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Ar. 48 Dienstag, den 22. April 1930 82. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Kreisausschuß.

I.-Nr. 2066 K- A. Am Sonnabenö, den 26. April 1 9 30, vormittags von 10 Uhr ab findet nZchlüchtern an der Dreschhalle eine

Körung der Rlhlegenböcke

satt. 1

Zu dieser sind sämtliche bereits gekörten (alten) Zie- enböcke, deren erneute Anhörung gewünscht wird, vorzu- ühren. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dafür zu orgen, daß die alten (gehörten) Böcke der Gemeinden vollzählig zur Vorführung gelangen.

Die Körung für Iungziegenbö ck e findet wie all- ährlich auch in diesem Iahre im Monat September statt. )ie frühere Abhaltung der Körung für Altböcke soll )en Zweck haben, eine unnötige Haltung der Böcke bis ,um Herbst im Falle der Abhörung zu vermeiden. Bei der jäter stattfindenden Sung-Ziegenbockkörung können Alt* ö&e nicht zur Vorführung gelangen. Es ist deshalb un- ^dingt notwendig, daß bei der Körung am 26. d. Mts. amtliche Alt-Böcke, deren erneute Anhörung gewünscht airb, vorgeführt werden.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf die vorstehende lekanntmachung in ortsüblicher Weise in ihren Gemein­en aufmerksam zu machen.

Zchlüchtern, den 7. April 1930.

Der Landrat: Dr. Müller.

Anfälle vor und während der Feiertage.

Frankfurt a. M-, 21. 4. Ein schwerer Unfall er- nete sich Samstag vormittag am Garküchenplatz. Ein ^Kohlen MLenetzLLLt'it^ z;ssx drei ffxifeay&^ tr Hahrgasse nach dem Garküchenplatz ein, wobei eine Frau on dem Motorwagen erfaßt und tu Boden geschleudert »irde. Sie erlitt dabei so schwere Verletzungen am Kopf nd Quetschungen der Brust, daß sie auf dem Transport 16 Krankenhaus verstarb.

Ein weiterer Unfall ereignete sich am 1. Ofterfeiertag an er Untermainbrücke. Ein von der Brücke kommendes Per- «nenauto wollte nocy vor den aus derselben Richtung kom- unden Straßenbahnzug der Linie 16 die rechte Straßenseite kwinnen, wurde aber von dem Straßenbahnzug erfaßt und >e zur Ecke Alte Mainzergaste geschleift, wobei der Kraft­wagen vollständig in Trümmer ging. Der Straßenbahn- ihrer erlitt einen Nervenchock. Die drei Insassen des Au- >8 wurden schwer verletzt nach dem Städtischen Kranken­aus verbracht.

Die Einwanderung nach A. G. A. lufhebung der nationalen Abstammungsbestimmung.

VTV. Washington, 21. 4. Der Senat nahm mit 39 MN 34 Stimmen einen Zusatzantrag des republikanischen »enators Norbeck zur Einwanderungsvorlage an, der die latimale Abftammungsbestimmung zur Beschränkung der Einwanderung aufhebt. Der Zusatzantrag verringert zwar jährliche Einwanderung aus den europäischen Ländern F 150 auf 120 000, sieht jedoch die alte Quotenbafis Deutschland und Zkandinavien erhalten dadurch einen leeren Prozentsatz an der Gesamteinwanderung. präsi- >«nt Hoover hatte die Aufhebung der nationalen Abstam- Mngsbestimmung empfohlen.

~ Die 100 Opfer der furchtbaren Birchenbrandkatastro- von Tostesti sind am Ostermontag beigesetzt worden, lieber 10 000 Personen wohnten der Trauerfeier bei.

Zwischen Bukarest und Tonstanza ist ein Personenzug W einer Bangierlokomotive zusammengestohen. Eine Per­son wurde getötet, 16 verletzt, darunter 5 schwer.

. ~ Während einer Vergnügungsfahrt auf dem Bil ist vollbesetztes Segelboot an der Basr-el-Bil-Brücks ge- "'tert. Etwa 20 Personen sind ertrunken.

Zwischen der Bennbahn Buhleben und dem Braft- ?. Unterspree bei Berlin ist am Bonnabend die von Ein- aufen zurückkehrende Frau eines Angestellten des Kraft* wsDon einem Badfahrer überfallen und ermordet wor- kie Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von 0 Wark ausgesetzt worden.

. ' Ein^ Taifun hat 14 Ortschaften der Philippinen,nsel ^re heimgesucht. Zwei Ortschaften wurden vollkommen dichtet. Die Zahl der Toten und verletzten ist noch unbe- "vt, doch rechnet man mit einigen Hundert.

- " Dei einer Feuersbrunst, von der das Zuchthaus des ni^/m ®$0 heimgesucht wurde, kamen, wie aus Tolum- 8 (®bio) gemeldet wird, nach amtlichen Lchähungen we- ^wns 300 Personen, und zwar meist Sträflinge, ums

Unruhen in Leipzig.

Blutige Ostern.

Leipzig, 22. April.

Mr die Osterfeiertiage war in Leipzig eine Reichstagung her kommunistischen Jugend veranstaltet worden. Dabei gab es verschiedene Ausschreitungen. An der Tagung beteiligten sich rund 15 000 Personen. Dabei bewegten sich mehrere Züge der Teilnehmer durch die Stadt, die zum Teil Plakate mit auf­reizenden Inschriften trugen. Mehrere davon wurden von der Polizei beschlagnahmt. Mh.'md es bei den Umzügen ver­hältnismäßig geordnet $ugü*j, kam es bei der Kundgebung auf dem Augustusplatz zu schweren Ausschreitungen. Im Grim- maischen Steinweg hatten Kundgeber versucht, ein Auto auf* zuhalten und umzustürzen. Während es den einschreitenden Polizeibeamten gelang, dem Auto die Durchfahrt zu ermög­lichen, wurden sie selbst von den Nachdrängenden angegriffen und mit Latten und Fahnenstangen geschlagen. Die Beamten suchten mit ihren Schußwaffen und Gummiknüppeln sich der Angreifer zu erwehren.

Dabei wurde Polizeihauptmannn Galt so durch Schlägt und Stiche verletzt, daß er tot zusammenbrach. Der Polizei- oberwachtmcister Kappe ist einige Stunden nach dem Vorfall seinen schweren Hieb- und Stichverletzungen erlegen. Ein weiterer Beamter schwebt noch in Todesgefahr.

Drei Beamte wurden zum Teil erheblich verletzt. In schwerster Notwehr sind einige Schüsse von den Beamten ab­gegeben worden. E i n er d e r U n r uh e st i f t e r hat einen tödlichen Schuß erhalten, vier wettere sind verletzt worden. Beim Abmarsch ist es zu weiteren Zwischenfällen nicht mehr gekommen. Der Polizeipräsident hat mit Rücksicht auf diese Vorkommnisse die für Montag nach­mittag angesetzten Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen und Straßen verboten.

Auch der Ostermontag ist in Leipzig trotz des Verbotes der geplanten kommunistischen Kundgebungen nicht r^sig »erlaufen. Die Polizeibeamten, die in der Nacht zum Ostermontag kaum zur Ruhe gekommen waren, wurden aus allen Teilen der Stadt ein über das audere Mal alarmiert. Um 8 Uhr sind Beamte von tommunistischer Jugend mit Rotfrontrufen verhöhnt wor­den, so daß mehrere Awangsgestcllungcn nötig waren. Einer der festgenommenen Jungkommunisten riß aus und flüchtete in einen Keller. Als ein Beamter ihm dorthin folgte, ging der Jungkommunist gegen den Beamten tätlich vor, so daß dieser von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Der Kommunist wurde durch Lungenschuß verletzt.

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Auf dem Weg zum Reichsjugendtressen in Leipzig stürzte in der Nähe von Buttlar in der Umgegend von Fulda ein mit zwanzig jungen Kommunisten besetzter Wagen in einer Kurve um und fiel die Böschung hinab. Fünf Insassen wurden schwer, fünfzehn leichter verletzt.

Um die Sozialversicherung in Frankreich.

Auseinandersetzungen im Parlament.

Die französische Abgeordnetenkammer setzte in ihrer letzten Sitzung die Beratung über die Sozialversicherung fort, die zu­sammen mit der Steuerermäßigung noch vor den Ferien end­gültig verabschiedet werden soll. Von verschiedenen Seiten wurde auf die Gefahr hingewiesen, die die Einführung der Sozialversicherung in bezug auf die Wirtschaftslage Frankreichs haben kann. Insbesondere wird eine allgemeine Preissteigerung befürchtet. Die Ausdehnung der Sozialversicherung auf die Landarbeiter wurde ebenfalls stark bekämpft, da von 300 000 nur 30 000 Franzosen seien. Ministerpräsident Tardicu erklärte, daß die Gerichte bereits angewiesen worden seien, mit aller Schärfe gegen solche Kaufleute vorzugehen, die die Sozialver­sicherung als Vorwand zu Preissteigercien benutzen sollten.

Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde ein Antrag des linksrepublikanischen Abgeordneten Blonde! angenommen, wo­nach alle französischen Staatsbürger von 16 Jahren bis 60 Jahren versichcrungspflichtig sind, falls sie nicht bereits in einer anderen Versicherung sind, die einen gleichwertigen Vor­teil bietet, und soweit ihr Einkommen 25 000 Franken im Jahre nicht überschreitet. Der Jahresbeitrag wurde auf 150 Franken festgesetzt.

An Pilzvergiftung erkrankt.

Mainz, 22. April. Eine französische Offiziersfamilie hatte in den Waldungen der Unigegend von Mainz Pilze gesammelt. Nach dem Genuß der Pilze stellten sich schwere Bcrgiftnngser- scheinnngen ein. Ein Kind ist bereits gestorben, amei Kin­der und die Frau des Offiziers liegen schwer krank darnieder. Man glaubt nicht, das; sie mit dem Leben davonkommen werden.

Blutige Krawalle auch in Prag.

Prag, 22. April. Am Ostersonntag kam es in der Umgebung Prags mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Gendarmerie. In Radtin hatte sich trotz Verbotes eine größere Menge Kommunisten angesammelt, die die Gendarmerie be­drohte. Die Menge, in der viele Frauen und Kinder waren, griff die Gendarmerie mit Steinwürfen an, auch ein Schuß wurde abgegeben. Die Gendarmerieabteilung antwortete mit einer Salve', wodurch fünf Frauen verletzt wurden. Durch her- beigcholte Verstärkung wurde die Menge von der Polizei zer­streut.

Fünf Bergarbeiter schwer verletzt. Durch eine Explosion schlagender Wetter auf der Zeche C h a r b 0 n a g e s d u N 0 r d bei Charleroi wurden fünf Bergarbeiter schwer verletzt.

Englische Sportslieger in Deutschland.

Weiter nach Friedrichshafen.

Franffurt, 22. April. Die 20 englischen Amateur-Flieger, die am Samstag nachmittag auf ihrem Europaflug in Frankfurt landeten und ursprünglich die Absicht hatten, dem Segelflieger« läget auf der Wasserkuppe einen kurzen Besuch abzustatten, sind am Ostersonntag vormittag zum Weiterflug nach Friedrichshafen gestartet. Da die Wafferkuppe in dichten Nebel gehüllt war, und der Flug in die Rhön, ebenso wie die Landung auf der Wasser- kuppe für die mit den Verhältnissen nicht vertrauten Engländer gefährlich geworden wäre, hat man schweren Herzens davon Ab- stand genommen, das Fliegerlager zu besuchen.

Am Ostersonntag trafen die englischen Sportflieger auf ihrem Europaflug gegen 16 Uhr mit 16 Sportflugzeilgen auf dem Flugplatz Löwenthal bei Friedrichshafen ein. Ujm 19 Uhr gab der Luftschiffbau Zeppelin zu Ehren der englischen Gäste an Bord des LuftschiffesGraf Zeppelin* ein Essen.

M, Ostermontagvormittag trafen zwei weitere Sportflsg- jeage von Frankfurt a. M. kommend auf dem Flughafen Löwen« chal ein. Von den Sonntag eingetroffenen 16 Flugzeugen star­teten Montagvormittag bei schönem Wetter in Gegenwatt einer größeren Zuschauerenge eines nach Salzburg, eines nach Dijon und am Nachmittag sieben nach München.

Graf Zeppelins" Englandslug.

lMtenfahrt an den Rhein.

Friedrichshafen, 22. April. Wie Kapitän Lehmann mitteilte, ist der Start desGraf Zeppelin" zu der geplanten Fahrt nach England auf nächsten Samstag sieden Uhr festgesetzt. Da die englische Regierung der Werftleitung in Friedrichshafen die Er­laubnis erteilt hat, auf dem Flugplatz Dardington, nördlich von London, zu landen, wirdGraf Zeppelin", vorausgesetzt, daß die Wetterverhältnisse es gestatten, dort eine Zwischenlandung vornehmen. Dr. Eckener, der zur gleichen Zeit von Amerika kommend, in London eintrifft, wird voraussichtlich mit dem LMMff MchLrichMMsen^ Fahrt geht vor­aussichtlich über BaselBesan^on und von dopt in der Luftlinie nach London.

Der Start zur Blütefahrt an den Rhein ist nun endgültig auf den Menstag festgesetzt. Das Luftschiff wird voraussichtlich bei gutem Wetter in Bonn auf dem Flugplatz Hangclar zur Aus­setzung von Passagieren und Post eine kurze Notlandung vor­nehmen. Eine genaue Fahrttinie läßt sich infolge des unbe­ständigen Wetters nicht festlegen.

Großer fiirdjenbtanö in Rumänien.

Ueber 100 Todesopfer.

In der Gemeinde K 0 s i e st i im Bezirk Arges in Rumä­nien ereignete sich ein Brandunglück, bei dem über 100 Per­sonen ums Leben kamen und 40 schwer verletzt wurden.

Zum Gottesdienst hatte sich in der Kirche eine große Men­schenmenge versammelt. Plötzlich fing einer der aus künstlichen Blumen bestehenden Kränze an einer Kerze Feuer und in eini­gen Sekunden brannten alle Kränze lichterloh. Das Feuer griff mit rasender Geschwindigkeit um sich und erfaßte das Gebälk der Kirche. Nach kurzer Zeit stürzte mit fürchterlichem Getöse der Dachstuhl ein. Unter den Kirchenbesuchern entstand bei Ausbruch des Brandes ein fürchterlicher Schrecken.

Alle Anwesenden drängten dem einzigen Ausgang der Kirche zu, wo sich die Menge staute. Glücklicherweise waren infolge des Brandes einige Risse in der Kirchenmauer entstanden, durch die ein Teil der Leute flüchten konnte. Nur drei Personen blieben bei dem Brande unverletzt.

Eine Braunkohlengrube durch Wassereinbruch stillgelegt.

Görlitz, 22. April. Durch einen gewaltigen Wasiereinbruch ist die Braunkohlengrube Werningboff derEintracht-Braun- kohlengrube" im Kreise Hoyerswerda vollkommen unter Wasser gesetzt worden. Der Betrieb der Grube ist voraussichtlich aus längere Zeit unterbrochen.

Tätlicher Autounfall.

Hanau, 22. April. Am ersten Ofterfeiertag ist in der Nähe des hiesigen Ostbahnhofs beim Nehmen einer scharfen Kurve ein Auto in'eine Gruppe sich auf dem Heimweg befindlicher Fami­lien hineingefahren. An einer steilen Stelle stürzte der Wagen dann die Böschung hinab und riß mehrere Personen mit. Ein achtjähriges Mädchen namens Sauer, erlitt hierbei so schwere Verletzungen, daß es alsbald starb. Fünf erwachsene Personen mußten dem Landkrankenhaus zugeführt werden.

Zwei Todesopfer-

Mainz, 22. April. Das schwere Autounglück, das sich vor einigen Tagen auf der Landstraße MainzBingen bei Gauls­heim zutrug, hat nun zwei Todesopfer gefordert. Von den ver- letzten Personen ist die 37 Jahre alte Ehefrau Anna Veitheim im Binger Heiliggeist-Hospital ihren schweren Verletzungen er­legen. In der folgenden Nacht starb auch ihr Mann Karl

Die Londoner Flottenkonferenz.

London, 22. April. Amtlich wird bekanntgegeben, daß die Schlußsitzuna der Flotteiikonferenz endgültig am Dienstag vor­mittag um 10.30 Uhr im St. Jamespalast stattfindet. Der französische Außenminister Briand ist am Montag abend wie­der in London eingetroffen.