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Gchlüchterner Zeitung

2. Blatt

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E» hätte etwas gefehlt, wenn nicht auch Panama seine Revolution gehabt hätte. In Südamerika gibt «s kaum einen Staat, der nicht im Laufe des ver­flossenen JahreS seine Revolution gehabt hätte. Jetzt ist Mittelamerika an der Reihe. Panama ist aber einer der bedeutsamsten Mittelamerikanischen Staaten. Man bann ihn zwar nicht gerade als eine Weltmacht an» Gehen, aber durch sein Gebiet führt der Panamakanal. Dieser Kanal aber ist Eigentum der Vereinigten Staa­ten, und da seine Jnbetriebhaltung im Krieg und im Frieden eine Lebensfrage für di« Vereinigten Staaten ist, so ist Panama ein bedeutsamer Stein in dem poli­tisch« Brettspiel Washingtons.

0« ist daher begreiflich, wenn der Ausbruch der Revolution in Panama die Washingtoner Regierung Mit großer Besorgnis erfüllt. Auf die Kunde von dem Umsturz hatte Staatssekretär Stimson lange Bespre­chungen im Weißen Hause und mit dem Kriegsminister. Er erklärte in einer anschließenden Pressekonferenz, die Vereinigten Staaten wären durch den Vertrag von 1908 zu einer Intervention berechtigt, falls die Regie­rung in Panama die Ordnung nicht aus eigener Kraft «ufrechtzuerhalten vermöchte. Hierzu komme, daß die Sicherung des Panamakanals für eine ungehinderte Schiffahrt im Kriege und im Frieden eine Frage von vital« Bedeutung für die Vereinigten Staaten sei. Trotzdem würde die Washingtoner Regierung nicht ein» ssreis«, ohne die Lage sorgfältigst studiert zu haben. Erst wenn die Verhältnisse so chaotisch geworden fein staut«. daß eine Intervention im allgemeinen Jnter- eife unvermeidlich wäre, würde ein Eingreifen erfolgen. Dw Ursache der Revolution sei darin zu suchen, daß Me für 1932 bevorstehenden Neuwahlen durch gewiss« Unitzesetzungen im Kabinett und sonst ihre Schatten voranSgeworfen haben und daß eine Mißstimmung bei bett Anhängern der abgesetzten Politiker erzeugt Word« sei.

Die Meldungen über den Umsturz kamen zunächst ettoa» svärlich, weil die neuen Machthaber, wie das s» übüch ist, ihre Herrschaft mit einem ZeitungSverbot ba-annen. Der bisherige Präsident Arosemena, der in feinem eigenen Palais gefangen gehalten wurde, scheint sich zunächst geweigert zu haben zurückzutreten, dan« aber hat er selbst den Rebellenführer Dr. Hav- madio AriaS zum Premierminister ernannt und darauf seinen Rücktritt erklärt. Die Aufständischen hatten auch den früheren Präsidenten Chiari verhaftet, der allge­mein als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen für 1932 galt.

Der Ausstand brach ganz unerwartet aus. Er wurde von der Accion Comunal gefördert, einer patrio­tischen Organisation, die die angebliche Korruption der Regierung unter den Präsidenten Chiari und Aro- fernen« scharf angegriffen hatte. Ein Kapitalist Fran» *c» Aria» ParedeS scheint den Aufstand finanziert zu hab«. ...........

nercharauch noch ein Arzt Valleri.ro,

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M D« egann in der Morgenfrühe damit,

daß «ine Grupp« von etwa 100 Mann daS Haupb-

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der Staatspolizei stürmt«, die PanamaS ein­end« Armee bildet. Nach Abgabe einiges

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Mffe wurde die Polizeistation besetzt. Gleichzeit^z «stslgl« auch ein Angriff auf daS Präsidentschaft»- J N^M. Außer dem Präsidenten Arosemena und f* *** Vorgänger Chiari wurden noch mehrere Regte »ungSbeamte verhaftet. Dagegen scheint der DiK^rsst' dmK^Dugues entkommen zu sein. Weiter wird ve» K 2^E> daß der zweite Vizepräsident Lopez in dt, tag

' der Vereinigten Staaten unwrAGMM

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d«r Schießereien soll «S etwa 36 Tote «W *t gegeben haben, doch b^heädtjsten Ach biete > auf Die unmittelvare Um^bungder Po " n und des Palais, so daß die Einwohner in den Im <äüxe«t Stadtteilen beim Erwachen sehr überrascht igt wäre««, daß sie eine Revolution verschlafen hatten.

Wir das Innere deS Landes die Revolution auf- gewemmen hat, ist noch nicht bekannt, doch besagen ieI Meldungen aus Colon, daß der dortige Gouverneur Galindo versucht habe, mit einer Abteilung Polizei «nd bewaffneten Zivilisten nach Panama zu marschie- «eh, daß der Gouverneur der Kanalzone aber abgv» lehnt habe, bewaffneten Truppen den Durchzug durch | die Sanalzone zu gestatten.

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Pväsivent Aroscmeua von Panama, Regierung von den Revolutionären gestürzt wurde.

RstchSkanzter Dr. Brüning hat seine DstnmrTenretfe die thu zunächst nach Pommern führt.

-- St Stuttgart starb Generalleutnant von Haar, der München» von der Spartakistenherrschaft.

8« M«r» kam zu schtveren Streikunruhen.

Rnch mehrtttstgem Todeskampf ist Marschall Joffre

Das Geld des vatikanischen Staates.

Zwischen dem italienischen Staat und dem Vati­kan wurde eine Konvention abgeschlossen, nach der das Geld beider Staaten in Italien unumschränkt Gül­tigkeit hat. Das vatikanische Münzgesetz wurde jetzt veröffentlicht, so daß die Konvention in Kraft ge­treten ist.

Gleichzeitig werden mit dem Gesetz Münzen fol­gender Werte in Umlauf gesetzt: Goldmünzen zu hundert Lire, Silbermünzen zu zehn und fünf Lire, Nickelmünzen zu zwei und einer Lira und fünf­zig und zwanzig Centesimi, Kupfermünzen zu zehn und fünf Centesimi. Alle Münzen tragen die Aufschrift Stadt deS Vatikans" und das Emissionsdatum. Die Goldmünzen zeigen auf der Vorderseite die Büste des Papstes mit Chorrock und Kappe, die Silbermünzen die Büste des Papstes mit dem Bischossmantel mit der Stola und der kleinen Kappe, die Nickelmünzen tragen das päpstliche Wappen. Auf der Rückseite zeigen die Goldmünzen das Bildnis von Christus als König, die Silbermünzen zu zehn Lire das Bild der auf dem Throne sitzenden Mutter Gottes, die zu fünf Lire die Figur des Heiligen Petrus, der in einer Barke sitzt, die rechte Hand erhebt und mit der linken das Steuer hält.

Die Nickelmünzen zu zwei Lire tragen das ^Bild­nis des Guten Hirten mit dem Schaf auf der Schul­ter, die zu einer Lira das Bild der Unbefleckten Jung­frau. Die Nickelmünzen zu fünfzig Centesimi zeigen das Bild des Erzengels Michael, die zu zwanzig die Büste des Heiligen Petrus, die Kupfermünzen zu zehn die Büste des Heiligen Petrus und die zu fünf Centesimi einen Oelzweig.

Frankreich erstickt im Gold.

England soll ihm zu einem Aderlaß verhelfen.

Zwischen Vertretern des englischen und des fran­zösischen Schatzamts finden in Paris Verhandlungen statt. Der englische Hauptdelegierte ist der aus den Haager Verhandlungen bekannte Mitarbeiter Snow- dens, Leith Roß, den zwei höhere Beamte des Schatz­amts begleiten.Matin" erklärt, c*S handele sich bei der Konferenz nicht darum, eine Staatsanleihe aufzu- legen, sondern gewissen privaten englischen Unterneh- mnngen zu Hilfe zu kommen und dem Londoner Markt eine Flüssigkeit wiederzugeben, die er benötige, um ohne Gefahr die Konvertierung vorzunehmen, die die Arbeiterregierung plane. Jede Operation würde natür­lich durch Vermittlung der beiden Emissionsbanken vonstatten gehen

Die Bank von Frankreich würde ihren Beistand für eine solche Angelegenheit gern leihen. Ihr Ziel sei bekanntlich, den Goldzustrom nach Frankreich, den sie uicht herbeigeführt habe, sondern der die Folge des Bertrauen» in die französische Währnng sei, einzu- schränken. Aus diesem Grunde sei auch die Herab- fetzung des Diskon^«w»j.«in, ^-«iis l.rmi»«» Mtyior um nicht amerikanische Kapitalien nach Frankreich zu ziehen, wenn der Diskontsatz der Bank von Frank­reich ein halb Prozent höher liege als der der Federal Reserve Bank.

In Verbindung damit kommt der Außenpoll- titer desMatin" auf die Zusammenarbeit Frank­reichs, das

54 Milliarden Gold aufgehäuft habe, mit anderen Ländern zu sprechen, und erinnert daran, daß eine finanzielle Beihilfe an drei Bedin­gungen geknüpft sei: ., . ,

1. E» fei von feiten Frankreichs Nicht übertrieben, zu verlangen, daß man mit seinen qualifizierten Ver­tretern verhandele, da Frankreich schließlich den größ­ten Teil der Beihilfe gewähre.

8. Es würde zu nichts führen, wenn man eine Art Gerichtsverhandlung abhalte, vor der Frankreich als ein Land erscheine, das des Geldbesitzes schuldig fei und dem man grundsätzlich die Verpflichtung auf» er legen woll«, ihn mit anderen zu teilen.

3. Die einzige Art und Weise zur Beseitigung des anen», da» den für gewisse Länder notwendigen entgegenstehe, sei, während möglichst langer wenigsten» seitens der Regierungskrise jede Revi- einzusteüen.

ES sei das Recht ein«» besiegten Landes- eS könne sogar da» Recht eine» Siegerlandes sein eine Besserung der durch di« Friedensverträge geschaffenen Lage zu erstreben. Die Verträge sähen übrigens die Bedingungen dieser Revision vor. Aber man könne nicht zwei Ziele zugleich verfolgen, von Frankreich eine finanziell« Beihilfe verlangen und gegenüber Frankreich und seinen Alliierten daS Recht bean­spruchen, im Drohton VertragSannullierung oder Grenz- berichtigung zu fordern. Das sei eine in sich wider­spruchsvolle Politik.

Schneestürme in Rumänien.

Schwere Verkehrsstörungen.

Während in Bukarest die Temperatur auf zehn Grad gestiegen ist, herrschten in der Moldau und der Bukowina starke Schneestürme, die zu schweren Ver­kehrsstörungen führten. Mehrere Personen- und Güter­züge blieben aus offener Strecke stecken. Der Verkehr ist auf mehreren Linien unterbrochen. Der Verkehr in Bessarabien ist infolge starken Nebels behindert. In Galatz wurde ein Erdstoß verspürt. In Konstanz« wurden Notrufe zweier Dampfer aufgefangen.

Der Rettung-dampferKing Lear", dessen Kapi­tän einst Angehöriger der Wrangelarmee war, war zur Hilfeleistung ausgelaufen, um den einen der in Seenot befindlichen Dampfer, den norwegischen Damp­ferErpero", der auf ein Riff gestoßen war, zu retten. Als aber festgestellt wurde, daß sich derExpero" in russischen HoheitSgewässern befinde, mußte der Ret- tungSvampfer umkehreu, um den Kapitän zu wechseln. Inzwischen dürste derExpero" untergegangen fein.

Marschall Zoffre t.

Marschall Joffre, der seit Donnerstag in der Agonie lag, ist Sonnabend morgen 8 Uhr 23 Minuten, ohne das Bewußtsein wiedererlaugt zu haben, gestorben.

Marschall Joffre war von Geburt Katalane. Er stammte aus den Niederpyrenäen, aus Rivesaltes in Roussilon, wo er 1852 geboren wurde. Als 18jähriger Leutnant der Genietruppe nahm er an der Verteidi­gung von Paris 1870 teil, bewährte sich 15 Jahre später bei einer Expedition nach Formosa und später bei den Kämpfen im französischen Sudan durch die Eroberung Timbuktus.

Marschall Joffre ist von den Franzosen alsSieger der Marneschlacht" verherrlicht worden. In Wahrheit hatte er seine Siegeslorbeeren weniger seinen eigenen Fähigkeiten als den Fehlern der deutschen Heeres- fütirung zu verdanken, die allzu voreilig den Sieg aus den Händen gegeben hatte. Das Verdienst Joffres be­schränkt sich im wesentlichen darauf, daß er es als Marschall Rückwärts" verstanden hat, die französi­schen Truppen rückwärts zu konzentrieren und sie an der Marne eine neue Stellung beziehen zu lassen, aus der sie dann den von der deutschen Heeresleitung zu­rückgenommenen deutschen Armeen folgten, bis ihrem Vormarsch an der Aisne Halt geboten wurde.

Man hat auch in Frankreich die Fähigkeiten Joffres nicht allzu hoch eingeschätzt. Man beließ ihm nur bis Ende 1916 den Oberbefehl. Die Ungeduld der öffentlichen Meinung über die geringen Fortschritte erzwäng seinen Rücktritt, doch erfolgte die Verabschie­dung unter den ehrenvollsten Umständen: Joffre als auch Mitglied des Obersten KriegsratS, und bei der französischen Kriegspropaganda in den Vereinigten Staaten betätigte er sich erfolgreich als Rellame-Ches.

Joffre wurde auch unter dieUnsterblichen" der französischen Akademie ausgenommen. Seine Glorie wurde dann überstrahlt von dem Glück des General Foch, der zu Ende des Krieges Oberkommandierender der Alliierten Armeen war. Nach dem Kriege ist Joffre, der seit Jahren leidend war, in der Oeffentlichkeit kaum mehr hervorgetreten.

Wie Zoffre starb.

Ueber den Tod des Marschalls Joffre bringt die Llgence Havas folgende Einzelheiten:

Sonnabend früh um 7 Uhr erkannten bte Aerzte, daß das Ende herannahe und vielleicht nur noch Dti- nuten auf sich warten lassen werde. Telephonisch wur­den die Familienmitglieder und die Freunde sowie die dem Marschall nahestehenden Offiziere seine» Stabes benachrichtigt. Um 7.30 Uhr trafen am Kran­kenbett die Frau des Marschall-, sein Schwiegersohn, seine Schwiegertochter sowie mehrere Offiziere seines Stabes ein. DPr herbeigerufene Geistliche erteilte dem Kranken das letztemal die Absolution und kniete am Lager nieder. Um 8.23 Uhr, als einer der Aerzte den Puls deS Marschall» fühlte, während der Parer den Herzschlag beobachtete, stellten beide den Tod fest.

Um 8.50 Uhr erschien Ministerpräsident Steeg in der Klinik und brächte der Witwe Joffres das Beileid der Regierung zum Ausdruck. Im Laufe des Vor­mittags haben außerdem der Präsident der Republik Doumergue und der Apostolische Nuntius Maglione persönlich der Witwe ihr Beileid zum Ausdruck ge­bracht, ebenso zahlreiche andere Persönllchkeiten.

Bekanntlich war am 19. Dezember um 5.30 Uhr nachmittags Marschall Joffre operiert worden. Es wurde ihm das rechte Bein abgenommen. Dann lag er beinahe acht Tage lang im TodeSkampf. Während die­ser Zeit erlangte er daS Bewußtsein meist nur für fünf bis zehn Minuten wieder. Der Marschall ist, ohne zu leiden, gestorben.

Die Leiche wurde einbalsamiert und dann in der Ecole Militaire aufgebahrt.

Heuer Transozeanflug.

Fm Frachtflttgzeug.

Wie aus Neuyork berichtet wird, tfl dort m3 FrachtflugzeugTradewind" Sonnabend früh 5,50 Uhr unter Führung von Frau Berhl Hart und des Flieg erleutnants MeLaren mit einer Ladung Fracht­gut zum Fluge nach PariS gestartet. Der Flug soll in Etappen über die Bermudas und die Azoren füh­ren. Der Start ging glatt vonstatten. DaS Flugzeug umkreiste einmal den CurtiS-Wasserflughafen und nahm dann Kurs nach Osten. Es überflog, gefolgt von einem zweiten Flugzeug, daS ihm einige hundert Kilometer weit das Geleit geben wird, Long Island und war bald den Blicken evtschivunden.