Nr. 69 (1. Blatt) Dienstag, den 10. Juni 1930 82. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
L a n d r a t s a m t
Nr. 5496. Wegen Gleisumbauarbeiten (Erneuerung des ^ahrgleises Bebra Frankfurt a. M.) wird der Uebergang der Straße Steinau—Ueryll für den gesamten Kraftwagen- und Fuhrwerksverkehr am Donnerstag, dem 12. d. Mts. von 6 bis 14 Uhr gesperrt. Der Verkehr ist über Steinau Ulmbad) zu leiten.
Uebertretungen werden nach der Straßenverkehrsordnung vom 24. September 1926 (Beilage zum Negierungs- amtsblatt Nr. 40 von 1926) bestraft.
Schlüchtern, den 10. Juni 1930.
Der Landrat- 3. V.: Schultheis.
I.-Nr. 5195. Die Herren Bürgermeister werden daran erinnert, daß sie die Ubsohlungsergebnisse in die ihnen seiner Seit übersandten Veckregister genau eintragen und letztere bis spätestens 20. 3uni an den Veckstellenvorsteher zurücksenden müssen, auch daß die Züchter die fälligen Füllengelder an den Deckstellenvorsteher pünktlich zu zahlen haben.
Schlüchtern, den 4. 3uni 1930.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
I.-Nr. 5155. Die Nnträge des Bischöflichen Stuhls in Fulda und des Magistrats zu Väd-Soden auf Festsetzung eines gemeinsamen Schutzbezirks für die Heilquellen in 6ad-Soden liegen in der Seit vom 16. Juni bis einschließlich 15. 3uli d. 3s. in dem Dienstzimmer des Bürgermeisters zu Lad Soden zu jedermanns Einsicht offen. Es steht > jedem Beteiligten frei, innerhalb der Gffenlegungssrist im Umfang seines Interesses Einwendungen gegen die Anträge schriftlich oder zu Protokoll bei dem Unterzeichneten geltend zu machen.
Schlüchtern, den 4. Juni 1930.
Mr~ ~W^; Der Landrat: Dr. MiMer-'^
Krei sa u § f ch u ß.
Aufstellung der Gemeinderechuuugen für das Rechnangsjastr 1939.
I.-Nr. 3318 K. A. Nlit Nücksicht darauf, daß die Unterlagen aus den Gcmeindercchnuirgen für das Nechnungs- jahr 1929 ebenso wie in den Vorjahren zur Aufstellung der Finanzstatistik benötigt werden, veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gemeinderechner der Landgemeinden dafür zu sorgen, daß die Gemeinderechnung für 1929 unverzüglich ausgestellt wird und in einer Ausfertigung ohne die Beläge in Bälde hier eingeht.
Schlüchtern, den 7. Juni 1930.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
I.-Nr. 4712 F. Die Krüppelberatungsfteile in Kassel ist vom 1. April 1930 ab von Gießkergstr. 24 in das Erdgeschoß des Hauses Gießbergstr. 5 verlegt worden und führt in Zukunft die Bezeichnung „Orthopädische Beratungsstelle".
Schlüchtern, den 5. Juni 1930.
Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.
Stadt Schlächter n.
Aasschrridang
Für die Einrichtung des Schwimmunterrichts in der neuen Badeanstalt soll die Lieferung von nachstehenden Schwinun- geräten vergeben werden.
1) 12 Stück Schwimmgurte verschiedener Größe für Kinder, größere Schüler und Erwachsene.
2) 5 Stück 6 Meter lange Lchwimmleinen mit verzinktem Karabinerhaken.
3) 5 Stück 3 Meter lange Schwimmstangen aus Eschen- oder gutem Kiefernholz.
4) 1 Rettungsring mit 20 Meter langer Mursleine.
5) 1 Bambusstange 4 Meter lang.
6) 15 Stück Korkschwimmgürtel für Kinder (8-teilig) für größere Schüler (10-teilig) und Erwachsene (12=teilig). *
7) Eine Laucherpuppe (Kegel mit Karabinerhaken nebst Kugel mit Ring).
Angebote sind bis spätestens 1 4. Juni 1 930, norm. 10 Uhr dein Stadtbauamt (Schloßgasse Nr. 15) verschlossen einzureichen. Die Oessnung der Angebote geschieht zu der oben festgesetzten Seit in Gegenwart etwa erschienener Bewerber.
Mschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten. Schlüchtern, den 10. Juni 1930.
_ Der Magistrat: Gaenßlen.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
Auf Grund der Beschlüsse der städtischen Körperschaften vom 14. Januar und 13. Februar 1930, ist durch Bescheid
des Bezirksausschusses vom 31. März 1930 Nr. St. 162/30 die Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Biersteuerord- nung vom 11. Juli 1929 sowie die Erhöhung des Steuersatzes auf 3 UM. pro hkl. auf Grund des Neichsgesetzes vom 9. April 1927 pp. bis zum 31. März 1931 mit der Maßgabe genehmigt worden, daß der erhöhte Steuersatz den Satz von 7% des Herstellerpreises nicht überschreiten darf.
Die Erhöhung der Biersteuer tritt mit dem 1. April 1930 in Kraft.
Steinau, den 7. Juni 1930.
Der Magistrat: Dr- Kraft.
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Hessens Landeshauptmann von Gehren i.
Am Pfingstsonntag, den 8. Juni d. 3s. verschied in Karlsbad, wo er zur Kur weilte, an den Folgen einer Lungenentzündung der Landeshauptmann in Hessen, Herr Dr. jur. h. c. Reinhard von Gehren, Mitglied des Staatsrates, im 65. Lebensjahre.
karol König von Kumünien.
Begeisterung im ganzen Lande.
Wie aus Bukarest amtlich gemeldet wird, hat die Nationalversammlung am Sonntag den Kronprinz Carol zum König von Rumänien ausgerufen.
Nachdem König Carol von der Nationalversammlung zum König ausgerufen war, ergriff er das Wort und richtete an die Versammlung eine Ansprache, in der es heißt: Der Empfang, den Sie mir bereitet haben, hat mich tief gerührt! Ich bin glücklich durch Ihre Vermittlung die Stimme des Volkes zu hören und noch einmal feststellen zu können, daß mich unzerreißbare i$w W^^O»
Der Eid bleibt für mich ein heiliges Gelübde. Ich habe vor dem Allmächtigen die Verpflichtung übernommen, ein sorgender Vater für meine Untertanen zu sein. Die Berbanmulg, in der ich vier Jahre lebte, wurde mir von Leuten unterlegt, die mich von den Rumänen trennen wollten.
Aus dem ganzen Land treffen begeisterte Telegramme ein, die König Carol zur Thronbesteigung beglückwünschen.
Rücktritt des Ministerpräsidenten MEonesru
wad} der Proklamation König Carols hat Ministerpräsident M i r o n e s c u seine Entlassung eingereicht, um die Entschließungen des Königs nicht zu beeinträchtigen.
Carols Proklamation
Bukarest, 10. Juni. König Carol sagte in seiner Rede anläßlich seiner Proklamation u. a.: „Ich komme heute mit erhobenem Herzen in die Mitte meines Volkes, ohne die mindeste topur von Empfindlichkeit selbst gegenüber denen, die durch die unüberlegte Aktion die unlöslichen Bande zu zerbrechen gesucht haben, die zwischen mir und allen denen bestehen, die sich als wahre Rumänen fühlen. Ich bin nicht gekommen, um mich an irgendjemand zu rächen. Mit der ganzen Wärme und ganzen Anhänglichkeit meiner Seele will ich alle diejenigen in ein Bündel zusammenschnüren, die den Willen und die Kraft haben, für den Fortschritt des Vaterlandes zusammenzuarbeiten".
Der König gedachte sodann der Tausenden, die mit ihrem Blut die Einigung der Nation in ihren natürlichen Grenzen für immer besiegelten, und fuhr fort: „Wir müssen dieses geweihte Erbe als den heiligsten Schatz hüten, und stärker als jemals durch diese Opfer bin ich entschlossen, meinen Schwur, die Unverletzlichkeit des vaterländischen Bodens, zu wahren, ohne Zögern zu erfüllen. Dazu brauche ich vor allem die Mitarbeit aller lebendigen Kräfte der Nation ohne Hintergedanken. In der Zusammenarbeit mit denen, mit denen wir verbunden sind und in Gefühlen der Freundschaft gegen alle Völker und besonders gegen unsere Nachbarn werden wir für die Beseitigung der Uebel wirken müssen, die durch den Weltkrieg verursacht worden sind.
Schließlich gedachte der König der großen Freude der Wiedervereinigung mit seinem heißgeliebten Sohn, den er - im Geiste seiner Vorfahren zu unendlicher Liebe für sein Land erziehen werde, dankte seinem Bruder und seinen Mitarbeitern in der Regentschaft, die in der Zwischenzeit für die gute Verwaltung des Landes gesorgt hätten und schloß mit dem Ruf: „Rumänen von allen vier Enden des Landes, einigt Euch in Euren Gedanken, einigt Euch in Euren Gc fühlen und geht an die Arbeit!"
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Bukarest, 10. Juni. Der König unterzeichnete eine Verordnung, durch die alle vom Regentschaftsrat und vom Ministerrat nach dem Tode König Ferdinands bis 311 der am Sonntag erfolgten Eidesleistung vorgenommenen Akte als gesetzlich anerkannt werden.
Mährend der Pfingstfeiertage erhöhte sich die Zahl der Todesfälle unter den Lübecker Talmette-bäuglingen von 28 auf 36.
9er deutsche Gesandte in Lissabon ermordet.
Racheakt eines Seemanns.
Der deutsche Gesandte von Baligand ist einem verbrecherischen Attentat zum Opfer gefallen. Er besuchte Samstag den im Hafen im Tajo liegenden deutschen Kreuzer „Königsberg". Als der Gesandte, von diesem Besuch zurückgekehrt, wieder an Land war, trat plötzlich ein Mann auf ihn zu und schoß ihm, ohne daß der Ueberfall hätte verhindert werden können, zwei Kugeln in den Kopf. Baligand brach sofort tot zusammen.
Der Mörder wurde auf der Stelle festgenommen. Es handelt sich um einen Seemann, der scheinbar schon längere Zeit stellungslos sich in Lissabon aufhielt und der Gesandtschaft als arbeitslos bekannt war.
Ueber die Gründe des Attentats ist man sich auf der Gesandtschaft in Lissabon selbst noch im Unklaren. Möglicherwcije — es ist dies jedoch nur eine freie Vermutung — hatten irgendwelche Gesuche des Seemanns um Unterstützung angewiesen werden müssen. Nur aus einem solchen persönlichen Grunde ließe sich der brutale Racheakt erklären. Gesandter von Baligand war im Amt und als Mensch allgemein außerordentlich beliebt.
Piechowski geisteskrank?
Zu dem Anschlag ist ergänzend zu berichten, daß der Täter Franz P ie ch o w s k i, der am 3. Juni 1891 in Danzig geboren und unbestimmter Staatsangehörigkeit ist, im Jahre 1921 aus dein Irrenhaus Lauenburg in Pommern entwichen sein soll und anscheinend an Verfolgungswahn leidet. Im Jahre 1927 will 'Piechvwski auf dem Dampfer „Essen" der Hugo Stinncs-Linie angemustert gewesen sein. Er behauptet, er habe irgend eine bekannte Persönlichkeit töten müssen; dazu habe sich ihm nun die erste Gelegenheit geboten.
Portugals Trauerfeier für von Baligand.
Der Berliner hortug. Gesandte Da Costa Cabrat hat dem Auswärtigen Amt mitgeteilt, daß die portugiesische Regierung beschlossen hat, dem verstorbenen deutschen Gesandten von Bali- amüHn^inen^loti&aTkyuftelMito
Oc in Lissabon garmsonicrien Land- und Seesireitkräfte bildeten die Leichenpataöe, an der auch die Regierung, das diplomariscke KorpS und die Besatzung des deutschen Geschwaders teilnehmen. Die Trauerparade fand in Anwesenheit des Präsidenten der Republik statt. Der Trauerzug bewegte sich von der deutschen Gesandtschaft nach dem deutschen Friedhof.
Am Donnerstag wird unter Teilnahme der Regierung und des diplomatischen Korps eine Messe in der deutschen Kirche zelebriert, wonach der Sarg auf den deutschen Kreuzer „Königsberg" übergeführt werden wird. Frau von Baligand reift am Mittwoch von Lissabon ab. Ein Kriegsgericht wird den Mörder aburteilen.
Aus Anlaß des Trauerfalles sind alle offiziellen Feierlichkeiten anläßlich des Besuches des deutschen Geschwaders abgesagt worden. Es wird lediglich ein Frühstück im kleinsten Kreise bei dem Präsidenten der Republrl für den deutschen Admiral stattfinden.
Das Verhör des GesandteRmörders
Lissabon, 10. Juni. Der Mörder des deutschen Gesandten o. Baligand wurde gestern von der Polizei der Unter suchungsbehörde übergeben. Der Prozeß gegen P i e ch o w s k i soll, sofort stattfinden, unb man rechnet damit, daß das Urteil bereits am Sonnabend gefüllt werden wird. Bei den weiteren Vernehmung» hat Piechowski nochmals feine früheren Angaben bestätigt und erklärt, daß er den Gesandten nicht gekannt habe. 20s er befragt wurde, wo er sich aufgehalten habe, erklärte er, daß er als Seemann natürlich in der Nähe des Hafens herumgelaufen fei und in einer Pension niederen Ranges gewohnt habe. Den Revolver, mit dem er das Attentat ausführte, habe er bereits vor vier Jahren in Belgien gekauft, wo er damals gelebt habe. Von dort fei er später nach Brasilien gegangen und im Jahre 1928 nach Lissabon gekommen, wo er einige Zeit geblieben, dann aber nach Spanien weitergereist sei. Dort habe er bis zu seiner Rückkehr nach Lissabon gelebt. Als er gefragt wurde, wovon er lebe, erklärte er, daß ihm seine Mutter Geld schicke.
Die Polizei forscht weiter nach den Gründen des Verbrechens.
Lissabon, 10. Juni. Gestern vormittag fand in der St. Josephkirchc eine von den Geistlichen der deutschen Kolonie zelebrierte Messe für den verstorbenen deutschen Gesandten von Baligand statt. .
Das Gesandtschaftsgebande, in dem die Leiche des Gesandten aufgebahrt ist, war den ganzen Tag über das Ziel von Tausenden. Die Totenwache halten deutsche und portu- gisische Matrosen, Soldaten der Garnison Lissabon, Mitglieder der Gesandtschaft und Angehörige der hiesigen deutschen Kolonie. Der vorläufigen Schließung des Sarges wohnten der brasilianische Botschafter, der Gesandte Belgiens.sowie andere Diplomaten und Mitglieder der Gesandtschaft bei.
Der dritte Alkengammer Mörder festgenommen.
Hamburg, 10. Juni. Der dritte der an der Ermordung der 77iähriqen Witwe Katharina Horden in Altengamme Beteiligten, der Arbeiter Georg Meyer, der sich, iwie die Hamburger Kriminalpolizei erfahren hatte, nach Köln gewandt hatte, wurde dort auf Grund eines Funkspruches der Hamburger Polizei festgenommen. Er wird nach Hamburg übergeführt werden.