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Fortsetzung 4

„Gewiß," nickte er. „Kurz und bündig .... also... hm...." Er suchte nach Worten. Anscheinend wußte er nicht recht, an welchem Punkt er mit seinem Bericht beginnen sollte.

„Wir haben in Ihrer Abwesenheit Besuch bekom­men," sagte er schließlich. „Ein Mann .... oder besser gesagt: zwei Männer ..." Wieder brach er ab und sah scheu zum Wartezimmer zurück.

In Murchison brodelte es. Die Erregung der ver­gangenen Stunden und nun dieses Neue, Unbekannte peitschten seine Sinne auf. Er wollte Osborne beiseite schieben, aber der hielt ihn krampfhaft fest.

„Einen Augenblick, Doktor ... ich muß Sie vorbe­reiten ...."

Sein Blick irrte zu Godolphin hinüber,, der mit offenem Munde, noch Hut und Mantel Murchisons in der Hand haltend, neben dem Kleiderständer stand.

„Godolphin unterrichtete mich bei meiner Heimkehr, daß Sie gerade mit Mr. Dryp zusammen das Haus verlassen hätten," spann Osborne endlich sein Garn ab. „Ich war übrigens drüben in Whitechapel ... dem kleinen Eddie geht es ganz gut, ich habe ihm bloß den Ver­band erneuern brauchen...., also, wie ich zurückkam, wa­ren Sie justement fort. Ich aß noch einen kleinen Hap­pen und wollte gerade zu Bett gehen, als jemand die Nachtglocke zog. Vom Fenster aus sah ich auf der Straße einen Droschkenkutscher, der einen unglaublichen Spektakel vollführte und der..." Wieder begann Osborne zu schlucken. Als er aber Murchisons grimmiges Gesicht sah, verlor er gänzlich den Faden. Hastig lief er zur Tür des Wartezimmers zurück. „Kommen Sie, Doktor .....es ist vielleicht doch besser, wenn der Mann Ihnen selbst erzählt, was geschehen'ist ...."

Bei Murchisons Erscheinen hob sich eine kleine, kuge­lige Gestalt aus einem der Sessel des Wartezimmers.

Ein eigener, in diesen Räumen ungewohnter Duft lag über dem Raum.

Nicht Moschus — weiß Gott nicht — sondern das würzige, kräftige Odeur echter, unverfälschter Stalluft. Auch sonst wies der Mann alle Kennzeichen des typischen Londoner Cabmannes auf.

Sein Antlitz war stark gerötet und verriet in seiner aufgedunsenen schwammigen Beschaffenheit den Gewohn­heitstrinker. Während er jetzt vergeblich bemüht war, dem Arzt durch eine stramme Haltung seine Reverenz zu erweisen, zitterten ihm die Knie und Hände ganz bedenk­lich. Mitten auf der flachen Stirn behauptete ein finger­dicker Pickel seinen Platz.

„Was wünschen Sie von mir?" wandte sich Murchi­son an ihn. Es mußte ja ein? ganz ungeheuerliche Bot­schaft sein, die dieser Mann ingen mußte. Um so er­staunter war er über die Eru oerung: „Was ich wünsche ... nichts, Herr Doktor ... rein gar nichts ... wenn's nach mir gegangen wäre, säße ich schon längst nicht mehr hier .... so was ist mir überhaupt während meiner drei- ßlgWrkW Laufbahn noch nicht passiert..."

Verständnislos blickte Murchison auf seinen Assisten­ten, der sich verzweifelt an den Kutscher wandte: „Erzäh­len Sie dem Herrn Doktor, wie alles gekommen ist! Ver­stehen Sie denn nicht?!"

„Aber gewiß, doch..... da kann ich also anfan­gen? —" Er sank in den Sessel zurück. „Eine ganz tolle Sache. Wie jeden Abend, so stand ich auch heute am Wel­lington-Monument am Droschkenhalteplatz...."

„Einen Augenblick," unterbrach ihn Murchison. „Hö­ren Sie, Osborne. Sie sprachen von zwei Männern, die gekommen sind. Wo ist der andere?"

Automatisch wies Osborne zum angrenzenden Zim­mer, das den Zwecken eines Behandlungszimmers diente, und aus dem just ein tiefes Stöhnen drang.

Mit einem Satz war Murchison an der Tür und ritz sie auf.

Auf der Chaiselongue lag ein Mann, der, wie der Arzt auf den ersten Blick erkannte, mit dem Tode rang.

Hastig fühlte er den Puls.

Als er sich wieder emporrichtete, stand Osborne mit bleichem Antlitz neben ihm.

„Arsenik!" raunte er.

Murchison sah verstört auf den Sterbenden nieder. Im Flüsterton teilte ihm Osborne mit, daß der Mann in hoffnungslosem Zustande von dem Kutscher ins Haus gebracht worden sei, und daß bereits sämtliche ihm rasch eingeflößten Gegenmittel zwecklos gewesen seien.

„Wer ist der Mann?"

Osborne zuckte die Schulter.

„Und der Kutscher weiß es auch nicht?"

„Nein," erwiderte Osborne leise. „Im Gegenteil weiß er über diesen Mann hier eine Geschichte zu erzäh­len, die überaus mysteriös erscheint. So soll der Mann...."

„Still!" murmelte Murchison, als sich der Unbekannte regte.

Er war gut gekleidet und vielleicht fünfundvierzig Jahre alt.

„Sidney...," stammelte er. Und dann noch einmal: „Sidney..." Was dann folgte ging in einem unartiku- lierbaren Murmeln verloren.

Regungslos stand Murchison an dem Lager.

„Warum trägt der Mann einen Stirnverband?" fragte er Osborne.

„Er scheint geschlagen oder gestürzt zu sein. Als ihn der Kutscher brächte, blutete er aus einer Wunde, dis an und für sich aber harmlos ist, und in wenigen Tagen geheilt wäre..."

Den Fremden packte ein Schütteln. Seine Hände vertrauten sich und sein Gesicht zeigte Spuren furchtbarer Todesqual. Als er sich aufrichten wollte, legte ihm Mur­chison schnell die Hand stützend in den Rücken.

„Der Brief!" rang es sich von den Lippen des Sterbenden. „Der Brief! Warum kommst du nicht .... nur du sollst ...."

Mit einem Röcheln brach er ab. Dann richtete er sich noch einmal auf.

„Sidney!" schrie er.

Es war sein letztes Wort.

Ein Zucken durchlief seinen Körper, dann sank er zurück.

Langsam drückte ihm Murchison die Augen zu.

Vorbei!

Während Osborne eine Decke über den Unbekann­ten breitete, starrte Murchison zu Boden. Sie stellten sich etwas reichlich ein, die Ereignisse dieser Nacht... vom Gespensterhaus Peter Dryps angefangen, bis zu diesem Toten hier ....

Arsenik — hatte Osborne gesagt. Gift also. Mord oder Selbstmord?

„Ich bitte Sie dringend, sich die Erzählung des Cabmannes anzuhören," hörte er Osborne sprechen.

Als sie ins Wartezimmer zurückkehrten, sah ihnen der Kutscher, der sich Osborne als „Charles Dickins" vor­gestellt hatte, mit seinen nichtssagenden, wasserblauen Augen entgegen. An den Mienen der beiden Aerzte schien er zu erkennen, daß irgendetwas geschehen war.

„Nun ist er wohl hinüber?" erkundigte er sich. —

„Allerdings, Ihr Fahrgast ist soeben gestorben," nickte Murchison ernst. „Wenn Sie mir nun alles er­zählen wollen ... und möglichst sachlich, nicht wahr..."

Der Dicke nickte.

„Wo war ich doch gleich stehen geblieben — ah, M tig .... am Wellington-Monument .... Mich finden S da immer ... also ich wollte gerade nach dem Strand fahren, weil am Monument nichts mehr los war man muß ja immer sehen, wo man bleibt, nicht? Und bi« Autotaris sind eine ganz unverschämte Konkurrenz. Ja, sofort, Herr Doktor," fuhr er eifrig fort, als'» Murchisons unwillige Miene sah. „Aber das gehört nun mal dazu. Ich steige also auf den Bock und meine trabt los.... eine Weile ging das ganz schön und ohne jeden Zwischenfall ..... aber so kurz vor zwölf mag es ge­wesen sein, da ging die Gemeinheit los ...."

Das Sprechen bereitete ihm sichtlich Schwierigkeiten Wahrscheinlich hatte er während „seiner dreißig Berufs­jahre" noch niemals einen so langen Vortrag gehalten.

„Was war das für eine „Gemeinheit"?"

Charlie Dickins zog die Stirne kraus.

„Die größte, die mir bisher begegnet ist," versetzt er wütend. „Wie ich gerade über einen ziemlich dunkle! Platz kutschiere, schreit jemand wie unsinnig hinter mir her. Ich sage natürlich sofort zu meiner braven Mary, „Brrr!" und freue mich königlich, so schnell einen Fahj gast zu bekommen. Wie ich mich umdrehe, sehe ich einen Kerl hinter mir herkeuchen, der eine schwere Last auf sei­nem Rücken trägt.

„Sind Sie frei?" schreit er schon, wie er noch M nicht ganz da ist. (

„Gewiß," sage ich. „Wo soll denn die Fuhre bin- I gehen?"

Inzwischen ist er ganz herangekommen und da ich ich, daß die Last, die er auf der Schulter trägt, ein - Mensch ist: ich kriege einen fürchterlichen Schreck, aber be 1 schreit der Kerl auch schon: „Wo ist hier der nächste Arzl?"

„Der nächste Arzt?" sagte ich: „das ist der Murchison in der Thornburrystreet." ;

„Also los - dorthin!"

Damit setzt er mir den Menschen, den er auf bei , Schulter schleppt, auch schon in den Wagen. Meine Anß wurde immer größer, als ich sah, daß der Ohnmächtig! aus einer Kopfwunde blutete.

„Nein!" sage ich. „Auf so was lasse ich mich nicht ein!" — Sie müssen nämlich wissen, Herr Doktor, heut­zutage passiert so unendlich viel und da muß man mit • seinen Fahrgästen vorsichtig sein, und sich die Leute Dorret erst genau ansehen ...."

Charlie Dickins unterbrach sich plötzlich und starr!! schreckerfüllt auf den Arzt, der ihn mit allen Zeichen bei Erregung anblickte. J

Auch Osborne hatte die Veränderung bemerkt, dir sich auf seines Chefs Mienen deutlich ausprägte. , Da trat Murchison auch schon auf den Kutscher - ;

„W o war das?" Und als Charlie Dickins M- legend schwieg, setzte er mit erhöhter Stimme hinzu: „R ton-Square, ja?"

„Dort war es, Herr Doktor! Ganz richtig!"

Vor Murchisons Augen wirbelten taufende blin­der, glühender Funken. Und dann tauchte eine Blut­spur vor ihm auf ... sie führte aus einem unheim­lichen Hause über einen Kiesweg auf die offene Strafe auf den freien Fahrdamm hinaus, um hier jäh und ® vermutet zu enden .... dort zu enden, wo das O - des braven Charlie Dickins gewartet hatte ...

Der Tote nebenan war also .... Robin Cor n i s h, der Filmdirektor.....

Taumelnd sank er nieder.

Diese Aufklärung kam ihm zu unerwartet.

Osborne hatte der Szene fassungslos beigewohm „Doktor, Sie wissen bereits ....? Ich begreife ntdjtJ

„Bitte — fahren Sie fort!" murmelte MarchiB und machte eine abwehrende, müde Handbewegung. i

Charlie Dickins rutschte unruhig im Sessel hin un) her.

Willst Du verreisen, frag' Deinen Arzt!

Don Dr. med. Hurt Kaiser, Lerlin-Wilmersdorf.

In diesen Tagen der großen Lommerreisezeit pflegt das ärztliche Sprechzimmer oft einem Reifebureau zu gleichen und angefüllt zu sein von Kranken, die nicht eigentlich krank sind, sondern krank waren oder es zu werden fürch­ten. Sie alle heischen jetzt den Rat des Arztes für die zweck­mäßige Anwendung des Sommerurlaubs. Dem ist gut so, denn nur eine zweckmäßige Ausnutzung des Lommerur- laubs gewährleistet die erwünschte körperliche und geistige Erholung oder die restlose Beseitigung von Krankheitsüber- resten. Umgekehrt kann eine unzweckmäßig durchgeführte Sommerreife statt der erhofften Kräftigung bisweilen das Gegenteil, eine Verschlimmerung der bestehenden resp, sogar neue Beschwerden bringen.

Sd)on bei der Auswahl des Aufenthaltes können ent­scheidende Fehler begangen werden. Für den Gesunden dürfte ganz allgemein der Latz gelten, daß die Erholung im Wechsel der Tätigkeit liegt. So wird der Stubenhocker, der Büromensch zweckmäßig das Gebirge aufsuchen, wo er in frischer Luft dem Körper die sonst mangelnde Bewe­gung durch Wandern oder Bergsteigen geben kann. Po wird der Stäbter mit Vorteil der Nuhe und Beschaulichkeit des Landlebens sich hingeben und der Landmann gleich dem Schwerarbeiter oft an der See die notwendige Erholung finden. Weit schwieriger wird die Entscheidung, wenn es sich um Kranke oder halbgesunde handelt. 3u letzteren gehört das große Heer der schwächlichen, Blutarmen und Nervösen. Sie werden vor allem des sachverständigen ärzt­lichen Rates niemals entbehren können, wenn es gilt zu wählen: ins Gebirge oder an die See? Denn nur die genaue ärztliche Kenntnis der körperlichen Eigenart vermag davor zu schützen, daß man nach beendetem Sommeraufenthalt nervöser heimkehrt, als man fortging, daß Appetit und Körpergewicht ab- statt zugenommen haben, usw. Bäder und Trinkkuren verlangen ganz besonders eingehende Kenntnis ihrer Wirkungsweise und sollten daher niemals auf eigene Faust unternommen werden. Hierfür ist im allgemeinen neben dem Rat des Arztes daheim auch die besondere Vorschrift des ortsansässigen Arztes, des Bade­arztes, einzuholen, der auf Grund seiner genauen Kenntnis

der Zusammensetzung der Heilquellen über die jeweils not­wendige Art und Zahl der Bäder resp. Trinkkur KNtschei- den muß.

Wenn sich der Kurerfolg bisweilen nicht sofort einstellt, oder zunächst sogar eine gewisse Verschlimmerung bestehen­der Beschwerden auftritt, so zweifle man nicht gleich an der Nichtigkeit der ärztlichen Verordnung, häufig bedarf es einer gewissen Zeitspanne der Anpassung des Körpers an das Klima ober die Kurmittel, bis der erwünschte Erfolg zutage tritt. Auch die Frage einer einzuhaltenden Diät muß ausschließlich vom Arzt entschieden werden. Auch gesunde Erholungsbedürftige sollten nicht immer den Haupt­wert auf eine besonders gute und reichliche Verpflegung legen. Wer auf dem Standpunkt steht, „Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt ’was geschenkt", der wird häufig solches Tun schwer büßen müssen, wer aber seinen Urlaub nutzbringend für die Wiederherstellung oder Erhaltung sei­ner Gesundheit verwerten will — und wer wollte das nicht — für den gilt der Rat: „Willst du verreisen, frag' Deinen Arzt!"

Das Parlament der Volksg esundheit Der Neichsausschuß für hygienische Volksbelehrung hielt in Dresden im Anschluß an den sozial-Hygienischen Tag seine Iahresversammlung ab, der sich eine Konferenz der Ge­schäftsführer der Landes- und Provinzialausschüsse anschloß. Während hier organisatorische Fragen im Vordergrund stan­den, galt der Abend der Geselligkeit. Zwanglos fanden sich prominente Vertreter der Volkshygiene des In- und Auslandes mit den Vertretern des Neichsausschusses, seiner Unterorganisationen und sonstiger an der hygienischen Volksbelehrung interessierter Persönlichkeiten zu einem Ge­dankenaustausch zusammen. Dabei zeigte sich aufs neue, daß die Verbreitung hygienischer Volksbelehrung in der ganzen Welt als besonders wichtig und bedeutsam aner­kannt und überall in gleicher ober ähnlicher Weise erstrebt wird, wie dies in Deutschland unter Führung des Neichs­ausschusses für hygienische Volksbelehrung geschieht. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die hygieni­sche Volksbelehrung wurde Min.-Dir. Dr. Dammann-Berlin - zum Ehrenmitglied des Neichsausschusses für hygienische i Volksbelehrung gewählt.

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Wem das Kind keine Milch mehr will dann geben Sie ihm Jfikftlutiiremer*’

Der wird dreimal ss leicht verdaut wie Milch allein /

... und viel,viel lieber getrunken /

^Xejept: zur Hälfte boppelftarferKathreiner, zur Hälfte Milch/

Als Entschädigung für die in Amerika während Krieges beschlagnahmten deutschen Lchiffe hat bar richtet in Washington die an die deutschen Reebereio i zahlende Entschädigungssumme auf 74 243 000 Dollar, rund 300 Millionen Mark, festgesetzt.