II
Nr. 74
11. Blatt)
Gamstag, den 21. Juni 1930
82. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
I .-Nr. 5205. Nach der Bekanntmachung des Herrn Re- sortministers vom 18. Januar 1882 — Regierungsamtsblatt S. 72 soll die Aufstellung der Schöffenlisten seitens der Gemeindebehörden alljährlich bis zum 1. August und ihre Einsendung an die betreffenden Amtsgerichte bis zum 1. September erfolgen. Unter Hinweis auf die Vorschriften in den W 31 bis 38 des GerichtsverfafsungsgeseKes vom 22. März 1924 (R. G. Bb S. 299 ff) werden die Herren Bürgermeister des Kreises veranlaßt, die Schöffenlisten rechtzeitig sorgfältig aufzustellen, öffentlich aus= zulegen und mit der vorgeschriebenen Bescheinigung versehen, bis zum 1. September d. 3s. an das zuständige Amtsgericht einzufenden.
In die Schöffenliste sind alle zum Schöffenamt befähigte männliche und weibliche Gemeindeangehörige einzutragen.
Schlüchtern, den 16. Juni 1930.
Der Landrat: Dr. Müller.
J.=Rr- 5504. Der Landweg von Marjoß nach Jossa wird zur Ausführung von Bauarbeiten von Dienstag, dem 1. 3uli d. 3s. bis einschließlich Donnerstag, dem 31. Juli für den gesamten Kraftwagen- und Fuhrmerksverkehr gesperrt. Der Verkehr ist über Aura, Mittelsinn bezw. über Sterbfritz zu leiten. Eilige leichte Fuhrwerke können den teilweise befestigenden Erdweg von Marjoß über die Ba= rackenhöfe nach Jossa (also am jenseitigen Talrand der Jossa) benutzen .
Uebertretungen werden nach der Straßenverkehrsordnung vom 24. September 1926 (Beilage zum Regierungs- amtsblatt Itr. 40 von 1926) bestraft.
Schlüchtern, den 17. Juni 1930.
Der Landrat. Dr. Müller.
J.=Hr. 5704. Auf Antrag der zuständiaen ^brjtvH»>ai-- tunFsbehöröe wird dem Sorftgebitfen Wollenhaupt zu Ab tengronau die aushilfsweise Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Gemarkungen Altengronau, Reuen= gronau und Breunings übertragen.
Schlüchtern. den 17. Juni 1930.
Der Landrat. 3. D.: Schultheis.
Kreisausfchutz.
I .-Nr. 3503 K. A. Die Herren Bürgermeister des Kreises werden zu einer Besprechung dienstlicher Angelegenheiten auf Mittwoch, den 2 5. 3 u n i d. 3 s., Nachmittags 3V2 Uhr in die Turnhalle der neuen Volksschule in Schlüchtern eingeladen. Im Vordergrund dieser Versammlung steht ein Dortrag über die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs.
Schlüchtern, den 18. Juni 1930.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes: Dr. Müller.
Bekanntmach n n g
Mittwoch, den 25. 3uni, nachmittags Vs2 Uhr (vor der Versammlung in der städtischen Turnhalle) findet eine Versammlung der Bürgermeister der Landgemeinden im Saale des Gastwirts Hafner statt.
Tagesordnung: 1. Neuwahl des Gesamtvorstandes der Kreisgruppe Schlüchtern. 2. Verschiedenes.
Der stellvertretende Vorsitzende.
Brüder in Not.
I .-Nr. 300 R. K- Aus der Gemeinde Seidenroth konnten noch 25 3MI zu obigen Zweck an den Provinzialverein vom Roten Kreuz abgeliefert werden.
Schlüchtern, den 16. Juni 1930.
Männerverein vom Roten Kreuz Schlüchtern.
Der Vorsitzende: Dr. Müller.
Stabt Schlüchtern.
Ausschreibuna.
Die Ausführung von rd. 75,00 lfm. Wasserleitungser- weiterung von der Hanauerlandstraße nach dem Schlagweg soll vergeben werden.
Angebotsformulare. Bedingungen pp. hegen im Stadtbauamt, Schloßgasse Nr. 15 während den Vienststunden zur Einsicht offen.
Die Angebote sind bis spätestens Donnerstag, den 26. 3uni 1 9 30, vormittags 1 0 Uhr dem Stabb bauamt verschlossen einzureichen.
Die Geffnung der Angebote geschieht daselbst zu der vorstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschie- nener Bewerber^
^uschlagserteilung bleibt dem Magistrat vor behalten.
Schlüchtern, den 19. Juni 1930.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Ausschreibung.
Für die Ausführung von baulichen Verbesserungen im Finanzamtsgebäude der Stadt Schlüchtern sollen folgende Arbeiten vergeben werden:
1) Schreinerarbeiten (Glasabschlüsse),
2) Maurerarbeiten (Plattenbelag einschl. Plattensockel), 3) Installationsarbeiten (Erneuerung der Abortabfallei- tung).
Angebotsformulare, Bedingungen pp. liegen im Stadtbauamt, Schloßgasse Nr. 15, während den Vienststunden zur Einsicht offen.
Die Angebote sind bis spätestens Montag, den 30. Juni 1 930 vormittags 10 Uhr dem Stadtbauamt verschlossen einzureichen.
Die Geffnung der Angebote geschieht zu der vorstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bewerber. Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten.
Schlüchtern, den 20. Juni 1930.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Gevering in Zürich.
WTB. Zürich, 20. 6. Aus Anlaß eines Vortrages, den der frühere Reichsminister Severing gestern im Volkshause auf Einladung der Socialdemokratischen Partei der Stadt Sürich und des Gewerkschaftskartells hielt, verunstaltete die Kommunistische Partei eine Demonstration vor dem Volkshause. Zunächst konnten die Kommunisten von den sozialdemokratischen Ordnern in Schach gehalten werden. Bald darauf entwickelte sich aber eine Schlägerei, die heftige Formen anzunehmen drohte. Die Polizei stellte die Ruhe schließlich wieder her. Einige Personen trugen Verletzungen davon. Line Sonderversammlung der Kommunisten auf einem dem Volkshause benachbarten Platz verlief ohne besondere Störung.
Deutsche Diskontsenkung bevorstehend.
Berlin, 20. Juni. Wie man hört, ist der Zentralausschuß der Deutschen ReiaMam zu einer Sitzung emoMM wtAuub in der das Reichsbankdirektorium von seinem Beschluß, den Reichsbankdiskont von zurzeit 4% v. H. um H v. H. auf 4 v. H. zu senken, Kenntnis geben wird.
Hindenburgs Besuch in Bad Kreuznach.
Kad Kreuznach, 20. Juni. Der Hindenburgbesuch in Bad • Kreuznach, der seit geraumer Zeit auf den 21. Juli festgelegt war, ist nunmehr offiziell bekanntgegeben worden. Von Elt- Ville aus, wo der Reichspräsident Wohnung nimmt, fährt er am Montag, den 21. Juli, vormittags im Auto über die Hindenburgbrücke und über Bingen, wo ein Aufenthalt von zehn Minuten vorgesehen ist, nach Bad Kreuznach. Im Kurhaus nimmt der Reichspräsident in ganz engem Kreise das Frühstück ein. Nachher fährt er zur Gräfenbacher Hütte, ^em Wohnsitz seiner verstorbenen Gemahlin während der Hauvt- quartierszeit, um am Nachmittag nach Eltville zurückzukehreu.
Schmelings Meisterschaft endgültig anerkannt.
New Aork, 20. Juni. Die New Yorker Boxkommission hat am Donnerstag Schmeling die Weltmeisterschaft zuerkannt. Der Vorsitzende der Kommission empfahl die Austragung eines Rückkampfes Schmeling—Sharkey bis Oktober d. I, ,
Begeisterter Empfang Byrds.
New Uvrk, 20. Juni. 100 000be von New Yorker jubelten am Donnerstag dem Südpolforscher Byrd zu, dessen Empfang dem eines siegreichen Feldherrn glich Von dem Fort auf der Gouverneucs-Jnsel wurden 13 Salutschüsse abgefeuert und die Fahrt zur Battery gestaltete sich zu einem Triumphzug sondergleichen. Der Broadway bot ein Bild, was lebhaft an den Empfang Lindberghs, der deutschen Ozeanflieger und Dr. Eckeners erinnerte. Am Freitrg wird Präsident Hoover Byrd die goldene Medaille der Geographischen Gesellschaft überreichen.
— Gegen die wegen der Bombenanschläge in Schleswig-Holstein, Oldenburg und Hannover Beteiligten ist nunmehr das Hauptverfahren eröffnet worden. Die Verhandlungen werden voraussichtlich Mitte August in Altona beginnen.
— Der Griinsel Paß ist für den Verkehr mit kleineren Automobilen geöffnet; in zwei bis drei Tagen werden auch die großen Wagen verkehren können.
— Beim Baden im offenen Rhein ertranken Donnerstag bei Hamborn drei Personen, davon zwei verheiratete Männer. — Bei Ginsheim ertrank ein junger Mann aus Hechtsheim, der aus einem gekenterten Paddelboot in den Rhein gefallen war.
— An der ostpreußischen Grenze ereignete sich ein blutiger Vorfall. Ein im Dienst befindlicher Zollbeamter wurde am Walde von einem Zivilisten beschossen- der Beamte griff hierauf ebenfalls zur Waffe und verwundete den Angreifer tödlich. Es handelt sich um einen polnischen Zollbeamten in Zivilkleidung. Eine Untersuchung ist ein= geleitet.
— In der Umgegend von Samara (Rußland) wütete ein starker Sturm, durch den 90 Häuser zerstört wurde. Rund 1000 Bauern wurden obdachlos.
Am Finanzminister Moldenhauer.
Sein Rücktritt sicher.
/ Berlin, 20. Juni. Am Donnerstag nachmittag hat sich die innerpolitische Lage über die Verhältnisse innerhalb des Reichskabinetts insofern geklärt, als man jetzt den Rücktritt des Reichsfinanzministers mit absoluter Sicherheit erwarten kann.
Während noch am Mittwoch abend der Reichskanzler durch- auä entschlossen schien, an der Person Dr. Moldenhauers festzuhalten, hat er sich offenbar in verschiedenen Besprechungen, die er am Donnerstag mit einer Reihe von politischen Persönlichkeiten gehabt hat, von der Notwendigkeit des Rücktritts Dr. Moldrnhauersü berzeugen lasten.
Es ist anzunehmen, daß er nunmehr auch dem Reichspräsidenten dementsprechende Empfehlungen für die Behandlung des Rücktrittsgesuches Dr. Moldenhauers geben wird. Staatssekretär Meißner dürfte das Rücktrittsgesuch Moldenhauers mit nach Neudeck nehmen.
TNV. Berlin, 20. 6. (Eigene Meldung.) wie die Blätter melden, ist Staatssekretär Dr. Meißner gestern abend nach Neudeck gefahren, um dem Reichspräsidenten von dem endgültigen Rücktrittsgesuch des Reichsfinanzmini- sters Dr. Moldenhauer Mitteilung zu machen.
Wer wird Reichsfinanzminister?
Wie verlautet, hat Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer bereits die nötigen Vorbereitungen getroffen, um sofort zu einem längeren Erholungsaufenthalt in die Schweiz zu reisen. Er scheint somit an seinem Rücktrittsgesuch f e ft = zuhalten.
Reichskanzler Dr. Brüning soll bereits an den Reichswirt- schastsminister Dietrich die Frage gerichtet haben, ob er gegebenenfalls bereit Ware, das Reichsfinanzministerium zu übernehmen. Der Minister habe sich darauf mit der demokratischen Fraktion in Verbindung gesetzt, von deren Führung ihm die stärksten Bedenken gegen diese Uebernahme vorgetragen worden seien.
Vor der Befreiung. eine eutzige spÄrdige Frier".
Me bereits bekannt, hat der Haushaltsausschuß des Reichstages eine Entschließung über die Befreiungsfeiern im besetzte« Gebiet gefaßt. Die Entschließung lautet:
„Mit dem Dank, den das deutsche Volk den Rheinländern für die in elf schweren Jahren bewährte Treue und die unermeßlichen Opfer schuldet, ist der Schmerz darüber verbunden, daß die neutralisierte Zone nach den Bestimmungen des Versaille, Vertrages durch die einseitige Entmilitarisierung weiterbchn minderen Rechtes bleibt und daß das Saargebiet noch nickt feinem Mutterlande zurückgegeben ist. Diesen Tatsachen entsprechen; hegt der Reichstag den Wunsck, daß die Befreiungsfeierlichkeite« am Rhein in ernster, würdiger Weise sich der schweren Lage unseres deutschen Vaterlandes anpasten mögen. Die Reichsregierung wird ersucht, darauf hinzuwirken, daß, statt zahlreicher Vereins- und Organisationsfeiern, nur eine einzige würdige Feier i« den befreiten Gemeinden stattfindet."
Zur Verschickung von Kindern städtischer und ländlicher Bedürftiger des besetzten Gebietes, insbesondere von Erwerbslosen, Kriegsopfern, Kleinbauern, Sozial- und Kleinrentner« usw ' in Ferienaufenthalt aus Anlaß der Befreiung der Rhein- lande wurden in den Haushalt des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete eine Million Mark eingesetzt.
Auflösung des Ministeriums für die besetzten Gebiete.
Eine Besprechung der Führer der Regierungsparteien deL Reichs mit dem Minister der besetzten Gebiete, Treviranus, hat, wie aus Berlin gemeldet wird, das Ergebnis gehabt, daß die Regierungsparteien einen Antrag einbringen werden, wonach das Ministerium der besetzten Gebiete am 1. Oktober auf- yelö st, der Minister und die leitenden Beamten aber mit der Abwicklung der Geschäfte bis zum 1. April 1931 betraut werden.
Von der ZolernationalenArbeilskonserenz.
Die Verhandlungen des Genfer Kohlenausschustes gescheitert.
Die Verhandlungen des Kohlenausschustes der Jnternatio- nalen Arbeitskonferenz in Genf über ein einheitliches Arbeitszeitabkommen für den Kohlenbergbau sind gescheitert. Der Ausschuß hat sämtliche Anträge abgelehnt. Während am Mittwoch der Ausschuß den Antrag der englischen Regierung auf Einführung eines siebeneinhalbstündigen Arbeitstages und einen Antrag der Arbeitnehmergruppe auf Schaffung des Siebenstun- denarb eitstages abgelehnt hatte, lehnte er am Donnerstag den Antrag der deutschen Regierung auf Einführung eines sieben- dreiviertelstündigen Arbeitstages ab. Gegen den deutschen Antrag stimmten die Arbeitnehnier, ein Teil der Regierungen, ein Teil der Arbeiter enthielt sich der Stimme. Der Vorschlag des Internationalen Arbeitsamtes, den siebendrciviertelstündigen Arbeitstag im Kohlenbergbau einzuführen, sowie ein Antrag der Arbeitgebergruppe aus Einführung des Achtstundentages wurden ebenfalls abgelehnt.
Damit ist im Kohlenausschuß eine Uebereinstimmung hinsichtlich der Arbeitszeit im Kohlenbergbau nicht zustande gekommen. Der Vorsitzende des Ausschuffes machte den Vorschlag, trotz der Ablehnung sämtlicher Anträge die Lesung des Abkommens weiter fortzuführen. Es muß jedoch mehr als fraglich erscheinen, ob sich bei der endgültigen Abstimmung der Vollkonfe- rcnz eine Zweidrittelmehrheit für ein einheitliches Abkommen finden wird.