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(1. Blatt)
Donnerstag, den 5. Juni 1930
82. Jahrs
hatliche Bekanntmachungen
K r e i s a u s s ch u ß.
Kapttalabfindmtg für Krtegsbefchüdtgtr und Krtegsßtnterbliebenr.
z-Nr. 5280 F. Die Bewilligung von Kapitalabfindungen j ird auch im Rechnungsjahr 1930 nur in allerdringendsten allen möglich sein, da die zur Verfügung stehenden Geld- • . littet nach wie vor sehr knapp bemessen sind. Da außerdem ^ zahlreiche dringliche Anträge aus den Iahten 1928 ub 1929, denen wegen anderer vordringlicher Anträge ■ üb der geringen Mittel nicht stattgegeben werden konnte, irer Erledigung harren und in erster Linie berücksichtigt erden müssen, ist es doch noch ungewiß, ob Reuanträgen n laufenden Rechnungsjahr überhaupt entsprochen wer- m kann. Als dringlich gelten nur:
1) Fälle von Wohnungsnot (schlechte und unzureichende Unterbringung kinderreicher Familien, gesundheitsschädliche Wohnräume usw.), die auf andere Weise (Zuweisung anderer geeigneter Wohnungen) nicht behoben werden können;
2) Anträge von Schwerbeschädigten, die nach der Art ihres Leidens (z. B. Lungentuberkulose) wegen Ansteckungsgefahr auf gesunde und geräumigere Wohnungen besonders angewiesen sind;
l 3) diejenigen Fälle, in denen nur mit Hilfe von Kapitalabfindung der bisherige Besitz erhalten werden kann;
4) Fälle, in denen es sich um Instandsetzungen handelt, die — z. B. wegen Baufälligkeit — unumgänglich notwendig sind.
> Ich bitte die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterblie- enen vom Vorstehenden Kenntnis zu nehmen und empfehle, eabauvorhaben nur in allerdringendsten Fällen in An= griff zu nehmen, wenn Gewißheit darüber besteht, daß m Mun 3olux, »int der KapftalabfindtUta noch au reck-
Schlächtern, den 28. Mai 1930.
Kreisausschuß des Kreises Schlüchtern. BeZirksfürforgeverband
AbtI.: Kriegsbeschädigten- und Hinterblieb.-Fürsorge. 'Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntma ch u n g.
Abgabe von Bädern in der Volksschule.
i Die Laderäume in der Volksschule sind vorerst wöchentlich an 2 Tagen geöffnet und zwar:
I Freitag von 2 bis 5 Uhr nachmittags für Schülerinnen, von 5 bis 8 Uhr nachmittags für erwachsene weib- I liche Personen.
Sonnabend von 2 bis 5 Uhr nachmittags für Schüler und Lehrlinge
von 5 bis 8 Uhr für erwachsene männliche Personen $ür die Abgabe eines jeden Bades ist eine Badekarte ki dem Schulhausmeister Fischer zu lösen.
Der preis für ein Wannenbad beträgt 0,60 RM. und ür ein Brausebad 0,20 RM.
5är Schüler und Schülerinnen der hiesigen Schulen und Lehrlinge betragen die preise die Hälfte.
Schlüchtern, den 3. Iuni 1930.
Der Magistrat: Fenner.
B e k a n n t m a ch u n g.
6m 5., 10., 11. und 12. Iuni 1930 findet die Reinigung
Schornsteine in den Häusern folgender Straßen statt: hohenzellerstraße, Hanauerstraße, Schloßgasse, Wasser- Msse, Kirchgasse, Sackgasse, Alte Bahnhofstraße und Hö- bäckerweg. Die Kon troll bücher sind bereitzuhalten.
Schlüchtern, den 3. Iuni 1930.
Die Polizeiverwaltung: Fenner.
Bekanntmachung.
6m Freitag, den 6. Iuni 1 930, n a ch m i ttag § ? Uhr, wird das Gras von den städtischen Grundstücken ftsentlich verkauft.
Zusammenkunft der Kausliebhaber an der Dreschhalle. Schüchtern, den 3. Iuni 1930.
Der Magistrat: Fenner.
Ctadt Steinau.
B e k a n n t m a ch u n g.
6m Donnerstag, den 5. ds. Mts. abends 6 Uhr wird auf Uathause — Kanzlei - der Schafpferch öffentlich «stbietend verpachtet.
Steinau, den 3. Iuni 1930.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
Deutschland und Sowsel-Rußland.
Die Tätigkeit der deutschen kommunistischen Partei.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hatte der stellvertretende russische Außenkommissar wiederum eine längere Unterredung mit dem deutschen Botschafter von D i r k s e n, in derem Mittelpunkt die Frage der Einmischung der k o m m u n i st i - scheu Internationale in die innerdeutschen Verhältnisse stand. Wie aus unterrichteter Quelle verlautet, sind die deutschen Vorstellungen, die bereits bei den Berliner Besprechungen mit dem russischen Botschafter Krestinski gleichzeitig mit zahlreichen anderen Fragen erhoben worden sind, und die u. a. auch mit dem Verbot des RotenFront- kämpferbundes und mit der Tätigkeit der Inte rn a t i onalen Arheiterhilfe zusammenhängen, von russischer Seite nunmehr endgültig zurückgewiesen worden. Lit- winow ist der Ansicht, daß die russischen amtlichen Stellen mit der kommunistischen Werbung in Deutschland und mit der Tätigkeit der KPD. nicht das geringste zu tun haben. Wie weiter bekannt wird, haben die Sowjets es von Anfang an abgelehnt, mit dem Auswärtigen Amt über die juristische und politische Seite der oben behandelten Fragen zu verhandeln.
Die Besprechungen sind nunmehr ergebnislos beendet worden. Ob die ebenfalls seit einiger Zeit in Gang befindlichen dcritsch-russischen Wirtschaftsverhandlungen unter diesen Umständen fortgesetzt werden, ist eine Frage, über die im Augenblick noch nichts in Erfahrung gebracht werden kann.
Der Adlerschild für Schmidt-Ott.
Berlin, 4. Juni. Der Reichspräsident hat dem Präsidenten der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, Staatsminister a. D. Dr. Schmidt-Ott anläßlich seines 70. Geburtstages den Adler-Schild des Reichs verliehen und an ihn gleichzeitig ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm die besten Glückwünsche übermittelt. Auch der Reichskanzler hat dem Jubilar die Glückwünsche der Reichsregierung übermittelt.
Eine deutsche Einlage bei der Tributbank geleistet.
die Rerchsreglerüng nach der Anlage JU ves Haager Abkommens an die Triblltbank in Basel zu leisten hat, am Dienstag bei der Bank geleistet worden.
Hohe Gefängnisstrafen für Nationalsozialisten.
Berlin, 4. Juni. In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 1929 war es in der Görlitzer Straße zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten gekommen, wobei vier Arbeiter durch Revolverschüsse verletzt wurden. Das Berliner Schwurgericht verurteilte am Dienstag drei Nationalsozialisten zu je zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis wegen Land- friedensbruchs, drei weitere Angeklagte erhielte vier Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist. Als die drei Nationalsozialisten, die sich in Haft befinden, in ihre Zellen zurückgeführt werden sollten, brachen sie in stürmische Heil- und Hitlerrufe aus. Da auch Kommunisten im Saal waren, entwickelte sich ein Tumult, wobei es zu schweren Zusammenstößen zwischen Natioiralsozia- listen und Kommunisten kam. Die Polizei griff sofort ein und nahm eine Anzahl Verhaftuirgen vor.
— Durch Verordnung des Reichspräsidenten wird die Aushebung der Deutschen Kriegslasten-Kommission verkündet. Diese Kommission war zur Ausführung des Teils 8 des Bersailler Vertrages gebildet worden.
— Das voin Sparkommissar ausgearbeitete Sparprogramm enthält Auch den Borschlag, die Altersgrenze für Reichsbeamte von 65 auf 68 Jahre hinauszusetzen.
— Der Iugenöpreis deutscher Erzähler, der alljährlich in Höhe von 10 000 Reichsmark dem verbände Deutscher Erzähler von der Deutschen Buchgemeinschaft Berlin gestiftet wird, ist an Anton Gabde in Koblenz-Gbermerth für seinen Roman „Im Ichaffen des Ichicksals" zuerkannt wordeir.
— Auf den Gelsenkirchner Gruben der Bereinigten Stahlwerke sollen neue Dergarbeiterentlassungen vorgenommen werden. Es sind bisher Entlassungsanzeigen für 1351 Mann erstattet worden. Weitere 1052 Mann sollen ab Mitte Iuni gruppenweise zur Entlassung kommen.
— Die Berliner Stadtverordnetenversammlung nahm am Dienstag einen Dringlichkeitsantrag der Kommunisten an, aus der Erbschaftsmasse des verstorbenen Stadtrates Busch, die Summen im Betrage von einer Million Mark, um die die Stadt geschädigt wurde, sicherstellen zu lassen.
In einer nordfranzösischen Ortschaft wurden ein Briefträger, seine Frau und seine Tochter ermordet und halbverkohlt aus den Trümmern des in Brand gesteckten Wohnhauses hervorgezogen. Es scheint sich um Raubmord zu handeln.
— Das Reichskabinett beschäftigte sich am Dienstag mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Es billigte grundsätzlich vom Arbeitsminifter vorgeschlagene Abänderungs- bestimmungen, deren definitive redaktionelle Festlegung am kommenden Donnerstag erfolgen soll.
— Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich nqch einem Funkspruch am Mittwoch früh 1 Uhr auf 38 Grpd Nord und 44.30 Grad West. Wetter und Sicht waren gut.
Das Kabinett berät
# Berlin, 4. Juni.
Das Reichskabinstt ist am Dienstagabend zusammengetreten. Die Kabinettesitzung galt den Vorschlägen des Reichsarbeltsministers Dr Stegerwald zur Reform der Arbeitslosenversicherung und den Plänen des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer zur Sanierung der Kafsenlage und des Etats. Von den ersteren heißt es, daß sie durch Abstellung von Mißbräuchen und durch andere Reformen in der Arbeitslosenversicherung rund 14 Milliarde erbringen sollen, wobei die Ein- nahmeerhebungen aus der Erhöhung der Beiträge noch außer Betracht bliebe. Hinsichtlich der Ausgabensenkung ist Neues über die am Sonnabend bekanntgewordenen Vorschläge hinaus noch kaum festzustellen.
In Regierungskreisen wird nach wie vor bezweifelt, daß das Notopfer für die Festbefoldeten als Beitrag zur Deckung des Defizits noch eine besondere Rolle spielt, während auf der anderen Seite nicht zu bestreilen ist, daß sowohl in Arbeitgeber- wie m Arbeitnehmerkreisen der Industrie immer noch an diesem Gedanken festgehalten wird. Uebrigens muß man auch auf Seiten der Regierung damit rechnen, daß beim Scheitern ersterer Vorschläge, wieder auf diesen Ausweg zurückgegriffen werden kann.
Es fehlt überhaupt in allen Finanzplänen wie schon seit Jahrzehnten in Deutschland eine einheitliche volkswirt- schaftliche Linie. Dabei ist jetzt ein Ereignis eingetreten, das selbst die unbedingten Anhänger dieser Finanzpolitik von Fall zu Fall stutzig machen mußte. Die Steuereingänge des Reiches sind — und aus ähnlichen Gründen auch die Zolleingänge — trotz oder wahrscheinlich wegen der Vermehrung und Erhöhung der Steuern vermindert worden. Der Grund ist klar: die deutsche Wirtschaft ist übermäßig beansprucht. Das sollte zu einem Warnungszeichen werden, Finanzreformen von jetzt an nicht mehr nach den A u g e n b l i ck s b e d ü r f n i f f e n und Nöten der Kasse, MMA» .och wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu treiben und vor allem ein gesundes Verhältnis zwischen den Anforderungen des Reiches und der Kaufkraft und - Steuerkraft der Bevölkerung herbeizuführen.
Sie Räumung.
Der Fortgang.
Außer den neun Fliegerstaffeln in Stärke von 540 Mann, hat auch das Gros des 510. Tankregiments Mainz verlassen. Außerdem ist am Dienstag mit dem Abtransport des ersten Husarenregiments begonnen worden. — Aus Trier sind vier Batterien des Artillerie-Regiments 41 mit 250 Mann und 200 Pferden abgerückt. Mit dem Abtransport des 6. Kürassier-Regiments wurde ebenfalls heute begonnen. — Speyer, das mit etwa 160 Mann belegt war, ist bis auf 12 Gendarmen und Sicherheitspolizisten und 1 Offizier und 2 Mann von Be- satzungstruppcn freigeworden.
Das in Worms zurückgebliebene Ucbergabckommando ist nach Ucbcrgabc der von der Besatzung benutzten Quartiere usw. ab- gerückt, so daß sich in Worms nur noch französische Gendarmerie befindet. — Das Flugplatzgelände bei Sobernheim ist mit den Ausbauten von der Besatzung zurückgegeben worden, so daß Sobernheim nunmehr besatzungsfrei ist.
Große Unterschlagungen einer Kassiererin.
Berlin, 4. Juni. Wie der „Lokalanzeiger" meldet, ist die Kassiererin eines großen Konzerns, Anna N., am Dienstag fcstgcnoinmcn worden. Sie hat nach ihren eigenen Angaben im Laufe mehrerer Jahre weit über 100 000 Mark unterschlagen und mit ihren» Freund Paul Ch. durchgebracht.
Raubüberfall auf ein Wetteinnahmebüro.
Berlin, 4. Juni. Ain Dienstag vormittag gegen 10,30 Uhr wurde in der Wctteinnahmestellc in Charlottenburg, Potsdamer Straße 42, ein Raubüberfall verübt. Zwei Männer warfen sich auf den Inhaber des Geschäfts, fesselten ihn mit einer Telefonschnur und raubten die Kasse mit 75 Mark. Die Täter wurden feftgenonnnen. Es handelt sich um die zwei Arbeiter Weißenberg und Giesc.
Schweres Unwetter.
Paris, 4. Juni. Das Tal von Chevreux ist bei der gleichnamigen Ortschaft von einem sintflutartigem Regen heimgesucht worden, der ungeheuren Schaden anrichtete. Ein Gewitter nach dein anderen entlud sich über der Ortschaft; von ben nahegelegenen Bergen ergossen sich ganze Rändle, rissen Schlamm und Gestein mit sich und überfluteten die niedriger gelegenen Stadtteile, auf ihrem Wege Mauern, Baracken und Scheunen mit sich reißend. Immer wieder gellten Hilfeschreie der Bewohner durch die dunkle Nacht, doch konnte glücklicherweise ein Abfluß für die Wassermassen geschaffen werden. Der Schaden beläuft sich aus mehr als eine Million Franken. 36 Häuser wurden beschädigt, Gärten und Feldaulagen vollkommen zerstört. Pioniere sind zu Aufräumungsarbeiten an die Unglücksstelle entsandt»