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MLs-Kmtsbiatt * MyemeLner SWULcherKazeiger für Sei Kreis Schlüchtem
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Nr. 11 (1. Matt-
Samstag, ben 24. Januar 1931
83. Jahrs.
Amtliche Bekanntmachungen
Kandratsamt.
MfwRuv U III2 Nr. 2365/30.
FinMin. I B 3272/22. 12.
Kettrag der Schulverbände ;ur Kandesschulkasse und staatliches Seschulungsgeld.
6. Bei der Landesschulkaffe sind die Einnahmen an Gemeindeanteilen der Einkommensteuer (5/40) im Rechnungsjahr 1930 hinter dem Rassenanschlage zurückgeblieben. 3e= doch kann eine Erhöhung des Stellenbeitrages der Lchul- verbände zur Landesschulkaffe infolge der bevorstehenden allgemeinen Gehaltskürzung vermieden werden.
B. Da eine endgültige Festsetzung z. 3t noch nicht möglich ist, haben wir den neuen Stellenbeitrag der Zchulver- bände vorläufig berechnet und mit Zustimmung des Rassen- anwalts der Landesschulkaffe mit Wirkung vom 1. Februar 1931 an einstweilen auf monatlich
341 3MC
in Worten: Dreihunderteinundvierzig Reichsmark, für je eine Schulstelleneinheit (§ 45 Rbs. 4 ss BB®) festgesetzt). Zugleich werden ebenfalls mit Wirkung vom 1. Februar 1931 an, die Zonderbeiträge der Zchulverbände nach § 45 Übs. 3 OB® neu festgesetzt und zwar
a) für Wohnungsgeldzuschüsse für jede Schulstelle (nicht Stelleneinheit) in Orten der Sonderklasse auf monatlich 20,20 3LM und in Orten der Ortsklasse 6 auf monatlich 9,85 Ml]
b) für Rirchenamtszulagen ist nach § 45 Rbs. 2 VBGs. ein Sonderbeitrag in Höhe dieser Zulagen (Sollausgaben) mit einem Zuschläge von 2O°/o an die Landes- schulkasse zu zahlen.
T. Das Beschulungsgeld (§ 46 BB®.) wird mit Wirkung vom 1. Februar 1931 vorläufig auf den Ropfsatz von 3,60 5tM, in Worten: „Drei Reichsmark 60 Rpf.", fest- ^^^SlflPIB^S^SPÄRSSS^SSnrSFSiS 1930 MfwRüv U IIIE 1246 FinMin. I B 3262. 17. 6. festgesetzten Sätze sind vom 1. Februar 1931 bis auf weiteres die neuen Sätze an Beiträgen der Schulverbände zur Landesschulkasse einzuziehen und an Beschulungsgeld aus der Staatskasse an die Schulverbände zu zahlen. (Rassenan- weisungen nach den vordrucken 2529, 2530, 2531, 2532, 2520, 2522). Für die Monate Februar und März 1931 bleibt bei den Schulverbandsbeiträgen die bisherige Zahl der Mehrstellen und bei dem Beschulungsgeld die bisherige Zahl der Schulkinder unverändert. Stichtag 1. Februar 1930.
Zugleich im Namen des Herrn preußischen Finanzministers- Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. 3m Ruftrage, gez. Menzel.
3.=Rr. 586. Diejenigen Herrn Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 13. v. Mts. — Nr. 10977 — Schlüchterner Zeitung Nr. 151), betr. Aufstellung der Eichlisten, noch im Rückstände sind, werden an die als- baldige Erledigung erinnert.
Lchlüchtern, den 22. Januar 1931.
Der Landrat. 3. B.: Schultheis.
- Bei einer Durchsuchung der Wohnungen kommunistischer Funktionäre in Essen wurde von Beamten der politischen Polizei eine größere Anzahl von Militärbandfeuer- waffen mit dazugehöriger Munition beschlagnahmt. Die Schuldigen wurden festgenommen.
Auf dem Schwarzen Meer herrscht schweres Sturm« weiter, von einem englischen und einem griechischen Vam- pser, bie von Ronstantinopel ausgelaufen sind, fehlt jede Uachricht. An der Küste des Schwarzen Meeres werden ins« gesamt 300 Motorboote vermißt. Bei dem Sturm im schwarzen Meer ist der russische Dampfer „Zavaslia" mit Mann Besatzung und 14 Passagieren untergegangen, ütemonb konnte gerettet werden.
~~ 3n der Acabemic Franeaise fand die feierliche Auf« Mme des Marschalls Petain statt, der für den durch Tod des Marschalls 3offre freigewordenen Sitz gc- wählt worden ist.
. Die von klußenminister Zaleski angekündigte Klage schlesischen Bufständischenverbandes gegen den Deut« Volksbund ist beim Rattowitzer Burggericht cingelau- Wu. Der Aufftänbifdxnverbanö fordert die Bestrafung des Zischen Volksbundes wegen Beleidigung.
. 3n Taltanisctta auf Sizilien wurde das Urteil über ? Maffiamitglieder gefällt, denen 2800 verbrechen zur gelegt werden. 55 der Beschuldigten wurden freige- Vocheu. Ein Urteil lautet auf lebenslängliches Zucht-
5 auf je 30 Jahre Gefängnis. Den übrigen Berur« eilten wurden c twa 1000 Jahre Gefängnis zugesprochen.
Verkehrsrückgang bei der AeichBahn.
Starke Einnahmeausfälle.
Der Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn ging im Dezember wiederum erheblich zurück. Der Personenverkehr war in der ersten Hälfte des Monats schwach. Es setzte dann im Nahverkehr, und zwar nach den großen Städten, eine leichte Belebung zu den Weihnachtseinkäufen ein. Mit dem Beginn der Schulferien belebte sich auch der Fernverkehr. Der Weihnachtsverkehr im ganzen blieb indessen hinter den Erwartungen zurück. Der WochenendausflugS- und Sportverkehr konnte sich bei den ungünstigen Witterungsverhältnissen nicht entwickeln. Der Berufsverkehr bewegte sich entsprechend der wachsenden Zahl der Arbeitslosen weiter rückläufig.
Wie sich aus den jetzt vorliegenden Zahlen ergibt, war schon im November die Entwicklung des Güterverkehrs katastrophal. Die Einnahmeverluste gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres betrugen hier allein 79,6 Millionen Mark. Da gleichzeitig der Personenverkehr infolge der zunehmenden Arbeitslosigkeit geringere Einnahmen brächte, ergab sich für November 1930 im ganzen eine Mindereinnahme von 92,3 Millionen Mark. Dadurch erhöhen sich die Gesamteinnahmeausfälle seit Beginn des Geschäftsjahres 1930 gegen 1929 auf 722,7 Millionen Mark.
Reichserziehungswoche der evangelischen Elternschaft.
Berlin, 23. Januar. Vom 25. bis 31. Januar d. I. findet die alljährlich vom Evangelischen Reichseltern- bund veranstaltete Reichserziehungswoche statt, die von mehr als fünfundzwanzig großen Verbänden und Organisationen der Elternbewegung und Lehrerschaft, der Frauen, der Juaend-Erziehungs- und Wohlfahrtsarbeit getragen wird. Zahlreiche Kundgebungen und Feiern im ganzen Reiche sind vorgesehen. Das Thema der Reichs- erziehungswoche 1931 ist die Wiedergeburt der Familie als Voraussetzung für den Wiederaufstieg unseres Volkes.
Saarbrücken, 23. Januar. Die Regierungskom- mission hat mit sofortiger Wirkung daS Tragen von Abzeichen und Uniformen für die Wehrverbände und Parteiorganisationen sämtlicher Richtungen von den Nationalsozialisten bis zu den Kommunisten verboten.
Grubcnkatastrophen.
*r- London, 23. Januar. In einem Bergwerk in Lanarkshire ereignete sich aus bisher nicht bekannten Gründen eine Explosion, bei der fünf Bergarbeiter getötet und mehrere verletzt wurden. — Bei einer Gru- benexplosion in Christow fanden fünf Bergleute den Tod, sechs wurden schwer verletzt und mehrere von der Rettungsmannschaft durch ausströmend« Gas« besin- nunasloS
Neuer Weltrekord.
London, 23. Januar. Kap Don erzielt« mit dem Motorboot Miß England II auf dem Neagh-See in Irland eine Stundengeschwindigkeit von 100 Meilen und schlug damit den Weltrekord, den Sir Henry Se- grave mit demselben Boot auf dem Windermerlsee ausgestellt hatte. Wie erinnerlich, hatte er hierbei den Tod gefunden,
Wo ist Elli veinhorn?
— Madrid, 23. Januar. Die Sportfliegerin EM Beinhorn, die auf ihrem Afrikaflug am 18. Januar mit ihrem Flugzeug in Kap Juby an der Westküste von Nordwestafrika eingetroffen war, wollte am 20. Januar ihren Weiterflug nach Villa EiSneros antreten. Seither hat man nichts von ihr gehört.
Auch ein Rekord.
Neuyork, 25. Januar. Die Zahl der in den Bereinigten Staaten im Jahre 1930 bei Autounfällen ums Leben gekommenen Personen betrug 32 500 gegen 31 215 im Jahre 1929. Es ist dies die Höchstsatz! der Opfer, die bisher erreicht morden ist.
— Die französische Regierung Stceg ist Donnerstag abend in der Kammer bei der Abstimmung über die Priorität mit 293 gegen 293 Stimmen in der Minderheit geblieben und darauf zurückgetreten.
— Line nationalsozialistische Versammlung im Saalbau Friedrichshain in Berlin endete mit einer wüsten Schlägerei, bei der nicht weniger als 100 Personen verletzt wurden, barunter 5 schwer. Die gesamte Saaleinrichtung wurde demoliert. Die Polizei räumte den Saal. Unter den Verletzten befinden sich auffallend viele Frauen. Die Polizei nahm 22 Sistierungen vor. Ls wurde einwandfrei festgestellt, daß die Schlägerei von K. p. v.-Rngehörigen angezettelt wurde.
- Auf (ber Bosna bei Serajowo ereignete sich ein Fährunglück, wobei 4 Frauen ertranken.
— Der Essener Mordkommission ist es gelungen, den 28 jährigen Mörder Otto Slawski und die 22 jährige Maria Spicgelberg zu verhaften. Die schwerverwundete Frau Hermsen ist ihren Verletzungen erlegen, so daß die Mordtat jetzt zwei Opfer gefordert hat.
Sie letzte Woche.
Das große Rededuell Eurtius — Zaleski vor dem Völkerbundsrat hat mit einer schweren Niederlage Zaleskis geendet, der in seiner Abwehr der deutschen Beschwerden äußerst matt und ungeschickt war. Er mußte schon in seiner ersten Rede zugeben, daß ein großer Teil der Beschwerden berechtigt ist. Man muh sich freilich darüber klar sein, daß es sich für Deutschland hierbei mehr um einen moralischen Erfolg handelt; das praktische Ergebnis ist gleich null. Die polnische Regierung wird weiter die Früchte des Wahlterrors genießen, und ob nun ein paar untergeordnete Beamte zu Sündenböcken gemacht werden, das spielt keine große Rolle.
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Die scharfen Gegensätze im neuen Reichstag machen sich auch in den Ausschußberatungen bemerkbar. Nachdem es vor einigen Tagen erst im Rechtsausschuß einen Zwischenfall gegeben hatte, der durch das Fernbleiben der Nationalsozialisten hervorgerufen worden war, ist am Mittwochnachmittag der Haushaltsausschuß aufgeflogen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Rosen- feld hatte bei der Beratung des Justizhaushalts erklärt, der Höhepunkt in dem Prozeß gegen die Ulmer Offiziere sei gewesen, daß man dem „Hochverräter" Hitler das große Wort gestattet habe. Der Abgeordnete Schwarz (Natsoz.) griff den Abgeordneten Dr. Rosenseld scharf an, indem er sich der Wendung bediente, die Nationalsozialisten seien der Ansicht, daß „ein marxistischer Jude in Deutschland überhaupt nicht das Recht habe, mitzureden." Auf die Anfrage des Abgeordneten Keil (Soz.), warum der Vorsitzende Abgeordneter Reinhardt (Natsoz.) den Abgeordneten Schwarz wegen seiner Aeußerung gegen Abgeordneten Dr. Rosenseld nicht zur Ordnung gerufen habe, erklärte der Vorsitzende, die Beleidigungen Nosenfelds durch Schwarz seien erst die Folge der Beleidigung des Parteiführers Hitler durch den Abgeordneten Dr. Rosenseld gewesen. Deshalb sehe er keinen Anlaß, den Abgeordneten Schwarz zur Ordnung zu rufen. Die Sozialdemokraten verließen darauf den Saal und erklärten, unter dem Vorsitz des Abgeordneten Rein- hardt nicht mehr tagen zu wollen. JMuf Intervention des SentfS: . \ sie Der Vorsitzende dann tmar insofern ein. als er außer den Abgeordneten Dr. Rosenseld und Roßmann (Soz.) auch den Abgeordneten Schwarz zur Ordnung rief. Die Sozialdemokraten lehnten es jedoch weiterhin ab, unter dem nationalsozialistischen Vorsitzenden zu tagen. Nach Ablehnung eines Vertagungsantrages verließen dann auch die Vertreter des Zentrums, der Deutschen Volkspartei. der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschaftspartei den Saal, so daß die Sitzung beschlußunfähig wurde.
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Die Europa-Konferenz ist am Mittwoch nach fünftägigen Verhandlungen zu Ende gegangen. Das Ergebnis sind fünf Entschließungen, die in der Schlußsitzung angenommen wurden. Die erste Entschließung bezieht sich auf die Einsetzung eines Ausschusses, der die Frage des Absatzes des sofort verfügbaren Getreideüberschusses prüfen soll. Nach der zweiten Entschließung soll weiter eirftElfer- komitee eingesetzt werden, das die Frage prüfen soll, wie allgemein die künftigen Getreideüberschüsse in Europa ab- gesetzt werden sollen. Die dritte Entschließung sieht die Bildung eines Ausschusies für die Agrarkredite vor. In der vierten Entschließung werden die Konferenzmuglieder aufgefordert, die Genfer Handelskonvention vom März 1930 sobald wie möglich in Kraft zu setzen und die auf der zweiten Zollfriedenskonferenz im November o. I. angeregten zweiseitigen handelspolitischen Verhandlungen aktiv zu betreiben. In der letzten Entschließung wird der Generalsekretär aufgefordert, der Maitngung^den Bericht über die Arbeitslosigkeit und ihre schweren Folgen für die europäische Wirtschaft entsprechend dem Beschluß der Völker- bundsversamnüung vom September v. I. vorzulegen.
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Rechnet man zu diesen fünf Entschsießungen noch das Manifest hinzu, in dem die Möglichkeit eines neuen Weltkrieges an die Wand gemalt wird, so hat man das ganze kümmerliche Ergebnis der zweiten Pancuropa-Konserenz beisammen. Mau ist noch nicht über Vorarbeiten zu Vorarbeiten herausgekommen; aber gleichwohl: Briand ist zufrieden. Bei einem Presseempfang erklärte er nach Abschluß der Konferenz, er sei mit dem Verlauf und dem Ergebnis der Konferenz sehr zufrieden, und die Verhandlungen seien in einem herzlichen, ja, man möchte sagen, in einem brüderlichen Geiste zwiscben den Außenministern geführt worden. Ueber die künftige Teilnahme der forojet« russischen Regierung an den Arbeiten der Konferenz befragt, meinte Briand, die sowjetrussische Regierung hätte vielleicht gerade von ihrem besonderen wirtschaftspolitischen Standpunkt aus Anregungen für die Lösung der Krise, in her sich Europa befindet, zu machen. Er bestätigte, daß Rußland vorerst nur zu den wirtschaftlichen Arbeiten eingeladen werde und daß über eine Erweiterung dieser Mitarbeit aus anderen Gebieten jeweils die europäische Konferenz ent» scheiden müHe.
Die Gehaltskürzung in Danzig abgelehnt.
Danzig. 23. Januar. Der Volkstag stimmte in seiner gestrigen Sitzung über das verfassungsändernde Gesetz betreffend Kürzung der Beamtengehälter ab. Für das Gesetz wurden 41 Stimmen abgegeben, dagegen 28. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit ut somit nicht erreicht worden.