Z Die Mrlschaslswoche.
te. I (Von unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiier.)
| Allgemeine Verschlechterung der Wirtschaftslage. — Die I Arbeitslosigkeit nimmt zu. — Auch das Handwerk klagt. — en I Die Entwicklung der Fruchtmärkte. — Ein günstiger
| Reichsbankausweis. In der letzten Zeit mehren sich schon wieder die Stimmen, I die von neuen wirtschaftlichen Schwierigkeiten | gissen wollen. Tatsächlich scheint nun aber auch eine wesentliche j Verschärfung der Konjunktur eingetreten zu sein, denn I neben vielen anderen Anzeichen sind die zunehmenden Arbeiter- I mtlassungen, also das Ansteigen der Arbeitslosigkeit, ~ I ein recht bedenkliches Zeichen. So wollen die Adlerwerke I in Frankfurt 800 Arbeiter und Angestellte entlassen, bei Opel I in R ü s s e l s h e i m sind es noch viel mehr und was bei den in I Aroßfirmen geschieht, findet auch bei den kleineren Nach- ir | ahmung. Auch dem Handwerk geht es nach wie vor ausge- n I sprachen schlecht, denn vom Reichsverband des Deutschen Hand- $ | werks wird geschrieben, daß entsprechend der Lage der deutschen e-1 Gesamtwirtschaft auch die Wirtschaftslage des Handwerks im Monat Mai kaum eine Veränderung, vor allem keine m 1 Bess erung erfahren habe. Wohl sind kleine, meist durch die it I Saison bedingte Belebungen eingetreten, denen jedoch in 151 anderen Gewerbezweigen Verschlechterungen gegen- d I überstehen. Die starke Arbeitslosigkeit wirkt sich auch nachteilig auf den Absatz des Handwerks aus. Belebungen des Geschäfts- n I ganges sind nur in den Handwerksberufen eingetreten, die für t I das Pfingstfest besonders in Anspruch genommen werden. Be- z I sonders bemerkenswert war die ungewöhnliche Stille auf dem Baumarkt, die durch den Druck hervorgerufen wird, der vom Kapitalmarkt und den ungünstigen Finanzverhältnissen ;e | der öffentlichen Hand ausgeht. Die schwierigen wirtschaftlichen j I Verhältnisse führten im Handwerk naturgemäß zu einem wei- n I teren starken Preisdruck; erschwerend kommt hinzu, daß ‘ I die Zahlungsweise der Kundschaft schleppend bleibt. Die n I Zahl der beschäftigungslosen Arbeitnehmer war ungewöhnlich 8 I hoch.
I In der Landwirtschaft das gleiche Bild. Der Absatz stockt, wie aus den sehr interessanten Ausführungen der Frankfurter Industrie-, Handels- und Landwirtschaftskammer hervor- geht, die ganz Südwest deutschland statistisch erfaßt haben. Die Geschäftslage auf den Getreidemärkten war mehr als ruhig. Auslandsweizen erfuhr im Laufe des Monats Mai bei etwas lebhafterem Geschäft eine recht bedeutende Preiserhöhung. Manitoba stieg um etwa 1 Mark, Kansas % Mk., La- l I plata ^—% Mk. je 100 Kilogramm. — Jnlandsweizen 61 notierte bei Beginn des Monats zunächst % Mk. höher als am n | Schlüsse des Vormonats, büßte gegen Mitte des Monats die «I Erhöhung wieder ein, um sich im letzten Drittel stark zu er- holen, so daß er mit RMk. 31.25—31.50, 1-1% Mk. über den letzten Kursen des Monats April lag. Bei verhältnismäßig Reinern Angebot waren die Umsätze entsprechend gering. — Roggen, der reichlich angeboten war, fand nur schwer Käufer M und die Preise bröckelten fortgesetzt ab. Er notierte mit Reichs- mark 17.40—17.50, 1—1% Mk. billiger als bei Monatsbeginn. 111 — Das Mehlges chäfl verlief während des ganzen Monats recht ruhig, trotzdem erfuhren die Preise im Laufe des Monats eine leichte Steigerung. Die Preise der Mühlenkonvention stellten ‘ j M für Weizenmehl Südd. Spezial 0 auf RMk. 45.75, für niederrheinisches Spezial 0 auf RMk. 45.50. — Roggenmehl ging im Gegensatz zu Weizenmehl im Preise zurück und stellte sich mit RMk. 25.50-26.75 um 1% Mk. billiger als am Monatsanfang. — In Braugerste wurden kaum noch Umsätze getätigt, nur einige Mälzereien deckten kleine Posten ein. Die Preise sind im Vergleich zum Vormonat wesentlich zurück- 11 gegangen. Wetterauer käferfreie Gerste wurde zuletzt mit Reichsmark 20.50 frei Frankfurt a. M., rheinhessische mit RMk. 20.50 ab Station, Pfälzer Gerste mit RMk. 21.50—22.— gehandelt. -1 Nichtkäferfreie Gerste war entsprechend billiger zu kaufen. — Hafer, der aus Hessen-Nassau, Franken und Baden reichlich angeboten war, fand verhältnismäßig schwer Käufer und ging gegenüber dem Vormonat um etwa RMk. 1.25 je 100 Kilogramm auf RMk. 17.50 im Preise zurück. — Kleie lag während des ganzen Monats matt. Die Preise senkten sich für Weizenkleie um RMk. 1.60 auf RMk. 6.90/7.—, bei Roggenkleie um RMk. 2.25 auf RMk. 7.50 je 100 Kilogramm frei Frankfurt a. M. — Alle Kraftfuttermittel gaben bei kleinen 11 Umsätzen im Preise stark nach, insbesondere Soyaschrot und Oelkuchen. Am besten hielten sich noch Leinkuchen und Leinkuchenmehl. — 'R a u h f u t t e r war wesentlich stärker angeboten 11 als in den Vormonaten und vermochte sich gut zu behaupten. Loses Heu notierte am Berichtstage mit RMk. 8.—, wie am Schlüsse des Vormonats, Preßheu mit RMk. 8-50. — Roggen- und Weizen st r o h stellte sich in drahtgepreßter Ware auf RMk. : I 4.75, in gebündelter Ware, die verhältnismäßig knapp war, auf , I RMk. 5.25/5.50 je 100 Kilogramm frei Frankfurt a. M
! I Auf den Viehmärkten konnte man eine ähnliche Entwickelung beobachten. Die Umsätze ließen infolge des verminderten Fleischkonsums mitunter zu wünschen übrig. Manche Märkte, namentlich aber diejenigen, die weniger Qualitätsauf- ; I trieb hatten, brachten erheblichen Ueber st and.
Günstig ist nach wie vor der Ausweis der Reichs- . I bank. In der Ultimowoche hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 572.9 auf 2247.0 Mill. RMk. erhöht. An Reichs- ' I banknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 802.0 Mill. RMk. in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 766.7 auf 4812.5 Mill. RMk. erhöht, ^ie Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen . I haben sich um 13.4 auf 2941.9 Mill. RMk. erhöht. Die Deckung ' | der Noten durch Gold allein ermäßigte sich aus 53.8 Prozen: gegen 63 9 Prozent in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen auf 61.1 Prozent gegen 72.4 Prozent. = I R. M-
l D Zu dem rätselhaften Kindestod in Düsseldorf. Als am 26. Mai, zwei Tage nach der Festnahme des Massenmörders Kürten, das Gerücht von einem neuen Lustmord die Stadt Düsseldorf durcheilte, war alles zunächst entsetzt. Es stellte t I sich aber kurz danach heraus — so meldete auch der Polizeibericht —, daß es sich um einen Unglücksfall handelte. Die kleine r | zehnjährige Adelgunde OrthmannS hatte in der elterlichen Woh- i I nung in der Hildener Straße beim Anziehen scheinbar einen Schal so fest um den Hals gezogen, daß sie bewußtlos zur Erde nel und nach einer halben Stunde infolge Erstickung tot auf- c I gefunden wurde. Wie nun bekannt wird, hat die Polizei infolge einer Reihe von Zeugenaussagen Zweifel an ihrem ersten Urteil. , I Sie setzt die Ermittlungen in dieser Sache fort. Zur Klärung des Unglücksfalles hat die Polizei einen Aufruf erlassen, in dem sie, zwei junge Männer, die an dem fraglichen Montag in den Häusern der Hildener Straße musiziert haben, als Zeugen sucht.
Luther und die Reformation.
Eine „Konfession-Ausstellung in Dresden.
Zur 400-Jahrfeier der Confessio Augustana wird in Dresden auf Veranlassung des sächsischen Kultusministeriums im Historischen Museum eine Ausstellung „Luther und die Reformation" veranstaltet, an der sich die staatlichen und städtischen Museen, Bibliotheken, das Hauptstaatsarchiv, die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett beteiligen und die am 2 1. Juni eröffnet wird. Die Gemäldegalerie wird neben Bildern hervorragender Männer der Reformation die berühmte Büste des Kurfürsten Friedrichs des Weisen von Adrians Florentino ausstellen. Das Kupferstichkabinett, das Münzkabinett und das Städtische Museum werden Kupferstiche, Münzen und Medaillen sowie Andenken, Ablaßbriefe usw. aus der Reformationszeit zeigen. Ein besonders wertvolles Stück der Ausstellung wird die Bannbulle gegen Luther sein, die das Staatliche Archiv zur Verfügung stellt. Die Ausstellung wird eine gute Uebersicht über die Reformation, ihre Ausbreitung und Bewegung in Sachsen zeigen und besonders die Jahrhundertfeiern von 1830, 1730 und 1630 berücksichtigen.
3m Juni zwei neue Bergbahnen.
Ab 15. Juni Zugspitzbahn bis zum Gipfel. — Ab 30/ Juni Schauinslandbahn.
Noch im Laufe dieses Monats werden zwei neue deutsche Bergbahnen, die Reststrecke der Z u g s p i tz b a h n bis auf den Gipfel und die Bahn auf den S ch a u i n s l a n d im Schwarzwald dem Verkehr übergeben. Die Arbeiten an der Reststrecke der bayerischen Zugspitzbahn vom Eibsee (1000 Meter) bis zum Gipfel (ca. 2950 Meter) steh eil jetzt vor dem Abschluß; voraussichtlich wird bereits am 15. Juni die gesamte Strecke eröffnet werden. Kurz hinter der Station Eibsce, am Riffelriß, beginnt in 1650 Meter Höhe die große, 4.5 Meter lange Tunnelstrecke quer durch das Massiv zum Plattferner bis auf 3650 Meter Höhe. Von hier aus führt dann eine kurze Drahtseilbahn zur Endstation auf den Gipfel in der Nähe des Münchner Hauses.
Die zweite Drahtseilbahn, die Bahn auf den 1286 Meter hohen Schauinsland bei Freiburg im Breisgau, ist die erste Drahtseilbahn des Schwarzwaldes. Sie wird voraussichtlich am 3 0. Juni eröffnet werden. Die Schau- inslandbahn ist die erste nach dem sog. Umlaufsystem betriebene Bahn, das die Mitnahme von mehreren Kabinen in jeder Richtung ermöglicht. Die Bahn kann stündlich 360 bis 375 Personen befördern.
Stresemann-Ehrenmal in Mainz.
In Main z, der Hauptstadt der dritten und letzten Be- satzungszone, wird ein Stresemann-Ehrenmal errichtet werden, dessen Grundstein anläßlich der Befreiungsfeiern gelegt wird. Unser Bild zeigt die Stelle, an der das Ehrenmal (+) errichtet werden soll.
Wohnungszwangswirtschaft und Mieterschutz.
Minister Hirkfiefer spricht vor der Deutschen Tagung für Wohnungswesen.
Frankfurt a. M., 5. Juni. Im überfüllten Saalbau fand gestern nachmittag die öffentliche Eröffnungsversamm- lung der Deutschen Tagung für Wohnungswesen in Frankfurt, die vom Hauptverband Deutscher Baugenossenschaften, der kommunalen Vereinigung für Wohnungswesen, dem Deutschen Verein für Wohnungsreform, der Deutschen Gartenstadtgesellschaft und der Vereinigung „Deutsches Archiv für Siedlungswesen" in der Zeit vom 4.-6. Juni veranstaltet wird, in Gegenwaert der Vertreter von Reich und Staatsregierung stat. Der preußische Wohlfahrtsminister Dr. H i r t s i e f e r hielt einen Vortrag über die Zukunft der Wohnungswirtschaft. „Die völlige Beseitigung von Woh- nungszwangswirtschaft und Mieterschutz", so sagte er u. a., „kann erst erfolgen, wenn wir wieder einen Wohnungsmarkt haben und wenn endlich einmal die Mieten der Alt- und Neubauwohnungen miteinander im Einklang und in einem gesunden Verhältnis zum Einkommen der'breiten Massen stehen. Ein schrankenloses Kündigungsrecht des Vermieters wird aber in Zukunft in der freien Wirtschaft auch bei völliger Beseitigung der Zwangswirtschaft nicht wieder tragbar sein. An Stelle der Zwangswirtschaft muß dann ein soziales Wieksrecht treten, bei dem ohne triftige Gründe nicht gesteigert und nicht gekündigt werden kann.
In Deutschland wurden ins gesamt von 1924 bis 1929 elf bis zwölf Milliarden für Wohnungsbauzwecke ausgegeben. Der achte Teil der Bevölkerung Deutschlands lebt vom Wohnungsbau. Trotzdem verblieb im Frühjahr 1930 ein Mangel von rund 400 000 Wohnungen. Mit einer Beseitigung des Wohnungsmangels ist erst zwischen 1935 und 1940 zu rechnen. Bis dahin bilden die Erträgnisse der Hauszins- steuer das Rückgrat der Wohnungsbaufinanzierung".
Die geplante Einführung der deutschen Induskrienorm ist zu begrüßen. Dem Bau gesunder, in hygienischer Hinsicht einwandfreier Kleinstwohnungen stimme ich zu. Das Ideal bleibt aber das Einfamilienhaus. Die gemeinnützige Bautätigkeit und die Bausparkassenbewegung müßten weiter gefördert werden. „Geben Sie jedem Deutschen eine einwandfreie und gesunde Wohnung zu erschwinglichen Wiets- und Zinssätzen! Die Lösung der Wohnungsfrage ist der Schlüssel zum Wiederaufstieg unseres deutschen Volkes."
Zeppelin voraussichtlich Freitag nachmittag wieder in Friedrichshafen.
Friedrichshafen, 5. Juni. Die Rückkehr des Zeppelin nach ; Friedrichshafen wird für Freitag nachmittag erwartet.
Für die Ausführung eines größeren Fluges über die Alpen während der Pfingstfeiertage ist beim Luftschiffbau nichts vorbereitet worden, da überhaupt keine Fahrt für Pfingsten vorgesehen ist.
Der Mandetsausschuß stellt ungenügenden Polizeischutz in Palästina fest.
Genf, 5. Juni. Der Mandatsausschuß des Völkerbundes bat am Mittwoch in geschlossener Sitzung eingehend die Ur« , suchen der Unruhen '■ Pal äst'na beraten. Der englische Generalsekretär des Overkommissariats in Palästina, Luke, hat hierbei nähere Mitteilungen über die Unruhen gemacht, die jedoch ‘ nicht bekanntgegeben werden. Der Mandatsausschuß hat besonders Aufklärung über die Vorfälle bei der Klagemauer, die 1 Angriffe auf einzelne jüdische Familien und die Stellung der jüdischen Ansiedlungen zur arabischen Bevölkerung verlangt. Es ist hierbei zum Ausdruck gekommen, daß die Polizeischutz- maßnahmen der englischen Regierung als nicht genügend angesehen werden.
Paris, 5. Juni. Nach einem im französischen Justizministerium eingetroffenen Bericht aus C a y e n n e sind 21 Schwerverbrecher aus der dortigen Verbrecherkolonie ausgebrochen. Unter der Geflüchteten befindet sich eine Reihe von Mördern, die ursprünglich zum Tode verurteilt waren, deren Strafe jedoch vom Präsidenten der Republik in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt wurde. Es gelang bisher nicht, auch nur einen der Flüchtlinge wieder zu ergreifen.
□ Ehedrama im Pariser Justizpalast. Im Pariser Justizpalast ereignete sich ein aufsehenerregender Zwischen- fall. Ein junges Ehepaar war dort vor dem Friedensrichter erschienen, der die der Scheidung vorausgehende übliche Versöhnungsaktion einleiten wollte. Nach Beendigung der ergebnis- ^S verlaufenen Aussprache verließ der 29jährige Ehemann zu- > erst den Raum. Kurze Zeit darauf folgte ihm seine Frau. Am Ausgang des Justizpalastes angelangt, kehrte der Ehemann jedoch zurück und stürzte sich mit einem Revolver bewafnet auf seine Frau. Nach einer wilden Jagd durch verschiedene Gänge des Gebäudes holte er sie ein und gab verschiedene Schüsie auf sie ab. Von vier Kugeln durchbohrt stürzte die Frau blutüberströmt zusammen. Während man sich noch um die Schwerverletzte bemühte, jagte sich der Ehemann eine Kugel in den Kopf. Beide sind in schwer verletztem Zustande inS Krankenhaus gebracht worden.
□ Bluttat in der Universität Cambridge. In der Universität von Cambridge gab ein Student während eines Gesprächs auf den Professor Wollaston einen Revolverschuß ab, wodurch dieser auf der Stelle getötet wurde. Der Mörder richtete darauf die Waffe gegen einen im gleichen Raum antvesenden Geheimpolizisten, den er durch zwei Schüsse verletzte, und brächte sich dann eine lebensgefährliche Wunde durch einen Kopfschuß bei. Der Student ist seinen Verletzungen erlegen.
□ Der Vesuv i» Tätigkeit. Der Direktor des Ve s u v - Observatoriums, Prof. Maladro, teilt mit: Der Jahrestag des verhängnisvollen Ausbruches vom 2.-9. Juni 1929, dessen Lava das Städtchen Terzigno erreichte, wird in diesen Tagen vom Vesuv durch starke rollende Explosionen und häufige Fontänen glühender Schlacken begangen. Diese Fontänen, die nachts in der ganzen Campagna sichtbar sind, kündigen den üblichen Frühjahrsüberschauer des Vulkns an, der diesmal hoffentlich weniger heftig sein wird als im vorigen Jahre. Um den Ausfluß der Lava aus dem Höllental zu verhindern, wäre ' die Errichtung eines Schutzwalles zweckmäßig. Der Ausbruchs- kxgel selbst wächst infolge der Anhäufung von glühender Schlacke schnell in die Höhe. Während der vergangenen Nacht wurde die Terrasse des Observatoriums von einem kurzen Regen schwarzen Sandes heimgesucht.
□ Anschlag auf das britische Generalkonsulat in Montevideo. Auf das britische Generalkonsulat in Montevideo (Uruguay) wurde ein erfolgloser Anschlag verübt. Unbekannte Personen übergossen das Tor des Konsulats mit Benzin und steckten es in Brand. Die Flammen konnten jedoch gelöscht werden, bevor sie größeren Umfang annahmen. Gegenüber dem Konsulatsgebäude wurden Anschläge angebracht, in denen gegen die britische Politik in Indien protestiert wird. Man nimmt daher an, daß der Anschlag von erbitterten Gegnern der englischen Jndienpolitik verübt worden ist.
□ Schiffsuntergang auf dem Magdalenrustrom. Nach Meldungen aus New U ork ist auf dem Magdalenenström der Kessel des Passagierdampfers „Goenageal" explodiert, wodurch der Dampfer sofort sank. Von den Fahrgästen konnten 35 Personen gerettet werden. Bisher mürben 40 Leichen geborgen, darunter die des Kapitäns.
□ Eine Berliner Bluttat Kürtens? Im Zusammenhang mit der Aufklärung der Düsieldorfer Verbrechen ist in Berlin- Pankow das Gerücht entstanden, daß Kürten auch den Mord an der Hausangestellten Keding am 13. Februar 1927 aus geführt j haben soll. Die Keding war in der Nacht zum Montag in einem Pankower Tanzlokal gewesen und wurde morgens vor einem Haus der Stubnitz-Straße mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Ein Angestellter des betreffenden Lokals will jetzt nach dem von Kürten veröffentlichten Bild mit Bestimmtheit in ihm den Mann wiederkennen, mit dem die Keding seinerzeit in dem i Lokal gewesen ist
□ Eine Belohnung für die Lebensrettung. Die vom D ü s - seldorfer Mörder Kürten seinerzeit schwer verletzte Anni Goldhausen konnte nur durch eine Blutübertragung gerettet werden. Damals stellte sich ein Hubert Wilms aus Minkel bei Holzheim in den Krankenanstalten zu dieser Blutübertragung zur Verfügung. Anni Goldhausen war gerettet. Für dieses verdienstvolle Verhalten hat der Minister des Innern dem Hubert - Wilms eine geldliche Belohnung überwiesen.
□ Tötung der Mutter aus Mitleid. Bei der Singer Polizei wurde Anzeige erstattet, daß in einem Hause an der Grill- parzerstraße in der Wohnung der Familie Mayrhofer mehrere Schüsie gehört worden seien. Die Polizei begab sich in die Wohnung, wo sie die Wohnungsinhaberin, die 58 Jahre alte Bundesbahnbeamtenwitwe Theresia Mayrhofer tot im Bette vorfand. Die Leiche wies am Kopfe zwei Schußöffnungen auf. Der Tod mußte sofort nach der Verwundung eingetreten sein. Der Sohn der Getöteten, der Rechnungsbeamte der Bundes- bahnen, Johann Mayrhofer, hielt beim Eintreffen der Beamten noch die Pistole in der Hand. Er gab, in Haft genommen, an, daß er die Mutter wegen ihres unheilbaren schweren Unterleibs- krebsleidens aus Mitleid getötet habe. Vor Ausführung der Tat betrank er sich tüchtig mit Bier, Wein und Likören. Die tödlichen Schüsie feuerte er in Gegenwart seiner Schwester ab,
। die schreiend und hikferufend aus der Wohnung eitte- ^^