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Nr. 71

0. Blatt)

Gamstas, den 14. Juni 1930

82. Iahrg.

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Amtliche Bekanntmachungen

Stadt S ch l ü ch t e r n.

Per Erfrischungsraum in der städtischen Schwimmbade- Bstalt verabfolgung alkoholfreier Getränke und Er­frischungen sowie von Speisen und Genußmitteln soll für die Dauer des diesjährigen Badebetriebs Beginn: 15. Juni verpachtet werden.

Pie Pachtbedingungen können auf dem Rathaus Zimmer Nr. 2 eingesehen werden.

Schriftliche Rngebote sind bis zum Samstag, den 14. Juni 1930, mittags 11 Uhr, in verschlossenem, durch ent­sprechende Rufschrift gekennzeichneten Umschlag daselbst ein- zureichen. Die Eröffnung der Rngebote erfolgt zu der ange­gebenen Seit in Gegenwart etwa erschienener Bewerbers. Pie Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten. Schlüchtern, den 12. Juni 1930.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Eröffnung der städtischen Schwimm-Kadeanstalt Sonntag, den 1 5. 3uni 1 930, nadjmittags 3 Uhr.

Schlüchtern, den 13. Juni 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Betr. Badezeiten für die stäbt. Gchwimmbabeonstalt.

Die Badezeiten für die städtische Schwimmbadeanstalt sind, wie folgt, festgesetzt worden:

Familienbad

getrennt für

männl. Personen

weibl. Personen

Montag Dienstag

8 Uhr V. bis 2 Uhr N. tt.5UhrN.bis.l0UhrA.

8 Uhr V. bis 10 Uhr A.

8 Uhr V. bis 2 Uhr N. u. b Uhr N. bis 10 Uhr Ä.

}8 Uhr V. bis 10 Uhr A.

79 Uhr V.

2 Uhr N. bis 9 Uhr A.

3'4-5 U. nachm.

2-3'/2 U.

2-3'4 U. nachm.

3'4-5 U.

Donnerstag Freitag Samstag

Sonntag

nachm.

Schlüchtern, ben 13. Juni 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Für die Benutzung der Einrichtungen der städt. Schwimm­badeanstalt sind folgende Entgelte feftgesetzt worden:

I. Eintritt:

1) Einzelstarte:

a) für Erwachsene

b) für Jugendliche unter 18 Jahren

2) Jahreskarten:

a) für Erwachsene

b) für Jugendliche unter 18 Jahren

0,30

0,20

M gut

gut gut gut

8,00

4,00

unter 14 Jahren 2,00

II. Ank le i b e3e11en und Rleideraufbewahrung.

1) 4 in je Ikarte:

a) Einzelzelle (Benutzungsdauer 2 Stunben) je Person

b) Wechselzelle je Person

c) Rleideraufbewahrung bei Benutzung der Gemeinschaftszellen je Person

2) Jahreskarten:

a) Einzelzelle wie oben

b) Wechselzelle wie oben

c) Rleideraufbewahrung wie oben schlüchtern, den 13. 3uni 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

0,40 gut

0,20 gut

0,10

8,00

5,00

1,50

gut gut

M

Betrifft die Wahl für den Mterndeirat der Katrin fchnle.

Folgender Wahlvorschlag für die Wahl zum Elternbeirat der Lateinschule in Schlüchtern ist eingegangen:

1. Sebastian, Mathilde, Witwe, zu Schlüchtern,

2. Thaler, Willy, Brauereibesitzer, Schlüchtern,

3. Wegmann, Richard, Gtftsbesitzer zu Röhrigs, i ' Gemeinde Rlosterhöfe,

4. Sichel, Rbraham, Kaufmann zu Schlüchtern,

5. Kartte, Paul, Rentmeister zu Schlüchtern,

6. Bergien, Dr., Walter, Tierarzt zu Sterbfritz, Rappe, Wilhelm, Rpotheker zu Steinau,

8. Kreheler, Karl, Rpotheker zu Schlüchtern.

Da nur dieser eine Wahlvorschlag eingegangen ist und Segen denselben bei erfolgtet Prüfung Einwendungen nicht erhoben werden konnten, so gelten die auf dem Wahlvor- Ichlag aufgeführten ersten fünf Personen als gewählt.

Eine Wahlhandlung findet daher am 22. Juni d. 3s. Nicht statt.

Schlüchtern, am 12. Juni 1930.

Der Wahlvorstand.

Ackermann. Kartte. W. Thaler.

Bekanntmachung.

Am Samstag, den 1 4. Juni 1 930, vormit­tags 8 1/2 Uhr wird auf dem Rathaus Ranzlei der Schafpferch öffentlich verpachtet.

Schlüchtern, den 12. Juni 1930.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Mist­gruben, besonders wo sie an offenen Straßen oder an der Hauptstraße liegen, eingezäunt werden muffen.

Der Polizeibcamte hat Anweisung erhalten, erhöhtes Augenmerk dieser Angelegenheit zuzuwenden. werden die Besitzer derartiger unvorschriftsmäßiger Mistgruben hiermit aufgefordert, innerhalb drei Wochen die Mistgruben nach polizeilicher Vorschrift in Ordnung zu bringen, anderenfalls nach diesem Zeitpunkte Zwangsmaßnahmen eintreten.

Steinau, den 11. Juni 1930.

Die Polizeiverwaltung: Dr. Kraft.

Notopfer und Länderansprüche.

Berlin, 13. Juni. Die Gesetzentwürfe über das Notopfer und die Ledigensteuer werden dem Reichsrat in dieser Woche voraussichtlich nicht mehr zugehen können, da sich Zweifels­fragen ergeben haben, die noch geklärt werden müßten. Eine Hauptrolle spielt dabei die steuerliche Beziehung zwischen Reich und Ländern. Die Länder haben auf 75 Prozent bes Ein- kommensteuerertrages Anspruch. Das Notopfer, das rein äußer­lich als ein auf bestimmte Gruppen von Steuerpflichtigen be­grenzter Zuschlag zur Einkommensteuer darstellte, soll aber in vollem Umfange dem Reich zufließen. Daraus ergäben sich Widerstände der Länder. Das Reichsfinnnzministerium bemühe sich bei der Ausarbeitung der Vorlage, das Notopfer so wenig wie möglich als einen Zuschlag zur Einkommensteuer erscheinen zu lassen. Diese Absicht des Reichsfinanzministeriums stehe aber im Widerspruch zu der Auffassung innerhalb der Regierungs- Parteien, daß ein Notopfer nur bei Einführung eines ge­rne inen Zu schWWßPWEWrnnmeniteneg möglidpieL. ^ hied^ Sinne werde von parlamentarischen Gruppen eine Umgestaltung der Vorlage angestrebt, für die dann eine Mehrheit zu gewinnen wäre, etwa mit Hilfe der Sozialdemokraten. Die Folge werde sein, daß die Regierungsvorlage nicht mehr von Dr. Molden- Hauer durchgeführt würde und ein Wechsel im Reichsfinanz­ministerium erfolgen dürfte.

Morgan lehnt eine Beteiligung an weiteren Tributanleihen ab.

Berlin, 13. Juni. Wie dieD. A. Z." aus New Nork be­richtet, befindet sich in der Ankündigung der Firma Morgan über die Emission der Aoung-Anleihe die beachtenswerte Mit­teilung, daß diese Emission wahrscheinlich die letzte sein werde, die Amerika für Tributzwecke ausgebe. Die künftigen Mobili­sierungen solcher Anleihen würden nur innerhalb der Länder stattfinden, deren Regierungen von den Jahreszahlungen dieser Anleihe profitierten.

Fcuersbrunst in einer litauischen Stadt.

Kowno, 13. Juni/ In dem litauischen Städtchen Rosalino wütet seit DonkMAag morgen eine Fcuersbrunst. Bis 12 Uhr mittags waren M Bshnhäuser mit Wirtschaftsgebäuden einge- äschert. Infolge : großen Trockenheit verbreitet sich das Feuer mit großer Schnelligkeit, und es besteht die Gefahr, daß das ganze Städtchen, das etwa 2000 Einwohner zählt, cin- geäschert wird. Aus allen umliegenden Städten und Ortschaf­ten, selbst aus Kowno, sind die Feuerwehren herb-ngecilt. Die Bewohner verlassen fluchtartig den Ort.

600 Verbrecher in Chicago verhasrc,.

London, 13. Juni. Wie aus Chicago gemeldet wird, hat die Polizei in Der vergangenen Nacht in der Stadt 600 Ver­brecher verhaftet. Die Polizisten führten eine Liste von 41 Ver­brechern mit, auf die sie auf ausdrückliche Anweisung des Poli­zeichefs sofort zu schießen hatten. Besondere Abteilungen von Polizei-Scharfschützen haben die ganze Nacht hindurch den Patrouillendienst versehen. Die Polizei hatte den ausdrücklichen Befehl, von ihren Schußwaffen Gebrauch zu machen. Unter den 600 Verbrechern befinden sich aber nicht die Führer der großen Verbrecherorganisationen, die auf rechtzeitige Warnung vor der großen Razzia vorher geflohen waren.

Beilegung des Bürgerkrieges in China?

Tokio, 13. Juni. Nach einer Mitteilung der japanischen Telegraphen-Agentur Asiatic hat eine Gruppe chinesischer Poli­tiker General Nen Hsi-schan und General Dschiang Kai-schek vorgeschlagen, einen Waffenstillstand zu schließen und damit den Bürgerkrieg beizulegen. Nen Hsi-schan hatte sich mit diesem Vorschlag unter der Bedingung einverstanden erklärt, daß General Dschiang Kai-schek zurücktritt, Dschiang Kai schck woll« auch tatsächlich zurücktreten und China verlassen. Die übrigen Mitglieder der chinesischen Regierung hätten sich an Wang Tsching-wei mit der Bitte «rwandt, ein neues Kabinett zu bilden.

Bei einer Schiffskatastrophe an der amerikanischen Rüste zwischen dem PersonendampferFairfax" und einem Tänkdampfer haben 40 Personen den Tod gefunden. 26 Passagiere haben schwere Verletzungen erlitten.

Die politische Lage.

Kritische Aeußerungen der Christlichen Gewerkschaften

Der Hauptvorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften hielt in Düsseldorf am 11. und 12. Juni eine von Vertretern aller Verbände gut besuchte Tagung ab, auf der insbesondere die gegenwärtige Wirtschaftslage Gegen stand 5er Erörterungen war. Auf der Tagung kam zum Aus­druck, daß die christlichen Gewerkschaften die Bemühungen unterstützten, durch gemeinsame Arbeit der Arbeitgeber und der Gewerkschaften die schwierige Gesamtlage zu überwinden zu helfen. Gegen die Auffassung, daß der Abbau der Löhne das Mittel sei, um die Arbeitslosigkeit zu beheben, müßten sich die christlichen Gewerkschaften nachdrücklichst wenden. Sie seien jedoch bereit, an einer Senkung der Produktionskosten der Wirt­schaft mitzuarbeiten, vor allem in der Richtung einer Senkung der durch den überspannten Verwaltungsapparat bedingter öffentlichen Lasten und eine Herabsetzung der Preise. Der Hauptvorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerk­schaften brächte ferner zum Ausdruck, daß der derzeitigen Ar­beitslosigkeit und Not weiter Volkskreise nur mit außerordent­lichen Maßnahmen begegnet werden könne, insbesondere müßte die Arbeitslosenversicherung durch besondere gesetzliche Maß­nahmen leistungsfähiger erhalten bleiben.

Mit Befremden müßten die ch istlichen Gewerkschaften den Mangel an wirklichem Gemeinschaftssinn in weiten Kreiser unseres Volkes feststellen, der insbesondere auch in dem Wider­stand gegen das von der Regierung angekündigte Notopfer zum Ausdruck komme. Angesichts der Not von Millionen von Volks­genossen sollte die Leistung eines Notopfers von allen in ge­sicherter Stellung Befindlichen eine Selbstverständlichkeit sein. Der Hauptvorstand beschloß, daß die Angestellten der christ­lichen Gewerkschaften neben den gewerblichen Sonderbeiträgen und neben ihren Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung hinaus ein weiteres Notopfer bringen, um die Mittel Der Arbeits- loscnfürsvrge ihrer Verbände zu stärken

Der Seynhausener Schiedsspruch.

Der Abbau der Eisenpreise durchgeführt.

Gemäß der dem Reichsarbeitsminister gegebenen Zusicherung, Win' Abänderung ^>er Arbeitgeverertlärung zum peyuyauieuei Schiedsspruch die Verdienste anstatt bis zu 10 v. H. nur bis zu 7% v. H. zu vermindern, jedoch die Preise für das Ausmaß der tatsächlich ersparten Beträge hinaus zu ermäßigen, haben die Verkaufsverbände der Deutschen Rohstahlgemeinschaft in einer am Donnerstag abgehaltenen Sitzung einen Preisabbau beschlos­sen, der sich auf alle neuen Käufe rückwirkend ab 1. Juni bezieht. Die Preise erfahren folgende Ermäßigung: Formeisen (Fracht­basis Oberhaufen): von 1.38 auf 1.34 Mk., Formeisen (Fracht- basis Neunkirchen) von 1.32 auf 1.28, Stabcisen (Frachtbasis Oberhausen) von 1.41 auf 1.37, Stabeisen (Frachtbasis Neun kirchen) von 1.35 auf 1.31, Grobbleche von 1.58 auf 1.53, Mittel­bleche von 1.65 auf 1.60, Nniversalcisen von 1.46 aus 1.42. Bandeisen (für nördliche Absatzgebiete) von 1.64 auf 1.59, Band­eisen (für Süddeutschland) von 1.60 auf 1.55, Walzdraht vor 1.72 auf 1.67, Grubenschiencn von 1.42 auf 1.38. Die Halb­zeugpreise sind um 3.50 Mk. ermäßigt worden. Im übrigen wurde beschlossen, den Aufpreis für Siemens-Martin-Metalle um 2 Mark zu ermäßigen, was ungefähr eine weitere Herab­setzung der Preise um nochmals 1 v. H. bedeutet. Der Feinblech- verband und der Röhrenverband schließen sich grundsätzlich bei Preissenkungsaktion an. In den nächsten Tagen werden von die­sen Verbänden bereits entsprechende Beschlüsse gefaßt werden.

Das Traucrgcfolgc für von Balligand.

Berlin, 13. Juni. Das Reichswehrministerium gibt be­kannt: KreuzerKönigsberg" wird am Samstag, 14. Juni, um 17 Uhr mit den sterblichen Ueberresten des Gesandten von Balligand in Cuxhaven eintreffen. Bei der Vonbordnahme des Sarges werden die Sicherheitswache und die Besatzung des Kreu­zers antreten. Seitens des Auswärtigen Amtes nehmen an den Ueberführungsfeierlichkeiten in Cuxhaven Ministerialdirektor Dr. Köpke und Legationsrat Wagemann teil. Ein Trauergefolge, bestehend aus den Offizieren des Kreuzers und des Standorts Cuxhaven, und eine Abordnung der Besatzung des Kreuzers werden den Sarg zum Bahnhof geleiten. Beim Begräbnis, das in München statfindet, wird der Chef der Marineleitung durch Vizeadmiral Brutzer vertreten werden.

Folgenschweres Arrtonrobilnngliick

WTB. Rassel, 13. 6. Wie das Kasseler Tageblatt aus Deckerhagen (Weser) berichtet, ereignete sich gestern abend ein außerordentlich ferneres Automobilunglück am ftemel- berg. Das Mindener Pionierbataillon passierte mit mehre­ren Personenwagen, einer großen Rnzahl Motorräder und 25 bis 30 Saftautomobilen mit Anfänger die Straße von ftemelberg nach Deckerhagen. Infolge Versagens einer Bremse fuhr der erste Lastkraftwagen in einer unübersicht­lichen Kurve mit großer Geschwindigkeit auf eine kleine kleine Brücke auf und stieß dort gegen eine Mauer, wobei er sich quer über die Straße legte. Ihm folgten mehrere Lastautos, die den ersten Wagen rammten und mit furcht­barer Wucht über die Brücke hinweg in eine Tiefe von vier bis fünf Metern stürzten. 3m ganzen sind vier Saft­autos des Zuges, der die Kurve zu passieren hatte, auf die Brücke gerast. Nach Berichten von Rugenzeugen sind etwa acht Schwer- und zehn Leichtverletzte festgestellt wor­den. Gb sich auch in den in die Tiefe gestürzten Wagjen noch Soldaten befinden, konnte int Augenblick noch nicht festgestellt werden.