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WlWemer Zeitung

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Nr. 9 <1. Blatt, Dienstag, den 20. Januar 1931 83. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

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I .-Nr. 220. Ruf folgende Bestimmungen, die in Ergän­zung des Bufwertungsgesetzes vom 16. Juli 1925 (R. G. BI. I S. 117) ergangen sind, weise ich besonders hin.

1. Gesetz über die Fälligkeit und Verzinsung der Bufwer- tungshypotheken vom 18. Juli 1930 (R. G. Bl. I S. 300), 2. Gesetz über die Bereinigung der Grundbücher vom 18. Juli 1930 (R. G. BI. I $. 305),

3. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zu 1 vom 28. August 1930 (R. G. BI. I S. 446),

4. Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zu 1 vom 5. Dezember 1930 (R. G. Bl. I S. 608).

Schlüchtern, den 15. Januar 1931.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.»Rr. 518. Der Herr Rreismedizinalrat wird am Frei­tag, dem 23. d. Bits, von 9 Uhr ab im hiesigen Kreis« Hause Sprechstunde halten.

Schlüchtern, den 16. Januar 1931.

Der Landrat. J. v.: Schultheiß

J.=Rr. 484. Die ab 1. Februar 1931 eingetretene Kür­zung der Beamtenbesoldung um 6 % erstreckt sich auch auf die für den nebenamtlichen Unterricht an ländlichen Fort­bildungsschulen zu gewährenden Stundenvergütungen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dies bei Auszah­lung der Vergütungen zu berücksichtigen.

Schlüchtern, den 17- Januar 1931.

Der Landrat: Dr. Müller.

J.-Rr. 463. Das den Herren Bürgermeistern und Schul- Verbandsvorstehern in den nächsten Tagen zugehende For­mular zur Uebersicht über die Zahl der die öffentliche Volksschule besuchenden schulpflichtigen Rinder nad) dem Stande vom 1. Februar d. Js. ist nach Benehmen mit dem betreffenden Schulleiter sorgfältig auszufüllen und bis zum 5. n. Mts. hierher zurückzusenden.

Meine Verfügung vom 17. Januar 1927 Rr. 399 Kreisbl. Nr. 10 und die Anmerkungen auf der Rückseite des Vordrucks ersuche ich zu beachten.

Der Termin ist genau einzu,halten. Schlüchtern, den 16. Januar 1931.

Der Landrat. Dr. Müller.

Kreisausschutz.

(Einreibung der Veränderungsanzeigen zu den Forensen- verzeichnissen gem. § 48x) der Busf.-Best. zum Tinkom- mensteuergesetz,

KdLrl. d. MdI. u. d. FM. d. 8. 1, 1931 IV St 1503/30 u. II A 2717/30.

Mit Bezug auf den RdTrl. v. 7. 11. 1927 IV St 1221 u. II A 11955 (MBliv. S. 1063) weisen wir die Gemeindebehörden besonders darauf hin, daß wiederum die jährlichen Veränderungsanzeigen zu den Forensen- Verzeichnissen an die zuständigen Finanzämter einzu- rächen sind. Wegen der Wichtigkeit der Vollständigkeit dieser Verzeichnisse, namentlich auch für die Feststellung der reichsrechtlichen Recknungsanteile der Gemeinden an Irr Einkommensteuer, ersuchen wir die Gemeinden, der sorg­fältigen Aufstellung und rechtzeitigen Rebersendung der Ver­änderungsanzeigen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. An die Stadt- und Landgemeinden fGutsbezirke) nach- Nchtlich an die Reg.-Präs, und die Landräte.

J.=Rr. 266 K. A. wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 16. Januar 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

3. =Rr. 7207 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- vnd Landgemeinden des hiesigen Kreises ersuche ich unter Bezugnahme auf § 1 Bbsatz 1 der Rreisvergnügungssteuer- vrdnung vom 24. Juli 1925 (Kreisblatt Nr. 80 von 1925) vm umgehende Einsendung eines Verzeichnisses über 0>e in den Monaten (Oktober Dezember 1930 verein- vahmte Vergnügungssteuer und um Abführung des Kreis« v'Üeils an die hiesige Rreiskommunalkasse. Schlüchtern, den 17. Januar 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

- Bei dem Stahlhelmtag in Bachen kam es verschie- Ohntlich zu Zwischenfällen, sodass die Polizei mit dem Gum- ^ilmüppel einschreiten mußte. Jn einer Strafte wurden vvrbeiziehende Stahlhelmer mit kochendem Wasser begos- ?n und mit Blumentöpfen beworfen. n , Jn Hamburg kam es Sonntag vormittag zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten vor einer Wirtschaft einer Schießerei, wobei ein Kommunist und zwei Ra« "vnglsozialisten verletzt worden sind.

Sie ReichSgröndungsfeier.

Der Festakt der Reichsregrerurrg.

AuS Anlaß der Reichsgründungsfeier der Reichs- regierung war der große Sitzungssaal des Reichstags festlich geschmückt, diesmal jedoch in einfacherer Weise, als es sonst bei Feierlichkeiten im Reichstag der Fall gewesen ist, aber um so würdiger gerade für diese ernste Feier. Ueber dem Präsidentensitz war wie üblich der große Reichsadler angebracht, darunter die Worte aus dem Deutschlandlied:Einigkeit und Recht und Freiheit." Hinter der Rednertribüne war eine Kolos- salbüste des Fürsten Bismarck in Bronze ausgestellt. Rechts und links vom Präsidentenplatz und zu Seiten der Rednertribüne trugen Reichswehrsoldaten die lange Reihe der alten Fahnen des Heeres, die zum Teil schon in dem Kriege vor sechzig Jahren mitge­führt waren. Vor der großen Mittelloge an der rechten Saalseite, in der der Reichspräsident wie üblich Platz nahm, hing von der Empore die Standarte des Reichspräsidenten herab. Die ReichSregierung und die Ländervertreter waren auf ihren Plätzen in reicher Zahl erschienen. Die auswärtigen Missionen waren nicht geladen, da es sich um eine rein nationale Feier handelte. Der Saal war bis auf den letzten Platz von der eingeladenen festlich gekleideten Menge, Damen und Herren angefüllt. Die Reichstagsparteien waren sämtlich eingeladen und hatten Vertreter ent­sandt; nur die Nationalsozialisten hatten aus den von der Fraktion bekanntgegebenen Gründen eine Teil­nahme an der Feier abgelehnt, und die Kommunisten waren auch nicht vertreten. Unter den Eingeladenen befanden sich folgende

sieben Kriegsveteranen aus vem Fctvzug von 1870=71, darunter die vier erstgenannten, die an der Kaiser- Proklamation im Spiegelsaal des Schlosses zu Ver­sailles am 18. Januar 1871 teilgenommen hatten: Fritz Abel-Neufahrwasser, Karl Kanueuberg-Berlin, Christian Loof-Hornhausen b. Aschersleben, August Berlin, August Ltnke-Berlrn. Die Veteranen wurden dem Reichspräsidenten durch den Reichsinnenminister Dr. Wirth vorgestellt.

Pünktlich zur festgesetzten Stunde um 11V« Uhr erschien

vor Reichspräsident, ehrfurchtsvoll von den Versammelten durch Erheben von den Sitzen begrüßt. Der Reichspräsident trug das Großkreuz des Eisernen Kreuzes und den Stern dazu. Er wurde begleitet von dem Reichstagsprä- sidenten Lobe, dem Reichswehrminister Groener und dem Reichsinnenminister Wirth. Das Berliner Funk­orchester unter Leitung seines Dirigenten Bruno Seio- ler Winkler intonierte das Brandenburgische Konzert Str. 3 in G-Dur von Sebastian Bach. Darauf ergriff

Geheimrat Prof. d. Ar. Wilhelm Kahl

das Wort zu einer Ansprache, die er mit einem Rück­blick auf den Tag der Reichsgründung einleitete. Er führte dann weiter auS: Rechtlich gesehen war nichts geschehen, vaterländisch gesehen alles. Rechtlich war die Einheit schon da. Bereits am 1. Januar waren die deutschen Staaten unter demPräsidium" des Kö­nigs von Preußen zu einem neuenDeutschen Bund" zusammengeschlossen. Eine einzige Aenderung nur trat ein: stattPräsident" undBund" hieß es fortan Kaiser" undReich". Das aber war mehr als recht­liches Geschehen, es war die Krönung des Verfas- sungSwerkes vom 1. Januar, es war vaterländisch alles. Was vorhergehend durch zwei Menschenalter das deutsche Volk in nationalen Dingen geträumt, ge­dichtet, gehandelt, worum es gestritten und gelitten hatte, war erfüllt: ein Deutsches Reich. So ist zu verstehen, daß mit diesem Tage das Bewußtsein des Volkes die Tatsache der Reichsgründung Verb inden und in seinen Erinnerungsfeiern festgehalten hat.

Seit jenem 18. Januar heute 60 Jahre! Eine andere Welt und Umwelt! Ein Weltbeben hat die europäische Staatenordnung erschüttert und das deut­sche Reich an den Abgrund gerissen. Es hat ihm seine Grenzen eingedrückt und aus der Quelle einer Lüge unerträgliche Lasten aufgezwungen. Nach außen sind wir in täglichen Kampf um Recht und Gerechtigkeit gestellt, nach innen sind wir in wirtschaftlicher, kultu­reller und vieler anderer Not. Das staatlich-politische Leben ist tausendfach kompliziert und der Streit unter den Deutschen oft bis zur Siedehitze gestiegen.

Habe« wir Anlaß zu einer Reichsgründur g.-feter? Trotz allem und mit heißem Herzen: Ja! Nicht zu einer Jubelfeier, aber zu einer Feierstunde tiefen Ernstes und heiliger Entschlüsse, zu einer Atempause auf dem so steilen Rückweg zur Höhe, zur Selbstbe- sinnnug auf den Werdegang deutscher Einheit und Freiheit, um daraus Gewissensschlüsse zu ziehen auf Gegenwart und Zukunft.

Der Redner gedachte dann rückblickend, wie der ReichSgedanke immer wieder die treibende Kraft ge­wesen ist, schon 1813=14 und dann wieder 1848, bis dann 1871 der Traum des deutschen Volkes in Er­füllung ging. Professor Kahl fuhr dann fort:

Aber nicht Gedächtnis und Erinnerung allein! Der Tag hat tieferen Sumi WillenSerneueruug, vater­

ländische Entschlüsse im Geist unserer Geschichte. Vieles ist uns genommen, das Reich ist geblieben. Feier der Reichsgründung kann keinen anderen Sinn haben, als Gelöbnis der Reichserhaltung, als die Losung

Haltet das Reich!"

Reichserhaltung ist die Lebensfrage des Deutschtums überhaupt. Halten wir heute die Einheit, so wird auch die Freiheit wieder leuchten. Was ist zu tun? Mein Schlußappell auf diese Frage richtet sich an see­lische, sittliche, vaterländische Wiederaufbaukräfte im deutschen Volk. Staat und Volk ist das Grundproblem. Die Kluft liegt heute in der Zerrissenheit des Volkes selbst gegenüber dem Staat. Parteien an sich sind unvermeidlich, ja notwendig, auch der Streit unter ihnen ist naturnotwendig. Selbst die Vielheit von Par­teien ist zu ertragen, aber es fehlt an der inneren Verbundenheit der Parteien untereinander im letzten Zweck, nichts anderes zu sein als Gliederungen für den Dienst an Staat, Volk und Vaterland.

Abschließend erhob der Redner die Mahnung, mehr Vertrauen, mehr Geduld und mehr Dankbarkeit zu zeigen. Verloren, so betonte er, ist nur das Volk, das sich selbst verloren hat.

Professor Kahl erinnerte zum Schluß an FichteS Ruf zur weltgeschichtlichen Verantwortung:Es ist daher kein Ausweg: wenn Ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit ohne Hoffnung einer ein­stigen Wiederherstellung" und an Schenkendorffs hoff- nungsfreudige Verheißung der Zukunft:

Nimmer wird das Reich zerstört, wenn Ihr einig seid und treu!"

Möge beides der dauernde Gewinn unserer Reichs­gründungsfeier sein. (Lebh. Beifall.)

Nachdem das Orchester von der Beethovenschen 5. Symphonie in C-Moll den vierten Satz vorgetragen hatte, nahm das Wort

Reichskanzler Dr. Brüning

zu einer Aussprache, in der er u. a. ausführte:

WWMWMnw' Sorgen lasten schwer auf uns, aber das Wechselvoile Geschehen unseres Volkes in seiner tau­sendjährigen Geschichte bezeugt, daß es auch die härte­sten Stürme überwindet und siegreich durch alles Leid geht, wenn es einig und geschlossen ist. An diese Ein­heit und an dieses Zusammenhalten soll uns die Er­innerung an jenen Höhepunkt deutscher Geschichte mah­nen und uns leuchtend vor der Seele stehen. Sie wird uns die innere Kraft geben, unerschrocken und un« erschüttert auf dem Wege des deutschen Wiederauf­stiegs fortzuschreiten, auf dem uns das Oberhaupt des deutschen Volkes vorangeht. Ihn, unseren hoch­verehrten Herrn Reichspräsidenten, als Zeugen der Reichsgründung heute unter uns zu sehen, gibt dieser Feierstunde eine besondere Weihe.

Wir werden in dem Glauben an eine bessere deut­sche Zukunft nicht verzagen und alles daran setzen, dem feierlichen Wunsche der Proklamation von 1871 ent­sprechend auch unsererseits auf dem Gebiete natio­naler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung Mehrer des Teutschen Reiches an den Gütern und Gaben des Frie­dens zu sein. Für dieses Ziel wollen wir für Reich und Volk unsere letzte Kraft hingeben und dafür im Ge­denken an den großen Kanzler, den Fürsten Bismarck, Zeugnis ablegen in dem Ruf:

Unser geliebtes BaterlauS, es lebe hoch!

Dir Anwesenden stimmten dreimal begeistert in den Hochruf ein. Mit dem Gesang der ersten und drit­ten Strophe des Deutschlandliedes schloß die Feier.

Während der Feier hatten vor der großen Frei­treppe zum Reichstagsgebäude die Ehrenkompanie der Reichsn-ehr und einige Abteilungen der Schutzpolizei Ausstellung genommen. Auch eine zahlreiche Men­schenmenge hatte sich schon Stunden vorher trotz der ungünstigen Witterung auf der Rampe des Reichs- tageaebäudes und auf dem weiten Platz um das von vielen Kränzen geschmückte BiSmarck-Denkmal ein» gefunden. Brausender Jubel und Hoch- und Heilruf« erschollen, als schließlich die Fahnenkompanie der Reichswehr und nach den Veteranen auch der Reichs­präsident unter Salutschüssen auf der Freitreppe er­schien und unter den Klängen des Deutschlandliedes, allseits grüßend, langsam die Stufen Herabschritt. Un­ter den Klängen des Präsentiermarsches und lauten Jubelrufen schritt Reichspräsident von Hindenburg dann entblößten Hauptes in Begleitung des Reichs­wehrministers und mehrerer Offiziere die Front der Fahnenkompanie und der präsentierenden Ehrenkom­panie ab.

Unter erneuten begeisterten Rufen fuhr Reichs­präsident von Hindenburg dann in den Sport-Palast zur ReichSgrüuduugsseier des Kyffhäuserbundes.

Jm Jn« und AusIanöe fanden Sonntag überall wo Deutsche leben Reidjsgrünbungsfeicrn aus Bnlaft der 60^ Wiederkehr des Tages der Reichsgründung im versailler Schloß statt. Ueberall wurde auf die Bedeutung des Tages hingewiesen und dabei mit Ehrfurcht des Gründers des Deutschen Reiches, des Fürsten Bismarck ,gedacht.