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Die Lage im Mhrgebiet.

Keine Ausdehnung der Streifivcllc.

Nach einer Mitteilung des Bochuiner Polizei­präsidenten ist lediglich das nördliche Randgebiet deS Ruhrbergbaues von der Streikwelle erfaßt worden. Das Zentrum deS Gebietes und der Südrand weisen ganz geringe Streikziffern auf. Die kommunistischen Ver­suche, mit Gewalt eine Arbeitsniederlegung zu er- zwingen, sind bis jetzt in den Gebieten restlos ge­scheitert. Den Anzeichen nach werden die Kommunisten in den nächsten Tagen mit verstärkter Kraft versuchen, eine Arbeitsniederlegung auf den Zechen zu erzwingen. Die Polizei hat alle Vorkehrungen getroffen, um die Arbeitswilligen zu schützen und jeden Terror zu ver­hindern.

Nach weiteren Berichten mußten sich die Beleg­schaften auf einzelnen Schachtanlagen gewaltsam Zu­tritt zu den Zechen verschaffen, da die Zechentore wieder von radikalen Elementen, Arbeitslosen usw. besetzt waren. Teilweise griff die Polizei ein, wobei es an verschiedenen Stellen zu Zusammenstößen kam.

Von Kommunisten erschossen.

Auf dem We.ge zur Zeche.

In dem Dortmunder Vorort M e n g e d e haben streikende Kommunisten einen gemeinen Feuerüberfall verübt, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel.

Als sich Arbeitswillige zur ZecheHansemaun" -egaben, wurden sie aus dem Hinterhalt beschossen.

Von zwei Söhnen, die ihren ßO Fahre alten Vater als Schutz zur Zeche begleiteten, wurde einer durch einen Pistolenschuß getötet, der andere erlitt eine schwere Schußvcrlctzung, zwei andere Personen wHfsdeu ebenfalls schwer verletzt.

Nach diesem Feuerüberfall ergriffen die Verbrecher die Flucht. Zwei Streikende, die die Schüsse abgegeben haben, konnten festgestellt und einer von ihnen ver­haftet werden.

In den anderen Bezirken blieb es im allgemeinen ruhig. Da am Sonntag nur Reparaturen vorgenommen wurden, sind auch nur sehr wenig Arbeiter auf den Zechen beschäftigt.

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Die Stellung der Bergarbeiter »Verbände auf der Revierkonferenz in Bochum.

In Bochum trafen sich etwa 200 Delegierte des Bergbauindustrie-Verbandes, um zur Lage im Ruhr­gebiet Stellung zu nehmen.

Nach längerer Aussprache wurde eine Entschlie­ßung angenommen, in der die kommunistischen Putsch­pläne auf das schärfste verurteilt wurden. Das Ver­halten der Vertreter der Verbände bei den Schlich­tungsverhandlungen am 29. und 30. Dezember wurde gebilligt. Der von den Zechenbesitzern geforderte Lohn­abbau wurde als unsozial und ungerecht bezeichnet, da die Zechen trotz der gesunkenen Kaufkraft des Volkes doch noch erhebliche Kapitalerträge abwerfen. Die Kon­ferenz erwarter daher von allen Kameraden, daß sie sich vumj oic -cunengurigen hiüji euimjuajiem|]eu MW keine Verträge zu geringeren Löhnen abschließen.

Ferner wurden die kommunistische» Putschpläne und die groben Lügen in der kommunistischen Presse über die Führer des Verbandes verurteilt. Den Füh­rern des Verbandes wurde das Vertrauen ausge­sprochen. Es wird erwartet, daß die Kameraden nur den Anweisungen der vier Verbände folgen.

Verlängerung des Temonstrationsverbotes.

Der Polizeipräsident von Bochum hat wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicher­heit für den gesamten Bereich des Polizeibezirks Bochum mit sofortiger Wirkung bis aus weiteres sämtliche Um­züge und Versammlungen unter freiem Himmel ver­boten.

Im Präsidialbezirk Recklinghausen und auch in anderen Polizeibezirken lies mit dem 4. Januar das Verbot öffentlicher Kundgebungen ab. Da das Auf­hören des Verbots in der jetzigen Zeit der wilden Streiks leicht zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen kann, haben sich die Polizeipräsidenten im Rhein-Ruhrbezirk veranlaßt gesehen, über die Ver­längerung des Temonstrationsverbotes Beschluß zu fassen.

Was die Kommunisten wollen.

Am Sonntag tagten ebenfalls in Bochum die Vertreter der revolutionären Gewerkschaftsopposition. Der Hauptreferent erklärte, daß man mit verstärkten Maßnahmen eingreifen werde, um den Streik aus das ganze Ruhrgebiet auszudehnen. Sollte die Polizei die Zechentore besetzen, so würde man den Kampf in die Kolonien tragen und die Wege mit Kampfschutztruppen besetzen. Man werde auch versuchen, Schiffahrt, Stra­ßenbahn und Eisenbahn zum Streik zu veranlassen. Das Ziel sei die Errichtung eines roten Verbandes und die Verwirklichung der kommunistischen Idee.

Schwere Stteikunruhen in Moers.

Keine wesentliche Aenderung der Streik­lage.

Während im allgemeinen in der Streiklage im Ruhrrevier keine wesentliche Aenderung eingetreten ist, kam es in Moers am Niederrhein zu schweren Streikunruhen. Schon beim Einfahren der Freitag­nachmittagschicht wurden die Arbeitswilligen von etwa 500 Streikenden belästigt, so daß die Polizei Verstär­kungen von Duisburg heranziehen mußte. Beim Ein­fahren der Nachtschicht kam es dann vor Schacht V der Zeche Rheinpreußen wieder zu großen Menschen­ansammlungen.

Als die Polizei die Streikenden zurückdrängte, wurde Plötzlich aus der Menge geschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und es kam zu einem regelrechten Feuergefecht, das mehrere Minuten danerte. Ein Unbe­teiligter, der Bahnarbeiter Hackstein, wurde von meh­reren Kugeln getroffen. Um Mitternacht ist er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie verlautet, sollen mehrere Personen leichte Verletzungen bei der Schießerei erlitten haben.

Infolge dieser Vorgänge hat sich im Bezirk Moers die Zahl der zur Frühschicht eingefahrenen Belegschaf­ten weiter verringert. Eine geringe Zunahme der Zahl der Streikenden war auch auf anderen links­rheinischen Zechen wahrzunehmen, während auf den Zechen der Vereinigten Stahlwerke, Gruppe Hamborn, eine geringe Abnahme der Zahl der Streikenden zu verzeichnen war. Die Belegschaft der Zeche Westcude ist vollzählig eingefahren. Auf den Schachtanlagen der Gewerkschaft Diergardt Mevissen hat sich die Zach der im Ausstand befindlichen Grubenarbeiter erhöht. Sonnabend früh sind auf Zeche Diergardt von 748 Mann der Belegschaft nur 351 und auf Zeche Mevtssen von 626 Mann nur 404 eingefahren.

Der Kamps um die Tarife.

Schiedsspruch für die Siegerin über Metallindustrie.

In dem Lohnstreit der Siegerländer Metallindu­strie wurde unter dem Vorsitz des Schlichters von West­falen folgender Schiedsspruch gefällt:

1. Der bisherige Lohntarif wird ab 1. Januar 1931 mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt, daß der Tariflohn des Facharbeiters über 24 Jahre 68 Pfen­nig beträgt. 2. Die übrigen Sätze der Lohnordnung, ebenso wie die Akkordgrundlöhne, ändern sich im glei­chen Verhältnis. 3. Von den sozialen Zulagen fällt die Verheiratetenzulage fort, während die Kinderzulage bestehen bleibt. 4. Diese Regelung kann mit ein­monatiger Frist, erstmalig zum 31. 5. 1931, gekündigt werden. Die Erklärungssrist läuft bis zum 9. Januar 1931. ,

Eiuigurrgsversuch in Köln.

In dem Lohnstreit in der Kölner Metallindustrie hat der Schlichter den Parteien auf ihren Wunsch einen Einigungsvorschlag unterbreitet, zu dem sich diese bis zum 5. Januar erklären sollen. Die Betriebe laufen einstweilen ohne Störung weiter.

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Neue Kündigung von Tarifen.

Für die Metallindustrie des links- und rechts­rheinischen Wirtschaftsgebietes Neuwied-Andernach wurde zum 31. Januar der Lohntarif von den Arbeit­gebern gekündigt. Es wurde ein 15prozentiger Abbau der Löhne vorgeschlagen. Dem gekündigten Bezirkstaris sind eine größere Anzahl kleinerer und mittlerer Metallbetriebe des Gebietes angeschlossen. Die Ton­bergbaugesellschaft in Kruft hat ihren Arbeitern eben­falls den bestehenden Lohntarif gekündigt.

Mieus Schrei nach Autonomie.

Die Verhandlungen der Indien-Konferenz.

Der Unterausschuß der Indien-Konferenz, dem die Beratung des Problems einer föderativen Gliederung obliegt, begann unter Vorsitz des Lordkanzlers Sankey die Erörterung über die Form der Zentralexekutive, die unter der neuen indischen Verfassung eingerichtet werden soll. Dieses Problem ist insofern eines der bedeutungsvollsten, als es mit der Forderung nach dem Dominionstatus eng verknüpft ist.

Der Lordkanzler eröffnete die Verhandlungen mit der Erklärung, er empfehle, die Lage im allgemeinen zu besprechen und die Erörterung der Einzelheiten, den Sachverständigen zu überlassen. Die schwierige kom­munale Frage müsse unberührt bleiben. Ich hoffe und glaube, so sagte er, daß, wenn Hindus und Mo- Hammedaner das ganze Gebäude sehen, sie bereit sein ' werden, zusammen darin zu leben.

. &er hierauf beginnenden Aussprache hielt der Endliche liberale Führer Sir Tej Bahadur Sapru eine Rede, tu der er ausführte: Es gebe kein Kompromiß zwischen einer altmodischen Autokratie und einer ver­antwortlichen Regierung.

Tke Inder verlangten ein Kabinett, das aus Mit­gliedern der Mehrheit der gesetzgebenden Körperschaft bestehe und dieser Körperschaft gegenüber vollauf ver. antwortlich sei.

Es sei zuzugeben, daß in einigen Fragen, wie der Frage der Landesverteidigung und der auswärtigen Angelegenheiten, eine Uebergangsperiode notwendig sei. Diese Fragen sollten Ministern vorbehalten blei­ben, die vom Generalgouverneur ernannt würden und ihm allein verantwortlich seien. Alle anderen An­gelegenheiten aber, wie Handel und Industrie, Arbeit, das Innere, Justiz, Unterricht und Landwirtschaft so­wie Finanzen sollten von dem Parlament verantwort­lichen Ministern behandelt werden. Was den Schutz von Gesetz und Ordnung betreffe, so würde eine indische Regierung besser zu ihrer Aufrechterhaltung imstande sein als die jetzige Regierung.

Gegenwärtig befinden sich, so fuhr Sapru fort, zwischen 50 000 und ßOOOO Männer und Frauen wegen politischer ««eit im Gefängnis darunter

solche, die mit uns am Beratungstische sitzen sollten, von denen einige meine und meiner Kollegen nächste Freunde sind. Vielleicht befinden sie sich aus falschen» Wege; aber sie lassen Leiden und Demütigungen über sich ergehen, weil sie das Vertrauen zur britischen Ne- gierung verloren haben. England hat mehr für die Freiheit getan als irgendeine andere Nation der Welt. Es kann jetzt handeln, um das Vertraue»» wiederher- zustelleu. Dazu ist es »och nicht zu spät.

Als der Redner geendet hatte, wurde er, wie Daily Herald" berichtet, nicht nur von den indischen, sondern auch von britischen Delegierten zu seiner Rede warm beglückwünscht.

Ein Schnellzug entgleist.

Zwei Wagen ineinandergeschobcn. Drei Tote.

Auf der Strecke EdinburghLondon entgleiste in­folge falscher Weichenstellung auf dem Bahnhof Carlisle in den Mittagsstunden ein Schnellzug.

Die Lokomotive sprang aus den Schiene»» und stürzte gegen eine Böschung, während die beiden ersten Wagcu mit aller Wucht gegen den Tender stießen und inciuanbergefdfoüen wurden. Drei Personen wurden getötet, 22 verletzt.

Aerzte und Sanitätspersonal begaben sich eiligst an die Unglücksstelle, es erwies sich aber bei einigen der Opfer als unmöglich, sie sofort aus den Trümmern zu bergen.

Aatlonalbegrabnls für Zossre.

In einem außerordentlichen Kabinettsrat hat die französische Regierung beschlossen, dem Marschall Joffre ein nationales Begräbnis zu veranstalten. Die Leiche Joffres wurde im Krankenhaus einbalsamiert und dann nach der Militärschule übergeführt. Zwei Tage lang wird sie dort aufgestellt werden, damit die Bevölkerung von Paris von dem Retter der'französischen Hauptstadt Abschied nehmen kann. Am Dienstagabend wird der Sarg dann zur Notre Dame übergeführt werden. Un­terwegs wird der Trauerzug eine Stunde lang vor dem Grabe des unbekannten Soldaten am Triumphbogen haltmachen.

Die Beisetzung der Leiche findet entsprechend dem Wunsche des Toten im Park des Landgutes des Mar- fchalls in Louveciennes statt.

An den Trauerfeiern wird u. a. eine militä­rische Sondergesandtschaft der tschechoslowakischen Ar­mee teilnehmen und einen Kranz am Sarge des Mar­schalls niederlegen, desgleichen wird eine englische Ab­ordnung teilnehmen, die aus dem englischen Botschafter in Paris, Lord 'Tyrell, als Vertreter des Königs, zwei Marschällen als Vertreter des englischen Heeres, dem Ersten Seelord als Vertreter der Marine, dem Mar­schall der Lufttruppen sowie Truppenabordnungen in Stärke von sechs Offizieren und 110 Mann mit Musik bestehen wird.

Umfangreiche Spritdiebstühle.

Breslau, 5. Januar. Bei der Reichen,o,^>-! "Verwaltung für Branntwein sind Diepstähle an Mono- Polsprit in größeren Mengen die vorläufig auf etwa ' 10 000 Liter beziffert werden durch die Zollfahn­dungsstelle Breslau festgestellt worden. Die Diebstähle reichen bis in das Jahr 1928 zurück. Als Täter sind fünf Arbeiter und Angestellte der Reichsmonopol-Ver­waltung verhaftet worden. Als Abnehmer sind einige Breslauer und auswärtige Gastwirte und Destillateure festgestellt und zum Teil verhaftet worden. Die Ermitt­lungen dauern fort.

Opfer einer Lawine.

Krummhübel, 5. Januar. An der Seifenlenne löste sich eine Lawine, durch die der Hörnerschlitten­fahrer Erich Liebig-Frises aus Wolfshau bei Krumm­hübel verschüttet wurde. Die sofort alarmierten Sani- tätsl'olonnen von Brückenberg und Krummhübel nahmen die Rettungsarbeiten in Angriff. Nach mehrstündiger Arbeit wurde die Leiche geborgen.

Mit der Axt Überfällen.

Aachen, 5. Januar. Ein als gemeingefährlich bekannter geisteskranker Former griff plötzlich seinen ' Hauswirt mit einer Axt an und spaltete ihm dabei die Wange. Dann verbarrikadierte er sich. Das Ueber» fallkommando sah sich gezwungen, von der Schutz- waffe Gebrauch zu machen, da der Kranke mit der Axt, die er sich an die rechte Hand gebunden hatte, und mit einem Dolch in der linken Hand wie rasend um sich schlug. Schwerverletzt wurde der Kranke ins Hospital eingeliefert.

An Tollwut gestorben.

Budapest, 5. Januar. Wie aus Debreczin ge­meldet wird, ist die 14jährige Jlonka Papp in der dortigen Universitätsklinik unter furchtbaren Schmerzen i an Tollwut gestorben. Das Mädchen hatte zu Weih­nachten einen Hund als 61 eschenk erhalten. Der Hund biß es in die Hand, doch hat das Mädchen diese Tat- fache seinen Angehörigen verheimlicht, so daß man der Erkrankung nicht vorbeugen konnte. Das Mädchen hatte auch einer Pflegerin Kratzwunden beigebracht, weshalb diese und noch eine Pflegerin, sowie fünf weitere Per 1En von ihren Familienangehörigen in das Bnd«. pester Pasteurmstttut gebracht wurden.

3m Zeichen derAbrüstung".

... Januar. Die belgische Regierung hat einer britischen Firma einen umfangreichen Aufi trag auf Kampfdoppeldecker vom Fox-Typ erteilt. Schon ittigen Monaten hat die belgische RegstwsWg 46 fWacuge dieses Typs bet der gleichen Firma in Auftrag gegeben.

* Berlin. Einer der bedeutendsten schwedischen Dichter der Gegenwart, Hjalmar Bergmann, dessen Werke auch in Deutschland bekannt sind, verstarb in Berlin im 47. Leben s-

011 bcn Galgen eines Schlaganfalles, den er am Silvesterabend erlitt.

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Wien ist in der zweiten Hälfte des Monats Dezember 10 547 auf 10.) 955 gestiegen. Die Steigerung hält sich demselben Ausmaß wie im Vorjahre.

* Ottawa. Ein Erdbeben wurde hier und in Torentv verzeichnet, das vier Stunden bauerte und dessen Mittel Punkt in einer Entfernung von etwa 4000 Kilometer liegt.