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Nr. 13(1. Blatt- Donnerstag, den 29. Januar 1931 83 Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.»Rr. 544. Durch die unter Ziffer 24 des Regierungr- simtsblattes Hr. 3 vom 17. d. Mts. veröffentlichte Gebüh­renordnung sind die Gebühren für die Schlachtvieh- und Fleischbeschau und die Trichinenschau mit Wirkung vom l. Zebruar d. 3s. wie folgt festgesetzt worden:

I. Grdentliche Beschau.

1. Für die ordentliche Schlachtvieh- und Fleischbeschau zusammen und für die Trichinenschau sind folgende Gebüh­ren zu entrichten: '

a) für 1 Pferd oder einen sonstigen Einhufer b) für 1 Stück Rindvieh (ausschl. Kälber)

c) für 1 Schwein einschließl. Trichinenschau)

d) für 1 Schwein (ausschließl. Trichinenschau)

e) für 1 Schwein oder ein Hund (Trichinenschau allein)

5,65 ^

3,05

2,05

1,10

f) für 1 Kalb

g) für ein sonstiges Stück Kleinvieh (Schaf, Ziege, Hund)

h) für 1 Ferkel, oder Zickel, oder Lamm

0,95 0,95

/,

Trichinenschau bei einzelnen Fleischteilen:

0,75

0,30

i) für einen Schinken

k) für ein Stück (Seite) Speck oder sonstiges Fleischstück

0,50

0,35

2. Für die auf Grund der Polizeiverordnung des Herrn Vberpräsidenten zu Kassel vom 8. September 1930 (Reg. Amtsblatt S. 213/214) dem Leschauzwang unterliegenden ha u s s ch I a ch t u n g e n für die Rinder, Schweine, Kälber folgende Gebühren zu entrichten:

a) für 1 Rind (ausschließlich Kälber)

b) für 1 Schwein (einschl. Trichinenschau) c) für 1 Schwein (ausschl. Trichinenschau) d) für 1 Schwein (Trichinenschau allein) e) für 1 Kalb

2,35 X^ 1,40 0,75 0,70 0,70

Gutrard gegen Severlng.

Lebhafte Aussprache über die Uebergabe des Reichswaffer- schutzes an Preußen.

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Uebergabe des Reichswasserschutzes an die Länder hatten Abgeordnete der Deutschnationalen, der Volkspartei und der Bauern­partei auf einen Erlaß des Ministers Severing hingewiesen, der die Reichswasserschutzoffiziere auf ihre Verfassungstreue genau prüfen will.

Im Haushaltsausschuß des Reichstages erklärte zu die- fer Angelegenheit der Reichsverkehrsminister o. Gusrard, er müsse gestehen, daß er durch dieses Vorgehen befremdet sei. Er habe Einspruch erhoben, denn bis zur Ueberführung an die Länder, die sich noch bis zum 1. Juli hinauszögern könne, seien die Beamten ihm unterstellt.

Severings Vorgehen bedeute nicht nur einen Eingriff in seine (des Verkehrsministers) Rechte, sondern auch in die Reichszuständigkeit.

Der preußische Innenminister hätte sich an den Reichs- Verkehrsminister, der die zuständige Stelle fei, wenden müs­sen. Die in Rede stehenden Offiziere seien seit zehn Jahren Wasserschutzbeamte. Ihm seien niemals hinsichtlich ihrer Verfassungstreue Bedenken zu Ohren gekommen. Er halte es für feine Pflicht, sich ichützend vor seine Beamten zu stellen.

Luftfahrthaushalt.

Der Hauptausschuß genehmigte dann den Luftfahrthaus­halt in unveränderter Form. Bei der Aussprache bezeich­nete der Reichsverkehrsminister die Luftfahrt als ein Sor­genkind, und Sorgenkinder habe man am liebsten. Das Ziel des Ministeriums müsse die Gesamtbefreiung der deuischen Luftfahrt von der Distanzierung von anderen Ländern fein, die in dem Mangel der militärischen Luftfahrt liege.

23000 Erwerbslose als M'WÄifer.

Maßnahme« zur Entlastung des ArbcitsNa ktcs.

gänzungsbeschau und Sreiloertretung

Auf Anordnung des Reichspostministeriums sind in der Postverwaltung verschiedene Maßnahmen durch­geführt worden, die die Arbeitslosigkeit etwas mildern sollen. -So konnten durch ^irrschranrung^awticher AuS-

Sackett Der die Wirtschaftskrise.

Eröffnung der amerikanischen Handelskammer in Köln.

Ein neuer Zweig der amerikanischen Handelskammer in Deutschland ist mit der Eröffnung der Sektion für West­deutschland, die ihren Sitz in Köln hat, ins Leben gerufen worden. Anläßlich dieses für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika bedeutsamen Ereignisses fand im Messehof in Köln- Deutz ein Bankett statt, zu dem die Spitzen der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden, sowie hervorragende Vertreter der westdeutschen Industrie, des Handels und der Bankwelt, der Kunst und der Wissenschaft geladen waren.

Die Reihe der Redner eröffnete der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland, King, der der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck gab, daß die neugegründete Zweigstelle der Amerikanischen Handels­kammer in reichem Maße dazu beitragen möge, die Freund­schaftsbande zwischen den beiden Ländern zu festigen und das gegenseitige Vertrauen zu vertiefen. Darauf hielt

der amerikanische Botschafter Sackett

eine Ansprache, in der er zunächst auf die Bedeutung Kölns als internationaler Handelsplatz einging und dann fort« fuhr: In vielen Einzelheiten geben die Interessen Deutsch­lands und Amerikas parallel. Beide sind hoch industriali­sierte Länder, die ihre Fabrikate über alle Meere der Welt senden. Sie empfinden die gleichen Rückschläge des Ge­schäftslebens, und ihr Wohlstand und ihre Not entspringen verwandten Ursachen. Ich habe auch den Eindruck, daß Deutschland in Erkenntnis der Gleichartigkeit der Bewegun­gen, die die Verhältnisse in den beiden Ländern beeinflussen, gespannt nach Amerika geblickt hat, um an den Wolken der Depression, die über dem kommerziellen Leben der Welt hingen, den ersten Silberstreifen zu entdecken.

viele glauben, daß von Amerika die erste Verheißung eines Miederansblühens der Wirtschaft kommen wird.

Die Tatsache ist nicht zu bestreiten, daß das Wirtschafts-

leben heute schwer darniederliegt. und doch fehlt es nicht an

gemäß § 7 AB3.

a) Die Tierärzte erhalten in solchen Bezirken, wo Nicht- lierärzte die ordentliche Beschau ausüben, für jeden Fall chne Rücksicht auf die Tiergattung eine Gebühr von 5,65 3UC

b) Für die von den Tierärzten als Stellvertreter nach § 7 AB3. vorgenommenen Untersuchungen dürfen Wege? gebühren usw. nicht berechnet werden.

III. Wege und Versäumnisgebühren.

1) Bei Reisen aus Rnlaß der Ergänzungsbeschau und der ionft den Tierärzten vorbehaltenen Fleischbeschau werden den beauftragten Tierärzten bewilligt:

a) bei Benutzung von Landwegen, ohne Rücksicht auf die Art der Reiseausführung, eine Gebühr von 0,40 je Kim.

b) bei Benutzung:

aa) der Eisenbahn die Selbstkosten der Fahrkarte 3. Klaffe (wenn 2. KL benötigt, diese),

bb) eines anderen öffentlichen Verkehrsmittels (nach fe­sten Fahrplänen verkehrende Kraftwagen der Reichs­post, Reichsbahn usw.) die Selbstkosten des Fahr­scheins,

Zuzüglich einer Versäumnisgebühr von 0,15 X^ je Kim., K Gesamtreisevergütung, jedoch nicht mehr als 0,21 ie Kim.

3m übrigen verweise ich auf die weiteren Bestimmungen ^obenerwähnten Gebührentarifs. Die Herren Bürger- Mister ersuche ich, die in der Fleischbeschau und Trichinen- W tätigen Personen hierauf hinzuweisen und den Ge- dührentarif in Ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

5chlüchtern, den 22. Januar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

3.-Rr. 588. Der Herr Kreismedizinalrat wird am Diens« dem 3. Februar d. Js. von 9 Uhr ab im hiesigen Kreis-

laufe Sprechstunde halten.

Tchlüchtern, den 26. Januar 1931.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

3.«Rr. 754. Der Bildhauer Friedrich Kaul in Steinau gemäß der Schiedsmannsordnung vorn 3. Vezeiuber 1924 * S. S. 751/24) als Schiedsmann wiedergewählt und be= "uligt worden.

Schlächtern, den 26. Januar 1931.

Der Landrat. J. v.: Schultheis.

, Aus einer aus Regypten kommenden und für ^Rschland bestimmten Goldsendung wurde in Basel ein ^rM Gold im Werte von 23000 Schweizer Franken einem 20 jährigen Baseler Postangestellten gestohlen, s Gold konnte wieder herbeigeschafft und der Täter hastet werden.

-Einschranrung -sachlicher AuS- Anzeichen einer besseren Zeit. In dem

gaben rund *2000 Telegraphenarbeiter und durch Ber- langsamung der Rationalisierung des Fernsprechbetriebs Hunderte von Helferinnen weiter beschäftigt werden. Ferner rvurden zur Bewältigung des lebhaften Ver­kehrs zu Weihnachten und Neujahr diesmal nicht Ueber- stunden angeordnet, sondern Erwerbslose 23 000 an der Zahl eingestellt.

Eine weitere Maßnahme zur Entlastung Des Ar- beitsmarktcs stellt vie Vorverlegung des Vegiuns der neuen Nrlaudsperiode auf Januar da. TaSnrch wird es möglich fein, einige tauscnS Aushilfskräfte zu be­schäftige«.

Hauptmann Lundborg abgesiürzt.

Stockholm, 28. Januar. Der bekannte Militär­flieger Hauptmann Einar Lundborg, der seinerzeit No- bilc am Nordpol rettete, stürzte auS 45 Meter Höhe auf einem Flug über dem Exerzierplatz Malmslätt ab. Hauptmann Lundborg wurde schwer verletzt: eine unmittelbare Gefahr für sein Leben dürfte jedoch nicht vorliegen. Immerhin hat sich Hauptmann Lundborg beide Arme und Beine gebrochen und wohl auch innere Verletzungen davongetragen. Gegen die Brauchbarkeit des Unglücksflugzeugs sollen übrigens am Tage zu­vor lebhafte Bedenken laut geworden sein.

Bei der Rettung NobileS hatte Lundborg bekannt­lich ebenfalls einen Unfall erlitten, wodurch er über 14 Tage auf der Eisscholle festgehalten worden war.

Hauptmann Linar Lundborg, der Retter Robiles, der heute nachmittag mit feinem Flugzeug abgestürzt war, ist heute abend seinen Verletzungen erlegen. Er ist nur 34 Jahre alt geworden.

Der frühere Vorstand einer Nürnberger Kranken­kasse, Franz Rung, hat sich in der Nacht zum Dienstag in der' Zelle des Nürnberger Untersuchungsgefängnisses erhängt. Rung hat ungefähr 48 000 Mark unterschlagen.

3n der Konsummetzgerei einer Schuhfabrik in Kleve explodierte ein Wurstkessel. Durch den kochenden Inhalt wurden zwei Arbeiter schwer und ein dritter leicht verletzt.

Die Demokratische Vereinigung Hessens hat in einer abgehaltenen Sitzung einstimmig eine Entschließung gefaßt, in der es heißt, daß die Partei geschlossen mit dem Reichs- banner Schwarz-Rot-Gold gegen den Faschismus zum Schutze der Republik kämpfen werde.

Die Zahl der Arbeitslosen in den vereinigten Staa­ten anfangs 3anuar wird von dem Präsidenten des ameri­kanischen Gewerkschaftsbundes auf 5 700 000 Mann ge- schätzt. In dieser Zahl sind die arbeitslosen Land- und Büroarbeiter noch nicht enthalten.

Bei der Erstaufführung des MelodramasDie Ge­schichte vom Soldaten" im Stettiner Stadttheater kam es zu lärmenden Kundgebungen der Theaterbesucher, die reihenweise das Theater verließen.

Sturz der Lebensmittelpreise von ihrem Höhepunkt im Juli 1929 auf das niedrigste Preisniveau seit Anfang 1916 liegen die Ursachen des gerade abgeschlossenen Unglücksjahres der Geschäftswelt. Die hoch­industrialisierten Länder, wie Deutschland, Amerika und Großbritannien, haben mehr als andere Teile der Welt das Nachlassen der Kaufkraft der Agrarländer widergespiegelt.

Ich will von den amerikanischen Verhältnissen sprechen, weil ich sie am besten kenne. Die Beobachter des Wirt- schaftslebeys werden in der Zukunft zweifellos die jetzige Lage auf eine Ueberproduktion an Waren zurückführen, deren Entstehung auf die künstliche Anregung des Wirt­schaftslebens durch die Kriegszeit zurückgeht. Amerika ist durch seine Lage nicht nur als industrialisiertes Land, son­dern auch als eines der größten Agrarländer der Welt durch die jetzige Depression besonders schwer betroffen. Sein eigener Inlandsmarkt spürte den Schlag noch heftiger als . sein Exporthandel. Der Wert seiner landwirtschaftlichen Produkte war im Jahre 1930 um 2400 Millionen Dollar geringer als der Wert der Ernten gleichen Umfanges im Jahre 1929. Diese Schrumpfung von Werten zerstörte dir Kaufkraft von einem Drittel der ganzen amerikanischen Be­völkerung. In ihrem Gefolge kam in den letzten Monaten der Zusammenbruch vieler amerikanischer Finanzinjtitme. Zu Beginn dieses Jahres können wir jedoch bezeichnende Veränderungen erkennen, die darauf Hinweisen, daß das Schlimmste überstanden und der Tiefpunkt erreicht ist.

Die Umstellung ist in vollem Gange, und infolge dieses Umstellungsprozesses werden die Grundlagen des Geschäfts­lebens bemerkenswert fest. Die Lagerbestände der Wieder- verkäufer sind in diesem Jahre so gering, wie schon lange nicht mehr, und lassen uns mit Zuversicht der neuen Nach­frage von Millionen Konsumenten entgegensehen.

Der Botschafter schloß seine Rede mit dem Hinweis darauf, daß die Erholung des amerikanischen Wirtschafts­lebens den anderen Ländern zugutekommen werde, daß aber die Voraussetzung für das ungehinderte Wachsen des Wohlstandes in der Welt der Friede sei.

Es folgten dann Ansprachen der Kölner Oberbürger­meisters Adenauer und des Präsidenten der Kölner Industrie- und Handelskammer, Geh. Kommerzienrats Dr. Louis Hagen.

AeManzler und Landwirtschaft.

Empfang »er Führer der Grünen Front.

Reichskanzler Dr. Brüning empfing im Beisein der Reichsminister Schiele und TreviranuS den Grafen Kalckreuth, den Präsidenten Brandes, die früheren ReichSernährungsminister Dr. Hermes und Dr. Fehr sowie den Professor Dr. Warmbold. Vom Reichskanzler wurde in Uebereinstimmung mit den Vertretern der Landwirtschaft als Ziel der Aussprache bezeichnet, in gemeinsamer Arbeit zu einem Gesamtplan zu kommen, der der deutschen Landwirtschaft nicht nur vorüber­gehend Erleichterungen bringe, sondern auf lange Sicht die Grundlagen einer soliden Agrarwirtschaft schaffe.