prinz Heinrich der Niederlande, den österreichischen Gesandten Dr. Frank, den schwedischen Gesandten af Wirsen. Ferner waren u. a. anwesend von der Reichswehr die Generäle v. Schleicher, Hasse und Schreiber, der Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft Dr. Dorpmüller und Dr. Baumann von der Reichsbahnhauptverwaltung, der Präsident der Staatsbank Dr. Schröder, Bürgermeister Dr. Scholtz, Polizeipräsident Grzesinski, die Rektoren der Hochschulen ^md die prominentesten Vertreter von Bühne und Film, Schrifttum und bildender Kunst, Wirtschaft und Finanz.
Die bekanntesten Berliner Kapellen spielten zum Tanz. Die Tombola, die ebenso wie die ganze Veranstaltung Wohltätigkeitszwecken dient, übte einen starken Anreiz aus.
— Gandhin hat erklärt, die Kongreßführer hätten beschlossen, daß die Bewegung des bürgerlichen Ungehorsams weder aufhören noch nachlassen dürfe, wenn die gegen- wärtige Unterdrückung in ihrer bösartigen Form fortgesetzt werde.