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MlWemer Zeitung

Kreis-Kmlsbtatt * Myemnner amtlicherKnzeigev für 6m Kreis SchlüchtM

Nr. 4

(1. Blatt)

Donnerstag, den 8. Januar 1931

83. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen L a n d r a f 's a M t

IV a I 742- Die Notwendigkeit einer allgemeinen und . durchgreifenden Senkung der preise, die auch bereits zu entsprechenden Maßnahmen der Reichs- und Staatsregie- , rang geführt hat, macht es erforderlich, auch bei der Ver­gebung von Leistung?- und Lieferungsaufträgen der Behör­den darauf hinzuwirken, daß, soweit nur irgend möglich, Preisabschläge erfolgen. Die besondere Bedeutung, die die öffentlichen Aufträge gerade in Seiten ungünstiger verhält- nisse für die Wirtschaft haben, wird es den Behörden mög­lich machen, dafür zu sorgen, daß sich die Vergebung der­artiger Aufträge auch auf die Senkung der Lieferungs- und Leistungspreise auswirkt, sofern die Preisgestaltung nicht bereits der allgemeinen nach unten gerichteten Be­strebung der Preisbildung in ausreichendem Maße Rech­nung getragen hat.

Die Gemeinden und Gemeindeverbände werden daher gebeten, bei jeder Bestellung oder Vergebung die Fragtz mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob und in welchem Rahmen den Lieferanten eine Preisermäßigung gegenüber den bisher üblichen preisen zugemutet werden kann. Das wird vor allem auch auf dem Gebiete des Bauwesens gel­ten, wo die Baustoffe im letzten Jahre eine durchschnitt­liche Senkung von etwa 15 v. H. erfahren haben und eine

entsprechende Senkung der Gesamtkosten erstrebt werden muß.

Berlin, den 20. Dezember 1930.

Der Minister des Innern.

III 5311 a/29. 10.

Krtr. Ausgabe von InvaUdenqutttnngakarten.

Es ist in letzter Seit wiederholt darüber Klage ge­führt worden, daß seitens der (Huittungskartenausgabestel- ober abhanden gekommener (Quittungskarten eine Prüfung der Richtigkeit der Angaben über die Persönlichkeit der Antragsteller nicht erfolge. Unter Hinweis auf Ziffer 6 Rbsatz 5 der Anweisung für die (Quittungskartenausgabe vom 20. November 1911 halte ich eine Prüfung der Per­sönlichkeit talls in der Natur der Sache liegend. In Swei- felsfällen ist vor der Ausstellung und dem Umtausch von Quittungskarten die Richtigkeit der Angaben des Antrag­stellers ober Karteninhabers über seine Persönlichkeit ein. gehend zu prüfen und die Vorlage des Geburtsscheines oder einer anderen ausreichenden Ausweises über feine Person zu fordern. Letzteres gilt insbesondere für alle Fälle, in denen ein der Ausgabestelle persönlich nicht bekannter An­tragsteller eine neue Karte mit der Begründung fordert, daß ihm die frühere (Quittungskarte gestohlen ober abhan­den gekommen sei. ' s <

Ich ersuche, die QuittungskartenausgabefteUen mit entsprechender Anweisung zu versehen.

Berlin, den 19. vez. 1930.

Der preußische Minister für Volkswohlfahrt.

r , sez. Hirtsiefer.

J-Nr. 2347 D. Die (tzuittungskartenausqabestellen ; werden ersucht, vorstehenden Erlaß bei Ausstellung neuer Quittungskarten genau zu beachten.

Schlüchtern, den 3. Januar 1931.

Der Vorsitzende des Versicherungsamts.

J. V.: Schultheis.

I-Nr. 11424. Es ist mir bekannt geworden, daß in verschiedenen Gemeinden des Kreises die Sterilitätsbekäm- pfung mittelst des ApparatesIntraskop" vorgenommen wird. Bei dem Gebrauch dieses Apparates, der vollkom- men zwecklos ist, besteht die Gefahr, daß bei mangelhafter Desinfektion des Apparates der Scheidenkatarrh und an­dere Krankheiten weiter verbreitet werden. 3m Interesse ber Viehzucht richte ich deshalb an die Landwirte bie brin- Wcmde Mahnung, für die Folge von der Verwendung des aglichen Apparates abzusehen.

Schlüchtern, den 2. Januar 1931.

Der Landrat. Dr. Müller.

ebammentagebücher

sind zu haben in 6er

Buchdruckerei H. Steinfeld Söhne.

Kreisausfchu ß« Bürgermeister-Versammlung.

J.-Rr. 67 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stabt­unb Landgemeinden des Kreises werden zu einer Besprech- ung dienstlicher Angelegenheiten auf Montag, den 1 9. Januar d. 3s., vorm. 10 Uhr in den Sitzungssaal des hiesigen Kreishaufes eingeladen. 3m Vordergrund die­ser Versammlung steht ein Vortrag bes Herrn Direktors Schmiedgen von der Elektrizitätsgesellschaft Fulda A. G. über den neuen Stromtarif.

Schlüchtern, den 6- Januar 1931.

Der Vorsitzende des Rreisausschusser. Dr. Müller.

Sprechtage des Facharztes für Sprachstörungen.

Nr. 20792 F. Der Facharzt für Sprachstörungen, Dr. med. Hoepfner in Kassel, hält seine nächsten Sprechstunden am 6. und 7. Januar 1931 in Kassel, Garde du Torpr- platz 8 ab.

Nach dem 7. Januar 1931 finden die Sprechstunden des Facharztes wieder allwöchentlich Dienstags und Mittwochs vormittags 10 Uhr und nachmittags 3 Uhr statt-

Schlüchtern, den 31. Dez. 1930.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

Freiwillige Sanitätskolonne Schlüchtern.

J.-Rr. 375 R. K. Auf Sonntag, den 1 L Januar d. Js. nachmittags 1 Uhr werden die Mitglieder der Kolonne hierher (Rreishaus) freundlichst eingeladen. Voll­zähliges Erscheinen ist Ehrensache.

Tagesordnung:

1) Bekanntgabe der genehmigten Satzungen,

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Die Mitglieder, welche bereits im Besitze der Mützen sind, wollen in diesen zur Versammlung erscheinen.

Schlüchtern, den 3. Januar 1931.

Der Vorsitzende des Männervereins vom Roten Rreuz.

Dr. Müller.

Die Lage im Streltgeblet.

WTB. Duisburg, 7. Jan. Im Duisburg-Hamborner Streikgebiet half ich die Lage Dienstagabend zu Beginn der Nachtschicht gebessert. Von einer Gesamtbelegschaft von 3800 Mann auf den Thyssenschächten sind etwa 2500 Ar­beiter eingefahren. Die Belegschaft aus Schacht II, V er­schien vollzählig zur Nachtschicht, auf Schacht III/VII feh- len etwa 200 von 550 Mann, auf Schacht IV/VIII fehlen 450 von einer Belegschaft von 600 Mann. Auf der Schacht­anlage in Beeckerwerth sind Dienstagabend 140 Mann und auf Schacht Lohberg die Hälfte her Belegschaft nicht ein- gefahren. Auf der SchachtanlageWestende" erschien die Belegschaft vollzählig, in Neumühl sind etwa 50 Personen weniger angefahren.

WTB- Dortmund, 7. Jan. Im Dortmunder Bezirk war gestern ein weiteres Abflauen der Terrorakte gegen Arbeitswillige zu verzeichnen. 3ur Dienstag-Morgenschicht sind auf allen Zechen die Belegschaften vollzählig^ einge­fahren,' der Schichtwechsel vollzog sich auf allen Schacht­anlagen ohne besondere Zwischenfälle. Am Eingang der ZecheRaiserstuhl" wurde am Dienstagmorgen ein Flug­blattverteiler der Revolutionären Gewerkschaftsopposition von der Polizei entfernt. Ruch die Mittagsschicht fuhr über­all vollzählig ein; nur auf der ZecheDe lvendel" fehl­ten von der 1500 Mann starken Belegschaft etwa 360 Mann.

Auf einer ganzen Reihe von Zechen des Ruhrgebietes werden bei den Personen fristlose Entlassungen erfolgen, die sich an dem wilden Streik beteiligt haben.

In Duisburg wurden anläßlich kommunistischer Demon­strationen 160 Personen sistiert- Sie werden so lange auf der Wache gehalten, bis die Ruhe wieder vollkommen her- gestellt ist. ________________

Die Deutsche Reichsbahn beabsichtigt am 1. Februar eine Senkung der Frachten für Düngemittel um ca. 8 Pro­zent.

Die beschlossen, Schmeling schluß der

Rthletik-Rommission des Staates Neuyork hat dem deutschen Lchwergewichtsweltmeister Max

den Weltmeistertitel abzuerkennen. Der Le- Rommission kann Geltung nur für den Staat Reuyork beanspruchen.

während des schweren Taifuns, der im Herzen der Philippinen wütete, sind nach den letzten Meldungen min­destens 150 Personen umgekommen. Der Sachschaden be­trägt ca. 1 250 000 Dollar.

Arbeit für die Erwerbslosen.

Eine Programmrede Dietrich».

Auf der in Stuttgart abgehaltenen Landesparteiver­sammlung der Deutschen Demokratischen Partei Württem­berg sprach Reichsfinanzminister Dr. Dietrich über wichtige Tagesprobleme. Er verteidigte die Notverordnung und verwies vor allen Dingen darauf, daß sie in ihrer vollen Bedeutung vielfach noch nicht erkannt wird. Die Sorge, die aber alles überschattet, so erklärte der Minister weiter, ist die Wirtschaftskrise

und die dadurch bedingte Arbeitslosigkeit. Für diese haben wir im laufenden Jahre voraussichtlich einen Aufwand von 2,2 Milliarden Mark. Die äußeren Kriegslasten betragen 1,7 Milliarden, die inneren über 2 Milliarden Mark.

Wir sind also von vornherein mit einer unproduktiven Ausgabe von etwa 6 Milliarden Mark im laufenden Jahre belastet. Es besteht die Gefahr, daß unser heutiges Wirt­schaftssystem, dessen Grundlage die privatkapitalistische Wirtschaft ist, in Lebensgefahr gerät, wenn es keine Be­schäftigung der Arbeitslosen zu schaffen vermag. Die Haupt­gefahr sehe ich in der Verdrängung der selbständigen Un­ternehmers, auf dessen Erfindergeist und Wagemut das privatkapitalistische System beruht, ferner in der Unbeweg- lichkeit und Unwirtschaftlichkeit großer Konzerne, die mit ihrer großen Beanspruchung des Kapitalmarktes und der Banken auf die Dauer eine Gefahr bedeuten. Die Arbeits­losenversicherung aber hat dar Band der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ebenso gelockert wie den Verantwortungs- sinn der Familienangehörigen für die Familienmitgli:der.

Die Frage stellt sich infolgedessen ganz klar so: Welche Wege gibt ee, die Arbeitslosen statt sie unterstützen zu beschäftigen? Mit dem Wohlfahrksauswand der Gemein­den werden zur Zeit ohne Gegenweri im ganzen für die Arbeitslosen gegen drei Milliarden Mark nusgegeben. Wir müssen versuchen, an irgendeinen Punkt einzusetzen,

r I r,. . «m .,Us 'VMdU*«»M»W,vff^ -^ -------- entweder, indem wir bei den wichtigsten Urprodukten zu- fassen und dabei gleichzeitig die Preise herunterbringen, oder aber indem wir bei verarbeitenden Industrien ein­setzen, 'die besonders wichtige Rohprodukte verbrauchen. Ich stelle mir das nicht im Wege einer Subvention vor, son­dern so, daß wir für die mehrbeschäftigten Arbeiter einen Zuschuß leisten, der der Verbilligung dient. Das Bedenken, daß der durch die Tributlasten bedingte Kapitalmangel uns die Möglichkeit, die Krise zu überwinden, überhaupt nimmt darf nicht übersetzen werden, kann uns aber am positiven Vorgehen nicht tzindern. Es ist richtig, daß der Kapitaleul- zug durch die Tributlasten uns nicht nur das Blut her Wirtschaft nimmt, sondern auch, weil infolgedessen die Wirtschaft nicht genügend gefruchtet wird, mit vermehrter Arbeitslosenunterstützung belastet.

Ob und in welchem Zeitpunkt die Regierung das Re- parationsproblem wieder aufgreifen muß, kann heute nicht entschieden werden. Aus keinen Fall wird unter Ver­letzung von irgendwelchen Verträgen vorgegangen werden

Der Redner wandte sich bann gegen dieWunder­doktoren", die dem deutschen Volke mit Geldtheorien und mit Schlagworten helfen wollen. Auch im Kriege habe es Menschen gegeben, die die Bevölkerung statt mit Brot mit Brotmarken gefüttert hätten. Aber sowenig man Nah­rungsmittel mit Nahrungsmittelmarken ersetzen kann, er­klärte Dr. Dietrich, so wenig kann man Kapital, das nicht vorhanden ist, durch irgendein Schriftstück hervorzaubern.

Zur Kommunalpolitik führte Dr. Dietrich aus, daß er seine Maßnahmen für ein geeignetes Mittel halte, die Ge- meinben zur Sparsamkeit zu bringen und damit wieder zur Gesundung. Nie werde er ein anderes Ziel vor Augen haben, als die Wiederherstellung der Selbstverwaltung Der Kommunen.

Der Minister schloß mit folgenden Ausführungen: Die Regierung glaubt an die Lebenskraft des deutschen Volkes. Sie hat nicht die Absicht, das Steuer aus der Hand zu geben und wird sich auch durch das ungeheure Durchein­ander im Volke den Blick für das praktisch mögliche nicht trüben lassen lind den Kampf wie bisher mit Ruhe mib Energie führen in dem Bewußtsein, daß die Gegenwart die geleistete Arbeit nie anerkennt, daß es aber darauf an« kommt, wieviel in der Zukunft sich auswirkt.

Kurssturz der ?)»>ur.s. *nieiV

PariS, 7. Januar. An der hiesigen Börse ist auf Gerüchte über eine angeblich unmittelbar bevorstehende deutsche Initiative zur Herbeiführung eines Morato­riums für die Reparationszahlungen ein scharfer Kurs­sturz her Doung-Anleihe erfolgt. Im Dezember lau­teten die Kurse 800, setzt 710.

Nach einer Meldung aus Wa Hington beantragte bc: Arbeitsminifter im Senat die Verschärfung der Bestimmun­gen über die Ausweisung von Ausläubern. Nach amtlicher Schätzung halten sich 400 000 Rusländer unbefugt in den vereinigten Staaten auf, von denen jetzt nur 100 000 aus­gewiesen werden konnten.

Die Zahl der Verletzten bei dem Eisenbahnunglück bei Gleiwitz hat sich auf 36 erhöht.