Donnerstag, den L Mai 1930
(1. Blatt)
82. Jahrs
den
Berlin, 30. April. Wie ein Nachrich Stelle hört, reist Staatssekretär Zl
ger
und Einnahme-Steigerungen
notwendige Vereinfachungen
keilen von Äusgabenersparnissen in Betracht ziehen.
Verwiesen wird aus dringend
— ______|V........ Zweigert am Dienstag
abend nach Weimar, um über die zwischen Thüringen und dem Reich bestehenden Streitigkeiten zu verhandeln.
Stadt Schlüchtern.
Ausschreibung.
Zur den Neubau eines Freibades sollen folgende Vaulei- [tagen vergeben werden.
1) Erd-, Maurer-, Beton- und Afphaltarbeiten.
Vienststunden zur Einsicht offen.
Die Angebote sind bis spätestens Sonnabend, Z. Mai 1 930, vormittags l 0 Uhr dem Stadtbau
iteubüro von zuständi-
Der Inhaber und der Räuber erschossen.
Schober vor der französischen Presse.
In Amerika gestohlen, nach Europa geschmuggelt.
Belohnung für die Ermittlung der Warschauer Attentäter.
Die Pläne Graf Westarps.
Blutige Zusammenstöße in ßubn.
Der Magistrat. - Gm
Die Polizeiverwaltung ©aenfofen.
Das Schicksal der Tanztruppe Schmeling.
Kreis-Amtsblatt * Myemeinev amtlicherKazeLHev für tat Kreis -chlüchtem
Nr. 52
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
3=Hr. 3610. Die den Ortspolizeibehörden in den nächsten Jagen zugehenden Abfragezettel überschrieben „Achtung, Durdjlefen", ersuche ich den Eltern der Erst- und wieder- hnpflinge alsbald zuzustellen.
Schlächtern, den 28. April 1930-
Der Landrat. 3. v.: Schultheis.
2) Zimmererarbeiten.
3) Vachdeckerarbeiten.
4) Spenglerarbeiten.
5) Putzarbeiten.
6) Glaserarbeiten.
7) Zchreinerarbeiten.
8) Schlosserarbeiten.
9) Unstreicher- und Weißbinderarbeiten.
10) WetterbretterverKleidungsarbeiten.
Angebotsformulare, Bedingungen, Zeichnungen pp- gen im Stadtbauamt, Schloßgaffe Nr- 15, während
lie- der
amt verschlossen einzureichen.
Die Deffnung der Angebote geschieht daselbst zu der vorstehend festgesetzten Zeit in Gegenwart etwa erschienener Beroerber^
Zuschlagserteilung bleibt dem Magistrat vorbehalten.
Schlächtern, den 30. April 1930-
Bekanntma chu n st.
Dem Bad-Sportklub „Gpel" 1907 e. v- in Fulda ist durch den Herrn Regierungspräsidenten die Genehmigung erteilt worden, am Sonntag, den 4. Mai d- 3s. von 630 Uhr an auf der Strecke Fulda Flieden — S ch l ü ch t e r n Steinau Salmünster Gelnhausen bis zur Grenze gegen den Freistaat Hessen und von der Grenze des Freistaates Hessen Michelrombach — Fulda eine Zuver- lässigkeitsfahrt auf Fahrrädern zu veranstalten.
Dem Unternehmen dürfen keine Schwierigkeiten bereitet werden. Die Straßen sind möglichst frei zu Halten-
Schlächtern, den 28. April 1930-
Betanntm a chun n.
Seitens der Fischereipächter wird Klage darüber geführt, daß unbefugter Weise Enten in das Fischwasser gelassen werden.
Die Besitzer werden dringend ersucht, Vorkehrungen zu treffen, daß die Enten aus dem Fischwasser ferngehalten werden. Zuwiderhandlungen werden bestraft-
LchlUchtern, den 28. April 1930-
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen-
Berlin, 30. April. Zu der 9tad) richt, Graf Westarp beab- j cmige lein Mandat niederzulegen, hat sich Graf Westarp, wie n „Kreuzzeitung" mitteilt, noch nicht geäußert. Wie sie zu wissen glaubt, ist er entschlossen, auf seinem Posten zu ver- yi rren, solange es ihm möglich ist, im Sinne einer Politik zu mAuffassung entspricht. Zu der weiteren durch me Presse gehenden Nachricht, daß am Donnerstag die deutsch- »anonalen Fraktionsmitglieder, die den Steuergesetzen zu- h^n, zu einer Vorbesprechung geladen sind," schreibt Blatt weiter, dies möge zutreffend sein, sei aber keine die eine Indiskretion wert gewesen wäre. Vor- Ldrechungen dieser Art zwischen Fraktionsmitgliedern hätten häufiger stattgefunden.
Warschau, 30. April. Am Dienstag kam es nach Meldungen ues „Przeglon Wieczorny" während der Auszahlung von Ar- F"slosenunterstützungen in Lodz zwischen Kommunisten und ^ogialiften zu einem blutigen Zusammenstoß, wobei mehrere arbeiter verletzt mürben. Polizei stellte die Ruhe wieder her. Uu der Spitze der Kommunisten standen zwei kommunistische «imabgeorbnete. Einer von ihnen namens Aarski ist verhaftet worden. Von anderer Seite verlautet, die Polizei hätte in dem Augenblick als die Kommunisten die Internationale anstimm- wn, in die Menge gefeuert, wodurch mehrere Personen teils schwer teils leicht verletzt wurden.
Saabüberfall auf ein Zuweliergefchäfl.
Hamburg, 30. April. Am Dienstag nachniittag kurz vor 16 Uhr betrat ein Mann das in der Großen Theaterstraße 22 gelegene Juweliergeschäft von Teller u. Co. Er verlangte die Vorlegung eines wertvollen Ringes und zog gleich darauf einen Revolver, aus dem er drei Schüsse ab gab. Der Inhaber, der 32jährige Kaufmann Erwin Teller, wurde durch einen Kopfschuß getötet. Der Täter flüchtete unter Mitnahme eines wertvollen Brillantringes, verfolgt von der im Laden anwesenden Frau Peters. Ordnungspolizeibeamte eilten dem Täter nach, der in ein Haus flüchtete. Auf dem Boden versuchte der Verbrecher aus seinem Trommelrevolver noch zwei Schüsse abzu- geben, doch versagte die Waffe.
In höchster Notwehr gab die Polizei mehrere Schüsse ab, wodurch der Räuber so schwer verletzt wurde, daß er bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Es handelt sich um den am 9. April 1902 in Hamburg geborenen, ledigen Steward Ernst Kappelhoff. Der von ihm benutzte Revolver war mit fünf Patronen geladen gewesen. Auf das gleiche Juweliergeschäft wurde bereits am 8. März d. I. ein Raubüberfall verübt, wobei der damalige Inhaber Neuner erschossen worden war. Auf der Flucht hatte sich der Räuber, als er sah, daß ein Entkommen unmöglich war, dann selbst durch einen Schuß in den Kopf getötet.
Mädchenhandel nach Südamerika.
Berlin, 30. April. Der „Lokanlanzeiger" gibt aufsehenerregende Mitteilungen eines deutschen Blattes in Südamerika über das Schicksal der zwölf jungen Berlinerinnen, die mit Frau Schmeling nach Südamerika ausgereist sind, um dorl als Tänzerinnen auszutreten, wieder. Danach hat ein Berichterstatter des deutschen Blattes nach der Ankunft in Rio de Janeiro die Truppe ausgesucht. Obwohl ihm eine Unterhaltung mit deu Mädchen von Frau Schmeling nicht gestattet
war. Kat-Mr -dM ein WLckku füllen .sännen, M an Bord gemachten Ausnahmen in die Pension Parisia in Bnenos Aires zu schicken. Diese Pension ist der Treffpunkt der Mädchenhändler aus ganz Argentinien, die für ihre Opfer 3—4000 Pesos zahlen. Von dort werden die Mädchen in das Innere verschleppt.
Frau Schmeling ist tatsächlich am 4. April in Montevideo eingetroffen. Neun von den zwölf Mädchen sollen dort in den dürftigsten Verhältnissen leben und in Animierlokalen übelster Art arbeiten. Ein Mädchen gibt in einem Brief an ihren Bräutigam in Berlin an, daß sie unmöglich berichten könne, wozu die Mädchen durch den Geiz und das Verhalten von Frau Schmeling getrieben würden. Aus anderen Mitteilungen geht hervor, daß sich mehrere Mädchen bereits vergiften wollten. Zwei Mädchen sollen verschwunden sein.
lliefenschwindel mit gestohlenen Autos.
Berlin, 30. April. Wie die „Nachtausgabe" berichtet, ist die Berliner Kriminalpolizei zur Zeit mit der Aufklärung eines Riesenschwindels mit wertvollen Autos beschäftigt, die in Amerika gestohlen und durch eine internationale Diebes- mmbe auf Mische Papiere nach Europa geschmugg. . wurden. Die Diebesbande arbeitete u. a. auch mit einer is jetzt noch nicht ermittelten amerikanischen Versicherungsgesellschaft die Die Autos in Amerika stehlen ließ und dann die Versicherungsbeträge bei einer anderen Versicherungsgesellschaft einkassierte.
Der Anführer der Bande, die zweifellos in New Nork ihren Hauptsitz hat, ist ein Italiener, nach dem hier erfolglos gefahndet wurde. Soweit festgestellt werden konnte, sind aus Amerika im Laufe der letzten drei Monate etwa 40 gestohlene Wagen im Werte von etwa einer Million Mark geschmuggelt worden. Die Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizei erstrecken sich auch nach Hamburg, Bremen, ferner nach Italien, Frankreich und der Schweiz.
Die Brüder Gast gefaßt
WTL. Berlin, 29- 4. Bei einem Einbruch in ein Zigarrengeschäft in der Flemmingstraße 1 wurden heute abend um 22 Uhr Einbrecher überrascht und durch Poli= zeibeamtc bei der Flucht gestellt, stuf der Polizeiwache stellte es sich heraus, daß man die Brüder Franz und -Erich Saß gefaßt hatte. Beide stehen im Verdacht den verwegenen Bankraub am Wittenbergerplatz verübt zu haben.
Warschau, 30. April. Die Agentur „Preß" meldet, daß das Warschauer Regierungskommissariat für die Ermittlung der Bombeuanschläger gegen die sowjetrussische Gesandtschaft eine Belohnung von 5000 Zloty ausgesetzt habe. Mit der Untersuchung ist ein besonderer Ausschuß betraut worden.
— Der Lochumer Verein (vereinigte Stahlwerke) hat beim Demobilmachungskommissar Antrag auf Entlassung von 600 Arbeitern gestellt. Außerdem soll beim Nöhren- walzwerk nur vier Tage in der Woche gearbeitet werden.
Gegen die Erhöhung der Gütertarife.
Eine Eingabe der Wirtschaftsverbände. — Der Tiefstand der Wirtschaftslage verhindert eine Tariferhöhung. — Rationalisierung der Stückguttarife. — Statt Erhöhung werden Sparmaßnahmen gefordert.
Die Wirtschaft erhebt sich.
Die größten und bedeutendsten Wirtschaftsverbände Deutschlands haben in einer Eingabe an den Reichsverkehrsminister nochmals ihre Bedenken gegen ein neues, allgemeines Anziehen der Eisenbahn-Tarifschraube zum Ausdruck gebracht, weil nach der, in den nächsten Tagen ftattfinbenben Sitzung des Reichseisenbahnrates der gutachtlich zur Tariferhöhung Stellung nimmt, voraussichtlich auch bald die Entscheidung der Reichsregierung über die beantragten Tarifmaßnahmen der Reichsbahn fallen wird.
Jede Gütertariferhöhung unerträglich.
In den Ausführungen heißt es u. a., das; jede allgemeine Gütertariferhöhung bei dem gegenwärtigen Tiefstand unserer Wirtschaftslage unerträglich sei. Eine Erhöhung der Wagenladungsfrachten erscheine als durchaus untaugliches Mittel, der Gesellschaft auf die Dauer die gewünschten Mehreinnahmen zu verschaffen, da durch Verkehrsverluste und Verkehrsabwanderungen die Reichsbahn durch eigene Maßnahme ihr Verkehrsvolumen -erheblich verringern würde.
Im Hinblick auf den gewaltigen Fehlbetrag des Stückgutverkehrs und auf die tatsächlich bedrohliche Finanzrage der Reichsbahn erscheine eine zweckmäßige Neuordnung der Stück- gnttarife im Sinne einer Rationalisierung dieser Verkehrsart notwendig. Gegen die Erhöhung und Neuordnung der Normal- wagen-Ladungsklassen müssen dagegen die stärksten Bedenken erhoben werden. Die Gründe, die die Reichsbahn für diese Tarifmaßnahmen anführt, sind nicht stichhaltig.
FrachtvsrfcurtLNg ist Preissteigerung.
Wie jede allgemeine Gütertariferhöhung, würde auch eine alleinige Frachtverteuerung bei minderwertigen Gütern ihre preissteigernden Auswirkungen, in allen Stufen der Weiterverarbeitung bis zur Fertigware zeitigen und daher nichts anderes als eine erneute schwere BelasUmg der deutschen Wirtschaft auf der ganzen Linie darstellen.
Statt Tariferhöhung — Sparmaßnahmen.
Im Hinblick auf den gekennzeichneten, geringen Wirkungsgrad und die wirtschaftliche Unerträglichkeit einer Erhöhung der Wagenladungsfrachten muß die Reichsbahn andere Möglich-
und Zusammenlegungen im Berwaltungsapparat des Unter» nchmens, auf die nötige Verringerunng bezw. Beseitigung der Unrentabilität von Nebenbahnstrecken, auf eine angemessene Abgeltung der Reichsbahnleistungen für die Post- und Zollverwaltung, auf die tunlichst bald zu verwirklichenden Betciligun. gen der Reichsbahn an den finanziellen Erleichterungen des „Neuen Planes" und schließlich aus die gesunde Regelung des Wettbewerbsverhältnisses zwischen Eisenbahn und Kraftwagen.
Deutschland und Seslerreich.
Paris, 30. April. Bundeskanzler Schober, der am Dienstag vormittag Briand aufsuchte, nahm Gelegenheit, den französischen Pressevertretern einige Aufklärungen über di.e Richtlinien der österreichischen Innen- und Außenpolitik und insbesondere das Verhältnis Oesterreichs zu Deutschland näher zu erläutern. Dr. Schober erklärte u. a., daß die Achtung vor den bestehenden Verträgen einer der wesentlichsten Charakterzüge ter österreichischen Außenpolitik sei, deren Grundsatz durch die zentrale, geographische Lage und den großen Friedenswillen des Volkes gegeben sei. Von Frankreich habe Oesterreich stets gern Anregungen entgegengenommen, die darin bestanden hatten, sich 'dem großen europäischen Staatenbund anzuschließen. Im Schoße des Völkerbundes sei Oesterreich stets ein aufrichtiger Mitarbeiter gewesen.
Auf der anderen Seite haben wir, so betonte der Bundeskanzler, stets aufrichtig den sehr natürlichen Standpunkt vertreten, daß wir in der Verfolgung unserer Außenpolitik im Rahmen Europas einen besonderen Platz den herzlichen Beziehungen zu Deutschland einräumcu mußten, mit dem wir durch die Sprache, die Kultur und die Zivilisation eng verbunden sind. Dies dürfe nicht mißverstanden werden. Das deutsch-österreichische Verhältnis könne in die Worte gekleidet werden: Eine Nation und zwei Staaten.
Dir badische Minister des Innern yat aus Anlaß der nationalsozialistischen Ausschreitungen in Durlach am 27. 4- in ganz Laden alle öffentlichen Kundgebungen, stuf» züge, Umzüge, Durchmärsche und Versammlungen unter freiem Himmel oder in geschlossenen Räumen verboten, an denen sich Mitglieder aus badischen nationalsozialistischen Organisationen in Uniform beteiligen.