„Wenn der Herr Doktor schon alles wissen, dann..." „Nichts weiß ich!" fuhr Murchison wütend auf. „Zum Teufel, so reden Sie doch!"
„Ja .... sofort." Der Cabmann wischte sich den plötzlich auf seiner Stirn perlenden Schweiß und schluckte ein paarmal, ehe er fortfuhr: „Ich weigerte mich also, den Mann mit seinem blutenden Genossen aufzunehmen. aber da wurde der Kerl frech, drohte, mir sämtliche Knochen im Leibe entzwei schlagen zu wollen, und was dergleichen Dinge noch mehr sind.
„Sehen Sie denn nicht, daß der Mann verblutet, wenn ihm keine ärztliche Hilfe wird?" schrie er. — Na, und da habe ich denn nichts mehr gesagt, Herr Doktor, denn im Grunde genommen habe ich ja ein gutes Herz .... und meine Frau .... Gott hab' sie selig..."
„Ich glaub' es Ihnen, ich glaube es Ihnen .... und weiter? Sie fuhren also die beiden Herren hierher?"
Charlie Dickins bäumte sich auf.
„Herren? Ganz gemeine Lumpen waren es .... doch nein, den da drinnen will ich ausschließen .... Toten soll man ihre Ruhe lassen ... und schließlich .... d e r war ja auch besinnungslos ... aber der andere, dieser Halunke, dieser Strolch ...."
Der Pickel auf seiner Stirn glühte dunkel auf.
......dieser Bandit!" würgte er als Krönung aller Bezeichnungen heraus. „Der Schlag soll den Spitzbuben treffen. Nehmen Sie mir das nicht übel, Herr Doktor, aber was sich der Kerl mit mir geleistet hat, das ist... das ist ...." Er fand wohl nicht gleich den rechten Ausdruck, verzichtete auch auf Murchisons drohende Miene hin auf umständliches Suchen, sondern fuhr fort: „Was glauben Sie, was der Mensch gemacht hat? Hahaha, g e - prellt hat er mich um die Tare! Regelrecht betrogen hat er mich! Und da muß er sich ausgerechnet Charlie Dickins zu aussuchen, der selber nichts zu knabbern und zu beißen bat ...."
Das Mitleid über sich selbst erfaßte ihn.
„Ich werde Ihnen den Fahrpreis ersetzen," drängte Murchison. „Ihre Geschichte ist wohl bald zu Ende?"
„Ja .... sofort! .... Wie ich also die beiden Männer ausgenommen habe, fahre ich los. Ich sage Ihnen, Herr Doktor, das kann man schon nicht mehr fahren nennen .... das war das reinste Fliegen .... auf meine arme Mary habe ich wie unsinnig eingeschlagen, bloß, uni dem Manne da zu helfen ...."
Murchison saß bleich im Sessel.
Er erinnerte sich des Cabs, dem er auf der Hinfahrt begegnet war .... das also war Charlie Dickins gewesen .... und im Fond des Wagens hatten sich Robin Cornish und der Fremde befunden.
Er lachte hart auf.
Welche unsichtbare Hand pfuschte hier dem natürlichen Gang der Ereignisse ins Handwerk?
„Ich schaffe es also wirklich in zehn Minuten bis hierher," berichtete der Dicke weiter. „Wie ich vom Bock springe und den Schlag aufreiße, was meinen Sie, was ich da sehe? Den einen Mann, den da drüben, Herr Doktor!" Er wies zum Behandlungszimmer hinüber. „Und der andere, der Fr.mde der den da getragen hat, war fort! Verschwunden! Ist doch der Kerl einfach während der Fahrt aus dem Wagen gesprungen!"
Grenzenlose Empörung spiegelte sich m Charlie Dik- kins schwammigen Mienen. Hatte er während dem ersten Teil seiner Erzählung ruhig auf dem Stuhl gesessen, so absolvierte er den letzten in aufrechter Stellung, und
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illustrierte mit hundert wilden Gesten seinen Bericht, an dessen Glaubwürdigkeit zu zweifeln keine Ursache vorlag.
In Murchisons Hirn sprangen die Gedanken wie toll umher.
Wo war hier der Anfang? Wo das Ende?
Wer war dieser neue Mann, der da plötzlich auf- tauchte? Jener, der Robin Cornish auf seinen Schultern aus der Villa getragen?
„Sehen Sie denn nicht, daß der Mann verblutet, wenn ihm seine ärztliche Hilfe wird!" hatte er dem Kutscher zugerufen. Diese Worte zeugten doch dafür, daß er um das Schicksal des Ohnmächtigen besorgt gewesen war. Demnach konnte es sich nur um einen Freund handeln.
Und dann kam das Unverständliche: Er sprang heimlich, wie ein Dieb in der Nacht, aus dem Wagen ....
Lan'gsam hob er den Kopf.
„Sie würden den Menschen jederzeit wiedererkennen, der Sie um das Fahrgeld gebracht hat, ja?"
„Im Düstern, Herr Doktor! Solche Halunkengesichter vergißt man im Leben nicht!"
Murchisotz horchte auf.
„Wie soll ich das verstehen," forschte er. „Sah der Mann wie ein Verbrecher aus?"
Charlie machte ein betroffenes Gesicht.
„Hm... nein ..... wie ein Verbrecher eigentlich nicht .... er war sogar sehr gut angezogen .... ja .... und auch sonst ...."
Der Arzt winkte seufzend ab.
„Geben Sie mir Ihre Adresse, Mr. Dickins. Vielleicht brauche ich Sie noch — und dann —" Dr. Mur- son zog die Brieftasche hervor, „— hier haben Sie fünf Pfund
„Acht Schilling macht die Taxe nur!" stammelte der Dicke.
„Nehmen Sie das Geld ruhig. So — dalli, dalli... stecken Sie das Geld ein ...."
Charlie Dickins strahlte über das ganze Gesicht. Doch Murchison machte seinen Dankesbeteuerungen ein raiches Ende, indem er Godolphin herein rief und ihn beauftragte, dem Cabmann das Haustor aufzuschließen.
Mit Osborne ging er ins Behandlungszimmer zurück.
Es war ein freundlicher Raum mit blülenweißen Gardinen an den Fenstern und grünenden Blumentöpfen auf den weiß gestrichenen Simsen. An den Wänden hingen neben einigen alten Kupferstichen wenige, aber wertvolle Radierungen und dazwischen kleine, reizende Scherenschnitte. Neben dem Schreibtisch und der Handbibliothek im flämischen Stil hatte ein gewaltiger Glas-' schränk Platz gefunden, in dem sich ein paar Dutzend bösartig im Schein des Kronleuchters funkelnde Instrumente ein Stelldichein gaben. Im Hintergründe befand sich, von einer spanischen Wand verdeckt, der Operationstisch und zwischen den,beiden Fenstern mit den blitzblanken Scheiben die Chaiselongue, auf dem der Tote ruhte.
Murchison zog behutsam die Decke vom Kopf des stillen Mannes. Er schaute in ein sthmerzverzogenes Antlitz, in das das Leben mit brutaler Kraft seine Runen gegraben hatte. Robin Cornish mußte viel erlebt und vielleicht auch erduldet haben. Sein bartloses Gesicht legte ein beredtes Zeugnis dafür ab. Daneben aber trug er etwas in seinen Zügen, das Murchison nicht eben sympathisch berührte,' ohne daß er eine rechte Erklärung fand, was es war.
Still war Osborne an das Lager getreten.
„Ich stehe der ganzen Geschichte fassungslos gegenüber," sprach er erregt. „Wie ist es möglich, daß Sie wissen, w o der Cabmann diesen Mann hier ausgenommen hat!"
Murchison sah ihn voll an.
„Ich werde Ihnen alles erzählen. Doch zuerst etwas anderes. Sie haben den Mann wohl nicht weiter untersucht, als Sie merkten, daß er Vergiftungssymptome auf- wies?"
„Doch. Von Kopf bis Fuß."
„Von Kopf bis Fuß?" Murchison Wjütbifl Kopf. „Und Sie haben nichts weiter gefundn»;
"Nein .... das heißt bis auf die StimmJ
„Und Die Stirnwände rührt, wie Sie H ( entweder von einem Sturz oder von einem
Osborne nickte.
„Sie müssen sich geirrt haben, Osborne," chison langsam fort. „Die Wunde muß
Schuß herrühren!" "
Der Assistenzarzt sah erschrocken auf den der, dann glitt sein Blick zu Murchison zurück * 6
„Ausgeschlossen!" sagte er und sein Ton'md- Zweifel zurück.
„Dann weist der Körper eben an einer Stelle noch eine derartige Verletzung auf."
„Unmöglich, Herr Doktor!"
„Der Mann muß eine Schußverletzung baonn gen haben!" knurrte Murchison.
Aber er überzeugte sich im Laufe der nächsten 9 stunde selbst, daß dies nicht der Fall war. Der % einer Arsenikvergiftung erlegen; die Wunde an der rührte einwandfrei von einem Sturz her.
„Es wird immer verworrener," murmelte fe Er wandle sich an Osborne. „Ich weiß von diesem hier sehr viel und doch wiederum gar nichts. Robin Cornish, ist Direktor einer Filmfabrik und, Milton-Square 7." Und bitter fügte er hinzu- Umstände, unter denen sein Tod erfolgt ist. Verein mit den Begleiterscheinungen auch einen oer filmistischen Beigeschmack. Stellen Sie sich vor vor Mitternacht erzählt mir Peter Dryp eine Schauergeschichte von einem Spukgeist und einem gehörigen Gespensterhaus. In diese düstere 6rjä hinein platzt ein Telephonanruf. Eine sehr erregte1 fleht mich im wahrsten Sinne des Wortes an, eilend Milton-Square 7 zu kommen, wo ein gewisser M bin Cornish einen Unfall — hm — ja, so sagte sie folge einer Schußverletzung erlitten hat. Gleichzeit« digt sie mir an, daß sie mir einen Kraftwagen send
Der Kraftwagen erscheint prompt auf der M Es ist ein sehr eleganter Rolls-Royce-Wagen mit gehörigem LhauffZdr, der ein blutjunger Bursche Ü einen tadellosen, weiten, grauen Mantel trägt und« Hand einen Brillantring mit [idj herumschleppt. : junge Mensch fährt mich an die angegebene Adresse mich ab und rast Hals über Kopf davon. Wam er das? Um nicht erkannt zu werden!"
Murchison ließ sich am Schreibtisch nieder, die Brille ab und rieb die Gläser blank.
„Ich will es kurz machen. In der Villa H einem Verletzten nicht das geringste zu entdecken, aber allerlei Anzeichen, die auf den erst kürzlich sl fundenen Besuch einer Dame schließen lassen. Eine spur führt aus dem Hause mitten auf die Straft hi Dann , ruft eine Dame in der Villa an. Dieselbe, Q! die mich schon einmal antelephoniert hatte. Sie 6t tet, auf Cornish in der Notwehr geschossen zu haben, um sein Leben besorgt. Sie selbst ist nach der Tal hen und weigert sich auch am Apparat, ihren Nam nennen. Warum? Um nicht erkannt zu werden!"
„Aber Cornish ist ja gar nicht erschossen M Murchison lachte gezwungen auf.
„In dieser Geschichte ist eben alles, aber amij weder gehauen, noch gestochen. Die Menschen 6t sich wie die Unsinnigen. Jeder einzelne! Doch i Nach dem Telephonanruf laufe ich auf den Platz hi um die Blutspur zu verfolgen. Sie hört mitten an Fahrdamm auf. Wie ich ins Haus zurückkehre, plötzlich ein Kerl vor mir, der just aus der Villa! und eine Reisetasche in der Hand trägt, und nun Besseres zu tun weiß, als mir diese Tasche mit aff« Geschwindigkeit auf den Schädel zu hauen. Dann, wie besessen davon. Warum?"
Sem Gedenken der ll-Loothelden.
Einweihung des Ehrenmals auf der Möltenorter Schanze.
Zu Pfingsten fand in Kiel die feierliche Einweihung des U-Boot-Ehrenmals statt, das auf der ehemaligen Mölten- orter Schanze errichtet wurde. Die Ehrenlompagnie stellte die Schiffsstanddivision in Stralsund, die mit der Pflege der U- j Boolüberlieferung beauftragt ist. Die Krieger- und Marine- , vereine hatten ihre Abordnungen entsandt, ebenso die Kieler s Universität und die wassersporttreibenden Vereinigungen. Ver- , tretet der Behörden waren ebenfalls erscheinen. Die Kieler Bevölkerung beteiligte sich zahlreich an der Feier, die durch
einen Festgottesdienst eingeleitet wurde. Die Weiherede hielt Vizeadmiral a. D. Michelsen, der Worte des Gedenkens und der Kameradschaft fand.
Das Ehrenmal hat eine lange Vorgeschichte. Schon 1919 bildete sich unter dem Vorsitz von Vizeadmiral Michelsen, dem alten Kommandeur der U-Boote, ein Ausschuß zur Schaffung
eines U-Boot-Ehrenmals. Es sollte an den Ufern der Elbe bei Hamburg errichtet werden. Die gesammelten Gelder flössen aber in der Inflation zusammen. 1924 wurde ein Preisausschreiben veröffentlicht. Der preisgekrönte Entwurf konnte der zu hohen Kosten wegen jedoch nicht ausgeführt werden. Man begrenzte nun die Kosten auf 20000 Rmk., die dem Frankfurter Bildhauer Bäcker zufielen. Man wählte als Platz die ehemalige Möltenorter Schanze an der Kieler Förde. ArH ragender Säule, die sich nach oben zu verbreitert, stehr man einen Adler, der seine Schwingen ausbreitet, als wenn er sich nach Einkehr auf seinem Horst stolz zu neuem Fluge erheben will. Die Säule trägt die Inschrift: „Im Weltkrieg 1914/18 blieben 5132 Helden, 199 U-Boote".
Der Deutsche Tag in Salzburg.
Eine jugendliche Teilnehmerin berichtet.
Eine Schülerin, die zu der Tagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande an den Pfingsttagen in Saczburg gefahren war, schreibt uns darüber:
Nach dem Eintreffen der Sonderzüge der Teilnehmer der Jugendgruppen des Vereins für das Deutschtum im Auslande in Salzburg wurden den einzelnen Abteilungen auf dem Bahnhofplatze die Quartiere zugsteilt. Dann ging es durch die noch dunklen Straßen, die schon teilweise geschmückt waren nach einer Schule. Mit ungefähr 100 anderen Schülerinnen lagen wir in langen Reihen auf Strohmatten, die auf dem Fußboden auSgebreitet waren. Der Schlaf kehrte trotz der langen Reise nicht sehr rasch ein; man vertrieb sich deshalb noch mit dem leisen Gesänge eines Brahmsschen Abendliedes die Zeit. Schließlich konnte man doch einschlafen. Aber lange hielt die Ruhe nicht an. Morgens um 5 Uhr war alles aus dem Stroh und nun ging es zur Kochstelle, zum Frühstück. Eine lange Schlange von Mädels steht an und harrt der Gaben zur leiblichen Stärkung. Eine V. D. A.-Schülerkapelle vertreibt die Zeit des Wartens durch den Vortrag flotter Märiche. Endlich erhält man aus einem großen Wafchkessel seinen Kaffee und bekommt noch ein Brötchen und Butter dazu. Im Schul- Hofe sitzt jetzt alles auf der Erde, in der Sandgrube, auf den Fensterbänken und erfreut sich am Frühstück. Kaum ist dieses fertig, dann geht es zum ersten Bummel durch Salzburg.
Der 91 n b 11 u der Stadt und ihrer herrlichen Umgegend war überwältigend. Die prächtigen alten Häuser, die hochragenden Kirchen, das Schloß Mirabell und im Hintergrund die Feste Hohensalzburg machten einen imposanten Eindruck. Auf den Straßen herrschte ein buntes
Bild von Jungen und Mädels in Wanderanzügen und 5 kleidern, Studenten mit Band und Mütze, alles in R begeisterter Stimmung. Mit Gesang durchziehen die Es- die Stadt, und wenn eine der anderen begegnet, Begw sich mit kräftigen Heilrufen. Nun geht es durch die le schmückten Straßen zum Mittagessen, das sich in W Weise abspielt, wie das Frühstück. Auch hier gibt e?" ein Tafelkonzert.
Nachmittags unternahmen die meisten Ausflug dieUmgegend, nach Berchtesgaden, an den KönigP den Gaisberg und an viele andere schöne Stellen der nc Umgebung, so daß am Abend alles müde in den Quan anlangte. Trotz der ungewohnten Strohlage kann uB aber gut ruhen.
Kaum zu schildern ist die B e g e i st e r u n g, d i e ® rend der festlichen Veranstaltunge n, dere während des großen Festzuges herrschte. Wie w wir reichsdeutsche Jungens und Mädels während des , von den Oesterreichern durch Zurufe herzlich begrüßt; uns machten besonders die mit einer Trauerfahne « marschierenden Südtiroler einen Eindruck, dann die Ä i die Saarländer und die Ostpreußen, zahlreiche Grup? Volkstrachten und die strammen Wiener Studenten. in u Die Festgottesdienste und die F e i e r in herrlicher Naw unter freiem Himmel, bei der der katholische Kau Steinwender -Salzburg und der evangelische intendent Gregor aus dem Memellande sprachen, p alle Teilnehmer für das ganze Leben unvergeßlich.
। Und nun gehts in die österreichischen Alpen!
Erst,wenn man öieMlch mttlathreiner gemisch! Mkhwirö sie richtig verbaut!
... wieder ein Gmnö mO immer Kathreiner zuirinkn-